Outlast 2 im Test: Warum das Horrorspiel maßlos enttäuscht

Im Test zu Outlast 2 erfahrt ihr nicht nur, weshalb der Horror-Titel kein würdiger Nachfolger für den ersten Teil ist, sondern mich als Fan der Reihe außerdem sehr enttäuscht.

  • von Constanze Thiel am 24.04.2017, 17:13 Uhr

Outlast 2 ist wie ein Smoothie. Ein schlechter Smoothie. Die dafür verantwortlichen Entwickler von Red Barrels haben sich an Werken wie Silent Hill 2, Kinder des Zorns oder Wrong Turn orientiert und all diese Inspirationen zu grauenvollem Horror vermischen wollen.

An sich ist das keine schlechte Idee. Doch am Ende entsteht aus diesen Zutaten leider ein unbefriedigendes Spiel, das neben seinem Vorgänger Outlast und dessen »Whistleblower«-DLC verblasst. Um beim sprachlichen Bild zu bleiben: Der Smoothie schmeckt nicht.

Als großer Fan des ersten Teils – der meiner Meinung nach sogar das bessere Resident Evil ist – bin ich maßlos enttäuscht vom Nachfolger. Dem Horrorspiel fehlt der rote Handlungsfaden, die Spielerführung lässt zu wünschen übrig, die Rückbezüge auf Outlast sind verschwindend gering und mit einigen Bugs habe ich mich zusätzlich herum geärgert.

Dieses Review enthält keine Spoiler zur Story von Outlast 2. Getestet wurde die PS4-Version.

Klein, aber fein

Trotzdem ist an Outlast 2 nicht alles schlecht. Wie bei vielen allen anderen Dingen, gibt es nicht nur Kritikpunkte, sondern ebenfalls einige Aspekte, die Lob verdienen. Beispielsweise hat das Studio Red Barrels wieder einmal dafür gesorgt, dass ausgezeichnetes Voice Acting die Figuren ausfüllt. Wer Gefallen an einer morbiden und düsteren Ästhetik findet, wird in Outlast 2 eine Reihe von entsprechenden Szenerien vorfinden. Hervor stechen ebenso die Szenen, die sich anstatt in der Siedlung Temple Gate in der Wüste von Arizona in einer scheinbar verlassenen Schule abspielen.

Ihr irrt in diesen Spielabschnitten durch teilweise schlecht ausgeleuchtete, enge Gänge. Türen bewegen sich von selbst, Blut durchströmt Flure oder läuft aus Toiletten oder Duschen. Der psychologische Horror funktioniert fantastisch als Gegengewicht zu den expliziten Gewaltdarstellungen und dem Ekelfaktor, mit dem die Umgebung in der Wüste Arizonas aufwartet und den Spieler schnell abstumpft.

Die wirklich guten Schreckmomente spielen sich in der Schule ab, doch gleichzeitig wirken diese Passagen allzu oft wie ein Lückenfüller für nicht gefundene Übergänge im anderen Teil der Geschichte von Outlast 2. Hauptcharakter Blake Langermann befindet sich nämlich vor den Spielabschnitten in der Schule an anderen Orten in der Einöde als noch zuvor.

Wo ist der rote Faden…

Outlast 2 spielt im selben Universum wie der erste Teil sowie dessen Whistleblower-DLC, aber an einem anderen Ort. Ihr seid nicht im Mount Massive Asylum, sondern in der abgelegenen Siedlung Temple Gate unterwegs.

Die auf der Webseite von Entwicklerstudio Red Barrels zu findenden Comics schließen einige Lücken zwischen dem ersten und zweiten Spiel. Darin erfahrt ihr beispielsweise, dass die Murkoff Corporation nicht nur im Mount Massive Asylum Experimente an Menschen durchgeführt hat. Die Einwohner von Temple Gate mussten ebenso als Versuchskaninchen herhalten.

Ganz zu Beginn des Spiels reißt Hauptfigur Blake Langermann die Ereignisse des ersten Teils an, viel mehr Rückbezüge auf den Vorgänger bietet Outlast 2 aber nicht. Dabei trugen die Macher nach außen, dass es einen Sinn dafür gebe, dass das Spiel eben diesen Titel trage und nicht unter einem anderen Namen herausgebracht wurde.

Die Kernthemen von Outlast scheinen demnach Gore, Splatter und die verdrehte Darstellung von Religion zu sein. Denn wer auf ein Wiedersehen mit dem Walrider oder der Morphogenic Engine gehofft hat, die in Outlast für einen so effektiven Twist in der Story sorgten, wird von der Handlung von Outlast 2 enttäuscht.

Eigentlich möchte ich in diesem Zusammenhang den Begriff »Handlung« auch gar nicht gebrauchen. Outlast 2 reiht lieblos eine Grausamkeit an die nächste, ein popkulturelles Klischee über religiöse Fanatiker an das andere.

Der mysteriöse Mord an einer schwangeren Frau ist zum Beispiel der Grund, aus dem Blake und seine Frau Lynn nach Arizona reisen, um Nachforschungen anzustellen. Allerdings greift die Story von Outlast 2 diesen Strang kaum auf und lässt ihn nach kurzer Zeit im Sande verlaufen.

…und warum sind alle tot?

Wenn es nicht gerade Blut regnet, hagelt es beinahe ununterbrochen Szenen voller Ekelfaktoren: Fäkalien, Leichenberge, Folter. Im Gegensatz dazu sind Erklärungen für den Horrortrip, den Blake Langermann in Outlast 2 erlebt, rar gesät.

Dessen Ende ist übrigens schlichtweg unbefriedigend. Dazwischen gibt es zu wenige »Aha«-Momente und stattdessen zu viele Gelegenheiten die Stirn zu runzeln, weil ihr euch auf das, was auf eurem Bildschirm passiert, nur wenig bis keinen Reim machen könnt.

Hinzu kommt, dass es, ähnlich wie in Until Dawn, zu viele Feinde gibt. Neben den Einwohnern von Temple Gate machen unter anderem eine Frau mit einer glühenden Spitzhacke oder ein merkwürdiges, verwest aussehendes Wesen Jagd auf euch. Die Hintergründe der Figuren werden jedoch unzureichend erklärt. Einen Fehler, den Until Dawn dadurch umgeht, dass es alle als Antagonisten etablierten Figuren ebenfalls sinnvoll in die Story einbindet und damit für überraschende Wendungen sorgt.

But wait, there’s more!

Allerdings ist der fehlende rote Faden in der Handlung von Outlast 2 nicht das einzige Problem des Horrorspiels.

Als Beispiel für schlechte Führung des Spielers sei an dieser Stelle ein Abschnitt in der Schule genannt, in dem ihr vor einem unheimlichen Wesen die Flucht ergreifen müsst. Allerdings ist nicht auf Anhieb klar, welche Route die richtige ist, sodass ihr immer wieder auf dem Holzweg seid. Situationen wie diese enden darin, dass euch Gegner wieder und wieder töten.

Weil so schnell Frustration aufkommt, schwindet die Angst vor den fiesen Feinden und die unheimliche Atmosphäre verflüchtigt sich, wenn ihr dieselbe Passage wieder und wieder spielen müsst. Mit gut platzierten visuellen Anhaltspunkten wäre das nicht passiert.

Nervige Bugs sorgen in Outlast 2 des Weiteren beispielsweise dafür, dass ihr einfach nicht mehr aus Schränken herauskommt und schmälern den Grusel-Flair umso mehr. Die Puzzles bestehen derweil zu einem Großteil darin, Generatoren an- oder abzuschalten oder Zettel in der Schule zu finden. Dann lieber absurde, aber abwechslungsreiche Rätsel wie in Resident Evil 7. Darin müsst ihr unter anderem Holzblöcke solange drehen und wenden, bis diese einen ganz bestimmten Schatten werfen.

Eine schlechte Spielerführung, Bugs und repetitive Puzzles sorgen darüber hinaus für Frustration, worunter die Gruselatmosphäre massiv leidet. Ein Todesurteil für jedes Spiel eines Genres, das euch eigentlich den Angstschweiß auf die Stirn treiben will.

Fazit

Outlast 2 besinnt sich nicht auf die Stärken seines Vorgängers. Anstelle einer erfrischenden Geschichte, die bewusst mit Horror-Klischees spielt, setzt der zweite Teil auf Ekelfaktor sowie eine noch extremere Gewaltdarstellung, vergisst dabei jedoch eine zusammenhängende Story zu erzählen. Die unzureichend durchdachte Führung des Spielers sorgt für viel Frustration und zerstört so jegliche Atmosphäre. Bugs und sich wiederholende Puzzles tragen ihr übriges dazu bei, dass Outlast 2 im Test nicht überzeugt.

Zum Schluss bleibt nur noch zu sagen, dass ich als Fan der Reihe und des Horror-Genres allgemein Outlast 2 nur allzu gerne einen Platz in meinem Herzen eingeräumt hätte. Möglich ist das wegen der oben ausgeführten Probleme aber leider nicht.

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Constanze Thiel
Constanze Thiel

Winterkind. Superbeast. Lipstick stains & video games. Mother of Xenomorphs. Fährt am Wochenende gerne mit ihren Pokémon raus nach Silent Hill.