Kritik zu Spider-Man: Homecoming – Halt den Rand, Peter Parker!

Spider-Man: Homecoming bietet wegen des Alters der Hauptfigur sowohl erfrischende Unterhaltung als auch großes Potenzial zum Nerven seiner Zuschauer.

  • von Constanze Thiel am 12.07.2017, 11:22 Uhr

Spider-Man: Homecoming konfrontiert selbst eingefleischte Fans von Marvel-Filmen mit einer ganz neuen Version des Superhelden – einer verdammt jungen. Schließlich verkörpert Schauspieler Tom Holland einen gerade einmal 15-jährigen Peter Parker, der Tony Stark und dessen getreuen Mitarbeiter Happy Hogan zum Einstieg des Films erst einmal damit auf die Nerven geht, dass er permanent Ereignisse mit seinem Smartphone dokumentiert.

Das fühlt sich in etwa so an, als wärt ihr auf dem Instagram- oder Snapchat-Account der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft gelandet und nicht am Anfang eines Blockbusters im Kinosaal. Spider-Man: Homecoming verdankt der locker-flockigen Wesensart von Peter Parker seinen jugendlichen Charme, keine Frage. Gleichzeitig wurde ich während des ganzen Films das Gefühl nicht los, schon viel zu alt für diesen Kram zu sein.

Die neueste Ergänzung des Marvel Cinematic Universe fühlt sich an wie der Generation »Soziale Medien über alles« auf den Leib geschneidert. Wer sich auf YouTube von Prank-Videos unterhalten lässt oder ständig den neuesten Netz-Trends hinterher rennt, dem wird Spider-Man: Homecoming gefallen – schätze ich.

Schließlich nutzt Tom Holland als Superheld jegliche Chance, jede seiner Handlungen mit irgendeiner Art von Kommentar zu versehen. Was mir auf die Nerven ging, passt hervorragend zu der ganzen jugendlichen Aufmachung des Films. Auf sozialen Medien ist es ja auch möglich, ständig und überall Kommentare zu verfassen, passt also.

Dazwischen stecken einige amüsante Dialoge und Situationen, in die Spider-Man wegen seines jugendlichen Schwungs gerät. Wenn es wirklich brenzlig wird, schaltet sich aber meist Tony Stark ein und klärt. Schließlich ist Peter Parker noch jung und unbedarft, will das aber – typisch für einen jungen, unbedarften Charakter – nicht einsehen.

Stattdessen gerät er immer wieder mit dem arroganten Geschäftsmann aneinander, ist aber ebenso von sich selbst und seinen Fähigkeiten überzeugt wie eben dieser Avenger. Im Endeffekt sind sowohl Tony Stark als auch Peter Parker auf ihre ganz eigene Art ignorant und selbstgefällig, was sie leider beide unsympathisch macht.

Zwischen Slapstick-Einlagen und Highschool-Alltag geht die Essenz von Marvel-Filmen verloren, nämlich die Action. Wer großes Superhelden-Kino will, das euch mit Special Effects und epischen Kampfszenen in die Sitze drückt, ist bei Spider-Man: Homecoming fehl am Platz. Der Film wirkt eher so, als wäre ein Teil des Drehbuchs von Spy Kids daran verloren gegangen.

Für alle, die Abwechslung von düsteren Umsetzungen wie Christopher Nolans Batman-Filmen oder Logan suchen, ist Spider-Man: Homecoming eine poppige Abwechslung nah am Zeitgeist unserer Gegenwart. Und, hey: Michael Keaton ist dieses Mal wirklich Birdman. Genau genommen Spider-Mans Gegenspieler Vulture, aber das sind Details.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Spider-Man: Homecoming wie die Pubertät selbst ist – hat seine guten Momente, ist unterm Strich aber ziemlich anstrengend.

Brauchen wir also NOCH einen Spider-Man-Streifen, vor allem nachdem die Amazing-Spiderman-Teile beim Publikum auf wenig Begeisterung gestoßen sind? Meiner Meinung nach nicht. Dass diese Einstellung auch daher rührt, dass Spider-Man nicht zu meinen Lieblings-Superhelden zählt, möchte ich kein Geheimnis machen.

Dafür, dass ich ohne Erwartungen an den Film und mit eben dieser Haltung ins Kino gegangen bin, hat mich Spider-Man: Homecoming trotzdem gut unterhalten. Klar, der jugendliche Charme des Films sorgt für einige ehrliche Schmunzler, macht mir aber keine Lust auf mehr. Jetzt wisst ihr, weshalb.

Spider-Man Homecoming feiert seinen Kinostart in Deutschland am 13. Juli 2017. Zum Cast zählen unter anderem Tom Holland (Spider-Man/Peter Parker), Robert Downey Jr. (Iron Man/Tony Stark), Michael Keaton (Adrian Toomes/The Vulture) sowie Marisa Tomei (Tante May).

Wer sein Gedächtnis vorm anstehenden Kinobesuch noch auffrischen möchte, liest bei uns darüber, was in den Filmen vor Spider-Man: Homecoming geschah.

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Constanze Thiel
Constanze Thiel

Winterkind. Superbeast. Lipstick stains & video games. Mother of Xenomorphs. Fährt am Wochenende gerne mit ihren Pokémon raus nach Silent Hill.