Trover Saves The Universe: Durchgeknallter VR-Plattformer im Test

In Trover Saves The Universe verbünden sich ein Außerirdischer mit vier Augen und ein Alien in einem Schwebestuhl, um gemeinsam die Galaxis zu retten. Ob der Klamauk aus der Feder von Rick & Morty Mit-Erfinder Justin Roiland den hohen Erwartungen gerecht wird, verrät unser Test.

  • von Sönke Siemens am 24.07.2019, 14:38 Uhr
Trover Saves The Universe Artwork

Mit Rick & Morty (Kaufen!) erschufen die amerikanischen Drehbuchautoren Dan Harmon und Justin Roiland eine vor allem in den USA viel beachtete Zeichentrickserie für Erwachsene. Owlchemy Labs, die Macher hinter Job Simulator und Vacation Simulator, adaptierten die Franchise für Virtual Reality und landeten mit Rick and Morty: Virtual Rick-ality einen echten Achtungserfolg.

Für Justin Roiland und sein Entwicklungsstudio Squanch Games war dies Grund genug, ein weiteres VR-Spiel auf den Weg zu bringen. Das Ergebnis heißt Trover Saves The Universe und setzt auf den gleichen Vulgär-Humor wie die eingangs erwähnte TV-Serie. Soviel vorweg: Lasst euch nicht von der USK-12-Freigabe täuschen. Die Dialoge gehen zum Teil ordentlich unter die Gürtellinie!

Inhaltsverzeichnis

  1. Trover Saves The Universe beginnt krass
  2. Sitzend das Universum retten
  3. Die Gegner: Dumm wie Brot, aber ziemlich geschwätzig
  4. Knallbunt – trotzdem nichts für Kinder
  5. In knapp zehn Stunden zur Platin-Trophäe
  6. Troves Saves The Universe: VR-Brille nicht zwingend nötig
  7. Unsere Wertung

Trover Saves The Universe beginnt krass

Schon in den ersten fünf Minuten macht Trover Saves The Universe unmissverständlich klar, dass in diesem Erzähluniversum so ziemlich alles möglich ist. Das Abenteuer beginnt auf einer idyllischen Wiese. Zwei knuffige Hunde springen bellend umher, als sich plötzlich alles um sie herum verdunkelt. Sekunden später taucht ein gigantisches, federloses Huhn mit spitzem Schnabel, pechschwarzen Augen und riesigen Pranken auf.

„Oh, da sind sie ja“, brabbelt das Riesenhuhn, schnappt sich die beiden Hunde und drückt sie sich mit voller Wucht in die Augäpfel. Die Welpen winseln erbärmlich, während die Augen der Kreatur zunächst grell aufleuchten und dann wie Wunderkerzen zu brennen beginnen.

Einige Minuten danach wird klar: Das Riesenhuhn heißt Glorkon und hat sich dank der Hunde in ein unberechenbares Monstrum verwandelt, das nun den Frieden im gesamten Universum bedroht. Was all das mit euch zu tun hat? Ganz einfach: Ihr seid der Besitzer der Hunde und könntet für den bereits entstandenen Schaden haftbar gemacht werden. So zumindest verklickert es euch euer Anwalt via Anrufbeantworter in der Tutorial-Sequenz.

Und es wird noch verrückter, zumal kurz darauf ein lila Alien namens Trover in euer Wohnzimmer platzt und euch bittet, ihn zu steuern. Er sei todmüde von der Suche nach dem Hundebesitzer und möchte seinen Boss nicht enttäuschen. Völlig abgedreht! Aber eben auch typisch für den Humor von Justin Roiland. Grund für Trovers Besuch ist wie zu erwarten der bevorstehende Untergang des Universums, den es nun mit allen Mitteln zu verhindern gilt.

Sitzend das Universum retten

Wer schon mal Lucky’s Tale, Moss (Kaufen!) oder Astro Bot (Kaufen!) gespielt hat, wird mit Trover Saves The Universe schnell zurechtkommen. Denn genau wie in den eben genannten VR-Jump’n’Runs steuert ihr die Spielfigur aus der Sicht einer anderen Entität – in diesem Fall die des Hundebesitzers. Der wiederum ist ein sogenannter Stuhltopianer. Also ein Alien, das sein ganzes Leben auf einem schwebenden Stuhl verbringt. Da Stuhltopianer das Laufen wie die Pest hassen, nutzen sie Warp-Knoten, um sich fortzubewegen.

Spielmechanisch ist die Zwei-Heden-Konstellation clever umgesetzt. Während ihr Trover mit dem linken Stick durch die Gegend manövriert, dreht der rechte Stick den Stuhl des Stuhltopianers nach links oder rechts bzw. bewegt ihn nach oben oder unten. Den Aktionstasten hingegen sind verschiedenen Trover-Aktionen zugeordnet. Anfangs kann Trover nur springen und sein Laserschwert zücken, um Gegner anzugreifen. Durch das Aufsammeln sogenannter Powerbabies kommen dann jedoch noch ein Doppelsprung, eine Hechtrolle und ein schwerer Schlag hinzu.

Aber auch euer Stuhltopianer erlernt schon bald neue Tricks. Mit dem Erreichen des zweiten Levels etwa könnt ihr seinen Stuhl wie eine Hebebühne in zwei Stufen nach oben bewegen, um einen besseren Überblick zu erhalten. In der von Riesenpilzen überwucherten Welt Shoormia wiederum schaltet ihr die Möglichkeit frei, Levelobjekte mit einer Art Traktorstrahl umherzubewegen. In der „Fleischwelt“ angekommen, kann der Stuhltopianer bestimmte Gegenstände dann sogar meterweit durchs Level werfen. Letzteres zerstört  zum Beispiel Schlösser oder setzt Gegner außer Gefecht, gegen die Trovers Lichtschwert keine Wirkung zeigt.

Die Gegner: Dumm wie Brot, aber ziemlich geschwätzig

Spielmechanisch sorgen diese und andere Ideen für solide Abwechslung beim Level- und Puzzle-Design. Weniger überzeugend sind die Kämpfe gegen Glorkons allgegenwärtige Gefolgschaft aus Klon-Kriegern. Das Problem: Seine Truppen warten zwar mit unterschiedlichen Einheitentypen auf. Die aber sind allesamt ziemlich dumm und agieren sehr vorhersehbar.

Die blauen Schergen zum Beispiel rennen Trover eigentlich nur planlos hinterher und knüppeln drauflos, sobald man sich in Reichweite befindet. Die roten Gegner verfahren ähnlich, ersetzen den Standardangriff allerdings mit einer Art Dash-Attacke. Selbst die Taktik der dicken Schildkrieger ist schnell durchschaut. Einfach kurz abwarten bis dieser zuschlägt, ausweichen, warten bis er stolpert und dann hinterrücks angreifen.

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Dennoch, was Glorkons Truppen an Grips fehlt, machen sie mit höchst amüsantem Smalltalk wieder wett. In Shroomia zum Beispiel kommentieren zwei Glorkon-Krieger über Minuten hinweg all eure Bemühungen, eine meterhohe Burgmauer zu erklimmen. Egal ob ihr nun den Riesenpilzwald in östlicher Richtung erkundet, im Westen der Karte nach versteckten Power-Ups sucht oder direkt vor dem Haupttor der Festung Blöcke aufstapelt, um eine Treppe zu bauen – die auf der Burg stehenden Klone reden pausenlos weiter und nehmen dabei stets dynamisch Bezug auf eure Handlungen. Herrlich!

Knallbunt – trotzdem nichts für Kinder

Dialog-Beispiele ersparen wir uns an dieser Stelle allerdings, denn der meiste Tratsch ist garantiert nicht jugendfrei. Mit anderen Worten: Fans kriegen genau das, was sie von Justin Roiland gewohnt sind! Zartbesaitete dürfen zu Spielbeginn übrigens eine zensierte Version der Dialoge wählen. Das allseits bekannte englische F***-Wort und andere Schweinereien werden dann in schöner Regelmäßigkeit mit einem Piepton überblendet. Und zwar sowohl akustisch als auch in den Bildschirmtexten.

Stichwort Bildschirmtexte: Diese sind im Deutschen mit viel Herzblut übersetzt. Die Sprachausgabe jedoch gibt’s hier leider nur im englischen Originalton. Schenkt man den Aussagen der Entwickler Glauben, dann wurden für das Spiel mehr als 20 Stunden Sprachausgabe aufgezeichnet. Ziemlich beeindruckend! Vor allem wenn man bedenkt, dass ein Durchlauf in der Regel nur fünf bis sechs Stunden dauert.

In knapp zehn Stunden zur Platin-Trophäe

Doch auch ein zweiter Besuch in den einzelnen Leveln lohnt sich, denn wenn es euch gelingt, alle Powerbabies aufzusammeln, wartet eine ganz besondere Überraschung am Spielende. Selbst Trover nimmt im Spielverlauf auf diese Sammelaufgabe Bezug und verspricht einen echten Knaller, wenn man sie abschließt. Ob er recht behält? Findet es am besten selbst heraus!

Geht ihr den zweiten Spieldurchlauf richtig an und nutzt gezielt die Kapitelauswahl-Funktion, könnt ihr zudem in nicht einmal zehn Stunden alle 24 Trophäen freispielen, viele weitere Lacher genießen und obendrein noch das ein oder andere moralische Dilemma erleben.

VR-Brille nicht zwingend nötig

Trover Saves The Universe kann sowohl ohne als auch mit VR-Brille gespielt werden. Beide Versionen sind inhaltsgleich. Vom Spielgefühl hat jedoch ganz klar die VR-Fassung die Nase vorn. Zum einen, weil viele Gags wunderbar auf das  Medium VR abgestimmt wurden. So werdet ihr beispielsweise gleich mehrfach von bestimmten Spielfiguren zu Upgrade-Zwecken mit Schleim bespuckt. In der regulären Version macht einem das kaum etwas aus. In VR jedoch dreht man den Kopf schon mal ruckartig weg, in der Hoffnung der klebrigen Masse ausweichen zu können.

Hinzu kommt, dass die Kameraführung in VR intuitiver funktioniert, da ihr einfach dorthin schaut, wo etwas passiert und deutlich weniger manuell nachjustieren müsst. Motion Sickness war im Test ebenfalls kein Problem. Hauptgrund hierfür ist die Teleport-Mechanik sowie das Ausbleiben von Sequenzen, bei denen die Kamera wie auf Schienen durchs Level schwebt.

Unsere Wertung

Sönke Siemens

Mein Fazit:

Ihr habt bereits alle drei Staffeln von Rick & Morty verschlungen, liebt Zeichentrickserien wie South Park und Family Guy und mögt morbiden Humor? In diesem Fall solltet ihr euch Trover Saves The Universe auf keinen Fall entgehen lassen! Einfach irre, welches Ulk-Feuerwerk Justin Roiland und sein Team von Squanch Games hier von Anfang bis Ende abfeuern. Dies gilt im Speziellen dann, wenn ihr gut Englisch könnt.

Zwar bietet das Spiel auch deutsche Untertitel. Dort zünden die Witze jedoch nicht immer ganz so gut wie im Originalton. Hinzu kommt: Da in diesem Abenteuer nahezu ständig geplaudert wird, wird man beim Spielen natürlich auch kontinuierlich mit Untertiteln bombardiert. Ständig mitzulesen, während man gleichzeitig Trover und den Stuhltopianer steuert, kann da schon mal zur Herausforderung werden.

Gameplay-technisch macht Trover Saves The Universe seine Sache gut und sorgt für einen schönen Flow. Kommt ihr trotzdem mal nicht weiter, dauert meist nur kurze Zeit bis Trover sachdienliche Hinweise gibt, wie es weitergehen könnte. Die Kämpfe jedoch dürften Genre-Kenner etwas unterfordern.

Ihr werdet dieses Abenteuer lieben wenn…

  • der Humor von Justin Roilands TV-Serie Rick & Morty genau euer Ding ist
  • schon immer mal NPCs begegnen wollten, die schier unendlichen, immer neuen Smalltalk führen
  • nach einem VR-Plattformer sucht, bei dem man in rund zehn Stunden die Platin-Trophäe einheimsen kann

Ihr macht besser einen Bogen um dieses Spiel, wenn…

  • ihr Fäkal- und Vulgär-Humor ganz und gar nichts abgewinnen könnt
  • nicht stundenlang gegen vergleichsweise dumme Gegner kämpfen wollt
  • es euch bei einem Plattformer eher auf spielerische Komplexität ankommt

Trover Saves The Universe für PlayStation VR erhaltet ihr als Download im PSN Store. Die PC-Fassung für Valve Index, Oculus Rift und HTC Vive gibt’s bei Steam.

Getestet auf:  PlayStation VR mit einer PlayStation 4 Pro.

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Sönke Siemens
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