Star Wars: Battlefront 2 hat einen weiblichen Hauptcharakter – na und?

Die Kampagne von Star Wars: Battlefront 2 hat einen weiblichen Hauptcharakter. Und das vollkommen zurecht. 

  • von Patricia Geiger am 28.04.2017, 16:08 Uhr

Bei der Star Wars Celebration wurde nicht nur der erste Trailer zu Episode 8: Die letzten Jedi gezeigt, sondern auch Star Wars: Battlefront 2 enthüllt. Hier bekamen Fans ebenfalls einen Trailer zu sehen, darüber hinaus aber auch noch jede Menge Infos zum Shooter geliefert.

Das Echo zum Battlefront-2-Trailer war dabei gespalten. Einerseits positiv, weil der zweite Teil genau das mitbringen wird, was Spieler am ersten Teil vermissten: Raumkämpfe und eine Kampagne. Andererseits gab es aber auch wieder die Meckerer, denen bei der Kampagne vor allem eines sauer aufstieß: Der weibliche Hauptcharakter Iden Versio

Das sorgte wiederum für viel Augenrollen, bei mir persönlich jedoch vor allem für Unverständnis. Es ist schließlich nicht so, dass Frauen bisher als hilflose Prinzessinnen dargestellt worden wären, selbst wenn sie sogar den Titel trugen. Starke weibliche Charaktere sind in Star Wars nun wirklich nicht ungewöhnlich und abgesehen davon ist es für eine gute Geschichte auch vollkommen gleichgültig, ob nun ein Mann oder eben eine Frau unter dem Helm des Inferno Squads steckt.

Prinzessin Leia wird in »Eine neue Hoffnung« zwar von Luke, Han und Chewbacca gerettet – aber trotzdem nimmt sie am Ende Luke den Blaster ab, als sich ihr ein Ausweg offenbart, um den Sturmtruppen zu entkommen.

In »Die Rückkehr der Jedi-Ritter« stranguliert sie Jabba mit der Kette, mit der sie zuvor gefesselt war. Mit anderen Worten: Sie wartet nicht darauf, befreit zu werden, sondern schreitet selbst zur Tat. Eine sprichwörtliche Jungfrau in Nöten sieht definitiv anders aus. Sonst hätte sie in »Das Erwachen der Macht« wohl auch nicht den Rang eines General inne gehabt.  

Auch Padmé Amidala verließ sich nicht nur auf die Herren der Schöpfung, sondern absolvierte das gleiche Training wie ihre Kammerzofen. Die fungierten gleichzeitig auch als eine Art Bodyguards, und daher konnte auch Padmé entsprechend mit dem Blaster umgehen.

Die neue Film-Generation bietet ebenfalls genug Auswahl an Heldinnen: Jüngst hat Jyn Erso in »Rogue One« entscheidend zum Diebstahl der Baupläne des Todessterns beigetragen und dabei nicht nur aus der Ferne mit dem Blaster, sondern auch im Nahkampf ordentlich ausgeteilt

Eine weitere Nahkampfspezialistin ist Rey – das nächste Kapitel ihrer Geschichte erwartet uns mit Episode 8 ab Dezember 2017 in den Kinos. Ausgehend von dem, was wir bisher über »Die letzten Jedi« wissen, wird Rey von Luke Skywalker ausgebildet und es ist davon auszugehen, dass sie dieses Können auch in irgendeiner Form einsetzen wird.

Doch nicht nur auf Seiten der Rebellion beziehungsweise des Widerstands, finden sich schlagkräftige Frauen. In »Das Erwachen der Macht« haben wir Bekanntschaft mit Phasma gemacht, die den Rang des Captains innerhalb der Sturmtruppen bekleidet. Diesen Offiziersrang hat sie nicht geschenkt bekommen oder bei einem Preisausschreiben der Ersten Ordnung gewonnen.

Phasma blieb zwar im ersten Film noch einigermaßen blass, aber das mit ihr nicht gut Kirschen essen ist, dürfte trotzdem jedem klar geworden sein. Ihr kurzer Auftritt im Trailer zu »Die letzten Jedi« verheißt ebenfalls nichts Gutes. Und wer dachte, dass weibliche Sturmtruppen erst in der Ersten Ordnung in Erscheinung traten, wurde erst kürzlich über den offiziellen Star-Wars-Twitter-Account eines Besseren belehrt:

Das Expanded Universe von Star Wars – also Romane, Comics und die CGI-Serien The Clone Wars und Star Wars Rebels – bietet noch eine Vielzahl weiterer starker Frauen, auch nach der Streichung zahlreicher Inhalte aus dem Kanon nach der Übernahme durch Disney.

All diese Charaktere werden nicht nur akzeptiert und geschätzt, sondern zum Beispiel im Fall von Leia auch verehrt und sind aus dem Star-Wars-Universum schlichtweg nicht mehr wegzudenken. Warum also die Aufregung über eine weibliche Hauptfigur in der Kampagne von Battlefront 2?

Was wir bisher über die Singleplayer-Story wissen, lässt durchweg auf eine interessante Geschichte hoffen. Wir spielen aus Sicht des Imperiums, was an sich schon frischen Wind für eine Star-Wars-Story in Aussicht stellt. Hinzu kommt noch, dass mit dem Inferno-Squad eine neue Elite-Einheit geschaffen wurde, die ordentlich austeilt. Sonst hätten sie wohl kaum diesen Sonderstatus innerhalb der Sturmtruppen.

Und ist es nicht am Ende des Tages vollkommen egal, wer in der Blechbüchsen-Rüstung der Sturmtruppen steckt? Wir erleben die Geschichte ab der Zerstörung des zweiten Todessterns über Endor aus der Sicht des Imperiums als geschlossenen Handlungsstrang über 30 Jahre hinweg bis zum Kampf auf der Starkiller Base der Ersten Ordnung aus der Sicht der dunklen Seite. Darin steckt mehr als genug Stoff für eine gute Geschichte, ganz unabhängig vom Geschlecht der Hauptfigur.

Abgesehen davon: Wer unbedingt einen Mann spielen will, darf das ja phasenweise auch. Schließlich haben die Entwickler ja bereits Kylo Ren als spielbaren Charakter im Verlauf der Kampagne bestätigt. Der Blutdruck kann also wieder runtergefahren werden!

Ohnehin ist es verwunderlich, dass daraus überhaupt ein Aufreger wurde. Nicht nur wegen der oben genannten Star-Wars-Charaktere, die sich in jeder Ära finden: Sondern auch, weil in anderen Spielen weibliche Helden kein Problem sind. Bei Tomb Raider hat sich noch nie jemand beschwert, dass es Lara und nicht Lars Croft ist.

Ellie aus The Last of Us, Max aus Life is Strange … auch hier ist die Liste beliebig erweiterbar. Und jeder, der gerne Horizon: Zero Dawn gespielt hat, sollte sich die Frage stellen, ob das Spiel nicht ein ganz anderes gewesen wäre, hätte hier Alan und nicht Aloy Robo-Dinos gejagt.

Daher sollten alle, die sich über die Entscheidung von DICE, Motive und Criterion – also den an Battlefront 2 beteiligten Entwicklerstudios – aufregen, erstmal tief durchatmen und abwarten. Vielleicht ist das ja alles gar nicht so schlimm, wenn eine weibliche Figur im Mittelpunkt steht.

Gebt Iden Versio doch erst mal eine Chance sich zu beweisen, anstatt sie direkt zu verteufeln. Meckern könnt ihr später immer noch. Dann aber bitte mit Substanz und stärkeren Argumenten als dem Geschlecht.

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Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.