Urban Empire im Test: Städtebau trifft auf Politik-Simulator

Stadtregierung anstelle von Stadtaufbau: Urban Empire erschafft aus bewährten Simulations-Elementen ein neues Genre. Politische Debatten und Abstimmungen ersetzen dabei die Planung der Infrastruktur.

  • von Michael Krüger am 24.01.2017, 11:04 Uhr

In Urban Empire schlüpft ihr in die Rolle eines adligen Bürgermeisters aus Österreich. Ihr herrscht über eine Stadt und unternehmt euer Möglichstes, eure Blutlinie für 200 Jahre in dieser Position zu halten. Die Unterschiede zwischen den vier wählbaren Familien sind politischer Natur, haben allerdings keinen erheblichen Einfluss auf den Verlauf der Kampagne. Die Ereignisse, die mit der Zeit eintreten, sind bei jedem Neustart ebenfalls die gleichen. Das betrifft sowohl familiäre als auch historische und politische Begebenheiten.

Auf diese reagiert ihr entsprechend eures Gutdünken und verändert so eure Beziehung zu den einzelnen Parteien im Stadtrat. Dieser bildet das Herzstück von Urban Empire. Ohne die Zustimmung der Mehrzahl an Mitgliedern sind euch bei der Planung und beim Ausbau eurer Stadt nämlich die Hände gebunden. Anstatt also direkt zu bauen und zu verändern, unterbreitet ihr Vorschläge. Durch Bestechungsversuche oder gezielte Ansprachen beeinflusst ihr vor Abstimmungen die Tendenz einzelner Parteien zu euren Gunsten.

Kardinaltugend der Lokalpolitik: Warten

So richtig viel zu erledigen, gibt es für euch als Bürgermeister eigentlich nicht. Über einen Forschungsbaum, ähnlich dem aus Civilization 6, erforscht ihr Errungenschaften und Entdeckungen. Den Hauptteil eurer Zeit verbringt ihr allerdings mit Warten. Bei der Genre-Zeugung gingen scheinbar ein paar Gene der Kategorie City-Builder verloren. Eine detailliertere Planung eurer Stadt bleibt nämlich aus.

Lediglich der grobe Umriss der Bezirke und die Position von Dienstleistungsgebäuden wie Kliniken, Schulen und Werkstätten könnt ihr selbst bestimmen. Das reduziert eure Tätigkeiten auf einen langsamen Rhythmus aus Besteuerungsanpassungen, Bezirksveränderungen und Abstimmungen. Die bereits erwähnten Entscheidungen aufgrund politischer, historischer und familiärer Ereignisse lockern die daraus resultierende Monotonie glücklicherweise etwas auf. Doch auch sie werden euch nur selten davon abhalten, auf vierfacher Geschwindigkeit zu spielen, um Wartezeiten zu verkürzen.

Zweckdienlich hübsch

Die angestrebte Stimmung von Urban Empire bleibt der Überkategorie Simulation treu und hüllt euch in eine Mischung aus Entspannung und Abenteuerlust. Besonders die orchestralen Musikstücke unterstützen diese Atmosphäre. Während ihr gerade wieder auf ein anstehendes Ereignis wartet, könnt ihr das Wuseln auf den Straßen beobachten. Viel passiert hier allerdings nicht. Trotzdem ist alles hübsch, wenn auch irgendwie zweckmäßig.

Doch besonders tief ins Detail führen euch die Spielmechaniken sowieso nicht. Einzelne Gebäude sind nur dann relevant, wenn sie einem allgemeinen Zweck dienen. Solche Häuser stechen optisch etwas hervor. Auch die Unterteilung eines Bezirks erkennt ihr direkt anhand der Bebauung. Industrielle Viertel sind schmutziger, wirtschaftliche verfügen über höhere Gebäude. Sorgsamkeit und Mühe der Entwickler sind also zu erkennen. Selbiges gilt für die Benutzeroberfläche, die durchaus als elegant bezeichnet werden kann.

Fazit

Bei Urban Empire drängt sich immer wieder ein Umstand auf, der sich erst nach ein paar Stunden im Spiel bemerkbar macht: Bei der Verschiebung des Fokus auf die politischen Aspekte verliert die Simulation eine Menge Details. Oberflächlich funktioniert sie in allen Belangen und bringt interessante Aspekte ins Genre, doch sowohl in puncto Technik als auch seitens der optischen Darstellung bleibt das Spielerlebnis recht oberflächlich. Mögt ihr Management- und Simulationsspiele, werdet ihr sicher ein paar schöne Stunden mit Urban Empire verbringen können. Der Wiederspielwert hält sicher allerdings in Grenzen.

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Michael Krüger
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