In Death im Test: Höllisch schwer, höllisch gut

VR-Shooter gibt es wie Sand am Meer - aber nicht viele sind so besonders und genial wie In Death. Warum das so ist und wieso der Titel trotzdem nicht jeden VR-Spieler glücklich macht, klären wir in unserem Test.

  • von Oliver Schmiedchen am 08.05.2019, 10:35 Uhr
In-Death-Header

Schon im Early Access hinterließ das VR-Spiel In Death einen hervorragenden Eindruck. Nach und nach haben die Entwickler ihren Shooter mit einigen Updates um neue Features und Inhalte bereichert.

Mittlerweile hat In Death den Early Access verlassen und ist als Vollversion verfügbar. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen – wenn man sich denn auf das Spielkonzept einlässt.

  1. Tanz der Teufel im Himmel
  2. Pefektes Bogen-Gameplay
  3. Bewegung ist Trumpf
  4. Der ewige Kreislauf des Sterbens
  5. Motivierendes Upgrade-System
  6. Schöner sterben mit In Death
  7. Das Inhalte-Dilemma
  8. Unsere Wertung

Tanz der Teufel im Himmel

Das Setting von In Death ist erfrischend anders. Der innovative Shooter für VR-Brillen ist nämlich in himmlischen Gefilden angesiedelt – nur geht es dort leider gar nicht paradiesisch zu. Stattdessen wurde der Himmel von finsteren Mächten überrannt. Statt blumigen Wiesen dominiert mittelalterliche Architektur aus kaltem, trostlosem Stein.

Noch dazu bevölkern gequälte Seelen in Form dämonischer Kreaturen das gottverlassene Himmelreich. Die Aufgabe des Spielers ist es, im Leben nach dem Tod aufzuräumen, und zwar mit Gewalt. Dabei dürfen wir auf ein kleines, aber feines Waffenarsenal zugreifen.

Pefektes Bogen-Gameplay

Vornehmlich kommen in In Death Pfeil und Bogen zum Einsatz. Die Sólfar Studios versprechen „Fernkampf in Perfektion“ – ein vollmundiges Versprechen, das tatsächlich auch eingelöst wird.

Die Spielmechanik fühlt sich einfach „richtig“ an, nach kurzer Eingewöhnungszeit finden unsere Pfeile verlässlich den Weg ins Ziel – und das, obwohl wir kein Fadenkreuz zur Hilfe haben und die Projektile eine realistische Bogenlampen-Flugbahn beschreiben.

Richtig genial wird In Death aber durch die wichtige taktische Komponente, die die Kämpfe durch das Gegnerverhalten und die eingeschränkte, aber trotzdem dynamische Bewegungsfreiheit unserer Spielfigur bekommen.

Bewegung ist Trumpf

Da wir nur wenige Treffer aushalten, ist es mehr als sinnvoll, immer genügend Abstand zu unseren Gegnern zu halten. Diese schießen ihrerseits entweder mit Pfeilen oder magischen Zaubern auf uns – oder sie kommen auf uns zugerannt und attackieren uns mit Klauen und Schwertern.

Gegnerische Projektile und Schläge können wir zwar mit unserem Schild abblocken, wirklich Schaden können wir aber nur mit unseren Pfeilen ausrichten. Das bedeutet: Sobald wir von mehreren Widersachern umzingelt sind, heißt es ziemlich schnell „Game Over“.

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Das zu verhindern, ist gar nicht mal so leicht, zumal wir zu Fuß lediglich im Schneckentempo vorankommen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im wahrsten Sinne des Wortes in unseren Händen. Zusätzlich zu unseren Standardpfeilen verfügen wir über einen Teleportationspfeilsowie einen Lichtsplitter zum Werfen, der genauso funktioniert.

Beide Projektile beamen uns, sobald sie auf Grund treffen, auf den Punkt, auf dem Sie gelandet sind. Das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber außerordentlich gut, sodass schnell spektakuläre Situationen entstehen.

Es ist zum Beispiel möglich, die Teleports so zu timen, dass wir gegnerischen Hieben und Schüssen ausweichen und während der Teleportation schon den Bogen spannen, um sofort beim Auftreffen einen Gegner per Kopfschuss niederzustrecken.

Falls wir Gefahr laufen, überrannt zu werden, können wir zudem mit einem Druck auf die Pfeilwechsel-Taste eine Art Zeitlupenmodus aktivieren, die uns einen kleinen Moment Zeit gibt, unseren nächsten Schritt zu planen.

Das alles klingt komplizierter, als es tatsächlich ist und sorgt für jede Menge Spielspaß. Nichtsdestotrotz bleibt der Tod in In Death auch für versierte Spieler ein ständiger Begleiter.

Der ewige Kreislauf des Sterbens

Das liegt nicht nur daran, dass wir beim Spielen zahllose Ritter, gesichtslose Bogenschützen in Mönchskutten sowie allerlei Ghouls, Geister und Dämonen von ihrem Leid erlösen, sondern auch daran, dass wir früher oder später mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit selbst ins virtuelle Gras beißen.

Grund dafür ist allerdings nicht etwa schlechtes Balancing, vielmehr ist das eigene Ableben elementarer Bestandteil der Spielerfahrung. In Death gehört nämlich zur Gattung der Roguelikes. Dieses Spielkonzept verspricht dank einiger Designkniffe einen hohen Wiederspielwert.

Zum einen werden die Level bei jedem Spielstart neu prozedural generiert. In jedem Durchgang treffen wir also eine neue Levelstruktur an, und auch das Gegneraufkommen und die Verteilung unserer Widersacher ändern sich.

Weiterhin sind Roguelikes wie In Death traditionell ziemlich schwer, sodass Tode und Neustarts zum Spielfluss dazugehören. Für Abwechslung und Spielerprogression ist trotzdem gesorgt. Nach jedem Tod erhalten wir in In Death basierend auf unserer Leistung Auszeichnungen, die wiederum neue Ausrüstungsgegenstände freischalten.

Motivierendes Upgrade-System

Dazu gehören zum Beispiel Spezialpfeile mit Feuer-, Eis- oder Explosionseffekt, ebenso gibt es einen Mehrfach-Pfeil sowie einen solchen, der mehrere Gegner gleichzeitig verlangsamen kann. Außerdem gibt es Heiltränke und andere magische Helferlein.

Andere, passive Boni (z.B. erhöhter Kopfschuss-Schaden) sind nach dem Freischalten permanent aktiv. Unbedingt einfacher wird In Death dadurch aber nicht, zumal wir mit fortschreitender Spieldauer auch stärkere Gegner freischalten, die fortan das höllische Paradies bevölkern. Fördern und fordern – dieses vielzitierte Tandem zelebriert In Death in Reinform.

Mit einem der letzten Updates schaffte es neben dem Bogen eine zweite Waffe ins Spiel. Die Armbrust lässt sich – einmal freigeschaltet – vor Spielstart als Ersatz für den Bogen auswählen und führt zu einem überraschend anderen Spielerlebnis, da sich nicht nur die Handhabung, sondern auch die Flugbahn der Pfeile bei der Armbrust spürbar ändert.

Schöner sterben mit In Death

In puncto Technik gibt es bei In Death nichts zu meckern. Die bereits angesprochene Steuerung ist ebenso eingängig wie präzise, audiovisuell weiß das Spiel ebenfalls zu überzeugen. Die Texturen sind knackscharf, die Lichteffekte schön anzusehen.

Das Gegnerdesign ist so schaurig-schön, dass ich mich mehrfach richtig erschreckt habe, als ein Dämon aus einer dunklen Ecke auf mich zugesprintet kam. Dafür ist auch der minimalistische, aber sehr atmosphärische Sound verantwortlich.

Kurzum: In Death entführt uns in eine stimmige Welt, in der der Game Over-Screen lediglich der Trigger für das obligatorische „Ach komm, eine Runde geht noch“ ist.

Das Inhalte-Dilemma

Inhaltlich mag In Death auf den ersten Blick allerdings wenig Abwechslung bieten. Zwar werden die Level prozedural generiert, jedoch erkennen wir die einzelnen Bauteile recht schnell wieder. Mit den Pits of Damnation sowie Paradise Lost haben die Sólfar Studios zwar für mehr Inhalte gesorgt, jedoch braucht es ziemlich viel Durchhaltevermögen, bis wir diese auch zu sehen bekommen.

Allein, bis zum ersten Endboss zu kommen, hat mich mehrere Stunden Spielzeit (in denen ich aber viel Spaß gehabt habe) gekostet – diesen zu besiegen, ist dann noch einmal eine ganz andere Nummer. Wer nicht die nötige Geduld mitbringt, läuft also Gefahr, längst nicht alle verfügbaren Inhalte zu sehen zu bekommen.

Unsere Wertung

Nichtsdestotrotz ist In Death ein durchweg gelungener VR-Shooter mit erfrischend anderem Setting und coolen Gameplay-Mechaniken. Wer nach einer Herausforderung sucht, findet diese bei In Death definitiv.

Oliver Schmiedchen

Mein Fazit:

In Death hat mich bereits nach kurzer Zeit gepackt, vor allem das innovative Bogen- bzw. Armbrust-Gameplay hat es mir angetan. Jeder Anlauf ist trotz der immer wiederkehrenden Level-Versatzstücke aufs Neue aufregend und extrem spannend. Obwohl ich bei In Death öfter ins Gras beiße, als ich zugeben möchte, starte ich meist direkt einen neuen Versuch, denn wirklich unfair ist das Spiel nie. Wer nach einer knackigen Shooter-Herausforderung sucht, ist bei In Death meiner Meinung nach goldrichtig.

In Death ist der richtige VR-Shooter für euch, wenn…

  • ihr auf VR-Bogen-Shooter steht
  • euch nach einer beinharten Herausforderung ist
  • ihr nach einer Spielerfahrung mit hohem Wiederspielwert sucht
  • euch The Persistence, Sairento VR oder Sacralith: The Archer’s Tale gefallen

In Death ist eher nichts für euch, wenn ihr…

  • nach einem Spiel sucht, dass ihr „mal eben“ durchspielen könnt
  • direkt schlechte Laune bekommt, wenn ihr in einem VR-Spiel sterbt
  • nach einer entspannenden VR-Erfahrung sucht

Den VR-Roguelike-Shooter In Death bekommt ihr hier:

Getestet mit: Oculus Rift

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Oliver Schmiedchen
Oliver Schmiedchen

Gamer aus Leidenschaft, dabei seit PlayStation 1-Zeiten. Aktuell zuhause auf Xbox One und in Sachen VR auf dem PC. Hält die SEGA Dreamcast für die beste Konsole aller Zeiten. Feiert Musik von Gucci Mane über Led Zeppelin bis Adam Beyer.

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