Des Robotershunds Kern: ReCore im Test

Die Erde ist zerstört, die Menschheit braucht eine neue Heimat. Das Szenario ist bekannt, doch ReCore bringt frischen Wind in die Lösung des Problems. Wir checken im Test, wie sich das Spiel schlägt und erklären, wie ihr die Begleiter-Bots optimal nutzt.

  • von Patricia Geiger am 05.10.2016, 17:10 Uhr

Eine junge Frau, ein Hund und eine Spinne kommen in eine Höhle … klingt wie der Anfang eines abgedroschenen Witzes, gehört aber in das Action-Adventure ReCore. Das wurde unter anderem vom Comcept, dem Studio von Mega-Man-Erfinder Keiji Inafune, entwickelt, ebenfalls beteiligt waren Metroid-Prime-Director Mark Pacini sowie Halo- und Destiny-Writer Joseph Staten.

Nächster Halt: Neu-Eden

In ReCore übernehmen wir die Rolle der Ingenieurin Joule Adams, die auf dem Planeten Neu-Eden aus dem Kryo-Schlaf erwacht ist und diesen in Begleitung ihres Roboterhundes Mack erforscht. Durch Terraformierung sollte der Planet zu einem bewohnbaren Ersatz für die Menschen werden, da die Erde von einer Sandteufel-Plage heimgesucht wurde.

Das alles erfahren sowohl der Spieler als auch Joule jedoch nur durch das Einsammeln von Audio-Logs, die im ganzen Spiel verstreut sind. Ohne große Introsequenz geht es also direkt los und beim Erforschen des Planeten stellt Joule schnell fest: Sie scheint der einzige Mensch auf Neu-Eden zu sein, obwohl zahlreiche Schiffe die Erde verlassen haben. Es gilt also herauszufinden, was während ihres 200-jährigen Kryo-Schlafs passiert ist.

Abgesehen von Mack – und zwei anderen Begleitern, die wir im Lauf des Spiels einsammeln – sind uns alle Bots auf Neu-Eden feindlich gesinnt. Es dauert also nicht lange, bis wir in den ersten Kampf verwickelt werden. Kurze Zeit später lernen wir Victor kennen, selbst ein Bot, aber intelligenter als die anderen, weshalb er sich zum Anführer der rebellierenden Maschinen gemacht hat und seine Untergebenen auf Joule und ihre Freunde hetzt.

Zielübungen leichtgemacht

Joule setzt sich mit einem Automatikgewehr gegen die Bots zur Wehr, für das wir im Lauf des Spiels unterschiedliche Munitionstypen freischalten. Selbst zielen müssen dabei aber nicht: halten wir LT gedrückt, fokussiert das Gewehr automatisch auf den nächsten Feind, mit dem rechten Stick springen wir zwischen den Gegnern hin und her. Jeder Gegner hat dabei eine Farbe: Rot, Gelb, Blau oder Lila. Mit der entsprechenden Munitionsfarbe, die über das Digi-Kreuz gewählt wird, machen wir mehr Schaden.

Zerstören wir die Gegner ganz, lassen sie Bauteile fallen, mit denen wir unsere Bots verbessern können – sofern wir die entsprechenden Baupläne schon gefunden haben. Schwächen wir sie lediglich, können wir den Feinden die Kerne stibitzen. Je nach Kern-Farbe können wir bei unseren Bots damit dann den Angriffs-, Verteidigungs- oder Energiewert nach oben schrauben.

Die Begleiter-Bots: Fähigkeiten und Mechaniken optimal eingesetzt

Außerdem kann Joule ihren aktuellen Begleiter auf die feindlichen Bots hetzen. Drei Begleiter bekommen wir dabei im Lauf des Spiels: Mack, Seth und Duncan. Für die Begleiter stehen uns im Verlauf des Spiels allerdings insgesamt 5 Hüllen zur Verfügung, daher ist es eigentlich nicht ganz richtig, Mack als Roboterhund zu bezeichnen. Die K-9-Hülle ist lediglich die Standard-Version von Mack.

Die Persönlichkeiten der Bots sind in den Kernen gespeichert – verschieben wir sie in eine andere Hülle, hat der Bot neue Fähigkeiten. Die Funktionen der Hülle variieren zusätzlich noch entsprechend des eingesetzten Kerns. Die K9-Hülle verhält sich im Kampf entsprechend unterschiedlich, wenn statt Mack beispielsweise der Kern von Seth eingesetzt wird.

Eine weitere mechanische Helferin ist Violet – sie verwaltet das Schnellreisenetzwerk, weshalb wir sie immer an den Stationen antreffen. Über Transportplattformen können wir zu jedem Ort reisen, den wir zuvor schon einmal besucht haben. Zum Crawler, der Basis von Joule, können wir jedoch von überall aus zurückkehren. Mehr zum Crawler erfahrt ihr weiter unten.

An den Schnellreiseplattformen können wir zusätzlich auch unsere Begleiter auswählen, sobald wir mehr als zwei Bots haben. Das wird nötig, weil wir bestimmte Stellen im Spiel beispielsweise nur mit dem Spinnen- oder Gorilla-Bot erreichen können und unsere Reisegruppe nur aus Joule und zwei Bots bestehen darf.

Im Kampf steht uns außerdem immer nur ein Bot zur Seite – wer an unserer Seite kämpft, können wir jedoch im Kampf per Knopfdruck ändern und auch den Wechsel als Waffe einsetzen. Wechseln wir den Begleiter, wird er an der gleichen Stelle abgeworfen, an der zuvor der andere Bot war. Befand der sich also gerade im Nahkampf, verursacht der neue Bot durch seinen Aufprall bei seinem Gegner Schaden, bevor er überhaupt aktiv angreift.

Jeder Bot verfügt über eine gewisse Anzahl starker Angriffe. Wie viele das sind, bestimmt der Energiewert des Bots. Je höher der Wert, umso mehr Angriffe – logisch. Sind sie verbraucht, müssen wir den Cooldown abwarten oder eben die Gelegenheit zum Botwechsel nutzen. Solange Begleiter 2 angreift, laden sich die Angriffe von Begleiter 1 wieder auf. Ein reger Tausch im Kampf bietet sich also an, wenn wir unsere Feinde ständig mit den Spezialattacken von Mack, Seth und Duncan angreifen wollen. Um den Energiewert der Bots zu erhöhen, empfiehlt es sich, blauen Gegnern die Kerne zu stehlen. Die können dann per Kernfusion im Crawler verwendet werden.

Begleiter-Upgrades im Crawler

Im Crawler befindet sich die Werkbank, an der wir die Bots durch neue Ausrüstungsteile, aber auch Kerne upgraden können. Es empfiehlt sich, alle Kerne gleichmäßig zu Upgraden, da situationsbedingt alle im Kampf zum Einsatz kommen. Hat man dann einen ungelevelten Helfer dabei, bekommt man vermeidbare Probleme. Über die Kernfusion lassen sich von Gegnern gesammelten Kerne in den Reitern Angriff, Verteidigung und Energie in die Bots investieren, um so nicht nur die Werte hochzuschrauben, sondern im Fall der Energie auch zusätzliche Angriffe freizuschalten.

Mit der Ausrüstung sieht es da schon etwas anders aus. Gebaut wird sie zwar auch an der Werkbank im Crawler, die Baupläne dafür finden wir aber zumindest bis zu einem gewissen Grad in Kisten, die in der frei begehbaren Welt verteilt sind. Wirklich hochwertige Pläne müssen wir uns allerdings in den Dungeons erspielen. Hier beginnt einer der weniger erfreulichen Aspekte von ReCore: Das Grinding.

Das Grinden nach prismatischen Kernen

Wie bereits eingangs erwähnt können wir Feinden ihre Kerne mopsen – bei Boss-Gegnern müssen wir das sogar, anders bekommen wir die überdimensionalen Bots nicht klein. Von ihnen erhalten wir sogenannte prismatische Kerne, die mehrere Funktionen erfüllen: Sie starten Maschinen, öffnen aber vor allem Türen zu Dungeons und auch Storymissionen. Einige Kerne finden sich auch in Behältern in der offenen Welt, die sind jedoch nicht zahlreich genug, um schnell vorwärts zu kommen.

Jedes Dungeon bietet drei Herausforderungen: Ein Zeitlimit, einen gelben Schlüssel, den wir finden müssen sowie acht Schalter, die mit der richtigen Farbe angeschossen werden wollen. Schließen wir das Gebiet ohne die Herausforderungen ab, wartet am Ende lediglich ein prismatischer Kern auf uns, die anderen Belohnungen bleiben hinter Schloss und Riegel. Die Herausforderungen sorgen zwar dafür, dass wir die Dungeons mehrfach durchlaufen, strecken dadurch die Spielzeit jedoch auch unangenehm.

Hinzu kommt, dass wir für das Öffnen der Dungeons ebenfalls eine gewisse Zahl der prismatischen Kerne benötigen, weshalb wir erst grinden müssen, um dann weitergrinden zu können. Bedingt dadurch fühlt sich das Spiel leider nach zehn bis 15 Stunden Spielzeit immer zäher an, auch wenn die Kämpfe durch die unterschiedlichen Mechaniken dynamisch gestaltet sind und gut von der Hand gehen.

Genauso angenehm gehen die Plattformer-Passagen von der Hand, die sich in manchen Dungeons oder auch schon auf dem Weg dorthin finden. Auch wenn man das Genre nicht zu seinen Lieblingen zählt, ist man hier nicht hoffnungslos verloren. Hier ist ReCore absolut fair und verzeiht auch kleine Fehler, da Joule sich beispielsweise an Abhängen und Platten nach oben zieht.

Fazit

ReCore macht Spaß – das Setting ist gut gewählt, unsere mechanischen Begleiter Mack und Co. schnell ins Herz geschlossen und die Kämpfe gehen dynamisch von der Hand. Trotzdem geht dem Spiel nach einigen Stunden die Luft aus, da wir zum Grinden gezwungen sind und auch die Story, obwohl interessant, nicht spannend genug erzählt wird, dass wir um jeden Preis weiterspielen wollen. Eine leider vergebene Chance, denn gerade hier hätte ReCore durch die an sich ungewöhnliche Grundlage durchaus punkten können.

Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.