Intruders: Hide and Seek im Test: Packender VR-Psycho-Thriller

Bis vor Kurzem kannte noch niemand den spanischen Indie-Entwickler Tessera Studios. Dank ihres nervenaufreibenden Debüt-PSVR-Thrillers dürfte sich das nun ändern.

  • von Sönke Siemens am 18.02.2019, 15:30 Uhr
Intruders: Hide and Seek

Intruders: Hide & Seek beginnt, wie man es von einem Psycho-Thriller mit diesem Namen erwarten würde. Eine unbekannte, spürbar verängstigte Person kauert in einem Wandschrank, ihr Herz rast ununterbrochen. „Wo bist du? Ich werde dich nicht gehen lassen!“ ruft ein Unbekannter, dessen Schritte immer näher kommen. „Ich weiß, dass du dich hier irgendwo versteckst. Denke nicht, dass ich dich nicht finde“. Die Person im Schrank versucht, sich nichts anmerken zu lassen, doch zu spät. Der Mann mit Brille nimmt gezielt Kurs auf das Versteck, reißt die Tür auf und beugt sich langsam nach unten.

Dann ein kurzer Kameraschnitt und wir stellen fest, dass all das nur ein böser Traum des 13-jährigen Protagonisten Ben war, der gerade zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester Irene im Auto unterwegs ist. Zum Ferienhaus im Wald soll es gehen, wo die Familie einige erholsame Tage verbringen möchte.

Inhaltsverzeichnis:

Der Nervenkitzel beginnt

Wenige Minuten später ist es dann auch schon soweit. Das Auto parkt in der Garage des Anwesens und unsere erste Aufgabe besteht darin, Papa Paul beim Aufstöbern der Taschenlampe zu helfen. Die nämlich brauchen die beiden jetzt dringend, um die Sicherungen der wahrlich luxuriösen Villa mit mehr als einem Dutzend Zimmern sowie vier Badezimmern anzuknipsen.

Spielmechanisch erinnern diese ersten Szenen dabei an Ubisofts VR-Spiel „Transference“. Wir können uns frei umherbewegen, visuell hervorgehobene Umgebungsobjekt aufnehmen und diese aus nächster Nähe betrachten. Ist das Objekt von Interesse für die Spielfigur, löst dies in der Regel einen kurzen Dialog aus.

Im Falle der Taschenlampe etwa kommentiert Ben dies mit einem begeisterten „Ich hab’ sie gefunden“. Anschließend können wir die Lampe sogleich mit der Quadrat-Taste einschalten und Paul zum Keller des Hauses folgen, wo sich der Sicherungskasten befindet. Kurz gesagt: Die ersten Szenen dienen als klassisches Tutorial und führen den Spieler behutsam an die vergleichsweise simple Steuerung heran.

Denn abgesehen von der Quadrat-Taste sind eigentlich nur noch das Touchpad (Karte aufrufen) sowie die X-Taste (mit hervorgehobenen Objekten interagieren) relevant. Clevere Idee: Will man eine Tür öffnen, muss man einfach dagegen laufen und Ben drückt sie automatisch auf.

Die Ruhe vor dem Sturm

Zugegeben, das einleitende Kapitel, in welchem wir unter anderem noch einen Tisch eindecken, mit der Familie zu Abend essen und mit Irene verstecken in der riesigen Hausbibliothek spielen, mag auf dem Papier etwas langweilig klingen. In VR jedoch erzeugt genau diese „Ruhe vor dem Sturm“ eine gewisse innere Anspannung. Wir ahnen, dass bald etwas sehr Merkwürdiges passieren wird, das vermutlich in Zusammenhang mit Ben’s eingangs skizziertem Traum steht. Wir können nur noch nicht so recht einschätzen wie, wann und wo.

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Doch keine Sorge: Etwa 25 Minuten nach Spielstart drückt das Entwicklerteam ordentlich aufs Gas. Denn kaum haben Irene und Ben einen gerade erst eingerichteten Panikraum ihres Vaters unterhalb der Garage entdeckt, überschlagen sich die Ereignisse. Drei Unbekannte stürmen das Haus, stellen den Strom ab, kappen alle Telefon- und Internet-Leitungen und nehmen die Eltern gefangen. Dennis, der durchgeknallte Anführer der Truppe, scheint nach etwas ganz Bestimmten zu suchen und wild entschlossen solange zu bleiben, bis er es gefunden hat. Zur Not mit Gewalt!

Die einzig gute Nachricht: Noch wissen die Einbrecher nicht, wo sich Ben und Irene befinden. Damit das auch genauso bleibt, müssen wir nun als Ben immer neue, linear aneinander gekoppelte Herausforderungen lösen. Beispielsweise kommen Irene und Ben – die regelmäßig per Walkie-Talkie miteinander kommunizieren – schon bald auf die Idee, das lautlos gestellte Telefon des Vaters aus der Küche zu entwenden, um einen Notruf abzusetzen.

Rettung auf leisen Sohlen

Gekämpft wird in Intruders: Hide and Seek nicht. Stattdessen steht vor allem klassisches Schleich-Gameplay auf der Agenda. Wir müssen also tunlichst darauf achten, nicht entdeckt zu werden, indem wir uns mucksmäuschenstill von einer Deckung zur nächsten bewegen und möglichst keinen Lärm machen. Am besten klappt Letzteres natürlich durch Schleichen in geduckter Haltung.

Das Problem: Streckenweise sind wir dadurch so langsam, dass ein Zusammenstoß mit den ständig wechselnden Patrouille-Routen der drei Gegner fast schon vorprogrammiert ist. Hin und wieder müssen wir also auch etwas schneller laufen (oder rennen), was natürlich Lärm verursacht und die Gangster in unsere Richtung lockt.

Bestes Gegenmittel, wenn man trotzdem entdeckt wurde? Die Beine in die Hand nehmen, mehrmals links und recht abbiegen und dann in einem der zahlreichen Wandschränke Schutz suchen. Aber Vorsicht: Vergessen wir, eine Zimmertür hinter hinter uns zu schließen, finden uns die Kidnapper meist trotzdem.

Nichts für Klaustrophobiker

Was bleibt, ist ein packendes Katz- und Mausspiel, das in VR und mit Surroundkopfhörern zu Hochform aufläuft und hin und wieder mit netten Schockmomenten garniert wird. Im Keller des Anwesens etwa muss Ben durch einen klaustrophobisch engen Lüftungsschacht kraxeln. Die Sichtweite ist katastrophal niedrig und wenn man in einer solchen Situation dann auch noch urplötzlich den leblosen Körper einer verwesenden Ratten entdeckt, rutscht zartbesaiteten Gemütern wahrscheinlich schon mal das Herz in Richtung Kniekehle.

Gleiches gilt für große Teile des letzten Drittels von Intruders: Hide and Seek. Hier nämlich schlagen die Macher eine deutlich rauere Gangart ein und steuern konsequent auf ein denkwürdiges Finale zu. Und der Schwierigkeitsgrad? Geht für routinierte Gamer in Ordnung, könnte Genre-Einsteiger allerdings aufgrund recht weit auseinander liegender Speicherpunkte frustrieren.

Kleiner Tipp: Es lohnt sich immer, eine Situation erst einmal genau zu beobachten und dann eine Laufroute auszuhecken. Abkürzungen durch den Keller entpuppten sich bei unserem Durchspielen übrigens als toller Rettungsanker. Ganz im Gegensatz zur Karte, die zwar die Position von Ben im Haus anzeigt, nicht jedoch seine Blickrichtung. Das Ergebnis kann zum Teil ziemlich verwirrend sein.

Ambitioniertes Uni-Projekt

Technisch wird all das solide umgesetzt und ist auf Wunsch ohne PSVR-Headset spielbar. Wer jedoch viel Zeit in der Virtuellen Realität verbringt, merkt schnell, dass den Entwicklern (vorrangig Studenten) lediglich ein begrenztes Budget zur Verfügung stand. Die Möglichkeiten der Unreal Engine 4 werden daher nicht voll ausgereizt.

Charaktermodelle zum Beispiel sind nicht mehr auf dem heutigen Stand der Technik und wirken etwas hölzern animiert. Deutlich besser gefallen haben uns da schon die mit vielen Details gespickten Umgebungen und Spezialeffekte wie der Regen, der in Strömen an den Fenstern des Gebäudes entlang rinnt. Oder aber die Lichtkegel der Taschenlampen, die sich korrekt an Geländern, Gitterwänden und anderen Umgebungsobjekten brechen.

Akustisch jedoch lassen die Terresa Studios nichts anbrennen und überzeugen mit einer sehr professionellen Sprachausgabe (leider nur auf Englisch) sowie einem vielfältigen Arsenal an Soundeffekten und Musik, die sich dynamisch dem Geschehen anpasst – etwa wenn Ben entdeckt wurde und um seine Leben rennen muss.

Unsere Wertung

Sönke Siemens

Mein Fazit:

Grafisch reißt Intruders: Hide and Seek sicherlich keine Bäume aus und auch die hier gebotenen Spielmechaniken sind nicht sonderlich komplex oder innovativ. Nichtsdestrotrotz erzählt die Indie-Produktion eine bewegende Geschichte persönlicher Schicksale, die einem emotional nahe geht und mit vergleichsweise einfachen Mitteln so spannend inszeniert wurde, dass man den Controller erst wieder aus der Hand legen möchte, wenn alles nach knapp über vier Stunden vorbei ist. Zugegeben, wer bereits durch VR-Schocker wie Resident Evil 7 abgehärtet wurde, wird hier vielerorts nur noch bedingt zusammenzucken. Alle anderen jedoch sollten Intruders: Hide and Seek durchaus eine Chance geben.

Intruders: Hide and Seek wird euch gefallen, wenn ihr…

  • euch gerne in VR gruselt, dabei jedoch auf übermäßigen Splatter verzichten wollt
  • liebend gern (VR-)Spiele kleiner Indie-Entwickler ausprobiert
  • im Schnellverfahren Trophäen sammelt möchtet

Intruders: Hide and Seek ist eher nichts für euch, wenn ihr …

  • ein VR-Spiel sucht, das euch tagelang ans Headset fesselt
  • großen Wert auf opulent modellierte Charaktermodelle legt
  • vergleichsweise simplen Gameplay-Mechaniken nichts abgewinnen könnt

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Sönke Siemens
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