The Last Guardian im Test: Mein Freund Trico

Vor sieben Jahren wurde The Last Guardian angekündigt, lange Zeit war das Erscheinen des Playstation-Abenteuers ungewiss. Nun endlich dürfen wir ungewöhnlichen Titel erleben.

  • von Michael Krüger am 09.12.2016, 9:25 Uhr

Fumito Ueda und sein Team haben Playstation-Fans bereits in den Genuss der ergreifenden Spiele Ico und Shadow of the Colossus gebracht und zeigen nun erneut Ambitionen, große Gefühle durch subtile Mittel zu erzeugen.

Im Zentrum des Geschehens von The Last Guardian steht ein ungleiches Paar. Ein in eine Toga gekleideter Junge und das haushohe Fabelwesen Trico. Wie es zu der Begegnung kommt, ist ihnen (und uns) zunächst unklar. Schnell merken die beiden jedoch, dass sie das gleiche Ziel verfolgen und dieses nur gemeinsam erreichen: Hinaus aus dem Keller, in dem sie auf unerklärliche Weise gelandet sind. Es ist der Beginn einer durch und durch besonderen Reise.

Der Weg ist das Ziel

The Last Guardian nimmt sich für die Erzählung eine Menge Zeit. Der Einstieg ist dabei ebenso behutsam wie die ersten Annäherungsversuche zwischen euch und Trico. Warum ihr neben diesem mystischen Wesen aufwacht, wisst ihr nicht. Da es verletzt ist, beschließt ihr, ihm zu helfen. Und so entsteht ein erster Funke von Vertrauen auf beiden Seiten. Wohin euch euer Weg führt, findet ihr am besten selbst heraus. Zumal dieser mit all seinen Hindernissen in The Last Guardian klar im Vordergrund steht.

Im Grunde ist das ganze Spiel ein einziges großes Rätsel. Dennoch stechen kaum einzelne Knobelaufgaben als solche hervor. Vielmehr befindet ihr euch inmitten einer verwobenen Spielwelt, die euch hier und da Möglichkeiten aufzeigt und anbietet, sie aber nicht auf dem Silbertablett serviert. Auch wenn manche Wege offensichtlich sind, könnt ihr euch nie komplett sicher sein, dass es nicht auch anders gegangen wäre. Dadurch wird die gesamte Umgebung zu einem Mysterium, das sich nach und nach auflöst, während ihr er es erkundet.

Ohne große Worte

Kommunikation ist ein wichtiges Thema in The Last Guardian. So nutzt das Spiel durchgehend eine clevere und subtile Bildsprache, der ihr intuitiv folgt. Schade eigentlich, dass dennoch regelmäßig Bildschirmhinweise bezüglich der Steuerung eingeblendet werden. Eigentlich sind diese bereits zehn Minuten nach Beginn des Spiels unnötig und stören eher das Erlebnis als dass sie helfen. Deaktivieren lassen sie sich nämlich leider nicht. Bemerkenswert sind die Spielmechaniken trotzdem.

Kommunikation ist das Stichwort. Während ihr einerseits einen ständigen Dialog mit der Umgebung führt, passiert das gleiche zwischen euch und Trico. Gesten ersetzen eine gemeinsame Sprache und helfen euch dabei, in Teamarbeit Hürden zu meistern. Hattet ihr schon einmal Kontakt mit Haustieren, versteht ihr viele Blicke und Verhaltensweisen auf Anhieb. Trico, eine wilde Mischung aus Katze, Hund und Vogel, benimmt sich natürlich und wirkt wie ein reales Lebewesen. Dadurch verliert die Spielmechanik fast vollständig den technischen Charakter. In puncto KI ist den Entwicklern wirklich Großes gelungen.

Schwierigkeiten und Anstrengungen

Bei einer so großen und organischen Spielwelt kommen hier und da auch mal einige Unsauberkeiten der Grafik vor. Wirklich stören kann die manchmal einbrechende Bildrate das Erlebnis aber nicht. Die Kamera wird schon eher mal zu eurem Feind. Die Perspektive verhakt sich gerne in Tricos Federn oder befindet sich zu nah an eurer Spielfigur. Aber auch hiermit könnt ihr sicherlich gut leben. Die technischen Schnitzer werden durch die Gesamtpräsentation locker aufgewogen.

Obwohl sich The Last Guardian einer relativ begrenzten Farbpalette bedient, bietet es euch unvergessliche Bilder. Der Grad an Details zeigt sich nicht nur an Tricos Gefieder, sondern auch überall in der Spielwelt. Diese sorgt dank erstklassiger Licht-Effekte immer wieder für Gänsehautmomente. Auch die Sound-Kulisse trägt hierzu einen großen Teil bei. Die Umgebung verändert eure Rufe und die des Fabelwesens auf eine natürliche Weise mit adäquatem Hall, und die Schritte und Sprünge von Trico klingen schwerfällig und brachial. Ein besonderes Lob geht sowieso an dessen Vertonung. Winselnde Laute, sanftes Atmen und gequältes Schreien machen euren gefiederten Begleiter glaubwürdig und lebendig.

Fazit

The Last Guardian zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass hin und wieder weniger einfach mehr ist. Im Gegensatz zur aufwändigen Inszenierung besticht das Spielprinzip durch bezaubernde Ursprünglichkeit. Gleichzeitig gelingt etwas Seltenes. Euer Weg durch diese mystische Welt formt auf subtile Weise eine emotionale Bindung zu einem fiktiven Wesen. Das funktioniert nicht  nur hervorragend, es zeigt auch, zu was Spiele imstande sind. Ohne große Worte vermittelt The Last Guardian eine berührende Geschichte über Mut, Vertrauen und Zuneigung. Bei solch einer Bedeutungsschwere kann man über technische Schnitzer auch gerne mal hinweg sehen.

 

Für Fans von:

  • großen Emotionen
  • Puzzle-Plattformern
  • zutraulichen Tieren
Michael Krüger
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