Pirates of the Carribean 5: Salazars Rache – Kinokritik zum Piratenepos

Fluch der Karibik 5: Salazars Rache hat alles, was einen guten Piratenfilm ausmacht – bis auf eine originelle Geschichte. Wie Johnny Depp, Javier Bardem und Aschepiraten den Film trotzdem zu wirklich gutem Popcorn-Kino machen, erklärt Redakteurin Ann-Kathrin in ihrer Kinokritik. Und außerdem deckt sie auf, welcher berühmte Musiker dieses Mal eine Rolle spielt.

  • von Ann-Kathrin Kuhls am 15.05.2017, 14:57 Uhr

Fluch der Karibik basiert auf einer Disney-World-Attraktion. Kein Witz. Die gesamte Geschichte um Jack Sparrow, Will Turner und allem, was sich in den Gewässern um die Black Pearl so herumtreibt, hat eine Themenfahrt von 1967 als Vorbild. Und falls ihr euch fragt: Ja, Themenfahrten sind die Bootstouren durch Höhlen, in denen Piraten-Roboter mit seltsam abgehackten Bewegungen und toten Augen vom Leben auf der See singen.

Klingt verrückt, ist aber gar nicht so unüblich. Die ersten beiden Monkey-Island-Teile wurden ebenfalls von dieser Themenfahrt inspiriert. Und für beide Franchises ist es ziemlich gut gelaufen: Beide haben die Attraktion an Popularität übertroffen, mittlerweile wurden die Robo-Piraten sogar optisch an die aus dem Film angepasst. (Mit denen aus dem Spiel wäre das auch schwierig geworden, aus Robotern kann man schließlich nur schlecht Pixelmännchen machen.)

Die etwas andere Fernbeziehung

Dass aus der Bootsfahrt jedoch eine ganze Kinofilm-Reihe wird, hätte wahrscheinlich niemand gedacht. Am 25. Mai kommt mit Salazars Rache schon der fünfte Teil in die Kinos, zwei weitere sind noch in Planung. Deswegen sind die Produzenten für Teil 5 auch eine Generation Turners weiter nach vorn gesprungen.

Salazars Rache spielt knapp zwanzig Jahre, nachdem Will Turner die Flying Dutchman von Tintenfisch-Kapitän Davy Jones übernommen hat (was bisher in der Reihe geschah, haben wir woanders noch einmal zusammengefasst). Abgesehen von einem hartnäckigen Muschelbesatz im Gesicht hat er nun auch die Aufgabe, tote Seelen aus der See zu bergen. Der Fluch erlaubt es ihm nur einmal alle zehn Jahre an Land zu gehen, weswegen er und Elizabeth eine sehr eingeschränkte Fernbeziehung führen.

Obwohl sich Will damit abgefunden hat, seine Familie nur saisonal zu sehen, passt das dem Sohnemann ganz und gar nicht. Der will seinen Vater aus den Fängen des Fluchs befreien, komme was wolle. Auf der Suche nach Lösungen schmökert er sich durch sämtliche Mythen der See und findet einen möglichen Ausweg: Ein Artefakt, das jeden Fluch brechen können soll.

 

CAPTAIN Jack Sparrow

Doch um das zu finden, braucht er Hilfe. Genauer: Er braucht Captain Jack Sparrow, den legendären Piratenkapitän, den er aus den Erzählungen seiner Mutter kennt. Nur will der zu Anfang gar nichts mit der Sache zu tun haben. Das ändert sich jedoch, als ein alter Feind Jacks aus der Verbannung entkommt und Jagd auf ihn macht.

Captain Salazar hat nicht nur ein Schiff, dass andere wortwörtlich zum Frühstück verspeist, sondern auch eine Rechnung mit Jack offen. Wegen ihm sind er und seine gesamte Crew nämlich verflucht. Jack kann also entweder nie wieder in See stechen, weil ein wahnsinniger Untoter dort Jagd auf ihn macht – oder den Dreizack finden und dem Captain den Garaus machen.

Jack und Henry werden auf ihrer Suche mehr oder minder freiwillig von der jungen Astronomin Carina Smyth begleitet. Weil sie als Frau die Sterne lesen kann, wird sie der Hexerei angeklagt und wird von Will und Jack vor dem Galgen gerettet. Sie hat ihre ganz eigenen Motive, das Artefakt zu finden.

Und täglich grüßt der Geisterkapitän

Wer wie ich jeden der Fluch-der-Karibik-Filme gesehen hat, dem kommt die Handlung vielleicht bekannt vor. Ein junger Turner auf der Suche nach Rettung für seinen Vater, begleitet von einer klugen und eigenwilligen jungen Frau und dem immer betrunkenen Jack Sparrow, dessen Vorgeschichte mit einem untoten Kapitän dafür sorgt, dass die eigentliche Rettungsmission von jeder Menge übernatürlichem Trubel gestört wird. Das kennen wir schon aus dem ersten und zweiten Teil.

Aber dieses Mal ist es ein anderes Geisterschiff, mit einem anderen Geisterkapitän und ein anderer Turner. Zwanzig Jahre später. Das hört sich jetzt an, als wolle ich mich darüber lustig machen, aber der Zeitsprung macht wirklich den Unterschied. Er sorgt bei mir nämlich für Spannung und Neugier.

Zum einen will ich wissen, was aus den ganzen alten Charakteren geworden ist. Barbossa zum Beispiel, der mittlerweile im puren Luxus auf einem mit vergoldeten Schädeln ausstaffierten Piratenschiff lebt, ist eines meiner persönlichen Highlights. Was macht Mister Gibbs jetzt? Und wo ist der Affe hin? All das wird in Teil fünf beantwortet.

Warum überhaupt »Salazars Rache?«

Zum anderen ermöglicht der Zeitsprung einen ganzen Haufen neuer, interessanter Charaktere. Neben der neuen Hauptfigur und Filmschönling Henry und der ebenso hübschen wie eigenwilligen Carina, ist das allen voran natürlich Captain Salazar, gespielt von Javier Bardem. Der untote Kapitän war schon zu Lebzeiten eine harte Nummer, als er eigenhändig beinahe die gesamte Piratenschaft der Karibik auslöschte. Dann traf er jedoch auf Jack Sparrow und saß als Untoter im Teufelsdreieck fest. Zumindest, bis Jack einen Fehler machte und Salazar befreite. Jetzt will er Rache. An Jack und allen anderen Piraten.

Die untote Version von Salazar ist beeindruckend animiert: Die übernatürlichen Bösewichte waren schon immer eine Stärke der Serie und Teil fünf macht da keine Ausnahme. Nach sich im Mondlicht verändernden oder fischgewordenen Seeräubern treffen die Helden dieses Mal auf eine Crew von Aschepiraten. Das klingt zunächst nicht besonders aufregend. Aber ein Mann, dessen Gesicht zur Hälfte verkohlt ist und sich beim Zuschauen langsam in Ascheflöckchen auflöst, sieht wirklich bedrohlich aus.

 

Schiffskanibalismus

Genau wie Salazars Schiff. Das öffnet nämlich seinen Bug wie ein riesiges Maul und zerbeißt gegnerische Schiffe komplett. Und wenn ich aus der Sicht eines Kapitäns miterlebe, wie er und seine Crew gnadenlos verschlungen werden, sieht das schon ganz schön cool aus. Aber eben auch nur ganz schön cool. Schließlich habe ich als FDK-Fan schon meinen Teil an gruseligen Seemonstern gesehen.

Den Wow-Effekt, den Captain Barbossas Crew ausgelöst hat, als sie im ersten Teil unter Wasser ins Mondlicht traten und sich zu düsterer Musik in Untote verwandelten, kann man meiner Meinung nach einfach nicht innerhalb der gleichen Serie wiederholen.

Und nachdem sich in Teil zwei der Kraken aus den Fluten erhoben hat, um Jack zu fressen oder sich dieser zusammen mit Will im dritten Teil Kalypsos wahrer Gestalt gegenübersahen, ist auch ein Killerschiff auf See nicht mehr ganz so beeindruckend.

Das einzige, was mich wirklich hat zusammenzucken lassen, ist die CGI-Version vom jungen Jack Sparrow, die man auch schon im Trailer sehen kann. Der sieht ganz und gar nicht aus wie ein junger Johnny Depp (obwohl es von dem dank 21 Jump Street ja genug Material gab) sondern eher wie eine lebendige Puppe. Das passt zwar wiederum zum Vergnügungspark, ist aber wirklich gruselig.

Viel lieber habe ich da Paul McCartney gesehen, der ebenfalls einen Auftritt im Film hat. Wo genau, verrate ich aber nicht, das sollt ihr selbst herausfinden. Als Tipp bekommt ihr von mir einen Tweet, der ihn im Kostüm zeigt. Mal sehen, ob ihr ihn findet.

Riesige Meerungeheuer, ein betrunkener Jack Sparrow und Cameos berühmter Musiker: Eigentlich ein alter Hut. Aber nur, weil ich all das bereits in den vorherigen Teilen gesehen habe, bedeutet das nicht, dass Teil fünf weniger Liebe zum Detail an den Tag legt. Die Piraten, das wunderschöne Karibik-Setting und die Hauptfiguren sind alle sorgsam zurechtgemacht, und die Kostüme und Masken sind eindrucksvoll wie immer. Dazu kommt der Soundtrack, dessen Titelmelodie mittlerweile eine der bekanntesten Filmmelodien überhaupt sein dürfte. 

Fazit

Fluch der Karibik 5 hat alles, was ein guter Abenteuerfilm braucht: Ein tolles Setting, klasse Kostüme, beeindruckende Animationen und sympathische Charaktere samt großartigem Bösewicht. Auch wenn die Geschichte zu große Ähnlichkeit mit dem Vorgänger hat, um originell zu sein. Auf der anderen Seite sind das eben die Kernpunkte von jedem guten Abenteuer: Ein junger Held, ein oft unterschätzter Nebencharakter, der eigentlich die Seele des Films ausmacht, eine hübsche und ziemlich kluge Frau und ein böser, übermächtiger Feind. Wer sich daran stört, könnte auch in Märchen die böse Stiefmutter kritisieren.

Alles in allem ist Fluch der Karibik 5 also richtig rundes Popcorn-Kino. Einzig eine Frage ist mir noch ein Stein im Schuh: Wenn noch zwei weitere Teile in Planung sind, was soll dann noch kommen? Meine Wünsche wären »Gilettes Rache«: Ein Horror-Thriller, in dem sich Kommodore Norrington’s früherer Gefolgsmann an allen rächt, die ihn und den Kommodore damals gestürzt haben. Und zwar, indem er ihnen ihre schlimmsten Ängste vorgaukelt: Jack malt er wieder das Mal des Kraken auf die Hand, und Elisabeth findet Affenhaare in ihrer Hütte.

Eine andere Möglichkeit wäre natürlich: »Pirates of the Carribean: Rise of the Terminator«, in dem irgendeinem Piraten die Maske verrutscht und sich herausstellt, dass sie in Wirklichkeit alle Roboter sind. Ganz wie in Disneyland, nur mit tödlichen Absichten. Und Schwupps ist das Ganze ein Sci-Fi-Spektakel.

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Ann-Kathrin Kuhls
Ann-Kathrin Kuhls

Erstes Spiel: Jazz Jackrabbit Lieblingsgenres: Action-Adventure, (Japan-)Rollenspiele, Strategie Lieblingsspiele/-serien: Final Fantasy, The Last of Us, Alice: Madness Returns, XCOM: Enemy Unknown