Red Matter im Test: Spannender VR-Puzzler für Retro-Agenten

Red Matter ist ein VR-Puzzlespiel mit interessanter Story-Prämisse. In einer alternativen Realität schlüpfen wir in die Haut eines Geheimagenten, der eine konkurrierende Supermacht ausspionieren soll. Obendrein findet das in den Tiefen des Weltalls statt. Kann das Abenteuer halten, was es verspricht?

  • von Oliver Schmiedchen am 10.05.2019, 13:13 Uhr
Red-Matter-Header

Das spanische Entwicklerstudio Vertical Robot hat mit Red Matter ein Virtual Reality-Puzzlespiel geschaffen, das mit durchdachten Rätseln begeistert – aber nicht nur damit. Womit kann der Titel außerdem noch punkten? In unserem Test lösen wir dieses Rätsel.

    1. Red Matter: Militär-Spionage im Weltall
    2. Spannung, Mysterien, Rätsel
    3. Tolles Knobel-Gameplay
    4. Gelungene Bewegungssteuerung
    5. Audiovisuell beeindruckend
    6. Unsere Wertung

Red Matter: Militär-Spionage im Weltall

Was Red Matter von anderen Top-VR-Puzzlespielen wie FORM oder Laser Puzzle in VR abhebt, ist vor allem der Fokus auf die Hintergrundgeschichte. Die ist hier nämlich nicht nur bloßes Beiwerk, sondern macht das Spiel eher zu einem spannenden Adventure als zu einer bloßen Aneinanderreihung von Rätseln.

ie Welt von Red Matter ist von einem Kalten Krieg zwischen zwei Supermächten geprägt, der Atlantischen Union und der Volksrepublik Volgrovia. Dabei handelt es sich um eine Alternate Reality-Version des Konfliktes zwischen den USA und der Sowjetunion, der hier sogar in den Tiefen des Weltraums ausgetragen wird. Wir schlüpfen nämlich in die Haut von Agent Epsilon, der im Auftrag der AU eine volgrovianische Geheimbasis auf dem Saturnmond Rhea ausspionieren soll.

Spannung, Mysterien, Rätsel

Das ist auch schon alles, was wir nach der Ansicht des kurzen Intros über unsere Mission erfahren, bevor wir unsanft an unserem Zielort landen und alsbald mit allerlei spannenden Fragen konfrontiert werden. Während wir die scheinbar verlassene militärische Forschungseinrichtung erkunden, treffen wir nämlich auf immer mehr Anomalien und Hinweise darauf, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

Halluzinieren wir, oder passiert das jetzt wirklich? Woher kommt die namensgebende Rote Materie und was macht sie? Sind hier übernatürliche Kräfte oder gar Aliens am Werk? Und was hat es eigentlich mit den Schachfiguren auf sich? Red Matter versteht es perfekt, uns mit allerhand Mysterien anzufüttern und bleibt dadurch stets spannend, während wir uns durch die volgrovianische Basis rätseln.

Der visuelle Stil von Red Matter orientiert sich dabei gut erkennbar an der UDSSR-Architektur der 1950er- oder 60er Jahre sowie am damaligen Stand der Technologie. CRT-Monitore statt Flatscreens, sozialistische Propaganda-Poster und viel Mechanik anstatt Elektronik bestimmen das Bild. Die Spielumgebungen sind ebenso stimmig wie detailreich. Überall gibt es etwas zu entdecken und wir bekommen das Gefühl, dass diese Weltraumbasis tatsächlich bewohnt ist (oder war?).

Red Matter: Tolles Knobel-Gameplay

Schon für sich allein genommen ist die Story ziemlich gut. Dass sie aber obendrauf noch perfekt ins Gameplay eingebunden ist, setzt Red Matter die Atmosphäre-Krone auf. Die Geschichte wird nämlich nicht in klassischen Zwischensequenzen vorangetrieben, sondern entfaltet sich organisch, während wir akribisch unsere Umgebung durchsuchen und so nach und nach der Wahrheit näher kommen.

Dafür stehen uns drei Werkzeuge zur Verfügung: Eine Taschenlampe, ein mechanischer Greifarm an jeder Hand unseres Raumanzugs sowie unser wichtigstes Utensil: Der Universal-Scanner. Die wichtigste Funktion dieses Tools ist die Simultan-Übersetzung. Auf der volgrovianischen Basis ist nämlich – logischerweise – alles auf Volgrovianisch. Hinweisschilder, Notizen, Bildschirmanzeigen – alles müssen wir erst einmal per Knopfdruck durch den Übersetzer jagen, bevor wir es verstehen können.

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Dieser Umstand wird in Red Matter geschickt zum Lösen der vielen spannenden Rätseleingesetzt. Besonders cool: Keines der Puzzle erweckt auf uns den Eindruck, eigentlich keine Daseinsberechtigung zu haben. Jede Aufgabe, die wir zu lösen haben, fügt sich stimmig in die jeweilige Spielsituation ein – wir knobeln nicht um des Knobelns willen, sondern weil wir jetzt eben herausfinden müssen, wie die Kombination für den verdammten Safe lautet.

Die Puzzles sind dabei durchaus fordernd, aber immer logisch und fair gehalten. Mit einer Mischung aus Geduld, logischem Denken und Umgebungserkundung kommen wir stets zuverlässig ans Ziel. Fast jedesmal stellt sich in angemessener Zeit ein „aaah, natürlich funktioniert das so“-Gefühl gepaart mit einem Erfolgserlebnis ein – so macht Rätseln Spaß!

Gelungene Bewegungssteuerung

Ohne Englisch-, Spanisch- oder Französischkenntnisse kommen wir allerdings leider nicht weit. Aktuell bietet Red Matter nämlich keine deutsche Synchronisation und auch keine deutschsprachigen Untertitel.  Trotzdem ist das Spiel durchweg gelungen. Neben der Story und dem Gameplay kann sich nämlich auch der technische Unterbau des Puzzle-Adventures mehr als sehen lassen.

In puncto Bedienung stehen uns mehrere Steuerungsvarianten zur Verfügung: Zwei verschiedene Modi für direkte Teleportation, freie Bewegung sowie „Sprung-Teleportation“. Letztere ist voreingestellt und passt am besten ins Spielkonzept.

In der Raumbasis herrscht nämlich eine niedrigere Schwerkraft, und die Sprung-Teleportation ist mit Jetpack-Soundeffekten unterlegt. Per Stick können wir sogar unsere Schwebegeschwindigkeit stufenlos variieren – alles in allem ist das die immersivste Fortbewegungsmethode im Spiel.

Die freie Bewegung ist relativ langsam und kann problemlos parallel zur Teleportation eingesetzt werden, um kleine Distanzen zu überbrücken. Gut durchdacht ist auch die Steuerung unserer virtuellen Hände. Die Oculus Touch-Controller sind mitsamt ihrem realen Original-Design Teil unseres Raumanzugs, was die Immersion nicht unerheblich steigert. Außerdem gibt es ein paar praktische Kniffe, die uns das Leben vereinfachen. Fällt uns ein Objekt herunter, müssen wir uns nicht zwingend bücken, sondern können es mit einer Art Mini-Traktorstrahl wieder in unseren Greifarm befördern.

Zusätzlich stehen uns verschieden Komfort-Optionen zur Verfügung, die uns z.B. im Stehen oder Sitzen spielen lassen oder in Bewegung das Sichtfeld verengen, um die Gefahr von Motion Sickness zu minimieren.

Audiovisuell beeindruckend

Akustisch sowie optisch kann sich Red Matter ebenfalls sehen bzw. hören lassen. Die Hintergrundmusik ist ebenso unauffällig wie atmosphärisch, was auch für die Soundeffekte gilt. Optisch wissen insbesondere die Licht- bzw. Schatteneffekte zu gefallen. In Kombination mit der Tonuntermalung und den übernatürlichen Vorgängen im Spiel läuft uns dadurch mehr als einmal ein wohlig gruselnder Schauer über den Rücken.

Sehr cool ist auch, dass eine Großzahl der Umgebungsobjekte in Red Matter nicht statisch, sondern interaktiv ist. Wir können Bücher, Gläser und Figuren aus dem Regal nehmen, Videokassetten in Rekorder einlegen (und uns ansehen), auf Bildschirmen zwischen verschiedenen Überwachungskameras umschalten, und, und, und.

Besonders überrascht hat uns, wie gut lesbar Notizzettel und Grafiken sind, die wir teilweise zum Lösen von Rätseln benötigen – hier ist alles einwandfrei und messerscharf zu erkennen. Einzig die Texturen in den wenigen Außenbereichen wirken im Vergleich zur restlichen visuellen Qualität von Red Matter relativ matschig. Das können wir aber locker verschmerzen, da wir uns sowieso fast nie in derartigen Gefilden aufhalten.

Unsere Wertung

Oliver Schmiedchen

Mein Fazit:

Red Matter ist mehr als nur ein Puzzlespiel, denn dank der spannenden und toll ins Gameplay integrierten Story fühle ich mich stets mittendrin in diesem surrealen Alternate Reality-Abenteuer. Der Detailreichtum und die audiovisuelle Untermalung tun ihr Übriges dafür, dass die Immersion und Atmosphäre in Red Matter ihresgleichen suchen. Dazu tragen auch die Rätsel bei, die hier nicht als Mittel zum Zweck erscheinen, sondern als echte, nachvollziehbare Aufgaben, die ich auf meiner Suche nach der Wahrheit lösen muss. Fans von alternativen Realitäten, guten Sci-Fi-Stories und/oder Rätseln können bei Red Matter meiner Ansicht nach bedenkenlos zuschlagen - sofern sie auch ohne deutsche Synchronisation auskommen können.

Ihr solltet Red Matter insbesondere dann unbedingt spielen, wenn ihr…

  • auf alternative Realitäten steht
  • neben guten Rätseln auch eine gute Story zu schätzen wisst
  • ihr nicht euren Abzugsfinger, sondern eure grauen Zellen beanspruchen wollt

Red Matter ist wahrscheinlich nicht das richtige Spiel für euch, wenn ihr…

  • nach atemloser Action sucht
  • beim Spielen möglichst wenig denken wollt
  • absolut nicht auf Science Fiction steht

Das Virtual Reality-Puzzle-Adventure Red Matter bekommt ihr hier:

Getestet mit: Oculus Rift

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Oliver Schmiedchen
Oliver Schmiedchen

Gamer aus Leidenschaft, dabei seit PlayStation 1-Zeiten. Aktuell zuhause auf Xbox One und in Sachen VR auf dem PC. Hält die SEGA Dreamcast für die beste Konsole aller Zeiten. Feiert Musik von Gucci Mane über Led Zeppelin bis Adam Beyer.

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