The Persistence im Test: VR-Weltraum-Thriller für Hartgesottene

Firesprite, die Entwickler von Sonys Partyspiel The Playroom VR melden sich zurück – mit einem hochspannenden First-Person-Horror-Abenteuer, das uns nach jedem Bildschirmtod mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Kann der Titel überzeugen?

  • von Sönke Siemens am 18.06.2019, 14:46 Uhr
The-Persistence-Header

Wir schreiben das Jahr 2521: Eigentlich soll das hochmoderne Forschungsraumschiff The Persistence die Vorgänge in einem Schwarzen Loch studieren. Doch kaum sind die 17.000 Lichtjahre von der Erde entfernten Zielkoordinaten erreicht, kommt es an Bord zu einer verheerenden Katastrophe, die Dutzende Todesopfer fordert und viele technische Systeme in Mitleidenschaft zieht.

  1. The Persistence: Allein im All
  2. Vielfältige Upgrade-Optionen
  3. Sterben gehört dazu
  4. Prozedural generierte Level
  5. Clevere Companion-App
  6. Grafik, Sound & Steuerung
  7. Unsere Wertung

Schlimmer noch: Während IRIS, die Künstliche Intelligenz des Schiffes, verzweifelt versucht, die Verstorbenen in Klon-Form zu rekonstruieren, mutieren diese zu blutrünstigen Bestien, welche seither ziellos durch die verwinkelten Gänge der Persistence schlurfen.

The Persistence: Allein im All

Das Virtual Reality-Spiel beginnt kurz nach diesen dramatischen Ereignissen und versetzt uns in die Rolle von Zimri Eder. Die junge Sicherheitsoffizierin hatte Glück im Unglück und ist unversehrt aus ihrem Cryoschlaf erwacht. Nun muss sie alles daransetzen, die havarierte Persistence wieder flott zu machen, um dann irgendwie zur Erde zurückzukehren.

Unterstützt wird sie dabei von der Bord-KI. Sie gibt Tipps im Kampf gegen Mutanten, hilft bei der Analyse der defekten Schiffskomponenten, markiert wichtige Orte auf der Karte und – ganz wichtig – kopiert Zimris Erinnerungen in den Körper eines neuen Klons, falls wir mal wieder das Zeitliche segnen.

Die Betonung liegt auf „mal wieder“, denn  The Persistence ist ein Vertreter des Rollenspiel-Subgenres Roguelike – und dort gehören häufige Bildschirmtode nun mal zu den Grundpfeilern des Spieldesigns. Entsprechend wundert es auch nicht, dass Zimri zu Spielbeginn kaum gegnerische Treffer einstecken kann und lediglich über eine einzige Nahkampfwaffe verfügt.

Vielfältige Upgrade-Optionen

Die gute Nachricht: Wer die Taschenlampe anknipst und die Augen offen hält, findet überall an Deck der Persistence verschiedene Ressourcen, die Zimris Ausrüstung und Fähigkeiten spürbar verbessern. Den Anfang machen sogenannte Fabchips. Genügend beisammen, ermöglichen Sie Zimri eine Vielzahl neuer Waffen und Gadgets an einer Art futuristischem 3D-Drucker herzustellen.

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Am Granatenfabrikator drucken wir im Handumdrehen cool animierte Gravitationsbomben, die alles organische Material innerhalb eines großflächigen Explosionsradius zerschmettern. Nicht minder praktisch sind die Schwarmdroiden. Einfach eine kleine Kapsel in Richtung des Gegners werfen, schon schwirren quirlige Mikro-Drohnen los und beharken den Feind mit tödlichen Lichtblitzen.

Am Waffenfabrikator wiederum investieren wir unseren Fabchips in verschiedene Projektilwaffen, darunter ein durchschlagkräftiger Revolver, eine präzise 9mm-Pistole oder eine lautlose, „Walküre“ genannte Harpune. Ein 3D-Drucker für Nahkampfwaffen darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Letzterer gewährt dann unter anderem Zugriff auf einen Schlagstock, eine zweihändig geführte Lanze, eine rasiermesserscharfe One-Hit-Klinge oder das mächtige Efeuserum, mit dessen Hilfe wir Feinde zu Verbündeten machen.

The Persistence: Sterben gehört dazu

Das Herausfordernde an The Persistence und typisch für das Roguelike-Genre: Egal ob Schusswaffen, Granaten oder andere verrückte Hilfsmittel wie der portable Unsichtbarkeits-Generator – sobald Zimri stirbt, ist das gesamte Inventar unwiederbringlich verloren und die Heldin findet sich im Startbereich des Spiels wieder.

Was aber nicht verloren geht, sind gesammelte Ressourcen und bereits freigeschaltete Ausrüstungs-Upgrades. Haben wir also beispielsweise den Sturmfurie-Revolver durch das Auffinden sogenannter Erebus-Marken auf das Maximum hochgestuft, steht genau diese Top-Variante auch beim nächsten Versuch noch zur Verfügung.

Gleiches gilt für sämtliche Stammzellen-Upgrades, die u.a. den grundlegenden Lebensenergie-Vorrat der Heldin, ihre Angriffsstärke im Nahkampf, ihre Lautlosigkeit beim Fortbewegen und ihren Supersinn (ermöglicht Gegner durch Wände hindurch zu sehen) optimieren.

Apropos Stammzellen: Diese können wir Feinden entweder extrahieren, indem wir uns lautlos von hinten anschleichen und das Opfer mit dem Ernter „anzapfen“; oder aber indem wir kleine, überall umherliegende Stammzellen-Phiolen aufsammeln.

Prozedural generierte Level

Zugegeben, die Persistence wieder in Gang zu setzen ist ein ziemlicher Spießrutenlauf. Nicht zuletzt, weil die Entwickler sich die Mühe machten, ein weiteres zentrales Spielelement aus dem Roguelike-Genre zu integrieren.

Gemeint ist die Tatsache, dass sich das Leveldesign aller Raumschiff-Decks immer dann komplett verändert, wenn wir ins Gras beißen bzw. von einem Deck zum nächsten wechseln. Wer also gehofft hatte, sich den Standort von Gegnern und Sammelgegenständen einzuprägen, um nach und nach eine optimale Route durch das Innere der Persistence zu finden, guckt in die Röhre.

Doch keine Sorge: Die Leveldesign-Algorithmen der britischen Entwickler folgen cleveren, auf Fairness getrimmten Regeln. Beispielsweise wurde darauf geachtet, dass sich besonders herausfordernde Levelabschnitte stets mit solchen abwechseln, in denen wir uns heilen und ausrüsten können.

Zudem stießen wir während unseres Tests immer wieder auf Bereiche, in denen überhaupt keine Widersacher lauern. Ebenfalls fair gemacht: Viele Raum-trennende Türen verfügen über dicke Fenster, durch die wir den Feind zwar beobachten können, er uns jedoch nicht.

Sofern wir die Lage also zunächst in Ruhe analysieren und erst dann vorpreschen, sind die Chancen in einen Hinterhalt zu geraten vergleichsweise gering. Hinzu kommt: Sobald Zimri eines der insgesamt fünf übergeordneten Missionsziele abgehakt hat (etwa das Aufladen des Schiffsantriebs), speichert das Spiel und wir müssen diese Herausforderung nicht noch einmal bewältigen.

Clevere Companion-App

Wem das Spiel trotzdem noch zu schwer ist, dem können wir an dieser Stelle außerdem den Download der kostenlosen, für iOS und Android erhältlichen Begleit-App ans Herz legen. Die Idee hier: Sofern sich App und PS4-Konsole im gleichen WLAN befinden, können sich bis zu vier weitere Nutzer in das Erlebnis des VR-Spielers einklinken und dieses auf vielfältige Art und Weise manipulieren.

App-Nutzer haben Zugriff auf eine in Echtzeit aktualisierte Karte des aktuellen Schiffsdecks. Hier ist aus isometrischer Ansicht zu sehen, wo sich Feinde, Türen, Sammelobjekte usw. befinden. Klicken sie nun auf eines dieser Objekte, identifiziert die App das Objekt und belohnt diesen Vorgang mit Credits.

Je mehr Credits ein App-Nutzern sammeln konnte, desto mehr Interaktionsmöglichkeiten stehen ihm zur Verfügung. Mit zehn Credits etwa ist es möglich, einen Gegner an eine andere Stelle im Raum zu locken – was es dem VR-Spieler in der Regel erlaubt, sich problemlos vorbeizuschleichen. Aber auch Interaktionen wie das Einfrieren oder Kennzeichnen unserer Widersacher sind überaus willkommen. Denn das entschärft den Schwierigkeitsgrad deutlich und ergänzt das Spiel obendrein um eine nette Koop-Komponente.

Gänzlich in Sicherheit wiegen sollte sich der VR-Brillen-Träger übrigens nicht. Hin und wieder belohnt es die Begleit-App nämlich, wenn die „Mitspieler“ den Spieß umdrehen. In unserem Testdurchlauf etwa kam es mehrfach vor, dass ein App-Nutzer mitten in einem Gefecht das komplette Licht in einem Raum ausknipste, Mutanten gezielt in die Richtung der Spielfigur lockte oder Feinde zum Kampf anstachelte.

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Ein Heidenspaß, vorausgesetzt das Mobilgerät schaltet nicht in den Tastensperre-Modus und trennt auf diese Weise die Verbindung zum Spiel. Dieser ärgerlicher Bug wird hoffentlich mit dem nächsten App-Update behoben.

Grafik, Sound & Steuerung

Aus technischer Sicht hinterlässt „The Persistence“ einen sehr soliden Eindruck. Die Waffen sind fantastisch animiert, die Feinde sehen richtig schön gruselig aus. Die Bildrate bleibt dabei in jeder Lebenslage butterweich und die Surround-Sound-Effekte gehen sofort ins Ohr. Einzig, dass die unterschiedlichen Decks zu wenig visuelle Abwechslung bieten, trübt das ansonsten sehr ansehnliche Bild ein wenig.

In Sachen Komfort glänzt The Persistence zudem mit reichhaltigen Einstellungsmöglichkeiten, sodass Motion Sickness für die meisten Nutzer kein Problem darstellen sollte.

Unsere Wertung

Sönke Siemens

Mein Fazit:

Ihr steht auf SciFi, Horror und Herausforderungen? In diesem Fall solltet ihr dieser PSVR-Exklusiv-Produktion unbedingt eine Chance geben. Sei es nun die packende Atmosphäre, die prozedural generierten Level, die schaurig-schönen Mutanten, die verdammt coolen Waffen und Gadgets, der fordernde (aber stets faire) Schwierigkeitsgrad, die hervorragende VR-Anpassung oder der solide Umfang – The Persistence hat sich seine Lorbeeren redlich verdient. Nicht zuletzt, weil auch die Begleit-App unglaublich charmant ins Kern-Gameplay integriert wurde. Schade nur, die verschiedenen Decks des Schiffes unterm Strich sehr ähnlich aussehen und das Storytelling zuweilen etwas in den Hintergrund tritt. Davon abgesehen aber ein echter Geheimtipp für Schleich- und Horror-Enthusiasten.

The Persistence könnte euch gefallen, wenn ihr…

  • auf der Suche nach einer echten Herausforderung seid.
  • Schockmomente liebt.
  • gern mit coolen Videospiel-Waffen experimentiert.
  • Resident Evil 7, From Other Suns oder In Death mögt.

The Persistence ist wahrscheinlich nichts für euch, wenn ihr…

  • in düsteren Räumen schnell Platzangst bekommt
  • grotesken Kreaturen ungern ins Gesicht blickt
  • nicht auf Jump-Scares steht

Das VR-Horror-Roguelike The Persistence für PlayStation VR erhaltet ihr hier:

Getestet mit: PlayStation VR

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