Total War: Warhammer – Fantasy-Kult trifft Strategie-Altmeister

Wenn das mal keine großartige Kombination ist: Ein Flaggschiff des Strategie-Genres trifft auf eine der größten Fantasiewelten der Spielegeschichte. Warhammer passt zu Total War wie ein Wildschwein zu einem Ork-Fest. Wohl bekomm‘s!

  • von Michael Krüger am 09.06.2016, 11:23 Uhr

In den Spielen der Total War-Serie ging es bislang darum, historische Gefechte zu bestreiten. Die Einheiten und Szenarien orientierten sich an bestimmten Episoden der Menschheitsgeschichte, statt in Fantasy-Welten fand sich der Spieler im römischen Reich oder der Ära von Attila dem Hunnenkönig wieder.

In den umfangreichen Kampagnen der Total War-Spiele bestimmt ihr auf einer Übersichtskarte, welche Gebiete eingenommen werden und wie ihr euch für künftige Gefechte aufstellt. Die Kämpfe selbst erlebt ihr hautnah und trefft auch auf dem Schlachtfeld wichtige strategische Entscheidungen. Welcher Einheitentyp nimmt welche Stellung ein? Welches Ziel wird zuerst angegriffen? Der Erfolg der Serie zeigt, dass die Formel gut funktioniert.

Mehr als eine andere Verpackung

Total War: Warhammer greift zwar dieses Spielprinzip auf, doch ihr trefft auf gänzlich neue Elemente und erlebt die Reduzierung mancher, bereits gewohnter Spielmechaniken. 

So profitiert ihr beispielsweise von der Vielzahl an Einheiten. Fliegende Truppen und berittene Wölfe machen sich einfach unglaublich gut auf dem Schlachtfeld und ermöglichen neue Taktiken. Auch haushohe Riesen, die wütend ihre Keulen schwingen, findet ihr sonst nirgends in der Total War-Serie. Die Kehrseite der Medaille ist eine eingeschränkte Auswahl an Formationen. Auch die Taktikeinstellungen für eure Einheiten sind nun deutlich schlanker. Doch beides ist nicht besonders schlimm, da es dem Spielspaß überraschenderweise nicht schadet.

Der Fokus von Total War: Warhammer liegt natürlich auf der Kampagne. Hier stehen euch gleich fünf Fraktionen zur Auswahl. Während sich in den bisherigen Total War-Titeln im Grunde alle spielbaren Seiten mehr oder weniger gleich anfühlten, habt ihr es in der neuen Warhammer-Episode mit komplett unterschiedlichen Ausrichtungen zu tun. 

Spielt ihr beispielsweise das Imperium, verläuft die Kampagne nach klassischem Kriegs-Schema: Ihr baut eure Armee aus, nehmt feindliche Städte ein und erweitert so euren Einfluss sowie eure Macht. Spielt ihr aber beispielsweise als Vampir, gelten ganz andere Regeln. Kämpfe finden des Nachts statt und Festungen werden höchstens in Schutt und Asche gelegt. Orks wiederum konzentrieren sich auf Gebiete und zeichnen sich durch herbe Schlagkraft aus. Durch die große Vielfalt habt ihr bereits beim ersten Durchspielen der Geschichten viel Abwechslung und eine satte Spielzeit.

Gelungene Symbiose

Die Liste der Inhalte, die erstmals in der Serie auftauchen, ist irre lang. Zaubersprüche, Rollenspiel-Elemente, Skilltrees und Technologie-Forschung sind nur ein paar der Elemente, die für das gelungene Gesamtbild verantwortlich sind. 

Doch auch an der Grundmechanik wurde vieles verbessert, einiges davon dürfte auch in den nächsten klassischen Ablegern der Total War-Reihe zu finden sein. So erfuhr die KI eine Generalüberholung und reagiert nun sehr viel taktischer. Die Kämpfe gegen feindliche Truppen sind dadurch bereits auf normalem Schwierigkeitsgrad eine richtige Herausforderung, da eure Gegner sich mit allen Wassern gewaschen haben. Anstatt nur in der Gegend herumzustehen, flankieren sie euch oder locken euch in eine Falle. So machen die gigantischen Schlachten gleich noch einmal so viel Spaß – hier wird euch nichts geschenkt.

Eine weitere tolle Verbesserung sind kürzere Berechnungszeiten gegnerischer Züge auf der Kampagnenkarte sowie eine insgesamt bessere Rechenleistung. Selbst auf einem Mittelklasse-PC bekommt ihr ein hübsches Bild, ohne Einbußen in der Bildwiederholrate in Kauf nehmen zu müssen.

Fazit

Total War: Warhammer hat sicher seine Schwächen. Der Einstieg für Neulinge ist holprig und selbst nach einigen Spielstunden könnt ihr euch manche Dinge nur erklären, wenn ihr gewillt seid, euch durch verworrene Hilfetexte zu wühlen. Zudem wurden manche Elemente der Vorgänger entfernt.

Der Spaß ist dennoch groß. Die bekannten Klassen und das Warhammer-Design passen einfach verdammt gut zur Spielweise von Total War. So gut sogar, dass ihr euch nach kurzer Zeit fragen werdet, warum es das nicht schon viel früher gab. Besonders die Unterschiedlichkeit der Kampagnen ist toll, da ihr dadurch nicht nur viel Abwechslung, sondern auch einen hohen Wiederspielwert bekommt.

 

Für Fans von:

  • der Marke Warhammer
  • der Total War-Serie
  • Strategiespielen mit Rollenspiel-Elementen
Michael Krüger
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