Luna im Test: Kurze Reise ins VR-Märchenland

In Luna von Indie-Entwickler Funomena verschmelzen Puzzlespiel und interaktives Märchen zu einer einzigartigen, leider viel zu kurzen VR-Erfahrung für alle Altersgruppen.

  • von Sönke Siemens am 19.06.2019, 14:49 Uhr
Luna-Header

Kennt ihr Robin Hunicke? Die am 15. März 1973 geborene US-Amerikanerin arbeitet als Professorin an der University of California in Santa Cruz, ist leidenschaftliche Vertreterin der Indie-Game-Szene und spätestens seit ihrer Produzenten-Rolle beim PlayStation-Hit Journey gern gesehene Rednerin auf vielen Games-Entwicklermessen weltweit.

  1. Die Ruhe vor dem virtuellen Sturm
  2. Luna: Den VR-Mond reparieren
  3. Zuhören, zusammensetzen, aufbauen
  4. Einer verdorrten Welt Leben einhauchen
  5. Unsere Wertung

Zusammen mit ihrem langjährigen Arbeitskollegen Martin Middleton gründete sie 2013 das Studio Funomena. Neben sehr ähnlichen Ansichten in Sachen Gamedesign verbindet beide eine große Liebe für Origami – die japanische Kunst des Papierfaltens. Womit wir wiederum bei ihrem ersten VR-Spiel Luna wären, einem interaktiven Märchen, das von A bis Z wie ein zum Leben erwachtes, handkoloriertes Origami-Kunstwerk anmutet.

Die Ruhe vor dem virtuellen Sturm

Die darin stattfindende Geschichte ist schnell zusammengefasst – und perfekt zugeschnitten auf das Medium Virtual Reality. Alles beginnt mit einer rotierenden Knospe, die sich bei Berührung öffnet und den Blick freigibt auf ein farbenfrohes Origami-Diorama.

Die Szenerie ist eindeutig von San Francisco inspiriert (dem Standort der Entwickler) und zeigt einen quirligen, roten Vogel bei seinem Anflug auf einen Ast. Dort sicher gelandet, dürfen wir erstmals mit der zauberhaften Märchenwelt interagieren und die Bewegungscontroller nutzen, um ein tänzelndes Licht zu berühren. Ergebnis: Die Kamera zoomt weiter heran und platziert uns unweit neben dem Nest des Vogels.

Luna: Den VR-Mond reparieren

Während all dies geschieht, ist die Sonne am Horizont längst untergegangen. Der Mond hat nun das Sagen und strahlt sogleich mit voller Kraft auf das Zuhause des roten Piepmatz – hervorragend begleitet von leicht melancholischen Klavierklängen.

Wecken wir den Vogel mit einer sanften Berührung, flattert plötzlich eine riesige, fast schon majestätisch anmutende Eule heran, zwinkert einige Mal mit den Augen und beginnt dann mit dem Vogel mit Hilfe von Lauten zu kommunizieren. Doch kaum antwortet der kleine Vogel mit wunderbarem Gesang, zerspringt der Mond am Himmel und fliegt in den Mund der Vogels.

Die Folgen sind dramatisch, denn von einem Moment auf den anderen zieht ein tosender Sturm auf und katapultiert den kleinen Flattermann in ein neues Knopsen-Diorama. Wen oder was der Sturm darstellen soll, wird nicht verraten. Fest steht nur, dass es nun an uns liegt, die Dinge wieder ins Lot zu bringen.

Zuhören, zusammensetzen, aufbauen

Der nun anknüpfende Spielaufbau ist sehr einsteigerfreundlich gehalten und folgt einem immer gleich Muster. Los geht’s mit einer Melodiepassage. In dieser sehen wir den kleinen Singvogel, wie er vor einem Baum einen lieblichen Laut heraus trällert und damit zunächst eine von fünf Knospen in Wallung versetzt.

Berühren wir nun eben diese Knospe, öffnet sie sich und schenkt uns ein Sternenbild. Die Klangabfolge wird schließlich immer komplexer und solange wiederholt, bis wir alle Sternenbilder des Baumes unser Eigen nennen.

In Phase zwei einer jeden Spielwelt gilt es nun, die durcheinander gewürfelten Sternenbildernacheinander korrekt anzuordnen. Dies gelingt uns, indem wir Sterne einfach mit dem Bewegungscontroller greifen und nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip an vorgegebene Positionen bewegen.

Passt die Konstellation, müssen wir das Sternenbild im letzten Schritt noch solange vorsichtig rotieren, bis die Konturen einer Pflanze erscheinen. Im ersten Level etwa erschaffen wir auf diese Weise einen Baum, einen Pilz, einen Strauch und einen Grashalm.

Einer verdorrten Welt Leben einhauchen

Phase drei eines jeden Levels ist der Sandbox-Modus. Hier blicken wir zunächst auf ein karges, ausgetrocknetes, fast schon tot wirkendes Diorama. Platzieren wir nun allerdings die zuvor erschaffenen Pflanzen und variieren diese in Farbe und Form, erwacht die Szenerie zum Leben. Visuell ist vor allem dieser Abschnitt interessant, denn mit einem mal kreucht und fleucht es überall.

Libellen surren durchs Bild, Maikäfer wuseln am Boden und wer genau hinsieht kann plötzlich auch Frösche und andere putzmuntere Lebewesen erspähen. Lohn der Mühe ist das Erscheinen eines Waldbewohners, der dem Vogel zum Dank einige Fragmente des zersplitterten Monds überreicht. Gleichzeitig dürfen wir das Tier ein letztes Mal aus nächster Nähe bewundern.

Größtes Problem bei Luna: Eben diese drei Gameplay-Phasen werden in allen sechs Welten stoisch wiederholt und leider nur mäßig variiert. Wir spielen also auch in Welt zwei bis sechs zunächst einige Klangmuster nach, fügen dann wieder verrutschte Sternenbilder zusammen und betätigen uns am Schluss als Landschaftsgärtner.

So faszinierend und künstlerisch wertvoll das Ganze also auch sein mag, echte spielerische Abwechslung will sich hier trotz herzerwärmender Geschichte nur bedingt einstellen.

Unsere Wertung

Sönke Siemens

Mein Fazit:

Luna hat etwas Meditatives, Friedliches und nicht zuletzt Beruhigendes. Alles fühlt sich an, als würde man mitten rein geworfen in ein wunderbares Märchenbuch, das seine Geschichte ausschließlich mit Bildern, Musik und Klängen erzählt und dabei viel Spielraum für eigene Interpretationen lässt. Hektik kommt hier zu keiner Zeit auf und auch die viel zu einfachen Rätsel werden niemandem die Schweißperlen auf die Stirn treiben.

Dass ein und dieselbe Spielmechanik unter kaum veränderten Vorzeichen ständig wieder wiederholt wird, muss man dagegen mögen. Trotzdem: Wer Non-Gamer behutsam an das Thema VR-Spiele heranführen möchte, nach einem kunterbunten VR-Erlebnis für Jung und Alt sucht oder einfach gerne in außergewöhnliche VR-Welten abtaucht, darf Luna durchaus ausprobieren.

Ihr solltet Luna eine Chance geben, wenn ihr…

  • gerne kurze, interaktive Märchen erlebt, die viel Raum für eigene Interpretationen lassen
  • nach einer komplett gewaltfreien, entspannenden VR-Erfahrung sucht, mit der auch Kinder Spaß haben können
  • es liebt, kunterbunte Welten aus nächster Nähe zu betrachten und mit ihnen zu interagieren

Ihr solltet Luna besser meiden, wenn ihr…

  • nichts von VR-Erlebnissen haltet, die bereits nach knapp einer, maximal zwei Stunden vorbei sind
  • euch von wiederkehrenden Rätselpassagen nach immer gleichem Muster gelangweilt fühlt
  • wenig mit Geschichten anfangen könnt, die gänzlich auf Worte und Sprachausgabe verzichten

Das interaktive Märchen Luna erhaltet ihr hier:

Getestet mit Oculus Rift

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Sönke Siemens
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