Marshall from Detroit in der VR-Filmkritik: Eminem hautnah

Marshall from Detroit entführt euch auf eine Virtual Reality-Stadrundfahrt mit Eminem. In unserer Filmkritik lest ihr, ob sich der Ausflug lohnt.

  • von Oliver Schmiedchen am 18.03.2019, 17:03 Uhr
Filmposter Marshall from Detroit

Gute Nachrichten für Freunde gelungener, kostenloser VR-Filme: Mit Marshall from Detroit für Oculus Rift und Oculus Go zeigen die Felix & Paul Studios einmal mehr das Potential von Virtual Reality als Film-Medium der nächsten Generation.

Mit Eminem durch die Nacht

Nach Jurassic World: Blue vollzogen die Filmemacher der Felix & Paul Studios für ihr neues Projekt einen ordentlichen Tapetenwechsel: Anstatt Dinosaurier-Fiktion steht bei Marshall from Detroit eine dokumentarische Auseinandersetzung mit Eminem auf dem Programm.

Der eigentliche Star der Produktion ist aber gar nicht der Musiker selbst, sondern seine Heimatstadt und die dortige Hip Hop-Kultur. Gleichzeitig erleben wir den selbsternannten Rap God aber auch als nahbare, geradezu greifbare Person – der virtuellen Realität sei Dank.

Letzteres liegt vor allem an der filmischen Umsetzung der Dokumentation. Im Kern ist der etwa 20-minütige Streifen ein Interview, in dem der Moderator Sway Callaway Eminem, der eigentlich Marshall Bruce Mathers III heißt, befragt. Der Clou: Das Ganze findet in einer Limousine statt, die nachts durchs winterliche Detroit fährt. Wir nehmen dabei neben Sway und gegenüber der lebenden Hip Hop-Legende Platz.

Wer an Eminems Musik und deren Hintergründen interessiert ist, erfährt allerhand Neues über seinen Werdegang. Außerdem enthüllt er, wie er mit seinem Image als “Skandal-Rapper” umgeht und wie sich sein unverwechselbarer Rap-Stil entwickelt hat.

Stadt und Star: Zum Greifen nah

Das allein ist für Fans schon Grund genug, sich die kostenlose VR-Dokumentation anzuschauen. Das wirklich Geniale ist aber das überragende Präsenzgefühl, das der Film liefert. Wir fühlen uns eher als Teil des Geschehens als wie ein passiver Zuschauer, wenn wir mit Sway und Eminem auf dem Rücksitz durch die Nacht cruisen.

Die Virtual Reality-Handtasche
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Je nachdem, wer gerade spricht, blicken wir ganz intuitiv in die Richtung des entsprechenden Protagonisten. In kurzen Gesprächspausen blicken wir auch manchmal leicht gedankenverloren aus dem Fenster und schauen uns das winterliche Detroit an – Marshall from Detroit ist rein atmosphärisch ganz großes Kino.

Dazu tragen auch die Kameraeinstellungen in den Szenen bei, die nicht direkt im Auto spielen. Wir schauen einer Rap-Crew beim Freestylen zu, in einer anderen Szene tanzen Kinder in einem verlassenen Theater, dann wieder sehen wir Eminems Wagen aus der Vogelperspektive durch verlassene Industriegebiete rollen.

Starker Film mit kleinen Schönheitsfehlern

So eindringlich und immersiv die Bilder und Szenerien auch sind – an der ein oder anderen Stelle offenbart die fast perfekte Illusion Risse. Zum einen weisen die Interview-Sequenzen einen ziemlich starken Uncanny Valley-Effekt auf: Eminem und Sway erscheinen so plastisch, dass sie irgendwie schon zu echt wirken.

Auf der anderen Seite kann die Qualität insbesondere der Außenaufnahmen leider nicht mit der Qualität des Inhalts mithalten. Das Bild ist oft sichtbar grobkörnig und/oder unscharf – ein Problem, das viele 360 Grad-Videos haben und das durch die vorherrschende Dunkelheit in Marshall from Detroit noch verstärkt wird.

Unsere Wertung

Oliver Schmiedchen

Mein Fazit:

Stars hautnah erleben? Dank Virtual Reality ist das nicht länger ein Traum, wie Marshall from Detroit eindrucksvoll beweist. Eminem erscheint in diesem Film so nahbar, dass es fast schon beängstigend ist. Die meisterhafte Mischung aus Interview-Sequenzen und Außenaufnahmen liefert zudem ein derart überzeugendes Bild von Detroit, dass ich als Zuschauer glaube, die Stadt und ihre Rap-Kultur wirklich ``fühlen`` zu können - daran ändert auch die nicht ganz perfekte technische Umsetzung nichts. Wer sich für Eminems Musik, den Menschen hinter der Kunstfigur und/oder Hip Hop an sich interessiert, sollte sich diesen kostenlos erhältlichen VR-Film jedenfalls nicht entgehen lassen.

Ihr solltet euch Marshall from Detroit unbedingt ansehen, wenn ihr…

  • einen Blick hinter die Fassade der Kunstfigur Eminem werfen wollt.
  • Interesse daran habt, Detroit aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel kennenzulernen.
  • einen Blick in die Zukunft des Dokumentarfilms werfen möchtet.

Marshall from Detroit ist eher nichts für euch, wenn:

  • ihr auf eine deutsche Synchronisation oder deutsche Untertitel nicht verzichten wollt
  • ihr über kleine technische Unzulänglichkeiten in VR-Filmen nicht hinwegsehen könnt.

Ihr erhaltet Marshall from Detroit kostenlos im Oculus Store für Oculus Rift sowie für Oculus Go und für Samsung Gear VR.

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Oliver Schmiedchen
Oliver Schmiedchen

Gamer aus Leidenschaft, dabei seit PlayStation 1-Zeiten. Aktuell zuhause auf Xbox One und in Sachen VR auf dem PC. Hält die SEGA Dreamcast für die beste Konsole aller Zeiten. Feiert Musik von Gucci Mane über Led Zeppelin bis Adam Beyer.

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