Mafia 3 im Test: Das wird dem Don nicht gefallen

14 Jahre nach dem Debüt der blutigen Action-Adventure-Reihe erscheint mit Mafia 3 der erste Teil der Gangster-Saga, der nicht in Tschechien, sondern den USA entwickelt wurde.

  • von Michael Krüger am 18.10.2016, 12:14 Uhr

Nachdem es sechs Jahre still um die kompromisslose Spieleserie war, meldet sich Mafia 3 mit einem eher ungewöhnlichen Setting zurück. Anders als in den Vorgängern entspringt der Protagonist nicht einer italienischen Blutlinie, seine Motiven und Handlungen unterscheiden sich aber nicht groß von denen seiner südeuropäischen Kollegen. Mafia 3 führt euch tief in den Süden der Vereinigten Staaten zu einer Zeit, in der Krieg, Rassismus und Hoffnung auf ein luxuriöses Leben den Alltag bestimmen.

Am auffälligsten neben der außergewöhnlichen Handlung ist vor allem die Authentizität der Spielwelt. Angelehnt an das New Orleans der späten 60er-Jahre präsentiert sich die erfundene Stadt New Bordeaux äußerst vielseitig. Von den typischen Sümpfen der Südstaaten bis hin zu den berühmten “Mardi Gras”-Paraden erlebt ihr die USA in einer Zeit, deren Spuren heute noch zu finden sind.

Eine spannende Geschichte einer faszinierenden Zeit

Als Lincoln Clay, einst ein Waisenjunge aus dem Ghetto, 1968 vom Vietnam-Krieg nach Hause kommt, wartet bereits sein altes kriminelles Leben auf ihn. Die Geschäfte scheinen gut zu laufen in New Bordeaux. Doch ehe Lincoln sich versieht, bekommt er eine Kugel in den Kopf. Er überlebt, doch es dürstet ihn nach Rache. Sein Plan ist es, die gesamte Stadt unter seine Kontrolle zu bringen und jeden einzelnen Mafioso auf dem Weg zu Marcano zu beseitigen. Diesem hat Lincoln seine Narbe am Kopf zu verdanken – sowie den Verlust seiner engsten Freunde. Zu den Verbündeten, die Lincoln nach und nach dazu gewinnt, zählt auch Vito Scaletta. Diesen kennt ihr womöglich aus Mafia 2. Dort war Vito nämlich die Hauptfigur.

Ein wesentlicher Bestandteil der Handlung von Mafia 3 ist das Thema Rassismus. Ende der 60er-Jahre herrschen in den USA noch Vorurteile und Diskriminierung. Besonders gilt das für Südstaaten – und da sich die Story dort zuträgt, ist dies auch im Spiel deutlich zu spüren. Seid ihr beispielsweise in einem vorrangig weißen Viertel unterwegs, werdet ihr aus Geschäften hinauskomplementiert und von Passanten beleidigt. Außerdem dauert es hier nicht lange, bis die Polizei auf ein Verbrechen reagiert – ganz im Gegensatz zu ärmeren Bezirken.

Viel zu tun, doch wenig Abwechslung

Um die Stadt New Bordeaux zu erobern, nehmt ihr Marcanos Kartell Stück für Stück auseinander. Dabei beginnt ihr am unteren Ende der Gangster-Pyramide und arbeitet euch nach oben. Auf der Karte verteilt befinden sich die Missionsziele, die ihr nach und nach erledigt. Das klingt nicht nur stark repetitiv, das ist es auch. In den meisten Fällen ballert ihr ein paar Ganoven über den Haufen, zerstört etwas oder überwältigt einen Unterboss. Die Schusswechsel sind ganz spannend, bewegen sich spielerisch allerdings auf durchschnittlichem Niveau.

Nahkampfangriffe sind aber sowieso die bessere Wahl. Hier lasst ihr je nach Möglichkeit Lincolns Klinge die Arbeit erledigen. Das funktioniert und sieht gut aus. Doch auch hier ergeben sich irgendwann Ermüdungserscheinungen, da ihr einfach immer wieder die gleichen Handlungen in ähnlich aufgeteilten Gebieten erledigt. So toll die Geschichte erzählt wird und so vielseitig die Darstellung ist, so monoton ist das eigentliche Spiel. Das Aufteilen der Bezirke an eure Verbündeten bringt zwar hier und da einen schönen Anreiz in Form neuer Waffen und Verbesserungen, doch entschädigt das nicht für die oft weiten Wege zwischen den Aufgaben. Diese lassen sich nicht per Schnellreise-Funktion erreichen, weshalb ihr viel Zeit im Auto verbringt.

Toll inszeniert – technisch veraltet

Glücklicherweise bekommt ihr über das Autoradio ein wenig Unterhaltung. Der Soundtrack von Mafia 3 ist im Grunde ein Best of der damaligen Musik. Von den Rolling Stones über Janis Choplin bis hin zu den Animals ist hier so ziemlich alles vertreten, was heute als Oldie gefeiert wird. Auch die Darstellung der Zwischensequenzen zählt zu den Höhepunkten von Mafia 3. Immer wieder seht ihr einen Zusammenschnitt aus Interviews, Verhören und altem Filmmaterial, durch den ihr die Geschichte um Lincoln, aber auch authentische Eindrücke der damaligen Zeit erlebt. Mafia 3 zeichnet ein deutliches und ernstes Bild der Stimmung Ende der 60er-Jahre in den USA und zeigt dabei aus sozialer wie wirtschaftlicher Sicht, welche Auswirkungen diese Ära des Umbruchs auf die Bevölkerung hatte.

Bezüglich der technischen Qualität sieht es um Mafia 3 nicht ganz so rosig aus. So authentisch und abwechslungsreich die Spielwelt nämlich ist, so veraltet erscheint die Technik. Der Himmel leuchtet immer wieder unnatürlich, Bewegungen wirken oft steif und Systeme wie die aktive Deckung sind unrund und führen zu Frust. So funktioniert zwar alles irgendwie, doch immer wieder reißen euch Schnitzer in der Produktion aus dem Geschehen. 

Fazit

Angesichts der spannenden und interessanten Handlung von Mafia 3 ist es wirklich schade, dass es sich spielerisch nicht auf dem gleichen hohen Niveau bewegt. Ihr könnt sicher ein paar gute Stunden mit dem Spiel verbringen, doch um es zu beenden, benötigt ihr eine gewisse Monotonie-Toleranz. So bekommt ihr unterm Strich eine tolle Geschichte und durchschnittlichen Spielspaß mit dem ein oder anderen Aussetzer.

 

Für Fans von:

– Rigoroser Gangster-Action
– Kilometerfressen in Open World-Spielen
– Stimmungsvollen Zwischensequenzen

Michael Krüger
Michael Krüger