Warum Outlast das bessere Resident Evil ist

Outlast oder Resident Evil 7? Falls ihr wissen möchtet, welches Spiel mehr Horror-Atmosphäre bietet, findet ihr in diesem Meinungsartikel die Antwort.

  • von Constanze Thiel am 21.04.2017, 18:06 Uhr

Ihr seid gefangen. In einem großen Anwesen bahnt ihr euch Wege durch verwinkelte Gänge. Immer mit der Angst im Nacken, dass sich gleich eine unheimliche Kreatur wieder an eure Fersen heftet. Outlast und Resident Evil 7: biohazard lassen sich – zumindest streckenweise – mit diesen Worten beschreiben. Doch trotz Parallelen zwischen den beiden Spielen steht für mich ganz klar ein Favorit fest.

Der direkte Vergleich: Outlast vs. Resident Evil

»Was soll ich spielen, Outlast 2 oder Resident Evil 7?« Falls ihr euch vor dem bald anstehenden Release von Outlast 2 genau diese Frage gestellt habt und euch einfach nicht entscheiden könnt, erkläre ich euch im Anschluss weshalb Outlast sich mehr lohnt, weil es für mich das bessere Resident Evil ist.

Achtung! Es folgen Spoiler zu Outlast sowie Resident Evil 7.

Resident Evil 7 erhielt – auch in meinem Test – viel Lob dafür, dass es ein gelungener Horrortrip zurück zu den Wurzeln der Spiele-Reihe ist. Durch Rückbesinnung auf Gruselatmosphäre statt Action-Spektakel, die erstmals verwendete Ego-Perspektive und das Item-Management hält das Spiel eine beeindruckende Balance. Resident Evil 7 bringt frischen Wind in das Franchise, begeistert Langzeit-Fans und gewinnt zugleich neue Spieler für sich. Dieses Ziel erreichte der Survival-Horror-Titel durch die Mischung der Stärken älterer Ableger mischen sich darin mit einer Story rund um völlig neue Charaktere.

Bei Outlast, dessen Erscheinungsdatum im Jahr 2013 liegt, handelt es sich um keine seit Langem laufende Reihe mit unzähligen Ablegern. Trotzdem sind sich die beiden Spiele in vielen Punkten ähnlich. Elemente aus Splatter und Gore sorgen für hohen Ekelfaktor. Die jeweilige Handlung erlebt ihr aus der Ego-Perspektive eines Charakters, der solchen Situationen nicht gewachsen ist. Item-Management stellt ebenfalls einen zentralen Bestandteil der Spielmechaniken dar.

Der Newcomer Outlast und der damit in Verbindung stehende »Whistleblower«-DLC vom Entwicklerstudio Red Barrels rief dennoch – zumindest bei mir – deutlich mehr Angstgefühl und Panik hervor als Resident Evil 7.

Blut, große Scheren & Kettensägen

Beide Horror-Titel haben, aus guten Gründen, eine Altersfreigabe ab 18 Jahren. Sowohl in Outlast als auch in Resident Evil geht es gewaltig zur Sache. Richard Trager schneidet Hauptfigur Miles Upshur in ersterem Spiel mithilfe einer großen Schere zwei Finger ab. Im dazugehörigen »Whistleblower«-DLC wird Waylon Park Zeuge von Eddie Gluskins Versuchen, Geschlechtsveränderungen an Männern vorzunehmen.

Protagonist Ethan Winters verletzt Jack Baker bei einem Kampf in Resident Evil 7 hingegen beispielsweise so sehr, dass von ihm am Ende nur noch ein Klumpen Fleisch übrig ist. Allgemein ist der Gewaltgrad in diesem Spiel (absurd) hoch und stellt den von Outlast und seinem DLC deutlich in den Schatten. Nichtsdestotrotz nutzt Outlast die im Laufe der Story auf Miles Upshur ausgeübte Gewalt deutlich effektiver, um beim Spieler Unbehagen zu verursachen.

Augen auf, Horrortrip ab!

Dank der First-Person-Perspektive bekommt ihr all das, was Ethan oder Miles widerfährt, unmittelbar mit. Die beiden Männer sind keine Profis wie Geheimagent Leon S. Kennedy aus Resident Evil, für die bedrohliche Feinde Tagesgeschäft sind. Dementsprechend verstört reagieren sie auf die Situationen, in die sie stolpern – egal ob im Mount Massive Asylum oder dem Anwesen der Bakers. Trotzdem unterscheiden sich die Horrorspiele und deren Hauptcharaktere maßgeblich voneinander.

Ethan Winters stehen in Resident Evil 7 Kräuter zur Verfügung, mit deren Hilfe er wirkungsvolle Medizin herstellen und somit seine Wunden heilen kann. Seine zunächst abgetrennte und danach wieder angetackerte Hand ist zwar ein bleibendes Zeichen dafür, dass ihm Schreckliches widerfahren ist. Jedoch ist sie – aus Gründen, auf die ich an dieser Stelle nicht verraten möchte – immer noch vollständig funktionstüchtig.

Auf seinen Erkundungstouren im Zuhause der Bakers zeigt Ethan zwar kurzzeitig Angst, wenn er auf Jack, Marguerite & Co. trifft, doch in der Zwischenzeit bleibt er erstaunlich ruhig dafür, dass er inmitten eines wahr gewordenen Albtraums steckt.

Aus der Perspektive von Miles Upshur seht ihr in Outlast ab einem bestimmten Punkt im Spiel hingegen immer, welche Verletzungen er von einem Zusammentreffen mit Richard Trager davongetragen hat. Legt Miles seine rechte Hand danach beispielsweise an einen Türrahmen, werdet ihr immer wieder daran erinnert, dass ihm zwei Finger fehlen. Abgetrennt wurden sie mit einer Knochenschere. Zugang zu Medizin oder Verbandszeug, das seinen Blutverlust eindämmen könnte, hat Miles im Mount Massive Asylum nicht.

Darüber hinaus zeigt Miles abseits von Szenen, in denen ihm Gewalt zugefügt wird oder er sich unmittelbar in Gefahr befindet, Anzeichen von Angst. Auf der Flucht vor Figuren, die ihm an den Kragen wollen, gibt er Keuchen oder Angstschreie von sich. Diese Anzeichen von Furcht sind in Outlast über weite Strecken präsent und übertragen sich damit viel effektiver auf den Spieler als es bei Resident Evil 7 der Fall ist.

Item-Management auf dem Punkt

Ein weiterer Grund, aus dem bei Outlast – meiner Meinung nach – deutlich mehr Angstschweiß als bei Resident Evil 7 fließt ist, dass Miles keine Waffen zur Verfügung stehen. So kommt ein überwältigendes Gefühl von Hilflosigkeit auf. Wenn Ethan auf einen Feind trifft, zückt er Flammenwerfer oder Kettensäge, dem Protagonisten aus Outlast bleibt hingegen nur die Flucht. Doch auch in diesem Horror-Titel müsst ihr Item-Management betreiben. Es ist lediglich deutlich akzentuierter.

Ein Kernpunkt der Resident-Evil-Reihe stellt das Item-Management dar. Neben haarsträubenden Kämpfen gegen Moulded oder die Bakers, ist es auch in Resident Evil 7 wichtig darauf zu achten, dass ihr genug Platz im Inventar habt. Munition, Waffen oder Kräuter nehmen darin eine bestimmte Anzahl von Plätzen ein.

Outlast reduziert diese Mechanik hingegen auf das Wesentliche, bindet sie passend in die Geschichte ein und übt dadurch außerdem viel gezielter Druck auf den Spieler aus. Hauptcharakter Miles ist im Horrorspiel nicht in der Lage, sich mit Waffen gegen seine Verfolger zu wehren. Ein wertvolles Hilfsmittel steht ihm dennoch zur Verfügung. Als investigativer Journalist, der eigentlich nur ins Mount Massive Asylum eingedrungen ist, um dort Nachforschungen anzustellen, trägt er zwecks Dokumentation eine Handkamera mit Nachtsichtfunktion bei sich.

Um sie zu nutzen, braucht Miles Batterien. Sie sind in der gesamten Spielwelt von Outlast verstreut und ermöglichen euch Orientierung – selbst wenn eure Umgebung in undurchdringliche Dunkelheit getaucht ist. Gewisse Bereiche des Mount Massive Asylum lassen sich übrigens nur so erkunden. Doch die Kamera und ihre Batterien sind nicht nur ein praktisches Hilfsmittel, sie setzen euch gleichzeitig unter Druck.

Zum Beispiel könnt ihr euch nicht ewig vor Angst schlotternd unter einem Bett verstecken und mit der Nachtsichtfunktion herumstreifende Feinde im Blick behalten. Wartet ihr zu lange, geht euch der Saft aus und ihr seid über kurz oder lang aufgeschmissen, bis ihr irgendwo eine Batterie auftreibt. Im Eifer der Flucht können diese Items in Outlast außerdem allzu schnell übersehen werden. Das gestaltet die Situation für Miles und euch noch schwieriger.

Explizite Gewaltdarstellungen, Ego-Perspektive sowie Item-Management sind sowohl Eigenschaften von Resident Evil 7 als auch von Outlast. Allerdings holt der Newcomer aus dem Hause Red Barrels mithilfe einiger Kniffe deutlich mehr aus diesen Voraussetzungen heraus. Durch das Fehlen von Waffen und die von Miles gezeigten Anzeichen von Panik verbreitet Outlast deutlich mehr unheimliche Atmosphäre. Das auf den Kern heruntergebrochene Item-Management lenkt darüber hinaus nicht vom Wesentlichen ab – der Flucht.

Für sie braucht Miles seine schnellen Beine, die Nachtsichtfunktion seiner Kamera sowie die dafür benötigten Batterien. Weil es in den Unterlagen des Mount Massive Asylum nun einmal keine Anleitung zum Bau eines Flammenwerfers gibt.

Ob ihr am Ende Outlast (2) oder Resident Evil 7 favorisiert, hängt selbstverständlich von eurem ganz persönlichen Geschmack ab.

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Constanze Thiel
Constanze Thiel

Winterkind. Superbeast. Lipstick stains & video games. Mother of Xenomorphs. Fährt am Wochenende gerne mit ihren Pokémon raus nach Silent Hill.