Dark Eclipse im Test: Nettes Gratis-MOBA für PlayStation VR

MOBAs funktionieren nicht in VR? Von wegen! Der japanischen Entwickler Sunsoft zeigt auf PlayStation VR wie’s geht, stolpert dabei allerdings über ein zentrales Problem.

  • von Sönke Siemens am 26.02.2019, 17:04 Uhr

Sei es nun League of Legends, Dota 2, Arena of Valor oder Smite – MOBAs für PC und Konsole erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. In VR jedoch schien dieses Thema bisher wenige Entwickler zu interessieren. Dark Eclipse ändert das nun endlich.

Dark Eclipse spielt im Fantasy-Königreich Oldus. In diesem wundervollen und fruchtbaren Land herrschte Jahrhunderte lang Frieden und alles war in bester Ordnung. Doch dann taucht eines Tages eine mysteriöse Fremde auf und prophezeit die Invasion dunkler Mächte. Um die Menschen für die bevorstehende Apokalypse zu wappnen, macht sie sich sofort auf den Weg und rekrutiert mutige Helden. Diese sogenannten Champions sollen sich der Dunkelheit entgegenstellen und das Böse mit Hilfe magischer Kristalle besiegen.

Jahre später ist es schließlich soweit. Vulkane brechen aus, Gewitter ziehen auf, Stürme verwüsten das Land und blutrünstige Monsterhorden überschwemmen den Kontinent. Die Dark Eclipse hat begonnen – und nur die schillernden Helden können sie noch aufhalten.

Welche Basis brennt zuerst?

Zugegeben, die Hintergrundgeschichte von Dark Eclipse klingt vielversprechend. Im Spiel selbst kriegt ihr davon jedoch kaum etwas mit. Aufwändig gemachte Zwischensequenzen oder seitenweise Hintergrundinformationen zur Spielwelt? Fehlanzeige! Direkt nach der Installation wirft euch Dark Eclipse vielmehr direkt in ein etwa zehnminütiges Tutorial, welches die Grundlagen der Spielmechanik kurz erklärt.

Typisch MOBA: Egal ob ihr nun gegen die KI oder einen menschlichen Rivalen antretet, letztendlich geht es immer darum, den Turm in der Basis des Gegners zu zerstören. Stürzt er in sich zusammen, habt ihr die Partie gewonnen. Bis es allerdings soweit ist, lotst ihr eure drei Heldencharaktere über eine vergleichsweise übersichtliche Karte und vergrößert euer Einflussgebiet.

Letzteres klappt am besten, indem ihr zunächst die KI-gesteuerten Gegner eines Kartensektors ausschaltet. Hierbei handelt es sich in der Regel um allerlei schaurige Fantasy-Kreaturen wie Riesenspinnen, Skorpione oder seltsam entstellte Bestien.

Turmbau zu Babel

Alle Feinde eines Gebiets eliminiert? Wunderbar, denn nun sammeln eure Soldaten auf Knopfdruck in aller Ruhe Ressourcen. Diese ermöglichen dann wiederum den Bau unterschiedlicher Verteidigungstürme, um ein Territorium abzusichern.

Sogenannte „Fast Tower“ zum Beispiel erhöhen die Bewegungsgeschwindigkeit aller verbündeten Champions in der Nähe. „Vision Tower“ lichten den Nebel des Krieges, „Hindrance Tower“ verlangsamen feindliche Truppen und „Revival Tower“ holen gefallene Krieger zurück in die Schlacht. Besonders mächtig ist der „Taming Tower“, der einmal besiegte Kreaturen zu Mitstreitern macht.

Damit die Balance nicht durcheinander geht, unterliegt der Bau einzelner Türme zudem bestimmten Voraussetzungen. „Revival Tower“ etwa sind auf maximal zwei pro Fraktion und Match beschränkt und erfordern acht Ressourcen-Einheiten pro Turm. Darüber hinaus müssen eure Champions über einen kombinierten Heldenrang von 18 oder mehr verfügen.

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Stichwort Heldenrang: Sammelt eine Spielfigur durch Töten von Gegnern Erfahrungspunkte, steigt sie nach und nach im Rang auf und gewinnt an Stärke. MOBA-typisch ist allerdings in jedem Match bei Rang zehn Schluss. Danach sind eure Recken in der Regel so stark, dass einem Angriff der gegnerischen Basis nichts mehr im Weg steht.

Solide Spieltiefe – aber nicht auf LoL-Niveau

Im Hinblick auf Komplexität und Spieltiefe kann Dark Eclipse einem Dota 2 oder League of Legends sicherlich nicht das Wasser reichen. Nichtsdestotrotz implementierten die Entwickler ausreichend spielerische Feinheiten, damit das Gebotene auch über einen längeren Zeitraum hinweg fesselt. So verfügt beispielsweise jeder Champion über eine aktive und eine passive Fähigkeit. Im richtigen Moment eingesetzt, bringt ihr den Gegner damit ordentlich ins Schwitzen.

Zieht ihr euch während einer Schlacht in die eigene Basis zurück, besteht zudem die Möglichkeit, eure Begleit-Soldaten im Tausch gegen Ressourcen hochzustufen. Vergleichsweise harmlose Axtkrieger verwandeln sich so in mächtige Berserker. Oder gar in einen Guardian, der sein eigenes Leben opfert, um einen gefallenen Helden in letzter Sekunde wiederzubeleben.

Alternativ wählt ihr die Fernkampf-Spezialisierung, was gänzlich neue Begleit-Einheiten zum Vorschein bringt. Ein Level drei-Fernkämpfer etwa verlangsamt Feinde mit seinem Maschinengewehr. Necromancer hingegen heilen Verbündete und steigern obendrein ihre Defensivkraft.

Kinderleichte Steuerung

Hinsichtlich der Steuerung macht Dark Eclipse seine Sache gut. Spielt ihr mit dem DualShock-Controller, erscheint dieser als virtuelle Hand und folgt euren Bewegungen im Raum. Haltet ihr nun noch parallel die Kreuz-Taste gedrückt, „zieht“ ihr euch von einer Position auf dem Schlachtfeld zur nächsten.

Helden setzt ihr in Bewegung, indem ihr den Kristall darüber greift und diesen dann auf dem gewünschten Zielort platziert. Handelt es sich hierbei um einen Gegner, greift euer Champion umgehend an. Die Interaktion mit verbündeten KI-Einheiten erfolgt derweil mit Hilfe der Dreieck-Taste.

Lobenswert: Das Spiel unterstützt zwei PlayStation Move Controller und sorgt dadurch für eine noch intuitivere Steuerung.

Freispielen oder kaufen – ihr habt die Wahl

Zum jetzigen Zeitpunkt offeriert Dark Eclipse insgesamt 24 verschiedene Champions. Sechs befinden sich in einer Rotation und stehen jedem Spieler kostenlos zur Verfügung. Wollt ihr einen ganz bestimmten Champion jedoch dauerhaft freischalten, investiert ihr entweder kostenpflichtige Dark Coins oder ganz klassisch Erfahrungspunkte.

Die Preise variieren dabei je nach Spielfigur zwischen 1180 und 9800 Erfahrungspunkten. Fair gemacht: Für eine gewonnene Partie gegen die KI schüttet das Spiel im Schnitt circa 530 Erfahrungspunkte aus. Die ersten Einsteiger-Helden habt ihr euch also bereits nach wenigen Partien erspielt.

Nehmt ihr dagegen Dark Coins in die Hand, verlangt das Spiel für die günstigsten Helden 295 Münzen. Ausgefallenere Recken wie Owen, Zahina oder Matsuba kosten derweil 1080 Dark Coins, was einem Gegenwert von knapp über neun Euro entspricht. Nicht ganz billig!

Keine Frage, über den Preis von virtuellen Gütern lässt sich streiten. Dass die Entwickler für eine neue virtuelle Spielerhand umgerechnet ca. 13,5 Euro verlangen, finden wir allerdings schon ziemlich dreist.

Unsere Wertung

Sönke Siemens

Mein Fazit:

Dark Eclipse mag auf den ersten Blick etwas sperrig und kompliziert wirken. Habt ihr jedoch erst einmal die vier bis fünf Partien absolviert, entfalten die zugrunde liegende Spielmechaniken ihren Reiz. Nicht zuletzt, weil die Entwickler die Steuerung sehr intuitiv umsetzen und das Ganze auch grafisch recht nett aussieht.

Das Problem: Trotz Free-2-Play-Ansatz und soliden Gameplay-Grundgerüst scheint Dark Eclipse PSVR-Spieler derzeit nicht die Bohne zu interessieren. Die Folge: Um online gegen Kontrahenten aus Fleisch und Blut anzutreten, müsst ihr völlig inakzeptable Matchmaking-Wartezeiten von 30 Minuten und mehr in Kauf nehmen.

Sicherlich, mit etwas Glück klappt es zu Stoßzeiten auch mal schneller. Unterm Strich jedoch entzieht die verschwindend geringere Nutzerbeteiligung dem Titel auf lange Sicht die Lebensgrundlage. Ob und wie die Macher hier gegensteuern möchten, ist derzeit leider völlig unklar. Trotzdem: Reinschnuppern lohnt sich. Schließlich kostet das Vergnügen keinen Cent und macht auch im Duell gegen die KI durchaus Laune.

Dark Eclipse wird euch gefallen, wenn ihr…

  • MOBA-Action schon immer mal in VR erleben wolltet
  • gerne skurrile japanische Heldenfiguren übers Schlachtfeld lotst
  • einen Faible für gut gemachte Free-2-Play-Kost habt

Dark Eclipse ist eher nichts für euch, wenn…

  • ihr es hasst, bei Online-Duellen eine gefühlte Ewigkeit auf das Zustandekommen einer Partie zu warten
  • euch ein ausführliches Tutorial wichtig ist, das alle Gameplay-Grundlagen haarklein erklärt
  • euch überteuerte In-App-Käufe zur Weißglut bringen

Ihr erhaltet Dark Eclipse als Gratis-Download im PlayStation Store.

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Sönke Siemens
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