Die Zeit steht still – Das Zeitreise-Spektakel Quantum Break im Test

Das Xbox-One-exklusive Quantum Break mischt bekannte Elemente mit innovativen Ideen und macht dabei vieles richtig.

  • von Patricia Geiger am 13.04.2016, 10:16 Uhr

Die Entwickler des finnischen Studios Remedy Entertainment haben mit ihren Spielen immer ein Ziel: Sie möchten großartige Geschichten erzählen, sich dabei aber immer wieder neu erfinden. Dieses Kunststück ist ihnen auch bei ihrem neuesten Spiel Quantum Break wieder mit Bravour gelungen, das exklusiv für Xbox One und Windows 10 erschienen ist. Wie schon beim Vorgänger Alan Wake bedient man sich einer episodischen Erzählweise, treibt das Gedankenspiel jedoch noch ein Stück weiter und verknüpft diesmal gelungen das Spiel mit einer eigenes produzierten TV-Serie, die in den Spielablauf integriert ist. Deren Darsteller, die auch alle im Spiel vertreten sind, können sich sehen lassen. Mit von der Partie sind Shawn Ashmore (X-Men) als Jack Joyce, Dominic Monaghan (Der Herr der Ringe) als William Joyce, Aidan Gillen (Game of Thrones) als Paul Serene und Lance Reddick (Fringe) als Martin Hatch, Pauls rechte Hand.

Die Zeit gesprengt

Eigentlich beginnt alles recht harmlos: Jack bekommt einen Anruf seines alten Freundes Paul Serene, der ihn um Hilfe bei einem Experiment bittet. Jack kommt das zwar etwas Spanisch vor, weil der Anruf mitten in der Nacht kommt und der Versuch auch in einer Nacht- und Nebelaktion durchgeführt werden soll, aber er willigt trotzdem ein. Paul arbeitet gemeinsam mit Jacks Bruder William an einer Zeitmaschine, allerdings sind die Tests daran noch nicht abgeschlossen. Paul will allerdings beweisen, dass die Maschine trotzdem funktioniert.

Dann passiert, was passieren muss: Das Experiment geht schief, die Zeitmaschine explodiert und Paul verschwindet. Durch die Explosion ging jedoch nicht nur technisches Forschungsgerät zu Bruch, sondern auch die Zeit selbst – immer wieder bleibt diese nun stehen. Blätter bleiben in der Luft hängen, Menschen erstarren mitten in der Bewegung. Und Jack, der im Epizentrum der Explosion stand, stellt fest, dass er plötzlich die Zeit manipulieren kann.

Kurz darauf wimmelt es im Labor von schwerbewaffneten Truppen des zwielichtigen Monarch-Konzerns, die William entführen, und plötzlich ist auch Paul wieder da – allerdings in einer 17 Jahren älteren Version, die zudem auch noch das Sagen bei Monarch Solutions hat. Mehr zur Geschichte möchten wir an dieser Stelle allerdings nicht verraten, da sie eine Menge unterwartete Wendungen bereithält, die man am besten selbst erlebt.

Innovative Erzählweise

Zugegeben, anfangs werden Spieler von der Informationsflut ziemlich erschlagen. Im Lauf der Episoden – sowohl Spiel als auch Serie – tun sich jedoch immer mehr Zusammenhänge auf und mit jedem »Aha!«-Moment fühlen wir uns für einen Augenblick so, als hätten wir gerade selbst eine funktionierende Zeitmaschine gebaut. Diese Momente erzeugt Quantum Break auf bisher noch nicht dagewesene Weise: Nach Abschluss eines Spielaktes als Jack wechseln wir kurz die Seite und steuern Paul. In diesen Übergängen treffen wir eine Entscheidung, wie Monarch Solutions als Reaktion auf das zuvor Geschehene handeln soll.

Dann folgt eine Episode der TV-Serie, in der wir die Auswirkungen unserer Entscheidung sehen, die natürlich im Rückschluss auch wieder den nächsten Spielabschnitt beeinflussen. Der Dreh an dem Ganzen: Während das Spiel aus der Sicht von Jack abläuft, sehen wir in der Serie, was währenddessen bei Monarch Solutions passiert, also bei den Bösewichten, die wir bekämpfen. Dieser verschlungene Pfad sorgt dafür, dass wir Quantum Break mindestens zweimal spielen wollen. Was würde passieren, wenn wir nicht Weg A, sondern Weg B gegangen wären? Bleiben wir immer auf einer Spur oder wechseln wir zwischendurch?

Durch diese Wahlmöglichkeiten wird der Wiederspiel- und Wiederschauwert gesteigert. Eine komplett andere Geschichte erleben wir dadurch allerdings nie, denn bestimmte Kernelemente bleiben immer gleich und auch am Ende des Spiels ändert sich nichts. Remedy-typisch gibt es zahlreiche Sammelobjekte zu finden, die eine Menge interessante Hintergrundinformationen liefern. In Alan Wake waren es Seiten eines Manuskripts, in Quantum Break sind es Mails, Audiologs und Tagebücher.

Ein Hauch von Deckungs-Shooter

Spielerisch bedient sich Quantum Break an Elementen eines Deckungs-Shooters, lässt sich allerdings nicht so wirklich in das Genre einreihen. Jack duckt sich automatisch hinter Umgebungsobjekten, allerdings gibt es keine klassischen Mechaniken wie einen aktiven Deckungswechsel oder ein richtiges Deckungssystem, bei dem sich der Charakter etwa aus der Deckung lehnt oder blind herausfeuert. Daran gewöhnt man sich jedoch erfreulich schnell, denn abgesehen von den klassischen Waffen wie Maschinenpistolen, Sturmgewehren oder Schrotflinten kann Jack ja auch noch die Zeit manipulieren.

Zeitlupe und Vorspulen

Der sogenannte Zeitblick erlaubt es uns, in einem bestimmten Radius Gegner auch durch Deckungen hindurch zu sehen. Rücken ihm zu viele Gegner auf einmal auf die Pelle, setzen wir einfach einen Teil der Feinde mit dem Zeitstopper außer Gefecht. Der friert sie für kurze Zeit an Ort und Stelle ein. Entweder feuern wir dann in diese Blase und lassen die Gegner dann geballt von einem ganzen Magazin auf einmal durchlöchern, oder wir kümmern uns solange um einen anderen Gegner.

Zusätzlich kann Jack auch noch das Zeitschild um sich herum errichten, das sämtlichen Schaden aufnimmt. Eine weitere offensive Maßnahme ist die Zeitexplosion – diese lässt wie eine Granate einen bestimmten Bereich explodieren. Zur schnelleren Fortbewegungen dienen die beiden übrigen Fähigkeiten “Rush” und “Whoosh”, die auch in der deutschen Version des Spiels so heißen. Mit sogenannten Chrononquellen, die in sämtlichen Leveln verstreut sind, können wir die Fähigkeiten außerdem verbessern.

Einige Soldaten von Monarch tragen jedoch Chrononanzüge und sind somit gegen Jacks Fähigkeiten immun – sie lassen sich jedoch relativ simpel aus dem Verkehr ziehen, indem man auf die rucksackartigen Generatoren schießt, die sie auf dem Rücken tragen. An anderer Stelle bauen Gegner dafür Chronondämpfer auf, die Jacks Fähigkeiten komplett blockieren und erst ausgeschaltet werden müssen. So richtig in sich haben es die Elite-Gegner, denen wir nur dann Schaden zufügen können, wenn wir ihnen in den Rücken schießen. Sie zwingen den Spieler dazu, das komplette Fähigkeitenarsenal auszuschöpfen.

Jacks Zeitmanipulation kommt auch immer wieder in kleinen Rätseln zum Einsatz, beispielsweise wenn es darum geht, auf das Dach eines Schwimmbads zu klettern. An der Seite entdecken wir ein Graffiti, das sich allerdings in nicht erreichbarer Höhe befindet. Dreht Jack hier die Zeit zurück, erscheint eine Mülltonne, mit deren Hilfe der Sprayer nach oben geklettert ist. Nun heißt es schnell sein, denn nach einigen Sekunden spult die Zeit wieder vor und die Tonne verschwindet.

Fazit

Die Mischung aus Spiel und TV-Serie funktioniert ausgezeichnet und sorgt dafür, dass wir einen viel umfassenderen Blick auf das Geschehen bekommen, als das in anderen Spielen der Fall ist. Das macht die Geschichte trotz der komplizierten Zeitreise-Grundlage nachvollziehbar. Auch die Spielmechaniken greifen sehr gut ineinander und ergänzen sich an den richtigen Stellen. Einziges Manko ist, dass nach 8 bis 10 Stunden (je nach Spielstil) schon alles vorbei ist.

Facts:

  • abwechslungsreicher Shooter mit spannenden Spielmechaniken
  • Geschichte mit vielen unerwarteten Wendungen
  • für Fans von Zeitreise-Geschichten 
  • geniale Kombination von Spiel und TV-Serie

von Patricia Geiger

Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.