Lenovo Mirage Solo im Test: Virtual Reality 1.5

Fast zeitgleich zur Oculus Go kam die Lenovo Mirage Solo auf den Markt. Das Standalone-Headset ist auf dem Papier in einigen Bereichen besser als die Konkurrenz – ob die VR-Brille überzeugen kann, klären wir in unserem Test.

  • von Oliver Schmiedchen am 05.06.2019, 12:14 Uhr
Lenovo-Mirage-Solo-Header

Mit der Oculus Go und der neuen Oculus Quest dominiert Facebook derzeit den Markt für Standalone VR-Brillen. Die Lenovo Mirage Solo ist ebenfalls eine autarke VR-Brille, die aber auf Googles Daydream-Plattform basiert. Wie gut ist das Headset?

Die Lenovo Mirage Solo ist leistungstechnisch irgendwo zwischen den beiden vorgenannten Virtual Reality-Headsets angesiedelt – wie gut kommen die Vorteile gegenüber der Oculus Go im Praxiseinsatz zum Tragen?

  1. Lenovo Mirage Solo: Sehr komfortabel
  2. Überzeugendes Kopftracking dank Google WorldSense
  3. Der Controller: Verschenktes Immersionspotential
  4. VR-Erlebnis mit Abstrichen
  5. Google Daydream und das Content-Problem
  6. Preis / Leistung
  7. Unsere Wertung

Lenovo Mirage Solo: Sehr komfortabel

Apropos tragen: Die Lenovo Mirage Solo macht direkt beim Auspacken einen hochwertigen Eindruck. Dieser verbessert sich nochmals nach dem ersten Aufsetzen, denn das Headset fühlt sich auf dem Kopf sehr gut an. Der Feststellbügel am Hinterkopf ähnelt dem von Sonys PlayStation VR-Brille, die sich ähnlich angenehm trägt.

Vorn an der Mirage befindet sich ein weiterer Knopf, mit dem sich der Abstand zwischen Augen und Display variieren lässt – ein sehr schönes Feature für Brillenträger, die auch mit ihrer Sehhilfe bequem Platz unter dem Headset finden.

Allerdings ist das Headset mit 645 Gramm deutlich schwerer als die Oculus Go (468 Gramm), was sich mit zunehmender Nutzungsdauer durchaus bemerkbar macht. Da sich quasi das ganze Gewicht auf den vorderen Bereich rund um die Linsen konzentriert, drückt die Mirage Solo nach einiger Zeit trotz angenehm sitzender Polsterung ein wenig auf die Nase.

Überzeugendes Kopftracking dank Google WorldSense

Kommen wir zum Innenleben von Lenovos autarker VR-Brille. Hier kann die Mirage Solo ebenfalls größtenteils überzeugen. Zum Einsatz kommt ein Qualcomm Snapdragon 835-Prozessor, der auf 4GB Arbeitsspeicher zugreifen darf. Die Speicherkapazität beträgt 64 GB und lässt sich per microSD-Karte um bis zu 256 Gigabyte erweitern.

Für das Bild sorgt ein mit 2.560 x 1.440 Bildpunkten aufgelöstes LCD-Display, das Sichtfeld beträgt 110 Grad, die Bildwiederholfrequenz 75 Hz. Trotz des vergleichsweise hohen Gewichts der Brille sind keine Lautsprecher verbaut, stattdessen bietet die Brille einen handelsüblichen 3,5mm-Audioanschluss, an den wir passende Kopfhörer anschließen dürfen.

Ein besonderes Feature ist die 6DoF-Unterstützung, die Googles WorldSense-Technologie ermöglicht. Dank zweier Kameras an der Vorderseite des Headsets kann die Lenovo Mirage Solo ihre Position im dreidimensionalen Raum – und damit auch die unseres Kopfes – bestimmen. Etwas halbherzig wirkt da der mitgelieferte Controller, der nur 3DoF unterstützt.

Der Controller: Verschenktes Immersionspotential

Im Praxiseinsatz punktet die Lenovo Mirage Solo nämlich zunächst durch das 6DoD-Tracking – ähnlich wie die Oculus Quest verfolgt das Headset nämlich alle unsere Kopfbewegungen eins zu eins nach, was eigentlich für ein tolles Präsenzgefühl sorgt.

Leider erweist sich der 3DoF-Controller, der im Gegensatz zum Headset kein Positionstracking bietet, als Immersionsbrecher und Schwachstelle des ansonsten soliden Gesamtpakets. Der Controller verfolgt zwar Bewegungen nach rechts und links, nicht aber in die Tiefe des Raumes nach. Dadurch kommt es immer wieder zu Situationen, in denen wir intuitiv auf etwas zeigen wollen, die Bedieneinheit unsere Gesten aber nicht entsprechend abbilden kann.

Zwar gewöhnen wir uns – ähnlich wie bei der Oculus Go – daran, optimal ist das Ganze aber trotzdem nicht. Zusätzlich verfügt der Controller nur über zwei Knöpfe, ein Touchpad sowie zwei Lautstärkeregler an der Seite. Ein zusätzlicher Trigger fehlt leider, was die Bedienungsmöglichkeiten weiter einschränkt. Zudem ist die Positionierung der Controller-Knöpfe gewöhnungsbedürftig. Im Test fanden unsere Finger mehrfach nicht auf Anhieb den richtigen Button.

VR-Erlebnis mit Abstrichen

Das visuelle VR-Erlebnis mit der Lenovo Mirage Solo ist gut, aber nicht perfekt. Auf den ersten Blick fällt auf, dass der Fliegengittereffekt kaum auszumachen ist. (VR)-Filme und Videos zu schauen, ist ein dementsprechend immersives Erlebnis.

Allerdings flimmert das Bild vor allem in interaktiven VR-Anwendungen ein wenig, und zwar trotz der mit 75Hz nominell höheren Bildwiederholfrequenz gegenüber der Oculus Go (60/72Hz), was bei längerer Nutzung unangenehm werden kann.

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Nicht mehr missen möchten wir hingegen das 6DoF-Koptracking. Vor allem Nutzer, die anfällig für Motion Sickness sind, werden es schätzen, dass ihre Kopfbewegungen exakt in die virtuelle Realität übertragen werden.

Allerdings unterstützen nicht alle für die VR-Brille verfügbaren Anwendungen 6DoF. Dadurch müssen wir uns in 3DoF-Anwendungen jedesmal erst wieder an die damit verbundenen Einschränkungen gewöhnen.

Google Daydream und das Content-Problem

Eingeschränkt ist auch das Angebot an verfügbaren Inhalten. Die Lenovo Mirage Solo verwendet das Google Daydream-Ökosystem, für das es bei weitem nicht so viele VR-Anwendungen gibt wie für Samsung Gear VR oder Oculus Go.

Echte System-Seller sucht man ebenfalls vergebens, zumal das grandios-satirische Virtual Virtual Reality mittlerweile genau wie Eve Gunjack 2: End of Shift auch für andere VR-Systeme erhältlich ist. Somit tritt auf der Google Daydream-Plattform – und damit auch auf der Lenovo Mirage Solo – das Content-Problem, das Virtual Reality als Gesamtmedium hat, besonders stark zu Tage.

Zudem wird der vorhandene Content im Google Daydream-Store der Lenovo Mirage Solo nicht sonderlich gut kuratiert. Der Online-Shop bietet lediglich eine kleine Auswahl an Top-Apps  und VR-Videos aus verschiedenen Bereichen.

Außerhalb dieser Empfehlungen muss die Suchfunktion bemüht werden. Das bedeutet: Wer einfach nach Inhalten stöbern möchte, muss dafür die VR-Brille absetzen und externe Quellen bemühen.

Preis / Leistung

Wichtig für eine Kaufentscheidung ist neben Komfort, Performance und Inhalten natürlich auch der Preis. Dieser fällt mit 399 Euro auf den ersten Blick recht happig aus. Dafür presst Lenovo aber auch jede Menge beeindruckender Technik in das bequem zu tragende Gerät.

Da aber längst nicht alle Daydream-Anwendungen das Maximum aus der VR-Brille herausholen können, wirkt die WorldSense-Unterstützung aktuell – vor allem zusammen mit dem nicht besonders gelungenen 3DoF-Controller – nur wie ein zusätzliches Gimmick, was der Technologie aber keineswegs nicht gerecht wird.

Das Potential für Standalone-Brillen mit lebensechter Bewegungsfreiheit ist groß, wie die sehr gelungene Oculus Quest zeigt – die Lenovo Mirage Solo kann dieses Potential hingegen nicht voll ausschöpfen. Im Hinblick auf das derzeitige Software-Angebot für das VR-Headset ist der Preis noch zu ambitioniert.

Erst, wenn es mehr gute VR-Anwendungen für das Gerät gibt oder der Preis deutlich sinkt, kann sich ein Kauf aus unserer Sicht für den durchschnittlichen Endverbraucher lohnen. Im Zusammenspiel mit der Lenovo Mirage Camera kann das Gerät aber für VR-Fotoliebhaber durchaus bereits jetzt interessant sein.

Unsere Wertung

Die Lenovo Mirage Solo ist ein in Teilen beeindruckendes Stück VR-Hardware, das aufgrund einiger fragwürdiger Design-Entscheidungen und eines schwachen Softwareangebots aber längst nicht so gut ist, wie es sein könnte.

Oliver Schmiedchen

Mein Fazit:

Die Lenovo Mirage Solo ist ein vielerlei Hinsicht zweischneidiges Schwert. Zuerst war ich aufgrund des hohen Tragekomforts und der 6DoF-Unterstützung begeistert – der im Vergleich dazu schwache Controller und das leichte Bildflimmern hinterließen dann aber gemischte Gefühle. Dazu kommt das aktuell noch allzu übersichtliche Inhaltsangebot. Dafür kann die VR-Brille zwar nichts, dennoch ist das schönste Stück Technik ohne passenden Content nur noch halb so gut. Die Lenovo Mirage Solo eröffnet uns einen Blick darauf, wie viel besser Standalone-VR mit echter Bewegungsfreiheit sein kann. Leider geht sie diesen Weg im Gegensatz zur Oculus Quest nicht konsequent zu Ende.

Die Lenovo Mirage Solo ist das richtige Headset für euch, wenn ihr…

  • nach einer VR-Brille mit echter Bewegungsfreiheit für euren Kopf sucht
  • ein wirklich komfortables Google Daydream-Headset sucht

Die Lenovo Mirage Solo ist eher nicht das richtige VR-Headset für euch, wenn…

  • euch eine umfangreiche Auswahl an VR-Inhalten wichtig ist
  • ihr Wert auf einen guten Bewegungscontroller legt

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Oliver Schmiedchen
Oliver Schmiedchen

Gamer aus Leidenschaft, dabei seit PlayStation 1-Zeiten. Aktuell zuhause auf Xbox One und in Sachen VR auf dem PC. Hält die SEGA Dreamcast für die beste Konsole aller Zeiten. Feiert Musik von Gucci Mane über Led Zeppelin bis Adam Beyer.

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