Skyworld im Test: Ein hervorragendes VR-Strategiespiel

Nach dem Zombie-Shooter Arizona Sunshine begab sich Vertigo Games auf neues Terrain. Skyworld ist Echtzeitstrategie mit Moba-Anleihen in VR.

  • von Benjamin Danneberg am 25.06.2019, 9:59 Uhr
Skyworld-Header

Wir werden nicht müde, es zu betonen: Virtual Reality eignet sich für so ziemlich jede Art Spiel, wie Werke wie die VR-Version von Hellblade und The Last Day Defense eindrucksvoll beweisen.

Dass auch Echtzeitstrategie bestens in VR-funktioniert, wissen wir nicht erst seit Oculus’ Brass Tactics. Entwickler Vertigo Games (Arizona Sunshine, A Fisherman’s Tale) lieferte nämlich mit Skyworld die VR-Blaupause für Tabletop-Strategie.

  1. Skyworld: Grandiose TableTop-Welt
  2. Perfekte Bedienung
  3. Neue Gebiete erschließen
  4. Truppen ausheben
  5. Kampf mit Karten
  6. Schere, Stein, Papier
  7. Upgrades erleichtern das Leben
  8. Auf Dauer relativ seicht
  9. Technisch einwandfrei
  10. Unsere Wertung

Skyworld: Grandiose TableTop-Welt

Zu Beginn finden wir uns auf einer schwebenden Plattform in luftiger Höhe wieder. Auf dem Strategietisch vor uns erhebt sich ein Berg in der Mitte und drum herum breitet sich eine tolle kleine Miniaturwelt aus. Wer etwas für Modellbau und TableTop übrig hat, der findet hier ein Paradies.

Detaillierte Gebäude, Bäume und andere Strukturen sorgen für offene Münder, fast winzig kleine Vögel (in vollem 3D modelliert!) drehen ihre Runden vor uns in der Luft. Wolken ziehen herum und je nach Karte sehen wir gelungene Nebel-, Feuer- und Raucheffekte. Der Kampagnentisch von Skyworld beeindruckt uns total.

Die achtteilige, hervorragend (auch auf Deutsch!) vertonte und mit einer augenzwinkernden Geschichte erzählte Kampagne, führt uns Schritt für Schritt in die Spielmechaniken ein. Neben den Sprechern sorgen Texteinblendungen dafür, dass wir nichts verpassen. Diese Texte orientieren sich an unserer Blickrichtung und wandern sogar mit.

Alle Texte in Skyworld sind zudem immer sehr gut lesbar, was den Komfort erheblich erhöht. Wir beginnen jeweils in dem Gebiet, in dem auch unsere Burg steht. Die Gebiete auf der Karte beinhalten mehrere festgelegte Bauplätze, auf denen wir Mühle, Sägewerk, Steinbruch, Eisenmine und Magieturm bauen können. Jedes dieser Bauwerke gibt uns eine bestimmte Menge Ressourcen, wenn wir entsprechend Arbeiter zuweisen.

Perfekte Bedienung

Der virtuelle Tisch lässt sich ganz simpel am hölzernen Rand seitlich drehen und auch die Höhe können wir stufenlos verstellen. Die Bedienung ist absolut intuitiv: Wir öffnen Menüs wie die Ressourcen-Anzeige und hängen sie neben uns in die Luft.

Unsere Hände im Spiel sind mit einem kurzen Laserstrahl ausgerüstet, mit dem wir Gebäude anwählen und dann auf einen Bauplatz setzen. Danach packen wir einen unserer Arbeiter in die durchsichtige blaue Blase über dem Gebäude. Bis zu zwei Arbeiter passen da rein und jeder erhöht die Produktion um einen bestimmten Betrag.

Um mehr Arbeiter in Skyworld zu rekrutieren, müssen wir Nahrung ansparen und im Thronraum die Rationen erhöhen. In den Thronraum kommen wir über einen Hebel, den wir auf unseren gewünschten Zielort einstellen. Der Tisch in der Mitte dreht sich komplett um und wird zur Regierungszentrale.

Hier stellen wir die Rationen für Nahrung sowie den Steuersatz ein. Ist unser Volk glücklich, bekommen wir neue Arbeiter. Allerdings steigt mit jedem neuen Knecht auch der Bedarf an Nahrung. Wir können also nicht ständig neue Arbeiter erschaffen und müssen strategisch vorgehen, um das Maximum an Arbeitskraft zu erreichen.

Neue Gebiete erschließen

Schließlich benötigen wir auch noch andere Ressourcen in Skyworld: Holz und Stein für Gebäude oder Upgrades von Burgen und Türmen, Eisen und Magie für unsere Truppen. Neue Gebiete erobert unsere Armee, die auf der Kampagnenkarte als General-Figur dargestellt wird. Damit ziehen wir über die Hexfelder der Karte ins nächste Gebiet und erheben – sofern keine feindliche Armee wartet – Anspruch auf das Land.

Die Gebiete passen sich auch visuell der Situation an: Im Besitz der dämonischen Dämonenhorden ist das Land verbrannt und schwarz, unter unserer Herrschaft ist es grün und freundlich. Naja, zumindest im Frühling und Sommer, denn mit jeder Runde wechseln die Jahreszeiten. Im Winter ist alles mit einem hübschen Schnee-Zuckerguss bedeckt.

Unser Gegner, der darauf brennt, uns vom Antlitz der Skyworld zu tilgen, wartet manchmal schon auf uns. Damit wir uns mit einer anderen Armee prügeln können, müssen Vorbereitungen getroffen werden. Im Truppen-Menü stellen wir dafür unser Kartendeckzusammen. Jede Einheit wird durch eine Karte symbolisiert. Abseits unserer Standardtruppen (beispielsweise Schwertkämpfer oder Bogenschützen) müssen wir weitere Karten allerdings erst erforschen.

Truppen ausheben

Zu diesem Zweck geht’s ins Laboratorium. Haben wir ausreichende Ressourcen, erforschen wir mächtige Ritter, Belagerungswaffen, fliegende Einheiten,  laufende Bombenfässer, Drachen und so weiter und so fort.

Truppenkarten tauchen in unserem Einheitenmenü auf, in dem die Einheiten in filigranem 3D innerhalb kleiner Vitrinen aufgestellt sind. Von dort aus weisen wir sie dem Kartendeck unseres jeweiligen Generals zu. Die Reihenfolge entscheidet, welche Karten im Gefecht zuerst gespielt werden.

Kampf mit Karten

Kommt es zum Kampf gegen einen General oder am Schluss einer Mission zur Schlacht um die gegnerische Festung, wechselt der Tisch erneut. Die Kampftische in Skyworld sind detailliert ausgearbeitet, aber fast immer gleich aufgebaut. Je eine Hälfte gehört jeder Kriegspartei, inklusive einer Burg und zwei Türmen. In der Mitte gibt es zwei bis drei Felder, die für die gerade vorherrschende Fraktion je ein Luftgeschütz aktivieren. Diese Geschütze feuern automatisch auf feindliche Gebäude.

In der linken Hand halten wir unser Kartendeck und sehen dort unsere Mana-Anzeige. Mana wird benötigt um Karten spielen zu können und zwar abhängig vom Kartenwert der gewünschten Einheit. Beispielsweise dürfen wir Schwertkämpfer mit zwei Mana-Punkten ausspielen, während der mächtige Ritter satte fünf Punkte kostet.

Wie schnell unser Mana in Skyworld regeneriert hängt davon ab, ob unser maximal acht Karten umfassendes Deck komplett gefüllt ist oder nicht. Beginnen wir nur mit sechs Karten im Deck, regeneriert sich unser Mana 20 Prozent langsamer. Das kann sich als deutlicher Nachteil erweisen.

Schere, Stein, Papier

Mit der rechten Hand wählen wir die Karte und ziehen sie auf den Tisch. Eine Drehung des Handgelenks legt den Weg fest, den die Truppe nehmen soll. Sobald die Einheit gesetzt ist, macht sie automatisch ihren Job, läuft die vorgegebene Linie entlang und greift alles an, was sich ihr in den Weg stellt. Die Animationen sind überzeugend: Feuernde Bogenschützen, ein um sich schlagender Ritter oder fliegende Drachen sind einfach toll anzuschauen.

Wir müssen jeweils entscheiden, wie wir angreifen, beziehungsweise mit welchen Einheiten wir gegnerische Truppen kontern – also ein bisschen wie bei Schere, Stein, Papier. Schwertkämpfer haben gegen feindliche Feuerbogenschützen keine Chance, allerdings dürfen wir auch direkt eingreifen. Ein gut gezielter Feuerball aus unserer Hand löscht ganze Truppen auf einmal aus. Sehr cool: Der verheerende Einschlag des Feuerballs löst eine Druckwelle aus, die alle Bäume auf dem Tisch von Skyworld richtig durchschüttelt.

Wie in einem MOBA müssen wir zuerst die Türme des Gegners plätten, bevor wir um die Burg streiten können. Die explodiert am Schluss in einem großen Feuerball, Trümmerteile fliegen in feinstem 3D und mit Feuerschweif vor uns durch die Luft. In puncto Präsentation schlägt sich Skyworld hervorragend.

Upgrades erleichtern das Leben

Damit wir nicht gegen viel stärkere Armeen ins Feld ziehen müssen, versorgen wir unsere Einheiten beim Schmied (ebenfalls über einen Tischwechsel zu erreichen) mit Upgrades. Das ist nicht billig, aber wir spüren die Auswirkungen deutlich: Spielen wir mit Goldeinheiten, beherrschen wir schnell unseren Feind.

Allerdings müssen wir die erstmal bekommen. In dem ein oder anderen Level wurden wir auch mal auf dem falschen Fuß erwischt und gnadenlos von der Karte gefegt.

Auf Dauer relativ seicht

Also alles großartig in Skyworld? Jein. Wer keine allzu tiefgehende Strategiekost erwartet, für den ist das Spiel einfach nur Zucker. Allerdings werden Strategie-Veteranen bald eine gewisse (langweilige) Routine entwickeln. Während die Kampagnenkarten sehr abwechslungsreich und mit unterschiedlichen Zielen gestaltet sind, laufen Kämpfe immer nach dem gleichen Schema ab.

Taktische Feinheiten gibt es nicht, unterschiedliche Kampfbedingungen auch nicht. Mit einer bestimmten Truppenstärke sind Prügeleien außerdem oft nur noch Formsache (allerdings lässt sich da noch beim Schwierigkeitsgrad dran schrauben).

Schlachten dauern in Skyworld allerdings nicht sehr lange, deshalb ist das nicht weiter tragisch. Die strategische Tiefe eines Total War  ist hier (natürlich) noch nicht zu finden und die Wirtschaft des Spiels ist auch nicht sonderlich komplex.

Das könnte für einige Spieler zu wenig sein, zumal der Multiplayer-Part recht eindimensional ausfällt, wenn fast immer die gleichen Einheiten aufeinanderprallen.

Technisch einwandfrei

Gleichwohl bietet Skyworld aber neben der herrlichen Miniatur-Wunderwelt mit seinen acht Missionen, die jeweils gut und gerne über eine Stunde dauern können, eines der aktuell besten VR-Spiele überhaupt. Die Bedienung ist perfekt durchdacht und intuitiv.

Auch die Performance ist auf höchsten Einstellungen einwandfrei (i7-4770K, 32 GB RAM, GTX 1080 Ti). Wir hatten nur ein einziges Mal ein technisches Problem, als der Sound komplett ausfiel und einen Neustart erforderlich machte. Man merkt deutlich, dass die Macher von Vertigo Games wissen, wie für VR entwickelt werden muss. Es entsteht ein toller Spielfluss in einer – wir können das nur wiederholen – grandiosen Spielwelt. Der Spielspaß wird nur durch die mangelnde Spieltiefe etwas eingeschränkt.

Unsere Wertung

Benjamin Danneberg

Mein Fazit:

Da laufen kleine Miniatureinheiten auf dem Tisch herum! Wie knuffig ist das denn? Ich kam beim Spielen von Skyworld oft nicht aus dem Staunen heraus. Modellbau und TableTop in einem Strategiespiel vereint – das ist der Traum eines jeden Nerds. Skyworld ist fantastisch zu bedienen, spielt sich wunderbar eingängig und ist hervorragend präsentiert. Ja, ich finde es einfach großartig. Trotzdem sehe ich natürlich auch die langfristig mangelnde Spieltiefe. Allerdings betrachte ich das in Relation zum aktuellen VR-Markt, zu den aktuellen Spielen und wie diese derzeit umgesetzt werden. Und im aktuellen Vergleich ist Skyworld deshalb für mich ein Meisterwerk. Zur Perfektion reicht es nur deswegen nicht, weil die Kämpfe zu repetitiv ausfallen. Aber ansonsten kann ich jedem VR-Enthusiasten empfehlen, Skyworld eine Chance zu geben.

Das VR-Strategiespiel Skyworld erhaltet ihr hier:

Getestet mit: HTC Vive

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Benjamin Danneberg
Benjamin Danneberg

Projektmanager GameZ. Privat auf SPACE4GAMES zuhause. Bekennender "Life is Strange"-Fanboy und Baldur's Gate-Profi.

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