Halo Wars 2 im Test: Echtzeitstrategie für Jeden

Halo Wars 2 setzt inhaltlich 26 Jahre nach dem ersten Spiel an und bringt alte Bekannte zurück, hat aber auch eine Menge neue Elemente. Im Test klären wir, wie gut die Kombination funktioniert.

  • von Patricia Geiger am 22.02.2017, 16:49 Uhr

Mit Halo Wars 2 hatten es sich die Entwickler vom Studio Creative Assembly zum Ziel gesetzt, Echtzeitstrategie für Jeden sowohl für die Xbox One als auch für den PC zu entwickeln, wie uns bei einem Preview-Event Creative Director Alistair Hope verraten hat. Wir haben uns das fertige Spiel angeschaut und klären jetzt, ob das Studio dieses Vorhaben auch in die Tat umsetzen konnte.

Die Kampagne: Viel Abwechslung und hübsche Zwischensequenzen

Die Geschichte von Halo Wars 2 spielt 26 Jahre nach dem ersten Strategie-Ableger des Shooter-Franchises, bringt aber mit der Crew der Spirit of Fire unter der Leitung von Captain Cutter jede Menge bekannte Gesichter aus dem ersten Halo Wars zurück. Die Mannschaft dümpelte in einen Kryoschlaf versetzt ziellos durch den Weltraum, wurde nun aber wieder aufgeweckt. 

Daher wissen die Soldaten auch nicht, dass der Krieg zwischen den Aliens der Allianz und der menschlichen UNSC in der Zwischenheit beendet wurde. Die Crew hat jedoch auch gar keine Zeit, sich mit den neuen Verhältnissen vertraut zu machen. Ein Notsignal geht ein, dem ein kleiner Trupp folgt – und dort mit dem neuen Gegenspieler Atriox unliebsame und schmerzhafte Bekanntschaft macht.

Atriox gehörte zu einem Clan, der von der Allianz im Krieg als Kanonenfutter verheizt wurde. Er hat sich gegen die Allianz aufgelehnt und Anhänger um sich geschart, die nun als die Verbannten für Schrecken und Verwüstung sorgen.

Während des Einsatzes können die UNSC-Mannen aber immerhin die KI Isabel bergen, die Cutter und Co. über den aktuellen Stand der Dinge und vor allem über die Gefahr informiert, die von Atriox ausgeht. 

Wer das erste Halo Wars nicht gespielt hat, muss jedoch keine Angst davor haben, nur Bahnhof zu verstehen. Durch die Wahl eines vollkommen neuen Feindes bekommen Veteranen etwas Neues vorgesetzt, gleichzeitig werden aber auch Neuankömmlinge abgeholt.

Halo Wars 2 bietet dabei vier unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, in denen wir spielen dürfen. Für Fans der Halo-Reihe, die aber nicht unbedingt sonderlich mit dem Echtzeitstrategie-Genre vertraut sind, empfiehlt sich hier zum Einstieg abseits jeglicher Eitelkeiten definitiv der einfache Spielmodus. Erfahrenere Spieler sind dafür aber auch jeden Fall in den höheren Schwierigkeitsgraden besser aufgehoben.

Der Kampf gegen die Verbannten umfasst 12 abwechslungsreiche Missionen. Mal müssen wir ein Ziel verteidigen, an anderer Stelle den Gegner in die Flucht schlagen oder wichtige Punkte erobern und halten. Das können wir dabei aber nicht nur alleine tun, denn die Kampagne von Halo Wars 2 bietet auch einen Koop-Modus. Wer jedoch gehofft hat, nach Abschluss der UNSC auch noch auf Seiten von Atriox einen Feldzug zu bestreiten, wird enttäuscht.

Im Gameplay-Bereich erfindet Halo Wars 2 das Rad nicht neu, muss es aber auch gar nicht. Wir bauen Basen auf und aus, sorgen für ständiges Ressourcenwachstum und bauen uns eine kleine Armee auf, mit der wir dann gegen die Verbannten in die Schlacht ziehen. Dass das Spiel trotz Strategie-Genre eigentlich auf der Xbox seine Wurzeln hat, merkt man daran, dass Basen nur an bestimmten Orten gebaut werden können. Auch die Armeegröße entspricht nicht ganz dem, was PC-Spieler von anderen Echtzeitstrategie-Titeln gewohnt sind. Dafür ist die Steuerung mit dem Controller angenehm unkompliziert und auch das Springen über die Map mit dem Steuerkreuz erleichtert das Leben immens.

Mehr zum Basenbau in Halo Wars 2 erfahrt ihr in unserem Video

Zwischen den Missionen warten immer wieder kinoreife Zwischensequenzen auf uns, die wie schon beim ersten Halo Wars für ein Strategiespiel außergewöhnlich hübsch sind und anderen AAA-Großproduktionen in Nichts nachstehen. Nicht zuletzt deshalb gibt es im Kampagnen-Menü wohl einen eigenen »Kino«-Reiter, in dem wir uns die Sequenzen nach Lust und Laune nochmals anschauen können, nachdem wir sie zum ersten Mal im Verlauf der Kampagne gesehen haben.

Der Multiplayer: Für jeden Spieler der richtige Modus

Im klassischen Multiplayer bietet Halo Wars 2 fünf Spielmodi, die von 2 bis 6 Spielern reichen. Im Einzelkrieg stehen sich zwei Spieler im klassischen Deathmatch gegenüber, zu dritt können Spieler gegen die KI in einem eigenen Spielmodus ins Gefecht ziehen.

Wer lieber menschliche Gegenspieler hat, kann sich zum Beispiel im Festungsmodus mit dem wohlklingenden Namen »Schlägerei« in Dreierteams austoben. Hier gibt es unbegrenzte Ressourcen und das Ziel ist es, am Rundenende mehr Punkte als der Gegner auf dem Konto zu haben. Die erringen wir, indem wir Außenposten besetzen, verteidigen oder eben vom Gegner erobern. 

Teamkrieg bietet ebenfalls Platz für vier bis sechs Spieler und ist ein klassisches Deathmatch. Das Team, das am Ende noch steht, hat gewonnen. Wer sich hier gut abspricht und fokussiert Einheiten auf die Beine stellt, kann den Gegner früh überrumpeln.

In Teamziel, das ebenfalls für sechs Spieler ausgelegt ist, geht es stattdessen darum, drei Kontrollpunkte zu sichern und zu halten, um auf diese Weise Punkte zu sammeln. Auch hier gilt: Gute Absprache und eine koordinierte Produktion von Infanterie, Fahrzeugen und Flugeinheiten kann hier für eine Armee sorgen, an der Gegner sich die Zähne ausbeißen.

Alleinstellungsmerkmal Blitz-Modus

Abseits des normalen Multiplayers gibt es in Halo Wars 2 auch noch den Blitz-Modus. Der wirft das sonst übliche Spielprinzip vom Basenbau und Ressourcenmanagement über den Haufen und kombiniert die Echtzeit-Strategie stattdessen mit einem Sammelkartenspiel. Vor der Partie stellen wir uns ein Kartendeck zusammen, die Einheiten werden im Spiel dann direkt von der Hand ins Spiel gesetzt.

Zum Ausspielen sind jedoch trotzdem Ressourcen nötig. Die erhalten wir in Blitz von regelmäßig spawnenden Kapseln – allerdings nur, wenn wir schnell genug sind. Theoretisch kann uns der Gegner die Kapseln auch vor der Nase wegschnappen. Der Blitz-Modus spielt sich dadurch gleichzeitig schneller und langsamer als die anderen Modi. Schneller, weil unsere Armee ständig in Bewegung zwischen den Ressourcenkapseln und den Punkten ist, die es zu halten gilt. Langsamer, weil es immer wieder zu Phasen kommt, in denen durch mangelnde Ressourcen nicht viel passiert. Insgesamt hat Creative Assembly es aber geschafft, hier ein gutes Gleichgewicht zu schaffen.

Fazit

Creative Assembly wollte mit Halo Wars 2 ein Echtzeitstrategie-Spiel für jeden machen – und hat das meiner Meinung nach auch absolut geschafft. Selbst Spieler, die sonst mit dem Genre nicht allzu viel am Hut haben, dafür aber Das Halo-Universum rund um den Master Chief zu schätzen wissen, finden genauso Zugang zum Spiel wie Strategie-Veteranen. Die Kampagne ist mit ihren 12 Missionen kurz und knackig gehalten, überzeugt dafür aber durch Abwechslungsreichtum und hübsche Zwischensequenzen. Und auch der klassische Multiplayer sowie der neue Blitz-Modus schaffen es, mich bei der Stange zu halten. Kurzum: Das Gesamtpaket bei Halo Wars 2 stimmt.

Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.