ChromaGun VR im Test – Charmanter Puzzle-Shooter im Stil von Portal

In ChromaGun VR knobelt ihr euch mit Hilfe einer futuristischen Farbkanone durch eine mysteriöse Forschungseinrichtung. Ob der Portal-inspirierte Puzzle-Shooter Spaß macht, verrät unser Test.

  • von Sönke Siemens am 01.03.2019, 17:13 Uhr

Erinnert ihr euch noch an Portal? In Valves legendärem Puzzle-Shooter aus dem Jahr 2007 erwacht Protagonistin Chell in einer Forschungseinrichtung des zwielichtigen Unternehmens Aperture Science. Wer oder was sie dorthin gebracht hat, wird nicht verraten. Fest steht nur: Um die Hightech-Anlage lebend zu verlassen, muss Chell den Umgang mit einer Hightech-Portal-Kanone meistern und zahlreiche Testkammern überwinden.

Überwacht und kommentiert werden all ihre Schritte dabei von GLaDOS. Die durchgeknallte Künstliche Intelligenz ist anfangs überaus freundlich und zuvorkommend, macht Chell dann allerdings das Leben mit immer schwieriger zu überwindenden Hindernissen zur Hölle. Was all das mit ChromaGun VR vom deutschen Entwickler Pixel Maniacs aus Nürnberg zu tun hat? Ganz einfach: Auch hier schlüpft ihr in die Rolle eines Testsubjekts, das mit einer abgefahrenen Waffe Rätsel lösen muss.

Forschung zum Wohle der Menschheit?

Kurz nach Spielbeginn befindet ihr euch in einem engen Fahrstuhl, der langsam in die Tiefe gleitet. 15 Sekunden später öffnet sich die Tür und ihr betretet die erschreckend steril eingerichtete Lobby einer Firma namens ChromaTec.

Hinter einem meterlangen Schreibtisch sitzt eine Empfangsdame. Doch statt euch freundlich zu begrüßen, starrt sie euch nur an, während im Hintergrund eine merkwürdige Stimme erklingt. „Willkommen in den Testlaboren von ChromaTec! Du bist hier, weil du der Beste der Besten bist. Nicht, weil du zehn Dollar gebraucht hast und sich sonst niemand angemeldet hätte.“

Klingt alles ziemlich mysteriös? Keine Sorge, es wird noch viel verrückter. Denn kaum den Ausgang des erstens Raums erreicht, lotst euch die Stimme zu einer Farbkanone und befiehlt euch, die sogenannte ChromaGun aufzuheben.

Wir wollen nicht zu viel verraten, aber schon bald wird klar, dass ihr Teil eines groß angelegten Experiments seid und diesen Ort nur lebendig verlassen könnt, wenn ihr immer neue Testkammern überwindet. Solltet ihr dagegen kapitulieren, werdet ihr gnadenlos verhungern. So zumindest verkündet es die immer sarkastischer werdende Stimme.

Ohne ChromaGun geht gar nichts

In Portal geht es in erster Linie darum, Dimensionsportale zu erschaffen und sinnvoll miteinander zu verbinden. Bei ChromaGun hingegen erfolgt die Interaktion mit der Spielwelt durch das Umfärben von Wänden und schwebenden Drohnen, hier WorkerDroids genannt. Wichtig in diesem Zusammenhang: WorkerDroids fühlen sich von Wänden derselben Farbe angezogen.

Gleich im allerersten Level etwa seht ihr eine gelbe Wand und links davon eine weiße Drohne, die einen Durchgang blockiert. Färbt ihr die Drohne nun mit der ChromaGun gelb ein, schwebt sie sofort in Richtung der gelben Wand. Der Durchgang ist frei und ihr könnt passieren. Ein simples wie geniales Grundprinzip, das die Entwickler im Spielverlauf auf immer neue Art und Weise variieren.

Denn schon nach einigen Aufwärmübungen erhaltet ihr die erweiterte Version der ChromaGun. Diese verschießt nicht nur gelbe Farbkugeln, sondern auch blaue und rote. Der Clou dabei: Die verschiedenen Primärprimär reagieren aufeinander und formen so drei weitere Farben.

Gut vermischt ist halb gewonnen

Beschießt ihr also eine gelbe Wand oder Drohne mit blauer Farbe, erstrahlt sie kurz darauf in Grün. Rot und Blau hingegen ergeben in Kombination Lila und Rot und Gelb verschmelzen zu Orange. Oder wie die fiese KI-Stimme sagen würde: „Wenn du in der Vorschule aufgepasst hast, dann solltest du das Prinzip verstanden haben.“

Zu den bereits erwähnten sechs Farben gesellt sich außerdem die Farbe Schwarz. Schwarz entsteht, wenn ihr grüne, orange oder lilafarbene Flächen ein weiteres Mal mit einer Farbkugel beschießt. Das Problem dabei: Ist etwas erst einmal schwarz, lässt sich dies nicht mehr rückgängig machen.

Unbedachtes Drauflosfeuern führt somit schnell in eine Sackgasse und zwingt euch zum Neustart der aktuellen Testkammer. Mehrfaches Scheitern ist allerdings kein Problem, da euer Alter Ego über unbegrenzt viele Bildschirmleben verfügt.

Hindernisse überall

Seien es nun Geschütztürme, Säurefallen oder der „Gewichtete Begleiterkubus“ – Portal sorgt im Stoyverlauf mit immer neuen Leveldesign-Elementen für Abwechslung. Gleiches gilt für ChromaGun VR. Auch hier führen die Entwickler Schritt für Schritt neue Gameplay-Komponenten ein, um eure grauen Zellen auf Trab zu halten.

Die anfangs harmlosen WorkerDroids etwa trefft ihr bereits nach kurzer Spielzeit in einer deutlich gefährlicheren Variante mit Stacheln an. Zunächst schweben die Biester nur ruhig im Raum. Doch wehe, ihr rüttelt sie mit einem Treffer wach. Dann nimmt das kugelförmige Stachelmonster sofort die Verfolgung auf und jagt euch kreuz und quer durchs Level.

Für interessante Kopfnüsse sorgen darüber hinaus elektrisierte Bodenplatten, farbresistente Wände, Projektil-undurchlässige Energiebarrieren, mehrstufige Druckschalter-Systeme sowie abgedunkelte Räume. Letztere sind besonders gemein, da ihr die tatsächliche Farbe von Interaktions-Objekten hier meist erst dann erkennt, wenn ihr den entsprechenden Bereich mit eurer Taschenlampe ausleuchtet.

Läuft mit Aim Controller zu Hochform auf...
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Ein Spiel, zwei Steuerungsarten

Handwerklich betrachtet funktioniert ChromaGun VR im Großen und Ganzen gut. Die Steuerung mittels DualShock 4-Controller wirkt durchdacht und geht schnell in Fleisch und Blut über. Noch mehr Immersion verspricht die Steuerung mit dem ebenfalls unterstützten PlayStation VR Aim Controller. Ganz einfach, weil man in VR umgehend das Gefühl hat, wirklich eine Waffe in den Händen zu halten.

Weniger überzeugend: Sobald ihr in den Einstellungen von stufenweiser Rotation auf freies Drehen umschaltet, leidet die Performance. Drehungen sind dann nicht mehr optimal flüssig, was bei einigen Spielern zu Motion Sickness führen kann. Mit etwas Glück bügeln die Entwickler dieses Manko aber mit einem zukünftigen Patch noch aus.

Unsere Wertung

Sönke Siemens

Mein Fazit:

Mit einer Spielzeit von fünf bis sieben Stunden ist ChromaGun VR sicherlich nicht der umfangreichste Titel im kontinuierlich wachsenden PSVR-Software-Aufgebot. Dennoch fesselt die Spielmechanik von der ersten Minute an und wird so clever variiert, dass Puzzle-Liebhaber das Abenteuer meist in einem Rutsch durchspielen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass euch Trial-and-Error-Passagen nichts ausmachen. Denn anders als bei Portal führt hier meist nur ein Lösungsweg zum Ziel.

Die Geschichte geht ebenfalls in Ordnung, erreicht trotz brillantem Sprecher und denkwürdiger Sprüche aber nie das Niveau des großen Vorbilds. Gleiches gilt für die Grafik: Sie erfüllt ihren Zweck und passt gut zur Testlabor-Atmosphäre, reißt insgesamt aber niemandem vom Hocker. Dennoch: Unterm Strich liefert der kleine Indie-Entwickler aus Nürnberg hier spannende Knobel-Kost ab, die sich kein Puzzle-Fan entgehen lassen sollte.

Kleiner Tipp zum Schluss: Wer erst einmal reinschnuppern möchte und über einen PC, Mac oder Linux-Rechner verfügt, lädt am besten die Demo-Version auf Steam herunter. Diese unterstützt zwar leider kein VR, gibt allerdings einen guten Einblick wie ChromaGun im Kern funktioniert.

ChromaGun VR wird euch gefallen, wenn ihr…

  • einen Faible für Puzzle-Spiele mit minimalistischem Artstyle und interessanter Geschichte habt
  • gern mit Farben hantiert und zudem Portal mochtet
  • stolzer Besitzer eines PSVR Aim Controllers seid und dringend nach Software-Nachschub sucht

ChromaGun VR ist eher nichts für euch, wenn…

  • ihr VR-Spiele bevorzugt mit freier Drehung des Blickwinkels erlebt, die dann auch ohne Performance-Einbußen funktioniert
  • ihr großen Wert auf einen Level-Editor legt. Diesen gibt es derzeit leider nur in der PC-Fassung
  • euch fünf bis sieben Stunden Spielzeit für 24,99 Euro zu wenig sind

Ihr erhaltet ChromaGun VR als Download im PlayStation Store.

Das Spiel ist auch Xbox One, Nintendo Switch sowie PC, Mac und Linux (via Steam) erhältlich, unterstützt dort allerdings kein VR.

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Sönke Siemens
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