Homefront: The Revolution – Das öde Dasein wütender Widerständler

Die Story um Rebellion und Unterdrückung im eigenen Land ist im Grunde spannend und bietet genug Zündstoff für explosive Geschehnisse. Doch wie schon der Vorgänger feuert Homefront: The Revolution nicht mehr als ein paar Knallfrösche ab.

  • von Michael Krüger am 08.06.2016, 10:42 Uhr

Dabei ist die Idee hinter Homefront: The Revolution eigentlich gut. Nordkorea verkauft Militärgüter an die USA und legt die Nation anschließend per Hintertürchen lahm. Die Staaten sind besetzt und so entsteht eine Rebellen-Armee, die sich mit allen Mitteln aus der Herrschaft des totalitären Regimes befreien will.

Doch kaum ist der Vorspann vorbei, war es das auch schon in Sachen kinoreifer Handlung. Spätestens nach der dritten Zwischensequenz erlebt ihr Homefront: The Revolution in puncto Story als generischen Shooter. Ruppige Anführer und Ex-Soldaten brüllen sich Anweisungen entgegen und betonen immer wieder wie wichtig ihre Ziele sind – man kennt sowas.

Masse statt Klasse

Da hilft es natürlich nicht, dass ihr in die Rolle eines austauschbaren Protagonisten schlüpft, der weder Persönlichkeit noch Stimme hat. Beschreiben andere Figuren im Spiel euren Charakter, hat das schon fast etwas Komisches.

Aber auch auf Seiten der Feinde fällt die Suche nach Ikonen mager aus. Anstatt eines üblen Oberschurken, der durch Charisma und Redegewandtheit polarisiert, kämpft ihr fast ausschließlich gegen vermummte Soldaten der sogenannten KVA. Diese könnten ebenso gut ein Schild um den Hals tragen, auf dem in großen Buchstaben “Kanonenfutter” steht.

Kein schlechter Ansatz

Doch Homefront: The Revolution ist nicht in allen Belangen uninspiriert. Die Spielmechanik zeigt interessante Ansätze, die sich beizeiten sogar richtig frisch anfühlen und euch über Mängel hinwegsehen lassen. So tragt ihr anstelle eines riesigen Arsenals nur wenige Standardwaffen mit euch herum, die ihr wiederum durch Modifikationen unterwegs verändern könnt.

Aus einer Pistole wird so schnell eine Uzi und aus einem Sturmgewehr ein MG. Das sieht auch gut aus, ihr seht die Waffe nämlich in eurer Hand und könnt beobachten, wie eure Hände die Aufsätze anbringen oder auswechseln.

Die offene Spielwelt besteht aus insgesamt acht Distrikten, die ihr der Reihe nach befreit. Anders als es zunächst den Eindruck macht, ist stumpfe Gewalt hier keine Lösung. Vielmehr wird euer taktisches Verständnis gefordert, denn ihr haltet nicht allzu viele Treffer aus und die Lösung für ein Problem liegt gelegentlich im Subtext. Wollt ihr beispielsweise eine Raffinerie erobern, habt ihr die Möglichkeit, einen Lüftungsschacht per Sprengsatz zu öffnen und euch so Zutritt zu verschaffen. 

Das ist gar nicht mal so unkreativ, fühlt sich jedoch oft weniger genau geplant, sondern vielmehr zusammengeschustert an – ein Problem, an dem die gesamte Spielwelt leidet, auch wenn es hier und da auch mal ein paar hübsch inszenierte Lichtblicke gibt.

Da die Missionen im Grunde meist gleich ablaufen, stellt sich allerdings schnell ein Gefühl von Ohnmacht ein, und das Bedürfnis, weitere Aufträge zu erledigen, schwindet allmählich dahin. Glücklicherweise finden sich in der Spielwelt aber hie und da nette Ideen. So aktiviert ihr an einer Stelle einen Generator, indem ihr mithilfe eures Motorrads den Dynamo dreht. So etwas lockert den beizeiten monotonen Trott etwas auf, bleibt aber die Ausnahme.

Die Terror-Herrschaft der Bugs

Schon nach den ersten paar Anweisungen im Spiel war’s das mit einer gut durchdachten Spielwelt und ihr findet euch in einer chaotischen Aneinanderreihung von Elementen wieder, in der euch zwar Optionen vorgegeben werden, die eine klare Linie aber vermissen lässt.

Besonders ärgerlich sind die Schwächen in der Technik. Immer wieder schießt ihr auf eure Feinde und beobachtet, wie sie keinerlei Treffer einstecken. Und selbst wenn ihr einmal trefft, ist das darauffolgende Feedback alles andere als befriedigend. Auch die Stealth-Optionen sind nicht ausgereift – dabei fordert das Spiel von euch, mit Bedacht und versteckt vorzugehen. Das klappt allerdings selten, weil ihr häufig von Feinden selbst durch Wände gesehen werdet. Oder sie bemerken euch selbst dann nicht, wenn ihr euch direkt in Sichtlinie befindet. Die Gegner erscheinen auch mal unvermittelt vor euren Augen, eine immer wieder fehlerhafte Kollisionsabfrage lässt sie albern aussehen und stört die Atmosphäre.

Fazit

Eine Bewertung von Homefront: The Revolution ist nicht leicht. Um das Spiel als Katastrophe zu bezeichnen, sind ein paar der Ideen einfach zu gut. Doch ausgelassene Freude will auch nicht aufkommen. Die Fehler im Spiel kosten regelmäßig Nerven, die Spielwelt ist nicht konsistent und scheitert schon früh beim Versuch, euch anständig zu motivieren. Da tröstet auch der kooperative Widerstandsmodus nicht wirklich. Dieser ist zwar spaßig, doch mit gerade mal sechs Karten ziemlich mager.

Drückt ihr beide Augen zu und seid ihr bereit, über beschriebene Schwächen hinwegzusehen, könnt ihr mit Homefront: The Revolution durchaus Spaß haben. Voraussetzung ist eine hohe Bereitschaft, sich auf das Spiel einzulassen.

Für Fans von:

  • sammelbaren Verbesserungen
  • dystopischen Szenarien
Michael Krüger
Michael Krüger