Resident Evil 7 im Test: Gelungener Horrortrip zurück zu den Wurzeln

Dunkle Keller, fiese Monster und explizite Gewalt – beim Testen von Resident Evil 7 ist für euch jede Menge Angstschweiß geflossen. Die Eindrücke lest ihr im Review.

  • von Constanze Thiel am 19.01.2017, 16:32 Uhr

Dass Resident Evil 7 kein Zuckerschlecken wird, zeigten schon die Demos. Wer die gespielt hat, dem kommt das Setting des Hauptspiels gerade zu Beginn zwar bekannt vor – was den Gruselfaktor angeht fühlt sich die Demo jedoch im Vergleich zum Hauptspiel an wie ein entspannter Spaziergang an einem lauen Sommertag. Resident Evil 7: Biohazard ist nämlich verdammt gruselig.

Fans können sich nach dem wenig beliebten Resident Evil 6 endlich wieder auf einen haarsträubenden Survival-Horrortrip freuen, der Genre-Vertreter wie Outlast in den Schatten stellt. Resident Evil 7 ist nichts für Zartbesaitete, spielt gekonnt mit Horror-Stereotypen und entreißt euch immer wieder die Kontrolle.

Dieses Review enthält keine Spoiler zur Handlung von Resident Evil 7. Getestet wurde auf PlayStation 4 ohne Verwendung von PlayStation VR.

Was das Fan-Herz begehrt

Gehört ihr zu den Menschen, die nach dem Release von Resident 6 mit dem Kopf geschüttelt und sich endlich wieder ein Resident Evil gewünscht haben, das sich auch wie eines anfühlt? Dann werdet ihr mit dem neuesten Teil höllisch viel Freude haben. Hier gehen endlich wieder Rätsel, Item-Management und Gruselatmosphäre fantastisch mit einem heruntergekommenen Gruselhaus einher. In Resident Evil 7 führt euch die Suche nach eurer seit drei Jahren verschwundenen Frau Mia nämlich in das nicht besonders vertrauenerweckende Anwesen der Familie Baker. Anders als bereits bekannte Figuren wie Jill Valentine oder Leon S. Kennedy ist Hauptfigur Ethan Winters allerdings kein abgebrühter Profi. So wie Miles Upshur aus Outlast stolpert auch Ethan in eine Situation hinein, der er nicht gewachsen ist.

Trotzdem ist Ethan kein langweiliger Durchschnittstyp und das Spiel kein Outlast-Klon, in dem Flucht die einzige Devise ist. Seine Reaktion auf ein Rätsel, bei dem ein Holzblock solange gewendet werden muss, bis der von ihm geworfene Schatten eine bestimmte Form annimmt, ist »Wer zum Teufel baut so einen Scheiß?«. Der in Resident Evil 7 eingearbeitete Humor des Protagonisten sorgt dafür, dass ihr euch nicht die ganze Zeit krampfhaft an Controller oder Maus klammert. Gleichzeitig kommen Schreckmomente dadurch noch besser zur Geltung. Ethan wird so außerdem menschlicher und damit zugänglicher für euch.

Ihr bahnt euch euren Weg durch das Horrorhaus nämlich eben nicht mit dem taffen Leon, sondern mit einem vor Angst keuchenden Ethan. Während euch dabei die Mitglieder der Baker-Familie auf den Fersen sind, schleicht ihr euch vorsichtig durch Flure und späht ängstlich um Ecken. Weil Ethan nun einmal kein draufgängerischer Actionheld ist, sind Ressourcen wie heilende Kräuter oder Schießpulver zur Herstellung von Munition ein wichtiges Gut für ihn. Ein schmales Inventar zwingt euch zugleich dazu, durchdachte Entscheidungen zu treffen. Ressourcen-Management und überlegtes Vorgehen sind in Resident Evil 7 der Schlüssel zum Überleben, rasante Schussgefechte, Gegnerhorden und übertrieben coole Sprüche hingegen Fehlanzeige.

Passend zum verwahrlosten Haus der verschrobenen Bakers finden sich in Resident Evil 7 nicht nur allerlei merkwürdige Rätsel-Objekte und andere Kuriositäten, sondern auch eine Bauanleitung sowie Komponenten für einen Flammenwerfer findet. Das macht in dieser Umgebung durchaus Sinn.

Verfolgungswahn, Kettensägen & Ekelfaktor

Resident Evil 7 schneidet sich große Scheiben von anderen Genre-Vertretern wie der F.E.A.R.-Reihe, dem gefeierten Playable Teaser für Silent Hills und eben Outlast ab. Bei all diesen Inspirationsquellen und der erstmaligen Einbindung der Ego-Perspektive, bleibt das Spiel seinem Franchise trotzdem angenehm treu. Wer eine gehörige Portion von psychologischem Horror erwartet, ist also an der vollkommen falschen Adresse.

Zwar sorgen Setting und Sound-Design vor allem im ersten Drittel des Spiels dafür, dass ihr so etwas wie Verfolgungswahn verspürt. Gleichzeitig seid ihr keinesfalls wehrlos, durch Fortschritt kommt ihr an immer effektivere Waffen, sodass das Gefühl der Hilflosigkeit nach und nach verfliegt. Langzeit-Fans sind zwar mit expliziter Gewaltdarstellung vertraut, aber Resident Evil 7 dreht bereits innerhalb der ersten halben Stunde so sehr auf, dass auch ihnen etwas anders werden könnte. Gore und Splatter sind bei Resident Evil 7 Trumpf.

Dennoch trieft das Spiel nicht vor lauter Horror-Stereotypen. Im Gegenteil, Resident Evil 7 stellt eure Erwartungen immer wieder gekonnt auf den Kopf. Nicht nur im Bezug auf die Story, sondern auch hinsichtlich der Gegner, die es zu bekämpfen gilt. Ohne zu viel von der Handlung vorwegnehmen zu wollen: Der Survival-Horror-Titel versteht es, euch ständig den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Die andere Seite der Münze

Neben all dem Lob gibt es selbstverständlich auch ein paar Dinge in Resident Evil 7, die weniger gut gelungen sind. Zwar schafft es das Spiel ohne Probleme, unheimliche Settings aufzubauen, die mit Detailreichtum, dichter Atmosphäre und schicker Gestaltung glänzen. Im Gegensatz dazu stechen jedoch die detailarmen Figuren hervor. Besonders zu Beginn des Spiels fallen sie vor realitätsnahen Hintergründen durch ihre dürftigen Texturen negativ ins Auge. Was wirklich schade in Anbetracht der Tatsache ist, dass Charaktere durch Voice Acting und die Arbeit der Autoren eigentlich herrlich lebendig wirken.

Außerdem baut Resident Evil 7 im letzten Drittel deutlich ab. Wie bereits oben erwähnt, enthält dieser Test keine Spoiler zur Handlung und deshalb werden an dieser Stelle keine Details zur Story verraten. Gesagt sei aber, dass der Survival-Horror-Titel dann am stärksten ist, wenn er sich an den Leitsatz »Weniger ist mehr« hält.

Fazit

Resident Evil 7 schafft es, frischen Wind ins Franchise zu bringen, ohne dabei Langzeit-Fans abzuschrecken. Die Story ist gespickt mit ansprechenden Wendungen, die euch immer wieder vor neue Herausforderungen stellen und zum Umdenken zwingen. Mit kleinen, ekelerregenden Details in stimmigen Spielumgebungen beschwört Resident Evil 7 eine beklemmende Atmosphäre herauf. Mit enorm expliziter Gewaltdarstellung erwischt es vielleicht sogar einige Genre-Kenner kalt. Im Großen und Ganzen ist das Spiel ein über weite Strecken gelungener Horrortrip.

Constanze Thiel
Constanze Thiel

Winterkind. Superbeast. Lipstick stains & video games. Mother of Xenomorphs. Fährt am Wochenende gerne mit ihren Pokémon raus nach Silent Hill.