Prey: Neuromods, Waffen und ein krasser Story-Reveal

Am 5.5.2017 erscheint der Sci-Fi-Action-Shooter Prey. Darauf reagieren die meisten entweder mit »Hey, endlich! Aber ist das Prey 2?« oder mit einem leicht verwirrten Gesichtsausdruck. Die zweite Gruppe erinnert sich nämlich maximal an »diesen Typen mit dem roten Auge«. Grund genug für uns, bei einem Anspielevent genau unter die Lupe zu nehmen, was uns ab Anfang Mai erwartet. Ein Nachfolger? Ein Remake? Oder etwas ganz anderes?

  • von Ann-Kathrin Kuhls am 14.02.2017, 12:31 Uhr

Was wir mit Sicherheit sagen können: Prey ist weder das während der Entwicklung abgebrochene Prey 2, noch ein Nachfolger des Originals. Die Spielwelt ist unserer sehr ähnlich, allerdings spielt Prey in einer alternativen Zeitlinie. Dort ist John F. Kennedy nie gestorben, und der kalte Krieg endete mit einer Versöhnung Russlands und Amerikas, die sich seitdem gemeinsam der Erforschung der kurze Zeit später entdeckten Typhon-Aliens widmen.

Gehirn zum Selberbauen

Im Jahr 2032 hat die Firma Transtar aus der Alien-DNS die so genannten Neuromods entwickelt, mit denen sich die Architektur unseres Gehirns verändern lässt. Klavier spielen wie Beethoven? Komplizierte Programme hacken? Kochen? Kein Problem. Mit den Neuromods werden die Synapsen und Nervenknoten im Gehirn so modifiziert, als hätten wir jahrelang geübt. Lernen auf die herkömmliche Art wird unnötig und auch komplexe Techniken sind innerhalb von Sekunden in unseren Kopf gepflanzt.

Noch hat die Bevölkerung nicht davon erfahren, aber die Versuche in den Forschungslaboren sind im vollen Gange. Ein goldenes Zeitalter des Wissens steht bevor! Wie schön wäre es, wenn wir uns um beispielsweise  Schachmeister zu werden einfach eine Nadel ins Gehirn rammen könnten und alles hätte sich erledigt! Zugegeben, der Teil mit der Nadel sieht sehr unappetitlich aus, aber da könnte die Wissenschaft ja noch am Komfort arbeiten.

Allerdings: Wer in seinem Leben auch nur einen einzigen Alien-Film gesehen hat, der kann sich denken, dass Experimente mit fremden Technologien nie gut ausgehen. Das muss auch Morgan Yu erfahren. Der oder die Wissenschaftler/-in ist nämlich Teil des Forschungsteams auf der Station Talos 1, die die so genannten Typhon-Aliens erforscht. Ob wir einen Mann oder eine Frau spielen, bleibt uns überlassen, ist aber eine rein kosmetische Entscheidung. Das Geschlecht hat keinen Einfluss auf das Spiel. (Da wir in unserem Durchgang eine Frau gespielt haben, werden wir im Folgenden aber von »sie« oder »ihr« sprechen.)

Kaffee ist ungesund

Morgan macht sich zu Beginn des Spiels für ihren allerersten Einsatz auf der Forschungsstation bereit. Sie zieht ihren Arbeitsanzug an, grüßt die Technikerin in der Ecke und fliegt mit dem Helikopter zur Transtar-Filliale. Sie lässt die Tests über sich ergehen und hört gerade einem der Forscher zu, wie er sich über seine leere Kaffeetasse beschwert, als die sich auf einmal in ein schwarzes Tentakelalien verwandelt und ihm das Leben aussaugt. Morgan wird von Gas betäubt, und erwacht am vorherigen Morgen. Wir erhalten sogar die gleichen Anrufe. Wie kann das sein? Die kurze Antwort darauf lautet: Gar nicht.

Die längere Antwort beginnt mit einer toten Technikerin in der Ecke und der Erkenntnis, dass dies nicht unser erster Tag auf der Raumstation sein kann. Eigentlich ist Morgan nämlich schon seit mehreren Jahren in der Forschung aktiv und probiert neu entwickelte Neuromods an sich selbst aus. Für eine besonders aufwendige Mod wurden ihr alle anderen entfernt – und leider gingen dabei auch ihre Erinnerungen flöten. 

In solchen Fällen sollte ein Programm ihre Erinnerungen wieder herstellen, aber das hat anscheinend jemand gelöscht. Seit mehreren Monaten erlebt sie deswegen ihren ersten Tag auf Talos immer wieder. Ihre Wohnung und ihr Helikopterflug waren nur eine Illusion, ein bisschen wie bei Jim Carrey im Film »Die Truman Show«.

Friedlich ist langweilig

Doch etwas hat den Illusionskreislauf durchbrochen. Gewitzte Detektive könnten jetzt die Tentakel-Aliens dahinter vermuten, und liegen damit sogar halb richtig. Schließlich haben die die Forscher getötet, die Morgan gefangen hielten. Ein zweiter Faktor ist aber January, eine Sentinel-Drohne (eine Art lebendige externe Festplatte), die uns bei der Flucht hilft. Denn schließlich sitzen wir ohne Erinnerungen auf einer Raumstation fest. Und das mit offensichtlich bösartigen Aliens.

Offensichtlich hat das goldene Zeitalter des Wissens wohl doch nicht so gut funktioniert, wie sich das die Menschen vorgestellt haben. Schade eigentlich. Aber ein Spiel, in dem wir durch eine saubere, freundliche Raumstation spazieren und ab und an ein paar Kollegen grüßen, wäre ja auch nur halb so spannend.  

Mit einer neuen Technologie, einer Verschwörung und einer alternativen Realität haben wir eine ganze Menge zu verdauen, und das schon in den ersten zwei Stunden des Spiels. Das ist aber in keinem Fall negativ gemeint, denn Prey gibt sich viel Mühe, seine Geschichte und die Welt, in der sie spielt, spannend und aufwendig zu inszenieren – wenn wir uns die Zeit dafür nehmen. 

Die NSA hat mehr von der Story

In Sachen Story nimmt uns Prey nicht an die Hand, gerade die Hintergrundgeschichten und die Firmenpolitischen Machenschaften kommen nur dann ans Licht, wenn wir die Postfächer der einzelnen PCs genau durchforsten. Wer achtlos durch die Räume hetzt, erfährt nur die halbe Geschichte. So ist es natürlich jedem klar, dass die entflohenen Typhon-Aliens Fieslinge sind. Schließlich töten sie Menschen. Dass Testsubjekte wie Morgan in letzter Zeit aber ebenfalls aggressiver waren, sämtliche Probleme von der Geschäftsleitung jedoch unter den Teppich gekehrt wurden, ist sozusagen Mailexklusiv. Genau wie der Fakt, dass es außer Morgan noch andere Testsubjekte gibt.

Wir sollen also nicht hetzen – wollen wir aber auch gar nicht. Die Raumstation Talos 1 entstand in der Hochzeit der amerikanisch-russischen Zusammenarbeit und sieht aus wie ein Weltraum-Kreuzfahrtschiff. Roter Plüschteppich, goldene Treppengeländer, aufwendige Lichtinstallationen und ein Blick auf das All durch riesige Panoramafenster: Wären da nicht die Labore und die Horden mordender Aliens, stünde einer entspannten Raumkreuzfahrt nichts im Wege. 

Aggressive Hocker

Trotz der luxuriösen Ausstattung schauen wir beim Anspielen trotzdem andauernd über unsere Schulter. Zum einen können sich die Mimics nämlich in Gegenstände verwandeln und zum Beispiel als Hocker getarnt auf uns lauern. Wie können wir entspannt einen Raum durchsuchen, wenn sogar der Aschenbecher auf dem Tisch unser Feind sein könnte?

Zum anderen bekommen die Gegnertypen beim ersten Kontakt einen filmreifen Auftritt spendiert. Mit der richtigen Musik und bedrohlichen Schatten sorgt eines der mannsgroßen Phantoms schonmal dafür, dass wir uns panisch hinter einem Kaffeetisch verschanzen. Zumindest nachdem wir gecheckt haben, ob der uns nicht vielleicht auch noch angreift. Prey ist definitiv kein Spiel für Menschen mit paranoider Grundeinstellung. 

Bist du das, Corvo?

Wo wir gerade bei Kaffeetischen und Attentaten sind: Gerade im Setting merkt man Prey an, dass hier das Entwicklerteam von Arkane Studios am Werk ist, die auch für Dishonored 2 verantwortlich waren. Wenn uns auf Talos 1 auf einmal Corvo oder Emily entgegen kämen, würden die beiden perfekt ins Bild passen. Die Dekoration der Raumstation hat den gleichen Hauch von Steampunk wie der Stealth-Hit von 2016, der einzige Unterschied ist der Weltraum. 

Zwar ist Talos 1 im Vergleich zum Kaiserreich der Inseln menschenleer, dafür hat die Einsamkeit ihre Vorteile. Weil zum Zeitpunkt des Alien-Angriffs jeder in Panik geflüchtet ist, wirken die Räume ein bisschen wie Momentaufnahmen, in denen wir nach Herzenslust stöbern können. Ob wir dazu die Ruhe haben, wenn sich jede Kaffeetasse theoretisch in ein Alien verwandeln könnte, ist natürlich eine andere Sache. 

Ungeduldige können wir jedoch beruhigen: Nicht in jeder Schreibtischschublade steckt ein spielveränderndes Geheimnis. An den wirklich wichtigen Stellen der Handlung sorgt Prey schon dafür, dass wir hinschauen. Und manchmal auch dafür, dass wir stehen bleiben und denken.

Die (nicht ganz offene) offene Welt

Die Raumstation ist nämlich frei erkundbar, aber nicht jeder Bereich ist sofort begehbar. Verschlossene Türen, eingebrochene Gänge oder besonders respekteinflößende Feinde zwingen uns, erst einmal unseren Kopf anzustrengen, bevor es für uns weitergeht. Dazu finden wir Computer-Passwörter auf Klebezetteln, hacken uns in Lagerräume oder fischen Keycards aus Sofaritzen. Anscheinend hat niemand in dieser Raumstation auch nur ein ungefähres Verständnis von Datensicherheit gehabt. Kein Wunder, dass die Aliens ausbrechen konnten. 

Es muss aber nicht immer der Datenklau sein. Manchmal geht es auch auf Umwegen, zum Beispiel über die riesige Lampe in der Mitte der Halle quer durch das Gebäude in ein verschlossenes Büro. Oder über eine selbst gebaute Treppe aus gehärtetem Bauschaum.

Das hört sich jetzt umständlich an, dafür freuen wir uns wie ein Schneekönig, wenn wir einen neuen geheimen Weg finden. Und es lohnt sich: Wer ein bisschen um die Ecke denkt, kommt in Prey schneller weiter.

Dabei helfen uns auch unsere Neuromods. Die Fähigkeiten lassen sich mit überall im Spiel erhältlichen Kits aufstocken. Neben mehr Ausdauer, einem Kampffokus und dem Heben von schweren Lasten sind auch kognitive Fähigkeiten wie Hacking oder das Kontrollieren von Geschütztürmen möglich. Welche der Mods wir als erstes aktivieren, kommt ganz auf unseren Spielstil an. Und darauf, was wir erreichen wollen. Das Wichtigste an Prey ist nämlich genau zu wissen, welche unserer Fähigkeiten und Werkzeuge uns wann weiterbringen.

Denken hilft

Das gilt übrigens auch im Kampf. Zwar haben wir von Anfang an eine Rohrzange, die mit ein paar Schlägen jedem der kleinen, spinnenähnlichen Mimics den Garaus macht. Gerade bei einer ganzen Meute der fiesen Winzlinge ist die jedoch nicht immer ausreichend. Schnelle Abhilfe bringt hier die GLOO-Cannon. Die verschießt den eben erwähnten schnell erhärtenden Bauschaum, der auch Mimics für eine gewisse Zeit erstarren lässt und verschafft uns so ein wenig Zeit zum Durchatmen. Ein schwerer Schrank zum richtigen Zeitpunkt tötet übrigens genau so gut.

Mimics sind jedoch nicht die einzigen, die uns das Leben schwer machen. In dem Moment, in dem wir eine Pumpgun gefunden und uns problemlos gegen die kleinen Quälgeister behaupten können, treffen wir schon auf die Phantoms. Die absorbieren einen Großteil unseres Magazins und schleudern uns zerstörerische Energiebälle entgegen. Spätestens jetzt sollten wir über alternative Angriffe nachdenken. Einen explosiven Kanister zum Beispiel, oder die Fähigkeit, mit Überraschungsattacken mehr Schaden zu verursachen. 

Fazit

Wie sehr sich die Neuromods auf den Kampf auswirken oder welche Waffen noch auf der Raumstation auf uns warten, können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Auf unserem Anspielevent haben wir lediglich die ersten beiden Stunden des Spiels erkundet. Was wir allerdings sagen können ist, dass Prey Spaß macht.

Mit seinen ausgeprägten Erkundungspassagen, den Horrorelementen und den wirklich interessanten Fähigkeiten spielt sich Prey wie ein Alien: Isolation mit ein bisschen weniger Reparieren und ein bisschen mehr rätseln. Es hat genau die Prise Horror, die uns bei der Stange hält, ohne dass wir das gesamte Spiel hinter einem Sofa versteckt verbringen müssen. Die Feinde flößen uns Respekt ein, sind aber nicht unbesiegbar und machen das Erforschen der Raumstation noch ein bisschen spannender.

Und dann ist da noch das coole Weltraumsetting. All das macht Talos 1 zu einer Raumstation, auf der wir selber gerne mal herumstromern würden, sobald sie die Sache mit den Aliens im Griff haben.

Prey erscheint am 5. Mai für PlayStation 4, Xbox One und PC

Ann-Kathrin Kuhls
Ann-Kathrin Kuhls

Erstes Spiel: Jazz Jackrabbit Lieblingsgenres: Action-Adventure, (Japan-)Rollenspiele, Strategie Lieblingsspiele/-serien: Final Fantasy, The Last of Us, Alice: Madness Returns, XCOM: Enemy Unknown