Dead Rising 4: Von Zombies und einer Feuerwerksarmbrust

Mit Dead Rising 4 dürfen Spieler auch hierzulande endlich Zombiehorden niedermähen. Gamez.de-Redakteurin Patricia hat für euch einen Abstecher nach Willamette gewagt.

  • von Patricia Geiger am 01.02.2017, 16:51 Uhr

Lange mussten Spieler in Deutschland auf einen ersten Ausflug in das Zombie-Gemetzel der Dead-Rising-Serie warten, aber mit dem vierten Teil ist die Reihe nun auch endlich hierzulande angekommen. Zwar mit etwas Verspätung, da der internationale Release des Spiels schon im Dezember 2016 war, aber immerhin hat Dead Rising 4 es nun geschafft, von der USK eine Freigabe ab 18 Jahren zu erhalten. Und so habe auch ich zum ersten Mal die Gelegenheit, selbst lächerlich große Mengen an Zombies zu zerschnetzeln. Eines vorweg: Für empfindliche Gemüter ist Dead Rising 4 definitiv nicht geeignet. Wer mit fliegenden Körperteilen und platzenden Köpfen nichts anfangen kann, sollte einen großen Bogen um das Spiel machen. Wem das hingegen nichts ausmacht, der kann mit Dead Rising 4 und dessen Blödsinnspotenzial eine Menge Spaß haben.

Frank West, Fotoreporter mit Zusatzqualifikation

Eine große Einleitung gibt es nicht in Dead Rising 4. In einer Art Traumsequenz muss ich mich direkt zum Start durch ein Heer von Untoten kämpfen. Erst nach diesem kurzen Prolog, der mir die Grundsteuerung beibringt, sonst allerdings absolut nichts verrät, geht es mit der eigentlichen Story los. Die knüpft an die Vorgänger an, was mir jedoch erstaunlich wenige Knüppel zwischen die Beine wirft, obwohl Dead Rising 4 der erste Teil der Reihe ist, den ich selbst spiele.

Ich bin als Fotoreporter Frank West zu Beginn mit dessen Partnerin Vick unerlaubt in einem Forschungslabor unterwegs, in dem an Zombies experimentiert wird. Natürlich geht das Ganze schief und bei der Flucht werden die beiden getrennt – allerdings, weil Vick Frank einfach zurücklässt und lieber ihre eigene Haut rettet. Frank gelingt aber trotzdem die Flucht, er taucht mit der wasserdichten neuen Identität »Hank East« unter und wird entsprechend schnell ausfindig gemacht. Er soll dabei helfen, eine erneute Zombieplage in Willamette aufzuhalten, denn schließlich hat er schon den ersten Ausbruch miterlebt.

Schnell erfahre ich als Dead-Rising-Neuling, dass es im Universum eigentlich einen Impfstoff gegen die Zombiefizierung gibt – umso verwunderlicher ist es, dass wieder eine Plage ausgebrochen ist. Durch kleine nostalgische Ausflüge von Frank und anderen Charakteren bekomme ich aber auch sonst einiges von der Hintergrundgeschichte mit. In insgesamt sieben Kapiteln begebe ich mich jetzt auf die Suche nach dem aktuellen Ursprung der wankenden Untoten.

Was ernst klingt, ist in Dead Rising 4 unter anderem durch den sarkastischen Ton von Hauptcharakter Frank oft ein großer Spaß. Den legt er nicht nur in Dialogen an den Tag: Frank kommentiert auch seine Umwelt, beispielsweise wenn wir durch Willamettes Straßen fahren. Unterstrichen wird die Tatsache, dass sich das Spiel absolut nicht ernst nimmt, durch eine Unmenge Kostüme, die wir zum Beispiel im Einkaufszentrum finden. Vom Hai bis zum Piraten ist so ziemlich alles dabei, auch Charaktere aus Street Fighter treten ihre Klamotten ab. 

Umziehen kann ich Frank allerdings nur, wenn ich unterwegs irgendwo eine neue Kluft finde oder vor einem intakten Spiegel stehe. Dann habe ich aber immerhin Zugriff auf alle Kleidungsstücke, die ich bisher eingesammelt habe und kann entweder komplette Outfits anlegen oder sie einzeln zusammenstellen. Dino-Hose mit Torero-Jacke und Piraten-Kopftuch kombinieren? Modisch zwar fragwürdig, aber alles kein Problem.

Fotos und Erfahrungen aus der Endzeit

Immer wieder zum Einsatz kommt Franks Kamera, die er als Fotoreporter natürlich auch bei einer Zombie-Apokalypse immer dabei hat. Die Kamera verfügt über einen Nachtsicht- und einen Scan-Modus, die ich beide im Verlauf diverser Missionen immer wieder einsetzen muss. Ich kann aber auch einfach so fotografieren und damit Punkte sammeln. Oder – wie man es halt so macht, wenn um einen herum die Zombies wüten – einfach mal stehen bleiben und ein Selfie machen. Auch dafür bekommt Frank Punkte.

Durch das ständige Erledigen von Zombies in der näheren Umgebung, fliege ich nur so von einem Level-Up zum nächsten. Die Fertigkeitenpunkte kann ich in vier Bereichen investieren, unter anderem Waffen oder Überlebensfähigkeiten. So kann Frank im Lauf der Zeit mehr Munition tragen, die Nahkampfwaffen halten länger und Frank verträgt ebenfalls mehr.

Und plötzlich explodiert alles

Mehr Lebenspunkte und aufgemotzte Waffen sind auch dringend nötig, denn wenn Dead Rising 4 eines nicht ist, dann friedlich. Andererseits habe ich von einem Spiel, in dem ich mich durch aberwitzige Mengen von Zombies pflüge, auch nichts anderes erwartet.

Die Frage »Wo kriege ich bloß eine Waffe her?« stellt sich mir zu keinem Zeitpunkt. In Willamette wird alles zur Waffe, selbst ein Plastik-Tablett wird zum Nahkampfgerät und Edelsteine zum Wurfgeschoss. 

In der Kleinstadt gibt es aber nicht nur solchen Kleinkram. Es dauert nicht sonderlich lange, dann rücke ich den Zombies auch schon mit dem Breitschwert und der Kriegsaxt auf die Pelle oder erledige sie mit der automatischen Schrotflinte, Granaten oder mache ihnen mit Molotov-Cocktails Feuer unterm verwesenden Allerwertesten. Das Arsenal ist praktisch endlos, weshalb auch »Munitionsknappheit« in Dead Rising ein absolutes Fremdwort ist.

Richtig interessant – und bekloppt – wird es aber erst, wenn es an die Kombi-Waffen und Fahrzeuge geht. Hier werden selbst meine bescheuertesten Vorstellungen spielend übertroffen. Eine Armbrust, die Feuerwerksraketen verschießt? Sicher doch. Ein Deko-Nikolaus, der zum Flammenwerfer wird oder in Kombination mit flüssigem Stickstoff alle Zombies einfriert? Klar, warum auch nicht? Ich kann mit einer Waffe aber auch einfach Schwertfische verschießen, wenn ich es etwas ruhiger möchte nicht gleich alles in die Luft gehen soll.

Bei den Fahrzeugen hat sich das mit dem Nicht-Explodieren allerdings erledigt. Egal, welche Fahrzeuge ich zusammenschraube – ich habe die Wahl zwischen Zerstörung, mehr Zerstörung und so viel Armageddon, dass Aerosmith schon über einen Song dazu nachdenkt. Oder, um es am Beispiel des Fahrzeugs »Warmonger« zu veranschaulichen: Taste eins betätigt ein Maschinengewehr, Taste zwei einen Raketenwerfer und nach genug getöteten Zombies kann ich – als wäre das nicht schon genug gewesen – einen sich drehenden Geschützturm auf dem Fahrzeugdach aktivieren.

Fazit

Wenn man die Kombination von Zombies und Zerstörung mag, ist man bei Dead Rising definitiv an der richtigen Adresse. Irgendwann rücken die Moderhirne sogar in den Hintergrund – sie sind nur noch Mittel zum Zweck, um eine möglichst hohe Trefferkombo zu erreichen und entsprechend Bonuspunkte einzusacken. Die offene Welt ist eine Spielwiese, auf der ich mich mit den ganzen bescheuerten Waffen austoben kann, die mir das Spiel an die Hand gibt. Die Story in Dead Rising 4 ist dabei zweitrangig, obwohl sie durchaus spannende Momente hat. Allerdings ist sie auch nicht so atemberaubend erzählt, dass ich von einer Mission in die nächste hechte, weil ich unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht. Stattdessen freue ich mich über die dummen Sprüche von Frank West, wenn ich wieder Zombies an der Stoßstange meines Fahrzeugs kleben habe, oder wenn ich mit einem singenden Nikolaus gerade wieder etliche Schlurfer in den Tod locke. Dead Rising 4 bringt vor allem eins in mir zum Vorschein: Schadenfreude. Ob das als Langzeit-Motivation reicht, muss am Ende jeder für sich entscheiden, aber für einen schrägen Ausflug ist das Zombie-Gemetzel auf jeden Fall gut.

Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.