Crash Bandicoot und Co.: Nur alte Helden können Jump’n’Runs retten

Mit dem Release der Crash Bandicoot N.Sane Trilogy bekommen zahlreiche Spieler ein Stück ihrer Kindheit zurück. Gamez-Redakteurin Patricia freut sich riesig über die Rückkehr alter Herausforderungen, wünscht sich dadurch aber direkt ein Wiedersehen mit noch mehr altgedienten Helden, um den aktuellen Jump'n'Runs einzuheizen.

  • von Patricia Geiger am 30.06.2017, 15:45 Uhr

Als Activision bei der E3 2016 ein Remaster der ersten drei Crash-Bandicoot-Spiele angekündigt hat, war das für mich wie Geburtstag und Weihnachten zusammen. Endlich konnte ich mich auf ein Wiedersehen mit einem Helden meiner Kindheit freuen! Die Ankündigung war für mich vor allem deshalb etwas besonders, weil Crash Bandicoot 3 mein allererstes PlayStation-Spiel war. Da darf man durchaus etwas rührselig werden. Abgesehen davon kommt damit auch etwas zurück, was ich in den letzten Jahren schmerzlich vermisst habe: Eine echte Herausforderung in Jump’n’Runs. Die waren zuletzt eher Kindergeburtstag als Zerreißprobe für die Nerven und auch bei der Heldenauswahl ziemlich eintönig.

Nachdem ich dann die Trilogie endlich spielen konnte, habe ich mich auf einen Schlag wieder zehn Jahre alt gefühlt. Vicarious Visions hat bei den Remastern der Spiele alles genau da gelassen, wo es hingehört, sie aber sowohl optisch als auch soundtechnisch auf Hochglanz poliert. Irgendwie komplett neue Spiele, irgendwie aber eben auch nicht. Genau so, wie ich es mir erhofft hatte.

Beim Spielen hat es aber trotzdem nicht lange gedauert, bis ich mir nur noch eine Frage gestellt habe: Wie zum Geier habe ich diese Spiele damals gemeistert? Beim kleinsten Fehler segnet Crash direkt das Zeitliche und ich ploppe in der letzten zerkloppten Checkpoint-Kiste wieder auf. So lange, bis mir dann auch immer wieder Uka Uka das Game Over verkündet und ich im Level wieder komplett von Vorne anfangen muss.

Diesen Schwierigkeitsgrad ist man aus modernen Jump’n’Runs so eigentlich nicht mehr gewohnt, außer sie sind explizit in Anlehnung an die alten Klassiker entwickelt. Doch selbst dann gibt es oft noch Netz und doppelten Boden. Viele der neuen Spiele verzeihen jede Menge Fehler. Sie punkten stattdessen in anderen Bereichen, unter anderem mit ihrer Atmosphäre – ein Paradebeispiel hierfür ist Super Mario 3D World. Hier werden Mario und Co. in coole Kostüme gesteckt, dürfen durch aufregende Welten hüpfen und es gibt durchaus mal schwierigere Passagen – dafür aber auch deutlich mehr Checkpoints als früher. Insofern wurde der übergreifende Schwierigkeitsgrad trotzdem entschärft.

Deshalb ist die Crash Bandicoot N.Sane Trilogy mehr als nur eine Reise in die Vergangenheit. Sie zeigt auch, welchen Weg das Jump’n’Run-Genre zurückgelegt hat und das Atmosphäre bei Weitem nicht alles ist. Denn obwohl die Level mich immer wieder an den Rand der Verzweiflung treiben, lege ich den Controller trotzdem nicht frustriert in die Ecke. Warum? Weil ich mir selbst beweisen will, dass ich es schaffen kann. Habe ich schließlich schon mal, auch wenn es schon fast 20 Jahre her ist.

Beim Spielen der N.Sane Trilogy hat mich die Nostalgie voll gepackt und ich wünsche mir, dass mehr alte Helden ein Comeback feiern dürfen. Alleine schon, um wieder mehr Auswahl in die eintönig gewordene Jump’n’Run-Landschaft zu bringen. Dazu gehört zum Beispiel Spyro. Der kleine lilafarbene Drache ist zwar nicht ganz so sehr von der Bildfläche verschwunden, inzwischen aber nur noch Teil der Toys-to-Life-Reihe Skylanders. Ein eigenes Spiel mit Spyro in der Hauptrolle gab es zuletzt 2008. Also eigentlich auch höchste Zeit für ein Wiedersehen.

Weitere Kandidaten gibt es zum Beispiel in Form der ehemaligen Nintendo-Helden Banjo-Kazooie oder das wohl kultigste Eichhörnchen der Videospielgeschichte: Conker. Letztere sind zwar durch die Rare-Replay-Spielesammlung auf der Xbox One spielbar, aber eben nur als eine Art Emulation. Und gerade bei Conker wünschen sich die Spieler seit Jahren eine Neuauflage der Abenteuer des nicht direkt unschuldigen und auch nicht unbedingt für Kinder geeigneten Nagers.

Egal ob Spyro, Banjo-Kazooie oder Conker: Durch die weitläufigeren Level könnten sich Entwickler bei Remasters richtig austoben und die Kultcharaktere neu und mit vielen Details in Szene setzen, die technisch bedingt früher einfach nicht möglich waren. Damit würden nicht nur alte Spieler glücklich gemacht, sondern auch eine neue Generation würde erfahren, das es da draußen deutlich mehr gibt also nur Mario und Rayman. Frischer Wind würde dem Genre also keinesfalls schaden – und wenn dadurch direkt noch Nostalgiker abgeholt werden, wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Ob sich noch mehr Publisher dazu entschließen, ihren ehemaligen Helden eine Frischzellenkur zu verpassen, dürfte ein Stück weit aber auch vom Erfolg der N.Sane Trilogy abhängen. Deshalb wünsche ich mir, dass viele Spieler Crash erneut oder zum ersten Mal in ihr Wohnzimmer lassen. Einerseits, weil es für sich genommen großartige Spiele mit einem herrlich verschrobenen Titelhelden sind, andererseits aber auch einfach nur als Wegbereiter für neue Remasters, Remakes oder komplett neue Serienteile. Darüber würde sich schließlich auch niemand beschweren.

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Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.

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