Solo: A Star Wars Story – Millennium Falcon mit Zündproblemen

Am 24. Mai 2018 startet »Solo: A Star Wars Story« in den Kinos. Gamez-Redakteurin Patricia konnte den Film bereits vorab sehen und schildert spoilerfrei, warum der Film mit jeder Menge Problemen zu kämpfen hat.

  • von Patricia Geiger am 21.05.2018, 11:14 Uhr

Vorweg eine Entwarnung für alle, die vor Spoilern Angst haben: Hier werden keine großen Handlungsstränge verraten. Stattdessen werde ich versuchen, spoilerfrei auf die vielen Probleme einzugehen, die Solo: A Star Wars Story leider hat.

Außerdem sei gesagt, dass ich eigentlich großer Star-Wars-Fan bin und Rogue One, der erste der Anthology-Filme, einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen hat. Umso mehr schmerzt die Erkenntnis, dass nicht jedes Spin-off funktioniert.

Solo: A Star Wars Story – Geschichte ohne Mehrwert

Eines der größten Probleme von Solo ist die Geschichte an sich. Ohne ins Detail zu gehen, wirkt sie an vielen Stellen zusammengestückelt und erzwungen. Die Beweggründe der Charaktere ändern sich gefühlt alle zwanzig Minuten, weshalb es extrem schwer ist, einen roten Faden auszumachen, an dem man sich irgendwie entlanghangeln könnte. Selbst ein Moment, den sich Fans von Han Solo wohl schon seit 1977 wünschen, wird banalisiert.

Was als nächstes passiert, kündigt der Film meist schon einige Minuten vorher an, sodass es nie wirklich überraschende Wendungen gibt. Spannung erzeugt der Film so an keiner Stelle.

Genauso fehlt auch der Witz, den selbst der eigentlich ernste Rogue One hatte. Solo versucht deutlich öfter, komisch zu sein, scheitert dann aber an der Umsetzung der Pointen. Man erkennt zwar, wann man hätte lachen sollen, allerdings zünden die Witze in den allermeisten Fällen nicht.

Hinzu kommt dann auch noch das Prequel-Problem, das unumgänglich ist, wenn man mit bekannten Charakteren arbeitet. Wir alle wissen, wo Han, Chewie und Lando irgendwann ankommen. Sie in waghalsige Abenteuer zu werfen und zu suggerieren, sie könnten dabei das Zeitliche segnen, funktioniert schlichtweg nicht.

Auch hier bietet sich wieder der Vergleich zu Rogue One an: Ebenfalls ein Prequel, aber es war nicht durch festgelegte Rahmenbedingungen eingeschränkt.

Blasse neue Charaktere

Genauso belanglos wie die eigentliche Story, wirken auch die neuen Charaktere. Keiner davon sticht hervor oder wird lange genug in Szene gesetzt, um dem Zuschauer wirklich ans Herz wachsen zu können. Dabei hätte zumindest einer davon, der vierarmige Pilot Rio, wirklich Potenzial gehabt, die Fanherzen für sich zu gewinnen.

Beckett, der eigentlich eine Art Mentorenfunktion für Han hätte einnehmen können, wird auf die Rolle eines alternden Schurken reduziert, der seine besten Tage eigentlich schon hinter sich hat.

Auch Qi’ra, gespielt von Game-of-Thrones-Hauptdarstellerin Emilia Clarke, wirkt eindimensional und ihre Beweggründe bleiben schleierhaft. Die Charakterentwicklung, die sie durchläuft, passiert komplett außerhalb der Handlung.

Als Zuschauer bekommt man lediglich das Resultat vorgesetzt. Es hilft zudem auch nicht, dass sich die einzige Unterhaltung Qi’ras mit einem anderen weiblichen Charakter dann um einen Kerl dreht. Bechdel-Test nicht bestanden.

L3-37, Landos weiblich programmierter Droiden-Sidekick, sorgte bei mir ebenfalls eher für Stirnrunzeln. Ihr Kampf für Droiden-Rechte ist eigentlich ja ehrbar, erscheint aber am Ende doch nur wie ein überflüssiger Handlungsstrang, der als komische Auflockerung dient.

Ihre für einen Droiden große Klappe wirkt zudem leider blass im Vergleich zum letzten sprechenden, durchaus sarkastischen Droiden K-2SO aus Rogue One.

Genauso blass bleibt auch Dryden Vos, gespielt von Paul Bettany, als vermeintlicher Bösewicht des Films. Um ihn wirklich als Gegenspieler aufzubauen, hat er allerdings viel zu wenig Zeit.

Die große Ausnahme: Lando

Der einzige Lichtblick im Ensemble ist Lando Calrissian, gespielt von Donald Glover. Er füllt die Fußstapfen von Billy Dee Williams aus, ohne zu versuchen, ihn dabei zu imitieren. Der neue Lando schließt nahtlos an das an, was wir aus Episode 5 und 6 von dem Charakter kennen, verleiht ihm aber zusätzliche Nuancen.

Davon erscheint nichts unschlüssig, sondern wie eine konsequente Weiterentwicklung des Charakters. Ich hätte mir daher noch deutlich mehr Lando gewünscht.

Han Solo ist nicht gleich Han Solo

Bei den Charakteren liegt das größte Problem allerdings bei der namensgebenden Hauptperson: Han Solo. Alden Ehrenreich gibt sich zwar Mühe, aber er versucht meiner Meinung nach zu sehr, den jungen Harrison Ford zu kopieren – und das kann nur schiefgehen.

Ehrenreich ist eben nicht Ford und er wäre besser beraten gewesen, den gleichen Weg wie Donald Glover zu gehen. Stattdessen wirkt er steif, wenn er eigentlich locker sein sollte, was Han Solo den ganzen Film über angestrengt aussehen lässt.

Von einer jüngeren Version des charismatischen Schmugglers, den man in Episode 4 kennengelernt hat, ist das leider weit entfernt. Und das schadet dem gesamten Film.

Coole Sets und bombastische Effekte

Für das Auge ist Solo: A Star Wars Story allerdings auf jeden Fall etwas. In gewohnter Star-Wars-Manier bekommt man bombastische Effekte präsentiert, sobald es in den Weltraum geht.

Denn natürlich kommt ein Film, in dem es um Han Solo geht, nicht ohne ein Feuergefecht mit TIE-Fightern aus. Das ist auch wirklich cool inszeniert und eines der Highlights in einem sonst durchwachsenen Film.

Auch einige der Sets können sich absolut sehen lassen, so zum Beispiel das luxuriöse Schiff von Bösewicht Dryden Vos. Auch Kulissen wie die Dolomiten sorgen für atemberaubende Bilder.

Im krassen Gegensatz dazu stehen dafür andere Spielorte, bei denen die Charaktere durch den Dreck robben müssen. Von Verbrecher-Luxus bis zu Schlammbad ist alles dabei.

Patricia Geiger

Star Wars ohne Magie

An keiner Stelle fühlt sich Solo: A Star Wars Story wie ... nun ja, ein Star-Wars-Film an. Ihm fehlt einfach diese gewisse Magie, die man sich eigentlich erwartet oder zumindest erhofft, wenn man an Krieg der Sterne denkt. Ich persönlich wäre vermutlich weniger enttäuscht gewesen, hätte der Film alleine gestanden und wäre eben nicht an die Marke und Charaktere gebunden gewesen. So allerdings zieht man ganz automatisch den Vergleich, sowohl zu den alten Schauspielern als auch zu den anderen Filmen. Und den verliert Solo zumindest meiner Meinung nach leider auf ganzer Linie. Ich hatte mir wirklich gewünscht, dass der Film mich positiv überrascht.

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Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.

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