Watch Dogs 2 im Test: Sensible Daten und bunte Klamotten

Nach dem düsteren Auftakt in Chicago meldet sich Watch Dogs in einem jugendlicheren Gewand zurück. In Teil 2 wird aus einem Thriller wird ein bunter Spielplatz voller Möglichkeiten.

  • von Michael Krüger am 22.11.2016, 9:35 Uhr

In Watch Dogs 2 schlüpft ihr in die Rolle von Marcus Holloway. Dieser muss bereits zu Beginn des Spiels feststellen, dass seine persönlichen Daten fälschlicherweise durch Straftaten ergänzt wurden. Doch glücklicherweise kann der junge Hacker seine Daten löschen und gleichzeitig die Hacker-Gruppe DedSec auf sich aufmerksam machen.

Drahtloses Leben – Zu welchem Preis?

Wie bereits im Vorgänger, treibt auch in Watch Dogs 2 das Unternehmen Blume Industries sein Unwesen. Die Vernetzungssoftware ctOS ist mittlerweile in der Version 2.0 verfügbar und sorgt dafür, dass San Francisco komplett überwacht wird. Schlimmer noch: Die Daten der Bürger werden fein säuberlich gesammelt und an den Höchstbietenden verkauft. Dieses Schindluder möchte DedSec nun aufdecken und dadurch die Bevölkerung wachrütteln.

Um eine Portion Spaß in die Aufklärungsarbeit zu bringen, erzählt ihr den Bürgern nicht einfach nur die Wahrheit, sondern sorgt durch auffällige Aktionen für Follower, während ihr öffentlich das Treiben des bösen Konzerns bloßstellt. Wie die Hacker-Gruppe selbst sind auch ihre Aktionen: Laut, bunt und überdreht. Der jugendliche Leichtsinn wird vermutlich nicht jeden Geschmack treffen. Könnt ihr über pubertäre Hipster zumindest lachen, werdet ihr euch daran vermutlich nicht stören.

Ein kunterbunter Spielplatz

Die Bandbreite an Aktivitäten in Watch Dogs 2 ist groß. Während die Hauptmissionen euch hauptsächlich in feindliche Gebiete schicken, um dort Daten zu klauen oder Viren zu installieren, gibt es auch Ausnahmen wie den Diebstahl eines besonderen Autos oder die Befreiung einer Geisel. Nebenmissionen und -aufgaben bringen euch hoch auf die Dächer der Stadt, wo ihr DedSec-Graffitis anbringt. Unten am Boden finden unter anderem spannende Rennen statt – wahlweise auch mit GoKart oder Flugdrohne.

Eines der Hauptmerkmale von Watch Dogs 2 ist die Fähigkeit, eure Umgebung zu hacken. Je länger ihr spielt, umso vielseitiger werden eure Möglichkeiten. Bald stehen euch fernsteuerbare Autos, Quadrocopter oder selbst gebastelte Sprengsätze zur Verfügung. Gebäude erklimmt ihr mithilfe von Hebebühnen oder Fensterputz-Aufzügen. Dank eurer Hacker-Sicht findet ihr immer wieder Türen und Schlupfwinkel, die euch neue Wege eröffnen. Kommt es hart auf hart, stehen euch tödliche wie lebensschonende Waffen zur Verfügung.

Da sieht der Vorgänger blass aus

Gestalterisch kann Watch Dogs 2 definitiv punkten. Die Umsetzung der Stadt San Francisco und des Silicon Valley ist äußerst gelungen und abwechslungsreich. Hier pulsiert das Leben, und das könnt ihr deutlich spüren. Liebäugelt ihr mit der Konsolenversion, solltet ihr wissen, dass die Darstellung auf der PS4 Pro am besten gelungen ist. Hier ist das Bild schön scharf und flüssig. Auf der Xbox One und PS4 habt ihr hingegen hin und wieder fransige Kanten und Einbrüche der Bildrate. Diese stören das Spielerlebnis allerdings kaum.

Auf akustischer Seite sieht es nicht ganz so unbeschwert aus. Zwar punktet Watch Dogs 2 mit einem fetten Soundtrack und einer gelungenen deutschen Vertonung, doch werdet ihr immer wieder Geräusche hören, die euch aus dem Spiel reißen. So pfeifen manche Autos lautstark und übertönen damit beinahe vollständig den Sound des Motors. Und manche Waffen klingen arg leise und schwach. 

Fazit

Rein spielerisch ist Watch Dogs 2 eine gelungene Fortsetzung. Neue Fähigkeiten und Aktivitäten sorgen für genau die Abwechslung, die dem ersten Teil gefehlt hat. Gleichzeitig steht euch eine reichhaltige und schillernde Welt zur Verfügung, die geradezu darauf wartet, von euch erkundet zu werden. Die Protagonisten sind dagegen sicher nicht jedermanns Geschmack. Sie benehmen sich häufig albern und treffen gerne fragwürdige Entscheidungen. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt in Watch Dogs 2 Action und Open World satt.

Für Fans von:

  • Open World-Spielen
  • Schleichen, Action und Gadgets
  • cool-bunter Hipster-Kultur 
Michael Krüger
Michael Krüger