Onward im Test: Mitreißender VR-Militär-Shooter

Bereits seit Ende August 2016 zählt Onward zu den beliebtesten Ego-Shootern im VR-Sektor. Doch wie fing diese Erfolgsgeschichte überhaupt an? Und was genau macht Onward eigentlich so reizvoll? Unser Test gibt Antworten.

  • von Sönke Siemens am 19.06.2019, 11:53 Uhr
Onward-Header

Onward – ins Deutsche übersetzt bedeutet das soviel wie „vorwärts“, „nach vorn“ oder „weiter“. Für Dante Buckley jedoch hat dieses Wort eine viel größere Bedeutung. Schon im Alter von 18 Jahren war es sein Traum, ein eigenes Videospiel zu entwickeln.

Buckley konnte ein bisschen programmieren, hatte noch etwas Geld auf der hohen Kanten und liebte das Ego-Shooter-Genre, allen voran Halo und Call of Duty. Weil er außerdem Virtual Reality als angehendes Trendthema einstufte, entscheidet er sich, sein erstes Game in VR zu verwirklichen.

  1. Onward: Eine VR-Erfolgsgeschichte
  2. Realistische Handhabung der Waffen
  3. Nettes Aufwärmprogramm für VR-Einsteiger
  4. Volle Immersion – auch beim Laufen
  5. VR-Aufräumkommando im Anmarsch
  6. Vom Jäger zum Gejagten
  7. Team Volk vs. Team Marsoc
  8. Schöne, aber leblose virtuelle Umgebungen
  9. Unsere Wertung

Onward: Eine VR-Erfolgsgeschichte

Ende August 2016 ist es schließlich soweit. Der auf 5-vs-5-Mehrspieler-Gefechte getrimmte Militär-Shooter Onward – ein Projekt, für das Buckley sogar seinen College-Platz an den Nagel hing – erscheint auf Steam. Die Early-Access-Fassung kostet umgerechnet ca. 23 Euro und verkauft sich binnen zwei Monaten ca. 18.000 Mal.

Für einen VR-Shooter eine durchaus respektable Leistung. Für Buckley hingegen ändert dieser Erfolg alles. Denn aus dem hoch motivierten Hobby-Programmier wird plötzlich ein respektierter Indie-Entwickler, dessen Spiel es 2017 sogar in die Liste der umsatzstärksten VR-Games schafft.

Heute befindet sich Onward zwar immer noch im Early-Access-Programm von Steam, erfreut sich aber weiterhin großer Beliebtheit und weist laut Steamdb bereits mehr als 200.000 Verkäufe auf. Wir nahmen diesen anhaltende Erfolg zum Anlass, uns das Spiel einmal genauer anzusehen.

Realistische Handhabung der Waffen

Quizfrage an alle Ego-Shooter-Fans: Wie lädt man ein Maschinengewehr vom Typ LMG in den meisten Nicht-VR-Ego-Shootern nach? Richtig, man drückt die Waffen-Nachladetaste – fertig!

Ganz anders in Onward. Ähnlich wie in Pavlov VR müsst ihr den hinteren Bereich der Waffe zunächst einmal hochklappen, dann mit der Hand nach dem Patronengurt im Magazin greifen, diesen in den dafür vorgesehenen Schacht legen, die Klappe wieder schließen und zu guter Letzt noch einen Verschluss entriegeln.

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Doch nicht nur das Nachladen der 30 verschiedenen Waffen gestaltet sich unglaublich immersiv. Auch die tatsächliche Anwendung wurde verdammt gut umgesetzt. Denn um in Onward präzise zu treffen und den Rückstoß zu minimieren, müsst ihr jede Waffe zunächst mit der zweiten Hand am Lauf (bzw. bei Pistolen am Griff) festhalten und stabilisieren.

Anschließend ist dann klassisches Zielen über Kimme und Korn angesagt. Zoom- und Laser-Visiere sind natürlich ebenfalls an Bord, entfalten ihren Nutzen allerdings erst dann, wenn ihr mit einem Auge im richtigen Abstand und Winkel hindurch blickt.

Nettes Aufwärmprogramm für VR-Einsteiger

Klingt alles ziemlich kompliziert? Keine Sorge, Onward bietet ein ausführliches Tutorial und nimmt sich viel Zeit, euch die wichtigsten Steuerungsgrundlagen beizubringen. Dort lernt ihr dann unter anderem auch, wie man Granaten kocht, sich selbst mit einer Injektionsspritze heilt, das Kampfmesser verwendet und Navigationspunkte auf dem stets mitgeführten Tablet lokalisiert.

Wer seine Kenntnisse weiter vertiefen möchte, darf außerdem einen Abstecher auf die Shooting-Range wagen. Das Trainingsgelände bietet eine Vielzahl an Zielscheiben in unterschiedlichsten Entfernungen, die ihr dann – völlig ohne Zeitdruck und Gegnerstress – mit einem Loadout eurer Wahl malträtieren dürft.

Prima Sache! Für zukünftige Updates wünschen wir uns hier allerdings noch einen Nacht-Modus, bewegliche Ziele sowie einen Hindernisparcours, um die Fortbewegung zu trainieren.

Volle Immersion – auch beim Laufen

Stichwort Fortbewegung: Das eigentliche Laufen durch die Spielwelt erfolgt fließend wie in einem klassischen Ego-Shooter. Auf eine Teleport-Funktion wurde bewusst verzichtet, um Spieler nicht aus der Immersion zu reißen.

Außerdem ist Onward standardmäßig so konfiguriert, dass Drehungen um die eigne Achse nicht mit Hilfe des rechten Analogsticks/Touchpads durchgeführt werden, sondern durch Kopfdrehungen in die entsprechende Richtung. Da die Entwickler zudem eine vergleichsweise langsame Laufgeschwindigkeit vorgeben, hatten wir praktisch kaum mit Unwohlsein zu kämpfen.

Trotzdem: Wer anfällig ist für Motion Sickness, könnte diese natürlich auch in Onward erleben. Bestes Gegenmittel: Zunächst mit kurzen Sessions beginnen und immer wieder Pausen einlegen. Anschließend die Dosis langsam steigern.

VR-Aufräumkommando im Anmarsch

Derzeit bietet Onward insgesamt drei Spielmodi. Die ersten beiden heißen Hunt und Evac und können sowohl allein als auch im Koop-Team mit anderen angegangen werden. Zunächst zu Hunt: Passend zum Namen geht’s hier darum, Jagd auf bis zu 16 KI-Gegner zu machen.

Wie aggressiv die Gegner zuschlagen und auf welcher der insgesamt neun Karten gespielt wird, dürft ihr dabei ebenso festlegen wie eine von vier Einheitenklassen und deren Loadout.

Der Rifleman zum Beispiel ist der Allrounder in Onward und darf aus einer Vielzahl an Sturmgewehren wählen. Als Designated Marksmen agiert ihr in erster Linie mit Scharfschützengewehr und als Specialist dürft ihr euer Glück sogar mit einer Kombination aus kugelsicherem Schild und Taser versuchen.

Vierter im Bunde ist der Automatic Rifleman. Er kann als einziger mit großkalibrigen Maschinengewehre in die Schlacht stürmen, die besonders hohe Munitionskapazitäten aufweisen.

Vom Jäger zum Gejagten

Gegenpol zu Hunt ist Evac, eine Spielvariante, in welcher ihr zum Gejagten werdet. Oder anders formuliert: Kurz nach Match-Beginn entsendet die KI immer neue Truppen. Diese suchen die Karte gezielt nach euch ab, feuern bei Sichtkontakt und kreisen euch systematisch ein.

Klingt krass und ist es auch. Denn bereits auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad reichen wenige Gegentreffer, um das Zeitliche zu segnen. Damit dies nicht passiert, nimmt man am besten schnell die Beine in die Hand, verschanzt sich in einem Gebäude und harrt dort dann solange aus, bis ein Transport-Hubschrauber eintrifft, um euch bzw. euer Team zu extrahieren.

Doch Obacht: Der Helikopter landet meist nicht dort, wo ihr ihn gebrauchen könnt. Wer trotzdem lebend davon kommen will, sollte daher einen guten Fluchtplan in der Hinterhand haben. Adrenalin pur! Speziell in der dramatischen Fluchtphase!

Team Volk vs. Team Marsoc

Abgerundet wird das Paket von einem klassischen, Objekt-basierten Multiplayer-Modus. Die Idee hier: Zwei Teams mit je fünf Spielern treten gegeneinander an. Team Marsoc (die mit den wüstenfarbenen Anzügen) hat die Aufgabe, einen Zielpunkt auf der Karte zu finden und die dort platzierte Satelliten-Uplink-Station zu aktivieren.

Team Volk (die mit den schwarzen Anzügen) hingegen muss genau das verhindern, indem sie alle Angreifer liquidieren. Gespielt wird sieben Runden lang. Wer zuerst die Mehrzahl der Runden für sich entscheidet, gewinnt.

Das Reizvolle in allen drei Spielmodi: Onward verzeiht keine Fehler (den Rookie-Modus mal ausgenommen). Wer beispielsweise sein Nachtsichtgerät anknipst und plötzlich Feind mit Freund verwechselt, muss mit den Konsequenzen leben. Gleiches gilt für den verschwenderischen Umgang mit Munition, das unachtsame Fallenlassen von Granaten und vieles mehr.

Hinzu kommt: Perks, Streak-Belohnungen usw. gibt es hier nicht. Es zählt also vor allem der Skill jedes Einzelnen – und seine Fähigkeit effektiv mit Team-Kameraden zu kommunizieren. Ergänzt man diese Aspekte nun noch um das grandiose, eingangs skizzierte Waffen-Handling, bleibt eine VR-Erfahrung, die sich kein Shooter-Fan entgehen lassen sollte.

Schöne, aber leblose virtuelle Umgebungen

Onward hat viele Stärken und läuft für eine Early-Access-Fassung bereits erstaunlich stabil. Nichtsdestotrotz falls nach Längerem Spielen diverse Kritikpunkte auf, die die Entwickler bis zum finalen Release hoffentlich noch ausbügeln.

Ganz oben auf unserer „Das-muss-besser-werden“-Liste steht die Leblosigkeit vieler Szenarien. Auf der an sich ziemlich schicken Dschungel-Karte gibt es zum Beispiel leider rein gar nichts, was der Welt Leben einhaucht. Affen, die sich durch die Baumwipfel schwingen? Käfer, die durchs Unterholz krabbeln? Vögel, die eine kurze Verschnaufpause auf der coolen Hängebrücke einlegen? Fehlanzeige!

Oder nehmen wir das Level Cargo. Während wir uns zwischen tonnenschweren Containern nervenaufreibende Feuergefechte liefern, passiert im Hintergrund rein gar nichts. Ärgerlich, denn auch hier könnte man durch Kleinigkeiten wie dampfende Ventile, am Boden entlang sausende Ratten und dergleichen mehr für zusätzliche Schreckmomente und somit einen weiteren Atmosphäre-Schub sorgen.

Schade zudem, dass Gegner manchmal durch Wände clippen, man keine Leitern empor klettern kann, viele Räume innen nicht möbliert sind und die Entwickler keine nennenswerten Zerstörungseffekte integrierten.

Unsere Wertung

Sönke Siemens

Mein Fazit:

Unter Strich sind es vor allem zwei Gründe, aus denen Onward begeistert. Zum einen der überall zelebrierte Realismus. Projektile töten nach nur wenigen Treffern, jeder Spieler hat in jedem Spielmodus nur ein Leben und Waffen müssen in mehreren Schritten nachgeladen und zweihändig stabilisiert werden – all das und mehr sorgt für einen hohen Grad an Immersion und Anspannung. Zum anderen punktet Onward mit seinem klaren Fokus auf Teamplay und soziale Interaktion. Denn egal ob wir nun im 4er-Koop gnadenlose KI-Gegner jagen oder im 5vs5-Multiplayer um den Match-Sieg ringen – wer sich hier nicht ständig mit seinen Teamkameraden abspricht und auf eine gemeinsame Taktik einigt, hat eigentlich schon verloren.

Erfreulich auch, dass Downpour Interactive Onward konstant verbessert und die Community mit monatlichen „Sitreps“ auf dem Laufenden hält. Mit anderen Worten: Lass euch nicht von der Early-Access-Einstufung blenden – dieser Titel ist jeden Cent wert und dürfte auch in Zukunft noch für Schlagzeilen sorgen.

Ihr solltet Onward eine Chance geben, wenn ihr…

  • schon immer wissen wolltet, wie intensiv sich eine gut gemachte VR-Militär-Simulation anfühlen kann
  • ein echter Teamplayer seid und Spiele wie Counter-Strike, ArmA oder Pavlov VR liebt
  • eine Idee davon bekommen wollt, wie sich das Ego-Shooter-Genre dank VR in Zukunft weiterentwickeln könnte
  • eine PC-Alternative zum PlayStation VR-Hit Firewall: Zero Hour sucht

Ihr solltet Onward besser meiden, wenn…

  • euch bei Ego-Shootern ohne Teleport-Funktion sofort schlecht wird
  • ihr auf der Suche nach einem Shooter-Erlebnis mit Story-getriebener Kampagneseid
  • ihr in VR lieber gegen Fantasy-Gestalten kämpft statt gegen real aussehende Gegner

Die Early-Access-Version des VR-Militär-Shooters Onward erhaltet ihr hier:

Getestet mit: Oculus Rift

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Sönke Siemens
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