Tomb Raider: Film-Reboot zum Spiele-Reboot – kann das gut gehen?

Videospielverfilmungen genießen meistens eher einen zweifelhaften Ruf. Nun stellt sich die Frage, ob Tomb Raider diesem Ruf folgt oder vielleicht ganz neue Maßstäbe setzt. Wir haben die Antwort für euch.

  • von Andreas Sperling am 20.03.2018, 11:21 Uhr
Tomb Raider

Realverfilmungen haben bei Videospielen seit Beginn einen schweren Stand. Zu schwierig gestaltet sich der Spagat, die Erwartungshaltung der Fans zu erfüllen und gleichzeitig frei genug zu sein, einen guten Film abzuliefern. Manche Verfilmungen haben dabei eine so starke Bruchlandung hingelegt, dass sie durch ihren Trash-Faktor fast schon wieder unterhaltsam sind.

Ein solch spaßiges Trauerspiel ist der Vorreiter aller Videospielverfilmungen, »Super Mario Bros«. Hier hat man krampfhaft versucht, eine Welt auf Zelluloid zu bannen, die sich rein inhaltlich schwer auf filmisches Storytelling übertragen lässt.

Es existieren jedoch auch positive Beispiele, wie die 2006 erschienene Verfilmung von »Silent Hill«, welche es tatsächlich schafft, der Atmosphäre und den Feinheiten der Vorlage gerecht zu werden. Die große Frage ist nun: In welcher dieser Ecken steht die Neuverfilmung von Tomb Raider?

Lara Croft ist tot – Es lebe Lara Croft!

Lara Croft ist eine Ikone, wenn nicht sogar eine der größten Ikonen der Videospielwelt. Ganze 22 Jahre hat die schießwütige Archäologin auf dem Buckel und hat in dieser Zeit einige kosmetische, aber auch charakterliche Veränderungen durchlebt.

Besonders durch den 2013 erschienenen Reboot der Videospielreihe wurde der Fokus mehr auf Laras Verletzlichkeit und ihren damit einhergehenden Reifungsprozess gelegt. Damit hat die Neuauflage einen deutlich realitätsbezogeneren und für den Spieler identifikationsstiftenden Ansatz, als die eher eindimensionale und coole, klassische Lara.

Grundlegend stellt sich daher die Frage, für welche der beiden Charaktere sich Drehbuchautor Even Daugherty entschieden hat. Beide Versionen bieten Potenzial, unterscheiden sich jedoch fundamental in der der Herangehensweise und letztlich im Stil und der inhaltlichen Tonlage des Films.

Allein aus Gründen der Aktualität der Serie und des diesen Jahres erscheinenden »Shadow of the Tomb Raider« hat es Sinn ergeben, sich für die neue, verletzlichere Lara zu entscheiden. Diese verkörpert die schwedische Schauspielerin Alicia Vikander, welche vielen Filmfans schon aus dem großartigen »Ex Machina« bekannt sein dürfte.

Vikander passt optisch hervorragend in die Rolle und schafft es, diese auch sehr nah an der Vorlage auszufüllen. Es wäre zwar wünschenswert gewesen, dass sie durch das im Film erlebte Abenteuer noch weiter wächst, doch dieser Umstand ist eher dem Skript geschuldet und kann Vikander nicht wirklich angekreidet werden.

Was sie machen soll, macht sie gut. Sie bleibt der Vorlage treu und ist daher eine ausgezeichnete Lara Croft.

Eine Vertiefung ihrer archäologischen Leidenschaft und andere typische Eigenschaften Laras sollte es jedoch spätestens mit einer Fortsetzung geben, damit man sich nicht zu sehr von der Vorlage entfernt.

Für eine »Origin Story« war diese Gewichtung jedoch absolut in Ordnung und glaubwürdig.

Guter Film oder gute Videospielverfilmung?

Wie eingangs schon angeschnitten, funktionieren manche Stoffe unglaublich gut als Spiel, lassen sich jedoch nicht zwangsläufig genauso gut auf einen Film transportieren. Dies kann einer stark abstrakten Welt, zu flachen Charakteren oder anderen tragenden Elementen im Spiel geschuldet sein.

Tomb Raider schafft hier etwas, was den wenigsten Spieleverfilmungen gelingt und trägt sich sowohl als Adaption des Spiels, sowie als eigenständiger Film.

Die Anspielungen an das Spiel Tomb Raider (2013) sind zahlreich und ein ständiges Kopfnicken und Augenzwinkern in Richtung der Fans, ohne jedoch den »Ottonormalzuschauer« mit einem Fragezeichen über den Kopf zurück zu lassen.

Dies gelingt hauptsächlich dadurch, dass sich die meisten Anspielungen entweder ganz subtil ins Geschehen einbetten oder innerhalb der Szene schlüssig und nachvollziehbar sind.

Zugute kommt dem Film vermutlich auch, dass bereits die Spielvorlage einen cineastischen Ansatz verfolgt. Somit ist auch die Brücke zwischen den beiden Formaten nicht so holprig und das Resultat spricht für sich.

Mit Schauspieler Walton Goggins als Gegenspieler Mathias Vogel, hat der Film ebenfalls einen charismatischen Antagonisten gefunden, der sogar ein wenig vielschichtiger und motivierter agieren kann als in der Spielevorlage.

Ist alles Gold was glänzt?

Ein paar kleine Schnitzer erlaubt sich Tomb Raider dann doch noch, denn hier und da haben sich einige Logiklöcher in die Handlung eingeschlichen.

Manche davon wären sogar mit einem Nebensatz leicht zu beseitigen gewesen und liegen vielleicht gerade deshalb dem ein oder anderen Zuschauer besonders stark im Magen. Diese Frage muss jedoch jeder für sich selbst beantworten.

Viel kritischer ist jedoch die Umschiffung zweier Tomb-Raider-typischer Elemente. Da sich diese nicht ohne Spoiler ansprechen lassen, sollten alle die den Film noch nicht gesehen haben den nächsten Absatz auslassen!

Spoilerwarnung in 3,2,1…

Viele Spiele- und Filmreihen bauen auf Grundprinzipien, welche meistens unverändert auftreten und die Motivation des Hauptcharakters erklären.

So sind Batmans Eltern immer tot und Marios Antrieb ist immer die Rettung von Prinzessin Peach. Im Falle von Tomb Raider ist es Laras toter Vater und die Verknüpfung der Story mit übernatürlichen Elementen.

Da Richard Croft im Verlauf der Story stirbt, kann man dessen Ableben im Zuge einer kommenden Fortsetzung noch am ehesten akzeptieren.

Außerdem bleibt Laras Motivation, das Werk ihres Vaters fortzuführen, bis zum erneuten Wiedersehen mit ihrem Vater auf der Insel trotzdem bestehen.

Ein wenig kritischer gestaltet sich der Versuch des Films die übernatürlichen Elemente »realistisch« darzustellen und am Ende alles auf einen Virus zurückzuführen. Zugegeben, ein Umschwenken im letzten Moment des Films hätte sich in diesem Fall vermutlich merkwürdig angefühlt.

Doch ebenso wie in Indiana Jones ist auch bei Tomb Raider das übernatürliche Element am Ende ein fester Bestandteil der Film- und Spiele-DNA. Ob es letztendlich störend wirkt oder nicht muss vermutlich jeder Zuschauer und Fan der Reihe für sich selbst entscheiden.

Andreas Sperling

Fazit

Tomb Raider ist sicherlich kein perfekter Film, darf sich jedoch besonders im Vergleich zu allen bisher erschienen Videospielverfilmungen als einer der besten Vertreter seiner Art ansehen. Zugegeben, dadurch dass gerade in diesem Bereich so viele »Gurken« existieren, ist das keine riesige Hürde, doch das macht aus Tomb Raider trotzdem keinen schlechten Film.

Er bleibt weitgehend seiner Vorlage treu und ist gleichzeitig unterhaltsam. Was will man mehr? Ein Kinobesuch lohnt sich sowohl für Fans, als auch für einen spaßigen Abend mit der Familie. Die aktuellen Einspielergebnisse sehen sehr positiv aus und so bleibt abzuwarten, welche Wege mit einer potenziellen Fortsetzung eingeschlagen werden.

Andreas Sperling
Andreas Sperling

Erstes Spiel: Moon Patrol (Atari 2600), Super Mario Land, Tetris (Gameboy) Lieblingsgenres: Survival Horror, Action-Adventure, Rollenspiele Lieblingsspiele/-serien: Resident Evil, Catherine, Metal Gear Solid 1 & 3, Dead by Daylight