Eden Tomorrow im Test: Virtual Reality-Abenteuer für SciFi-Fans

In Eden Tomorrow für PlayStation VR strandet ihr auf einem mysteriösen Planeten. Um zu überleben, verbündet ihr euch mit einer gesprächigen KI-Drohne namens Newton. Wie viel Spaß macht das Virtual Reality-Abenteuer aus Deutschland?

  • von Sönke Siemens am 11.03.2019, 13:56 Uhr
Ob Mensch oder Drohne, dieser gefrässige Alien-Saurier verschlingt alles.

Sei es nun Farpoint, Robinson: The Journey oder Seeking Dawn – die Bruchlandung auf einem fremden Planeten ist ein beliebter Story-Aufhänger in vielen VR-Spielen. So auch im exklusiv für PlayStation VR entwickelten Eden Tomorrow vom deutschen Entwickler Soulpix aus Hannover. Alles beginnt in einer kugelförmigen Raumkapsel, die mit einem Affenzahn in Richtung Oberfläche eines unbekannten Himmelskörpers rauscht.

Eure Spielfigur scheint langsam aber sicher das Bewusstsein zu verlieren, weshalb euch die Künstliche Intelligenz der Kapsel eine Dosis Adrenalin verabreicht. Gerade noch rechtzeitig, denn Sekunden später dringt die Kapsel bereits in die Atmosphäre ein. Der Boden kommt näher und näher, die Wände des Gefährts vibrieren heftig und dann… wird alles stockfinster.

Die gute Nachricht: Wie durch ein Wunder überlebt euer Held die Katastrophe. Doch der harte Aufprall fordert seinen Tribut und führt zu einer fiesen Gehirnerschütterung – heftige Amnesie inklusive. Ihr wisst nach dem Crash also weder wer ihr seid, noch wer oder was euch in diese Kapsel gesteckt hat. Fest steht nur: Es ist Zeit, nach Antworten zu suchen.

Tatkräftige Unterstützung erhaltet ihr dabei von eurem Sidekick Newton. Die quirlige Flug-Drohne scheint sehr an eurem Wohlbefinden interessiert und begleitet euch in den folgenden ca. fünf Stunden Spielzeit auf Schritt und Tritt.

Unkompliziertes Gameplay

In Sachen Gameplay-Design erinnert Eden Tomorrow an Robinson: The Journey. Genau wie beim Crytek-VR-Abenteuer bahnt ihr euch auch hier aus Ego-Perspektive einen Weg durch recht linear angelegte Level. Gespickt sind diese mit seichten Puzzle- und Geschicklichkeits-Passagen.

Über klaffende Schluchten balancieren, die Gegend mit einem Scan-Impuls nach Items absucht, mit Hindernissen übersäte Hänge hinab rutschen, Computerterminals hacken, an schlafenden Bestien vorbeischleichen – die Herausforderungen klingen fordernd, stellen allerdings niemanden vor allzu große Schwierigkeiten.

Fliegender Wechsel

Etwas anspruchsvoller wird’s erst, sobald die „Switch“-Mechanik zum Einsatz kommt. Die Idee dabei: Newton und die Spielfigur sind über eine Neuronal-Verbindung miteinander vernetzt. Das wiederum ermöglich euch, nach Betreten einer sogenannten Safezone in die Perspektive der Drohne zu wechseln und diese direkt zu steuern.

Kurz nach der Bruchlandung etwa schnappt sich ein glitschiger Alien-Sandwurm ein dringend benötigtes Medi-Kit und verschwindet damit in ein verwinkeltes Höhlensystem. Da der Protagonist dieses jedoch nicht erreichen kann, nutzt ihr die Switch-Mechanik und sucht die Gegend in der Rolle von Newton ab.

Das Ganze geschieht fliegend und unter Zuhilfenahme einer speziellen Augmented-Reality-Ansicht, welche die Schleimspur des Wurms präzise anzeigt. Stück für Stück geht es so in den engen Bau der Sandwürmer, wo ihr am Ende sogar auf die schlafende Sandwurm-Königin trefft. Das Objekt der Begierde ist auch da, allerdings begraben vom tonnenschweren Körper der Kreatur, die ihr nun irgendwie weglocken müsst. Coole Idee!

Drohne sucht Energiezelle

Passagen wie die eben genannte sind toll gemacht und harmonieren prima mit der Geschichte. Das Problem: Insgesamt folgen zu viele Newton-Abschnitte ein und demselben Muster. Und das geht so: 1) Ihr sucht die Gegend nach drei blau leuchtenden Energiezellen ab, um Newtons Schallwaffe aufzuladen. 2) Ist dies erledigt, begebt ihr euch zu einem Hindernis, das der Held nicht passieren kann. 3) Jetzt noch für einige Sekunden die R2-Taste drücken und die Schallwellen entfernen die Barriere. Dann wieder zurück zum Helden wechseln und weiter geht’s.

Beim ersten oder zweiten Mal mag das noch Spaß machen. Spätestens nach der fünften oder sechsten Energiezellen-Suchaktion ist jedoch irgendwie die Luft raus. Immerhin: Zwischendurch variieren die Macher die Newton-Passagen etwas und lassen euch auch mal nach Planken oder Schrottteilen suchen, die dann wiederum als Brücke dienen.

Auch hier entdeckt ihr einen wundersamen Planeten in VR...
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Newton, die Quasselstrippe

Wie eingangs erwähnt, leidet der Held unter Amnesie. Aus erzählerischer Sicht führt das dazu, dass vor allem Newton redet. Und zwar nicht zu knapp. Spielt ihr Newton nicht gerade selbst, vergeht in der Regel keine Minute bis er wieder irgendeinen Spruch raushaut.

Soweit, so gut. Stellenweise schießen die Entwickler damit jedoch übers Ziel hinaus. Etwa wenn Newton die Lage mal wieder so detailliert analysiert, dass er dadurch bestimmten Story-Entwicklungen schlichtweg vorweggreift.

Hinzu kommt: Immer wieder recycelt das Audio-Team Sprachsamples, was einem nach einer bestimmten Zeit ziemlich auf den Keks geht. Newtons erschrecktes „Das war knapp!“ zum Beispiel klingt immer gleich. Ebenso der Spruch, wenn die KI-Einheit mal wieder gegen das Schutzschild einer Safezone rempelt.

Dennoch: Da Soulpix TV-Comedian Oliver Kalkofe als Synchronsprecher verpflichtete, strahlt Newton im deutschen Original eine nicht zu unterschätzende Sympathie aus. Spielt ihr Eden Tomorrow dagegen auf Englisch, kommt dieser Humor nicht ganz so gut rüber und Newton wirkt noch aufdringlicher als er ohnehin schon ist.

Zahlreiche Screenshot-Momente

Obwohl Eden Tomorrow nur von einem vergleichsweise kleinen Entwickler-Team geschaffen wurde, sieht das Gebotene ziemlich schick aus und zeigt, dass die Macher mit viel Herzblut bei der Sache waren. Newton zum Beispiel verfügt über zwei fliegende, toll animierte Roboter-Hände, mit denen er regelmäßig wild gestikuliert, Anweisungen gibt usw. Aber auch die ständig wechselnden Umgebungen sowie die bizarren Kreaturen verleiten dazu, immer wieder mal auf die Share-Taste des PS4-Controllers zu drücken.

Lob gebührt zudem der Performance. Egal ob euch nun ein Sandwurm verfolgt, ihr schwerelos durch ein gigantisches Trümmerfeld gleitet oder mucksmäuschenstill an gefräßigen Flugsauriern vorbeischleicht – die Bildrate ist stets butterweich. Weil Eden Tomorrow außerdem das Sichtfeld bei hektischen Bewegungen dynamisch verkleinert, wird einem in der Regel so gut wie nie schlecht.

Sobald ihr in Newton-Flugpassagen auf dem Digital-Steuerkreuz einmal kurz nach oben drückt, verkleinert das Spiel das Sichtfeld zudem ein weiteres Mal. Eine clevere Idee, die Motion Sickness ebenfalls effektiv vorbeugt. Gameplay-Frust hingegen vermeiden die Entwickler durch recht dicht beieinander liegende Checkpoints.

Unsere Wertung

Sönke Siemens

Mein Fazit:

Im Kern hat Eden Tomorrow eigentlich alles, was ein spannendes VR-Weltraum-Abenteuer braucht. Das Setting macht neugierig, die Kreaturen sind schaurig-schön, das regelmäßige Wechseln zwischen Spielfigur und Sidekick Newton gefällt, die Musik geht voll ins Ohr, die Grafik bietet zahlreiche Hingucker und auch an gut getimten Schreckmomenten mangelt es nicht.

Schade ist, dass ausgerechnet das Gameplay mit einigen Macken zu kämpfen hat. Die Balancier-Passagen zum Beispiel unterscheiden sich kaum voneinander. Gleiches gilt für die zahlreichen, viel zu simplen Hacking-Puzzles sowie die immer wiederkehrende Suche nach blauen Energiezellen. Über den nicht enden wollenden Redefluss von Newton und die Wahl von Comedian Oliver Kalkhofe als Sprecher kann man sich dagegen streiten.

Daher unser Tipp: Geht in den PlayStation Store, ladet euch die kostenlose Demo herunter, spielt sie durch und entscheidet dann selbst. Habt ihr danach Lust auf mehr, könnt ihr die geforderten 19,99 Euro durchaus investieren.

Eden Tomorrow wird euch gefallen, wenn…

  • ihr nach einer nett inszenierten Sci-Fi-Story mit eher seichten Puzzle-Passagen sucht
  • einen Faible für Sandwürmer, Flugsaurier und Killer-Drohnen habt
  • wissen wollt, zu was fliegende KI-Begleiter alles fähig sind

Eden Tomorrow ist eher nichts für euch, wenn ihr…

  • ständige Abwechslung wünscht und keine repetitiven Puzzles mögt
  • Oliver Kalkofe – der Newton spricht – schon im Fernsehen nicht besonders mögt
  • über kleinere Logikfehler in Story-lastigen Abenteuer-Spielen nicht hinwegsehen könnt

Ihr erhaltet Eden Tomorrow als Download im PlayStation Store. Hier findet ihr auch die kostenlose Demo des Spiels.

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Sönke Siemens
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