Final Fantasy 15 im Test: Rollenspiel zum Hingucken

Kaum zu glauben, aber zehn Jahre dauerte die Produktion von Final Fantasy 15. Nun zeigt sich endlich, ob Square Enix' neues Opus das von vielen so heiß ersehnte Spiel ist - oder nur ein passables RPG.

  • von Michael Krüger am 30.11.2016, 17:42 Uhr

Ungewöhnliche Besetzung für eine eher seichte Handlung: Prinz Noctis, aktueller Thronfolger von Lucis, soll sich mit seiner Verlobten Luna treffen, um letzte Hochzeitsvorbereitungen vorzunehmen. Dafür verlässt er das Königreich und begibt sich mit seinen drei besten Freunden Gladiolus, Ignis und Prompto auf eine abenteuerliche Reise.

Diese führt sie zunächst in eine dünn besiedelte Gegend. Dennoch finden sie hier viele Freunde und erleben erste Erfolge durch Jagdaufträge und andere Aktivitäten. Im Verlauf der Handlung intensiviert sich euer Gefühl für die Beziehung zwischen Noctis und seinen Freunden. Selbst wenn euch deren Auftreten im Stil einer Boyband nicht zusagt, wachsen die Jungs euch irgendwann ans Herz.

Die Handlung selbst nimmt jedoch trotz tragischer Ereignisse kaum richtig an Fahrt auf. Zum einen fehlt es den Ereignissen an Intensität und komplexen Beziehungen. Zum anderen verlaufen die Hauptmissionen zumindest gefühlt komplett abseits vom restlichen Spiel.

Ihr entscheidet also ab einem bestimmten Punkt immer wieder, ob ihr gerade lieber in der offenen Welt Nebenmissionen erledigt oder linear einem Handlungsabschnitt folgt. Dadurch ist die Erzählung lückenhaft und verliert an Bedeutung.

 

Vier Krieger für ein Halleluja

Was die Handlung eventuell nicht leistet, liefert dafür die Spielmechanik. Trotz oder vielleicht gerade dank der einfachen Bedienung fühlen sich die Kämpfe intensiv an und bringen euer Adrenalin zum Pumpen. Schnelle Manöver, Kombos mit Noctis’ Verbündeten und schön inszenierte Spezial-Attacken sorgen für unterhaltsame Gefechte. Dennoch könnte auch dieser Aspekt gerne etwas mehr in die Tiefe gehen. Auf der Meta-Ebene mangelt es nämlich an Taktik.

Einstellungen für das Verhalten eurer Begleiter, Kampfaufstellung und andere Optionen, die ihr möglicherweise aus der Serie kennt, fehlen in Final Fantasy 15. Eure Freischaltungen beschränken sich auf ein paar Seiten voller Fertigkeiten. Das ist nur bedingt befriedigend, da sich diese oft nur subtil im Spiel selbst bemerkbar machen. Auch die Möglichkeiten rund um Magie sind nicht so umfangreich, wie sie sein könnten. Alle Gameplay-Elemente machen zwar Spaß, doch würde mehr Substanz dem Unterhaltungswert definitiv guttun.

 

Wahrhaftig ein Hingucker

Die große Stärke von Final Fantasy 15 ist die Bildgewalt. Egal ob Zwischensequenzen oder Spielszenen – qualitativ spielt der neue Ableger auf irre hohem Niveau. Dabei ist die Darstellung extrem natürlich, was irgendwie untypisch für die Serie ist. Dennoch funktioniert das gut und selbst die bunten Chocobo-Riesenvögel passen sich in das Gesamtbild ein. Warum alles so realitätsnah wirkt, liegt zu einem großen Teil an den umwerfenden Lichteffekten. Diese sorgen fast durchgehend für eine dichte Atmosphäre.

Auf akustischer Seite gibt es nicht nur Positives zu berichten. Die musikalische Untermalung ist beispielsweise in großen Teilen gelungen, doch hätte die Auswahl an Musikstücken während der Autofahrten ein paar mehr Lieder abseits alter “Final Fantasy”-Soundtracks vertragen. Die englische Vertonung ist großartig und die Stimmen wurden adäquat gewählt. Den deutschen Kollegen ist das nicht ganz so gut gelungen. Hier stechen immer wieder Stimmen hervor, die weder zum jeweiligen Charakter passen, noch den Ohren schmeicheln.

 

Fazit

So umfangreich Final Fantasy 15 ist und so viel es zu bieten hat, so lange sind auch die Wege zwischen den Aufgaben und Missionen. Ob ihr das als störend empfindet, entscheidet ihr am besten selbst. So oder so könnt ihr mit Final Fantasy 15 eine Menge Spaß haben, wenn auch manche Kritikpunkte selbigen etwas trüben.

Nach zehn Jahren Entwicklung hätte eigentlich etwas mehr drin sein müssen, damit sich der neue Teil der Traditionsserie eine Topwertung verdient. So ist Final Fantasy 15 ein sehr passables Rollenspiel-Abenteuer. Aber eben auch kein Überflieger.

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Michael Krüger
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