For Honor im Test: Einfach zu spielen, schwer zu meistern

Mit For Honor hat Ubisoft ein Experiment gewagt - wie erfolgreich das Ganze ist, klären wir im Test.

  • von Patricia Geiger am 16.02.2017, 15:09 Uhr

Aus der Masse der Multiplayer-Spiele sticht For Honor deutlich hervor. Denn im Gegensatz zu den zahlreichen Ego-Shootern, die jedes Jahr auf den Markt kommen und sich gegenseitig die Spielerschaft streitig machen wollen, geht das Spiel von Ubisoft einen komplett anderen Weg. Fernab von Schießprügeln jeglicher Fasson kommen hier Äxte, Schwerter und Schilde zum Einsatz. Mit anderen Worten: Eine Axt im Gesicht ist deutlich persönlicher als ein am Kartenrand liegender Sniper. Abgesehen vom Multiplayer verfügt For Honor aber auch noch über eine komplette Einzelspieler-Kampagne, die sich ebenfalls sehen lassen kann.

Kriegstreiber unter sich: Die Kampagne

Die Kampagne von For Honor umfasst drei Kapitel mit jeweils sechs Missionen. Jedes Kapitel erzählt dabei die Geschichte einer der drei Fraktionen. Die Prämisse ist dabei recht einfach: Die Welt von For Honor wird von Rittern, Wikingern und Samurai bevölkert, nachdem 1000 Jahre zuvor eine Naturkatastrophe alles in Schutt und Asche gelegt hat und daraufhin Krieg um die übrigen Ressourcen ausbrach. Aus den Trümmern erhebt sich neben den drei Völkern auch die Kriegsherrin Apollyon. Sie hetzt die Fraktionen, die ihrer Meinung nach schwach geworden sind, kontinuierlich gegeneinander auf. 

In Kapitel eins starten wir als Ritter und lernen dabei gleich die Spielklasse des Wächters genauer kennen. Zunächst kämpfen wir noch gegen Apollyons Armee, die Schwarzenfels-Legion, schließen uns dieser dann aber halbwegs widerwillig an. Schnell stellen wir jedoch fest, dass die Legion nicht dem Schutz der Menschen dient, sondern Apollyons Ziel darin besteht, den Krieg ewig voranzutreiben.

Die Wikinger werden zum zentralen Punkt von Kapitel zwei, das chronologisch an das erste anschließt. Als Plünderer brechen wir zu einem Rachefeldzug gegen alle auf, die unserem Stamm Unrecht getan haben. Das sind sowohl Ritter als auch andere Wikinger und am Ende die Samurai.

Deren Geschichte im Kriegsverlauf erzählt das dritte Kapitel, in dem wir einen Orochi spielen. Nachdem wir zunächst die Wikinger als Feinde bekämpfen, stellen wir fest, dass eigentlich Apollyon die treibende Kraft hinter dem Krieg ist. Daraufhin beginnt die Jagd nach der Kriegsherrin und ihrer Legion.

Alle drei Kapitel haben gemeinsam, dass sie zwar die Geschichte erzählen, wieso die Fraktionen sich noch immer die Köpfe einschlagen, andererseits aber auch schlicht und ergreifend als Tutorial fungieren. In jedem Kapitel dürfen wir neben der Einstiegsklasse (Wächter, Plünderer, Orochi) auch andere Klassen der Fraktion spielen, um uns mit ihrer Kampfweise vertraut zu machen.

Einen Überblick über alle Helden und ihre Kombo-Attacken findet ihr in unserem Guide.

Männliche und weibliche Helden

Auch der Beginn der einzelnen Kapitel ist immer gleich: Hier können wir wählen, ob wir einen männlichen oder weiblichen Charakter spielen möchten. Einen Unterschied im Gameplay macht die Wahl nicht. Aber da die Charaktere alle vertont sind und wir es nicht, wie so oft, mit einem stummen Helden zu tun haben, merken wir zumindest hier (und an den zum Zopf geflochtenen Haaren), dass wir es mit einem weiblichen Helden zu tun haben. 

Wer For Honor mit der englischen Tonspur spielt und ansonsten Rollenspiel-Fan ist, erlebt dabei eine angenehme Überraschung: Die Wächterin wird von Jennifer Hale gesprochen, die vielen als Original-Stimme von Commander Shepard aus der Mass-Effect-Trilogie bestens bekannt sein dürfte. Was die Atmosphäre angeht, empfehlen wir ohnehin die englische Tonspur – die deutschen Sprecher machen zwar alles in allem einen ordentlichen Job, die englischen Kollegen haben aber insgesamt doch deutlich die Nase vorn.

Lohnt sich die Kampagne?

Wir können die Missionen der Kampagne beliebig oft in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden wiederholen. Beispielsweise, um alle Collectibles zu finden, unser Können zu testen, Spielklassen nochmals auszuprobieren oder auch einfach, um uns gemeinsam mit einem Freund durch die Kampagne zu schnetzeln, die uns neben dem Einzelspieler- auch einen Koop-Modus bietet.

Während die Geschichte um den Krieg zwischen den drei Völkern hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt, haben wir die etwa sechs bis acht Spielstunden umfassende Kampagne trotzdem gerne gespielt. Das hat einige recht einfache Gründe:

  • Die Welt von For Honor lädt trotz linearer Schlauchlevel zum Erkunden ein, da sie mit jeder Menge Details vollgestopft ist und uns dank ihrer Optik immer wieder innehalten lässt. Der Gedanke »Mein Gott, sieht das alles gut aus!« kam uns nicht nur einmal. 
  • Kurze Passagen wie eine Verfolgungsjagd mit Pferden lockern den Spielfluss auf, auch wenn sie relativ simpel gestrickt sind.
  • Die Bosskämpfe erfordern deutlich mehr Geschick und Konzentration, da die Gegner einige Asse im Ärmel haben, die den anderen Feinden fehlen.

Je mehr, desto besser: Der Multiplayer

Zum Launch verfügt For Honor über fünf Spielmodi, die von 1vs1 bis zu 4vs4 reichen. Alle der Modi sind sowohl gegen menschliche als auch gegen KI-Gegner spielbar. Wer sich also zunächst mit den Mechaniken vertraut machen möchte, bevor er sich in richtige PvP-Matches stürzt, kann zunächst mit bis zu drei Mitspielern im Koop gegen Bots antreten.

Das empfiehlt sich auch, denn obwohl For Honor auf den ersten Blick einfach zu spielen ist – schließlich gibt es nur drei Schlag- und Blockrichtungen – steckt deutlich mehr hinter dem Kampfsystem. Durch den Wechsel zwischen starken und schwachen Attacken lassen sich mächtige Kombo- und Kettenangriffe starten, hinzu kommt noch die Ausdauer, die immer im Blick behalten werden muss. 

Die »kleinen« Modi

Bei den Spielmodi Duell und Handgemenge ist die Teilnehmerzahl überschaubar: Wie der Name schon vermuten lässt, treten beim Duell zwei Spieler (beziehungsweise ein Spieler gegen einen Bot) gegeneinander an. Der Modus dürfte wohl vor allem Fans von Fighting Games wie Street Fighter und Tekken ansprechen, denn hier können sie ihre eigene Kampfkunst auf die Probe stellen.

Handgemenge stellt im Prinzip die Erweiterung des Duell-Modus auf zwei Spieler pro Partei dar. Allerdings bietet sich hier natürlich die erste Möglichkeit, taktisch vorzugehen. Verbünden wir uns erst mit unserem Mitspieler, um einen Gegner außer Gefecht zu setzen, oder suchen wir trotzdem die 1-gegen-1-Situation? Fällt unser Mitstreiter, können wir ihn mit etwas Glück auch wiederbeleben. Voraussetzung dafür ist, dass wir schnell genug sind und der andere Held nicht exekutiert wurde.

Alle Exekutionen von For Honor präsentieren wir euch hier im Video

Die »großen« Modi

Die Königsdisziplin in For Honor ist jedoch eindeutig das 4vs4. Hier stehen den Spielern mehrere Modi zur Verfügung: Herrschaft, Deathmatch und Scharmützel. 

Deathmatch hält das, was der Name verspricht: Zwei Teams mit jeweils vier Spielern treten gegeneinander an. Das Team, das am Ende noch steht, hat gewonnen – es gibt keine Respawns. Scharmützel folgt dem gleichen Prinzip, hier dürfen Spieler jedoch erneut Spawnen. Das macht Deathmatch im Vergleich deutlich spannender. Liegen wir selbst im Dreck, können wir immer noch die Mitspieler dabei beobachten, wie sie sich gegen das andere Team schlagen. Das geht sowohl, indem wir einem Kollegen gezielt folgen, aber auch über die Ansicht der gesamten Karte. Hier können wir beliebig heranzoomen und die Karte drehen, um das Spielgeschehen aus der Vogelperspektive zu verfolgen.

Groß angelegte Schlachten, die auch streckenweise mehr an das Gameplay der Kampagne erinnern, bietet dafür der Modus Herrschaft. Zusätzlich zu den Gegenspielern bekommen wir es hier auch noch mit einer Heerschar von schwächeren KI-Gegnern zu tun, die als Kanonenfutter vor allem dazu dienen, Ruhm zu erlangen. Wirkliche Gefahr geht von den einfachen Truppen aber trotz ihrer hohen Zahl nicht aus. Mit dem Ruhm schalten wir dann in der Runde unsere Gaben frei – besondere Fähigkeiten, die mit einem Cooldown versehen sind und Beispielsweise Mitstreiter heilen. In Herrschaft bekommen wir Punkte dafür, Zonen zu erobern und diese zu halten sowie für das Töten der Fußsoldaten und natürlich der Gegenspieler. Haben wir lange genug die Oberhand, müssen wir für den Sieg noch das komplette gegnerische Team ausschalten. Von allen Spielmodi kommt hier durch Schlachtengebrüll und aufeinanderprallende Armeen aber definitiv am deutlichsten die Kriegsatmosphäre zum Tragen, die in der Kampagne vermittelt wird.

Der Fraktionskrieg

Aber egal, welchen Modus wir spielen: Am Rundenende gibt es immer Stahl, XP, mit etwas Glück Ausrüstung und garantiert Kriegsressourcen. Die investieren wir im Fraktionskrieg, dem Metagame von For Honor. Die Gruppierungen streiten um die Vorherrschaft auf der Karte und greifen gegnerische Territorien an, um diese zu erobern, während die eigenen möglichst verteidigt werden sollen. Alle paar Stunden werden die Ressourcen der Fraktionen miteinander verrechnet und die Gebietsgrenzen verschieben sich entsprechend. Dabei ändern sich auch die Karten: Wechselt ein Gebiet den Besitzer, passen sich auch die Deko-Elemente entsprechend an.

Fazit

Mit For Honor hat Ubisoft einen durchaus mutigen Schritt gewagt: Inmitten des aktuellen Shooter-Überschusses ein Nahkampf-Spiel auf AAA-Niveau zu veröffentlichen. Doch gerade damit sorgt das Spiel für den frischen Wind, den sich so mancher Shooter-müde Multiplayer-Fan dringend gewünscht hat. Die verschiedenen Mehrspieler-Modi sorgen für genug Abwechslung und auch die Kampagne hat mich trotz einiger Schwächen gut unterhalten. Die Atmosphäre des Spiels ist über alle Bereiche hinweg großartig und auch optisch überzeugt mich For Honor voll und ganz. Ich werde auf jeden Fall noch einige Zeit damit verbringen, als Wikinger den Rittern und Samurai ordentlich eins auf den Deckel zu geben.

Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.