Budget Cuts im Test: VR-Stealth-Action mit vollem Körpereinsatz

Budget Cuts macht mit jeder Menge Humor das Stealth-Action-Genre für VR-Brillen fit. Kann das Spiel uns im Test überzeugen?

  • von Benjamin Hillmann am 26.06.2019, 15:04 Uhr
Budget-Cuts-Header

Der Indie-Titel Budget Cuts sorgte während des ersten Virtual Reality-Hypes im Frühjahr 2016 mit einer Demo für Furore. Nach einigen Verschiebungen erschien das Spiel, zu dem mittlerweile auch schon ein Nachfolger angekündigt wurde, im Sommer 2018. Wir haben uns für euch ins VR-Büro gestürzt.

  1. Budget Cuts: Zum Glück ohne Einschnitte
  2. Alles für die Firma
  3. Die Verpackung macht’s
  4. So geht Stealth in VR
  5. Pazifist oder Attentäter?
  6. Immersion par excellence
  7. Rätsel für wache Augen
  8. Seiner Zeit voraus
  9. Unsere Wertung

Budget Cuts: Zum Glück ohne Einschnitte

Das Wichtigste gleich zu Beginn: Budget Cuts merkt man seine turbulente Entwicklungsgeschichte in der fertigen Kaufversion zum Glück nicht an. Wir hatten während unseres Test mit keinen schwerwiegenden Fehlern oder Problemen zu kämpfen – nur die Sound-Ausgabe wollte beim ersten Anspielen nicht richtig funktionieren, das hat ein Neustart allerdings behoben.

Darüber hinaus läuft das Spiel durchweg flüssig, die Gegner-KI hat keine Aussetzer und die zuvor vielerorts lamentierten Ladezeiten scheinen in der Kaufversion auch kürzer auszufallen. Außerdem haben die Entwickler das Spiel neben der Roomsale-Variante um eine optionale 180 Grad-Steueroption für frontal ausgerichtete Bewegungssensoren ergänzt.

Alles für die Firma

Aber worum geht es hier eigentlich? Budget Cuts startet fernab von den Dingen, die ihr euch wahrscheinlich von einem klassischen Stealth-Action-Titel erwartet. Hier infiltrieren wir weder die Festung eines megalomanischen Bösewichts, noch schleichen wir durch die Kriegsschauplätze dieser Welt.

Stattdessen schlüpfen wir in die Rolle eines normalen Büroarbeiters, der in einem Großraumbüro der Firma TransCorp seiner Alltagsroutine nachgeht. Etwas ist komisch: Auf der gesamten Etage gibt es weit und breit keine Menschenseele, sondern nur Roboter. Dann unterhalten sich auch noch zwei mechanische Kollegen darüber, dass das menschliche Personal von TransCorp scheinbar nach und nach beim Gang zur Personalabteilung verschwindet.

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Bevor uns das gleiche Schicksal ereilt, bekommen wir allerdings unerwartete Hilfe von einer mysteriösen Gönnerin. Ähnlich wie Morpheus im ersten Matrix-Film unterstützt uns die Dame per Telefon bei unserer Flucht aus dem Bürokomplex. Was als purer Selbsterhaltungsakt beginnt, wandelt sich schon bald zu einer Reise in die tiefsten Geheimnisse des eigenen Arbeitgebers.

Die Verpackung macht’s

Nachdem uns das grundlegende Spielprinzip von Budget Cuts bereits aus der Demo-Version vertraut war, hat uns das fertige Spiel vor allem mit seiner humorvollen Geschichte überrascht. Die nimmt nämlich die heutige Arbeitswelt und insbesondere das „Corporate America“ ordentlich auf die Schippe. Gepaart damit erwartet euch eine unglaublich stimmige Präsentation, die nicht nur entfernt an den Puzzle-Shooter Portal erinnert.

Die Grafik ist sauber und übersichtlich, wartet aber gleichzeitig mit vielen Details (beispielsweise lustigen Postern und Notizzetteln) auf. Die unterschiedlichen Roboter, denen ihr im Spiel begegnet, sind in ihrem Design zudem ähnlich ikonisch wie die Droiden aus den Star Wars-Filmen.

Die sehr guten Sprecher, der gelassene Soundtrack und das stimmige Sounddesign tragen zusätzlich zum runden Gesamteindruck bei. Während man insbesondere vielen kleineren VR-Spielen oft ihre semi-professionellen Wurzeln ansieht, scheint bei Budget Cuts ganz klar die starke Vision hinter dem Spiel durch.

So geht Stealth in VR

Das alles wäre natürlich nicht viel wert, wenn es bei Budget Cuts an der spielerischen Front mangeln würde. Aber ganz im Gegenteil: Das rund zehn Stunden lange Büroabenteuer revolutioniert mal eben das von langlebigen Spielereihen wie Metal Gear Solid oder Thief geprägte Stealth-Action-Genre.

Die Entwickler verstehen dabei ganz genau, wie sich die Vorzüge – und auch Beschränkungen – von VR mit ihrem Spielkonzept verknüpfen lassen. Ähnlich wie in anderen VR-First Person-Titeln benutzt ihr eine Teleport-Funktion zum Überwinden größerer Distanzen. Dazu rüsten wir einfach eines unserer beiden Allzweck-Werkzeuge (die im Spiel unsere realen Bewegungscontroller repräsentieren) mit der Teleportkanone aus.

Fortan öffnen wir mit einem gezielten Schuss ein Portal, durch das wir zunächst die Umgebung vor uns auskundschaften. Ist die Luft rein, durchschreiten wir das Portal per Druck auf den Grip-Button. Aber vorsichtig: Nicht nur wir können durch das Portal hindurchschauen, auch Gegner können uns entdecken.

Pazifist oder Attentäter?

Erspäht uns ein patrouillierender Killer-Bot, blinkt dessen großes Auge gelb auf und wir haben für ein paar Sekunden Zeit in Deckung zu gehen. Sind wir zu langsam, bleibt nur die Flucht in ein sicheres Versteck. Im späteren Spielverlauf erhalten wir allerdings auch Waffen wie beispielsweise Wurfmesser, mit denen wir die Blechkameraden  ausschalten können.

Per Knopfdruck öffnen wir dann ein Inventar, in dem wir neben Messern auch Gegenstände wie Keycards verstauen können, und ziehen das gewünschte Item mit dem Bewegungscontroller heraus. Einen Messerwurf führen wir anschließend mit einer entsprechenden Armbewegung aus, das Zielen erweist sich dabei allerdings als ziemlich schwierig.

Teleportiert euch im Zweifel am besten direkt hinter euren Gegner und senkt gegebenenfalls den Schwierigkeitsgrad, dann stecken die Roboter nämlich nicht so viel ein. Grundsätzlich können wir aber praktisch alle Konfrontationen auch umgehen, denn immer wieder stoßen wir auf Lüftungsschächte und geöffnete Deckenverkleidungen, die uns Schutz bieten.

Immersion par excellence

Budget Cuts bietet eine unglaublich immersive Spielerfahrung, was unter anderem dem genauen Tracking unseres Headsets zu verdanken ist. Strecken wir beispielsweise vorsichtig den Kopf durch einen Türrahmen und geraten ins Sichtgeld eines Gegners, hält dieser sofort inne und schlägt wenig später Alarm, sofern wir den Kopf nicht schnell wieder zurückziehen.

Daraus entstehen sehr spannende Spielsituationen. Einmal waren wir ohne Waffen in einem Raum mit nur einem Eingang unserem nahenden Gegner ausgeliefert. Also versteckten wir uns kauernd hinter einer schmalen Bürotrennwand, während wenige Schritte dahinter der Roboter die Umgebung absuchte. Instinktiv zogen wir dabei sogar die Beine ein, um uns noch kleiner zu machen.

Ein anderes Mal legten wir uns hinter einem Konferenztisch flach auf den Boden, um nicht in den Sichtkegel des Gegners zu kommen. Budget Cuts lässt euch die reale Umwelt vollkommen vergessen, was auch an der hohen Interaktivität der virtuellen Welt liegt. Wo sonst können wir uns auf einer nervenaufreibenden Flucht im Vorbeigehen einen Cookie schnappen und diesen mit einer passendenHandbewegung verdrücken?

Rätsel für wache Augen

Budget Cuts fordert uns neben den Stealth-Aspekten auch immer wieder mit knackigen Rätseln, für die wir meistens unsere Umgebung sehr genau absuchen müssen. Bereits früh im Spiel müssen wir beispielsweise eine Keycard aus dem Büro eines Managers klauen.

Dort angekommen finden wir allerdings nur ein Dokument, in dem sich der Chef beschwert, dass ein Mitarbeiter aus der Abteilung ständig seine Schlüsselkarte offen herumliegen lässt. Der Notiz entnehmen wir dann wiederum den Hinweis, wo dieser Mitarbeiter seinen Platz hat und lassen dort das Objekt unserer Begierde mitgehen.

Generell lohnt es sich, jede Schublade und jeden Schreibtisch zu untersuchen, denn oft findet ihr so Gegenstände, die ihr später im Level benötigt. Wer einen Schlüsselgegenstand in einen Abgrund pfeffert, muss zudem keine Panik bekommen. Für diesen Fall gibt sogenannte Lost & Found-Boxen, an denen ihr euch das Item erneut abholen könnt.

Budget Cuts: Seiner Zeit voraus

Wenn man überhaupt etwas Negatives über Budget Cuts sagen kann, dann, dass es der aktuellen VR-Hardware einfach ein bis zwei Generationen voraus ist. Denn so sehr es auch Spaß macht, hinter einem virtuellen Schreibtisch im letzten Moment in Deckung zu gehen, so sehr nervt nach einiger Zeit dabei das Kabel der VR-Brille und das Gewicht des Headsets. Wer eine Vive (Pro) nebst Vive Wireless Adapter besitzt, ist hier klar im Vorteil.

Budgets Cuts mit einem autarken, leistungsstarken VR-Headset, inklusive 360 Grad-Bewegungs-Tracking und genügend Platz zum Toben? Das würde der perfekten VR-Erfahrung schon ziemlich nahe kommen.

Unsere Wertung

Benjamin Hillmann

Mein Fazit:

Trotz einem holprigen Weg auf der Zielgeraden ist Budget Cuts ein großartiges VR-Spiel geworden. Denn hier stimmt praktisch alles: Stealth-Gameplay und Leveldesign laden zum Experimentieren ein, Grafik und Sound wirken wie aus einem Guss und die charmante Hintergrundgeschichte zaubert ein Grinsen auf mein Gesicht. Das es ein bisschen dauert, bis die recht komplexe Steuerung in Fleisch und Blut übergeht, verzeihe ich deshalb gerne.

Budget Cuts wird euch gefallen, wenn

  • euer Vorbild Solid Snake heißt
  • euch humorvoll-satirische Geschichten liegen
  • ihr Wert auf stimmige Ästhetik legt

Ihr solltet lieber die Finger vom Spiel lassen, wenn

  • euer Vorbild Duke Nukem heißt
  • ihr nur einen kleinen VR-Spielbereich habt
  • voller Körpereinsatz in VR euch abschreckt

Das VR-Spiel Budget Cuts erhaltet ihr hier:

Getestet mit: Oculus Rift

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Benjamin Hillmann
Benjamin Hillmann

Zuhause zwischen Star Wars, Hellboy-Comics & Klängen von Nick Cave. Geht gerne mit Nathan Drake auf Schatzsuche. Gefühlt geistig verkoppelt mit David Lynch & Hideo Kojima.

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