Zachariah steht unter Strom: Das SciFi-Rollenspiel The Technomancer im Test

Zusammen mit Titelheld Zachariah erforschen wir den Mars. Im Test klären wir, ob sich die Reise auf den roten Planeten lohnt.

  • von Patricia Geiger am 15.07.2016, 11:55 Uhr

Die Menschheit hat den Mars kolonialisiert, dann brach der Kontakt ab und die Menschen haben sich auf dem roten Planeten beim Kampf ums kostbare Wasser die Köpfe eingeschlagen: Das Science-Fiction-Rollenspiel The Technomancer zeichnet ein nicht gerade rosiges Bild von der nahen Zukunft auf dem roten Planeten.

Gute Englischkenntnisse sind übrigens beim Ausflug auf den Mars von Vorteil: Das Rollenspiel gibt es nur mit englischer Sprachausgabe. Deutsche Untertitel sind zwar vorhanden, diese lassen jedoch an einigen Stellen ziemlich zu wünschen übrig. Die Menüs sind jedoch auch alle komplett in deutscher Sprache verfügbar.

Story & Missionen

Die Bewohner der Marskolonie haben sich in überdachten Städten verschanzt, weil die Sonneneinstrahlung die Menschen dort mutieren lässt – wenn sie sie nicht schon direkt zu einem Häufchen Asche verbrennt. Die Städte werden von Konzernen beherrscht, die das Wasser kontrollieren – die wichtigste Ressource auf dem Planeten. Korruption, Kriminalität und Machtkämpfe stehen in dieser Gesellschaft an der Tagesordnung.

In dieser Welt schlüpfen wir in die Rolle von Zachariah »Zach« Mancer, einem Technomancer. Die Technomancer unterscheiden sich in ihren Fähigkeiten von normalen Menschen: Durch ihre Körper und Gehirne fließt mehr Strom, was ihnen besondere Fähigkeiten verleiht. Zach steht kurz davor, vom Kadetten zu einem vollwertigen Technomancer zu werden. Dabei erfährt er das große Geheimnis der Technomancer, das es unter allen Umständen zu wahren gilt – und das der Militärführer Viktor Watcher unbedingt zu Tage fördern möchte, um die Technomancer zu beseitigen.

Eine Verschwörung gegen die Technomancer zwingt Zach und seine Verbündeten zur Flucht aus ihrer Heimatstadt Ophir. Anschließend kämpfen die Geflüchteten nicht nur ums Überleben, sondern auch darum, Watchers Regime zu stürzen, das die Kontrolle in Ophir an sich gerissen hat. Abgesehen davon muss sich Zach auch noch mit den Mutanten auseinandersetzen, die genug davon haben, als Sklaven für die normalen Menschen zu dienen. Und als hätte er damit noch nicht genug zu tun, schwebt über all dem noch die Aufgabe aller Technomancer: Endlich wieder den Kontakt zur Erde herzustellen.

Neben den großen Hauptmissionen bietet das Rollenspiel auch noch eine Menge kleine Nebenmissionen – und die sind erfreulich abwechslungsreich. Das einzige Manko: Wegen der begrenzten Anzahl von Umgebungen laufen wir immer wieder durch die kleinen Straßen und werden quer durch die Stadt gejagt, nur um dann im nächsten Schritt doch wieder ans andere Ende zu müssen. Meistens gehören die Missionsgeber zu einer der Fraktionen im Spiel. Erfüllen wir sie zur Zufriedenheit, steigt auch das Ansehen von Zach und die spätere Kooperationsbereitschaft seines Gegenübers. Die großen Auswirkungen, die die Entwickler durch moralische Entscheidungen versprochen haben, machen sich im Spiel selbst allerdings nicht allzu deutlich bemerkbar.

Fertigkeiten

The Technomancer bietet gleich drei unterschiedliche Arten, wie Zach im Lauf des Spiels mächtiger wird. Zum einen gibt es sechs Talentbäume: Charisma, Wissenschaft, Herstellen, Tarnung, Fallen & Schlösser sowie Erkundung. Sie erlauben Zugriff auf neue Fähigkeiten (z.B. Schlösser knacken) oder geben Boni, wodurch die Erfolgschancen in Dialogen steigen.

Außerdem gibt es vier Attributbäume: Stärke, Gewandtheit, Kraft und Ausdauer. Hier investierte Punkte erhöhen den Schaden, die Chance auf kritische Treffer oder auch die Widerstandsfähigkeit. Hier legen wir mit den investierten Punkten auch fest, welche Ausrüstung die Charaktere tragen können.

Über einen klassischen Fertigkeitenbaum werten wir schließlich noch unsere Angriffe auf. Hier dürfen wir auch nach jedem Levelaufstieg einen Punkt investieren, in den anderen beiden Bäumen bekommen wir nur alle paar Level einen zusätzlichen Punkt.

Kämpfe und Gameplay

Die Kämpfe in The Technomancer laufen in Echtzeit ab, lassen sich jedoch über ein aktives Pausenmenü anhalten. Dann haben wir die Möglichkeit, unseren Teammitgliedern Anweisungen zu geben sowie Heilung und Boosts anzuwenden.

In den Kämpfen selbst ist eine der wichtigsten Mechaniken das Ausweichen. Selbst gegen Ende des Spiels verträgt Zachariah nur wenige Treffer, bevor er zu Boden geht, weshalb die Ausweichtaste schnell unser bester Freund wird. Ab und an kämpfen wird nicht nur mit den Gegnern, sondern auch mit den teils etwas ruckartigen Bewegungen unseres Helden sowie mit der Kamera. Doch die Probleme sind nie so gravierend, dass sie den Spielfluss nachhaltig stören würden.

Angenehm überraschend ist, dass wir uns nicht zu Spielbeginn für einen Kampfstil entscheiden müssen. Wir können ständig wechseln, ob wir lieber im Nahkampf oder im Fernkampf agieren möchten. Entsprechend ändert sich auch die Kampfhaltung inklusive Bewegungen sowie die Waffenauswahl. Zach zieht entweder mit einem Stab, mit Klinge und Pistole oder mit Schild und Knüppel in die Schlacht.

Wenn wir außerhalb von Kämpfen durch die Städte laufen, müssen wir bei Zachariah einen etwas längeren Bremsweg einrechnen. Das ist anfangs etwas nervig, doch man gewöhnt sich mit der Zeit daran. Was uns ebenfalls das Leben etwas schwerer macht ist die Tatsache, dass wir keine Wegpunkte setzen können. Gerade zu Spielbeginn wirkt die Stadt Ophir wie ein Labyrinth – und da hilft es nur mäßig, dass wir per Knopfdruck die unmittelbare Umgebungskarte öffnen können.

Fazit

Wer The Technomancer spielen möchte, darf kein AAA-Rollenspiel erwarten – doch das muss auch nicht immer sein, denn beim Test hatten wir trotz kleiner Schwächen eine Menge Spaß bei unserem Ausflug auf den Mars. The Technomancer bietet abwechslungsreiche Umgebungen in einem unverbrauchten Setting und eine Story, die zum Ende hin richtig Fahrt aufnimmt. Wer über die kleinen Makel hinwegsehen kann, wird es nicht bereuen, sich mit Zachariah auf die Reise zu begeben.

Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.