Marvel Powers United VR im Test: Superhelden mit Ladehemmung

Marvel Powers United VR lässt uns als Superheld Bösewichte ihrer gerechten Strafe zuführen. Wir haben den Oculus Rift-Exklusivtitel auf Herz und Nieren geprüft – Deadpool wäre stolz auf uns.

  • von Oliver Schmiedchen am 09.05.2019, 16:45 Uhr
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Lizenzspiele zu Filmen – oder wie in diesem Fall zum MCU-Filmuniversum – haftet seit Jahr(zehnt)en ein zweifelhafter Ruf an. Oft kann die Spielumsetzung den Zauber der Filmvorlage nicht einfangen. Ist Marvel Powers United VR für Oculus Rift / Rift S eine willkommene Ausnahme von dieser Regel?

  1. Schöner Schein
  2. Viele Helden, wenig Abwechslung
  3. Teamplay erforderlich
  4. Spektakulär unspektakulär
  5. Gameplay für ganz bequeme Zeitgenossen
  6. Nur für echte Fans empfehlenswert

Schöner Schein

Der Ersteindruck des Acionspiels aus dem Hause Sanzaru Games gestaltet sich positiv. Das Tutorial, in dem wir wahlweise Black Widow oder Captain America steuern, ist toll inszeniert und macht Lust auf mehr. Während wir uns durch die Straßen von New York Richtung Avengers Tower kämpfen, lernen wir allerdings nicht nur die Grundlagen der Steuerung kennen.

Denn: Innerhalb des vielleicht zehnminütigen Einstiegs in die Spielwelt erfahren wir die komplette Story von Marvel Powers United VR, wenn wir sie denn so nennen wollen. Die gesamten Schurken aus dem MCU haben sich nämlich zusammengetan, und wir müssen sie aufhalten.

Leider schließt sich hier aber keine mit filmreifen Actionsequenzen gespickte Tour de Force mit überraschenden Wendungen (oder jedweder Art von Storytelling) an. Stattdessen verbirgt sich hinter dem Spiel ein recht gewöhnlicher Wave-Shooter, was zwar nicht per se schlecht sein muss, aber dennoch schade ist. Das kurze Tutorial-Level zeigt nämlich, dass hier durchaus Potential für ein tolles lineares Actionspiel im Marvel-Universum gewesen wäre.

Viele Helden, wenig Abwechslung

Stattdessen finden wir uns nach dem Spieleinstieg in einer ziemlich cool designten Basis wieder, in der einige Easter Eggs (Baby Groot!) versteckt sind. Tony Stark’s F.R.I.D.A.Y-KI ist ebenfalls zugegen und hat hin und wieder einen flotten (englischen) Spruch auf den Lippen.

Des weiteren haben wir Zugriff auf einen Trainingsraum, in dem wir die 18 verfügbaren Helden von Spiderman über Doctor Strange bis Hulk ausprobieren dürfen. Allerdings fehlt mit Iron Man bezeichnenderweise der wohl populärste MCU-Charakter – der wird nämlich sein eigenes VR-Spiel für Sonys PlayStation VR bekommen.

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Das ist zwar ärgerlich, aber (leider) nicht wirklich schlimm.  Schnell stellt sich nämlich das Gefühl ein, dass es insgesamt nur eine Handvoll Fähigkeiten im Spiel gibt, die den Charakteren in minimal abgeänderter Form zugeteilt wurden.

Zum Beispiel haben die meisten Figuren eine Granaten-Fähigkeit, die zwar bei Spiderman anders aussieht als bei Deadpool, spielerisch aber exakt identisch ist. Gleiches gilt für die Schwebefähigkeit einiger Charaktere oder die Energie-Attacken von Doctor Strange bzw. Captain Marvel – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Teamplay erforderlich

Nichtsdestotrotz kann es durchaus Spaß machen, sich durch die Gegnerhorden zu kämpfen, die uns das Spiel entgegenwirft. Dazu brauchen wir allerdings zwingend weitere menschliche Mitspieler, denn Marvel Powers United VR ist eigentlich ein kooperatives Multiplayer-Spiel.

Im einzig verfügbaren Spielmodus müssen wir auf verschiedenen Karten zunächst zwei Relais-Stationen verteidigen und später einen Generator mit auf der Karte verteilten Energiezellen bestücken.

So weit, so unspektakulär – und auch als Solist mit „Hilfe“ von KI gesteuerten Mitstreitern nicht besonders schwierig. Allerdings stellen sich unsere KI-Kumpanen nicht sonderlich geschickt an, um es milde auszudrücken. Die Team-Challenges, die besondere Leistungen mit Zusatzpunkten belohnen, sind ohne menschliche Teammitglieder jedenfalls schlicht unmöglich zu knacken.

Spektakulär unspektakulär

Apropos Punkte: Wenn wir insgesamt sieben Wellen überleben und es schaffen, den Generator wieder anzuschalten, werden wir mit Lootboxen belohnt, in denen sich Charakter-Skins oder Fragmente zum Freischalten des Endboss-Kampfes gegen Thanos befinden. Für echte Langzeitmotivation sorgt das allerdings nicht, zu monoton sind Gameplay und Leveldesign.

Die Spielumgebungen wirken arg steril und leblos, zudem werden wir schlichtweg nie wirklich gefordert. Die Gegner verhalten sich ähnlich klug wie unsere KI-Teammitglieder – nicht einmal zielen müssen wir besonders gut. Die nicht abschaltbare Zielhilfe ist derart extrem, dass wir uns schon wirklich anstrengen müssen, um unser Ziel zu verfehlen.

In den einzelnen Gegnerwellen treten neben Standard-Kanonenfutter auch kleine Bosse (etwa Venom oder Loki) auf den Plan. Leider sind diese genau wie die spielbaren Helden austauschbar. Im Prinzip verhält sich jeder Boss gleich und ist nicht mehr als ein Kugel-Schwamm.

Gameplay für ganz bequeme Zeitgenossen

Darüber hinaus ist das Gameplay extrem simpel gestrickt. Nicht nur haben die meisten Helden ähnliche Fähigkeiten, diese sind auch noch ohne Rücksicht auf Cooldowns, Munition oder ähnliches durchgängig nutzbar.

Wir können zum Beispiel die gesamte Dauer eines Matches (ca. 20 Minuten) ununterbrochen mit Deadpools Maschinenpistolen feuern, wenn wir das denn möchten. Ein Nachladen ist nicht nötig, die Magazine der SMGs sind offensichtlich unendlich groß.

Noch dazu müssen wir uns wirklich anstrengen, wenn wir das Zeitliche segnen wollen. Wir konnten während unseres Tests im Optionsmenü bequem eine Minute lang Einstellungen vornehmen, ohne über den Jordan zu gehen (das Spiel pausiert nicht, wenn wir das Menü öffnen).

Nur für echte Fans empfehlenswert

Audiovisuell macht Marvel Powers United VR auf den ersten Blick einiges her. Auf den zweiten offenbaren sich allerdings unsaubere Animationen und Polygon-arme Umgebungen. Dass das kein Totschlagargument für ein gutes Spiel sein muss, zeigt z.B. Sairento VR, das seine technischen Schwächen mit exzellentem Gameplay mehr als wett macht. Das Oculus Rift-exklusive Marvel Powers United VR schafft das leider nicht.

Oliver Schmiedchen

Mein Fazit:

Ein VR-Actionspiel im MCU - das sind eigentlich perfekte Voraussetzungen für einen echten Systemseller. Doch Marvel Powers United VR ist nicht mehr als ein bestenfalls durchschnittlicher Wave-Shooter. Das ist insofern schade, als dass durchaus gute Ansätze zu erkennen sind, die dann aber dank zahlreicher uninspirierter Design-Entscheidungen im Keim erstickt werden. Das Spiel ist meiner Meinung nach zwar kein absoluter Totalausfall - Ein Hit, den jeder VR-Brillen-Besitzer unbedingt gespielt haben muss, ist es aber genauso wenig.

Marvel Powers United VR könnte euch gefallen, wenn…

  • ihr eingefleischte MCU-Fans seid.
  • ein leichtes Actionspiel mit Koop-Modus sucht.
  • ihr auf Wave-Shooter steht.

Marvel Powers United VR ist eher nichts für euch, wenn ihr..

  • nach einem packenden und herausfordernden Action-Abenteuer sucht.
  • am liebsten allein spielt.
  • mit Superhelden nichts anfangen könnt.

Das VR-Actionspiel Marvel Powers United VR erhaltet ihr…

Getestet mit: Oculus Rift

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Oliver Schmiedchen
Oliver Schmiedchen

Gamer aus Leidenschaft, dabei seit PlayStation 1-Zeiten. Aktuell zuhause auf Xbox One und in Sachen VR auf dem PC. Hält die SEGA Dreamcast für die beste Konsole aller Zeiten. Feiert Musik von Gucci Mane über Led Zeppelin bis Adam Beyer.

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