Phoenix Point macht’s wie Metro Exodus: Shitstorm dank Epic-Deal

Das neue rundenbasierte Taktik-Spiel der ursprünglichen XCOM-Entwickler, Phoenix Point, wird zunächst ausschließlich im Epic Games Store erhältlich sein. Die Spielerschaft rebelliert - aus gutem Grund?

  • von Oliver Schmiedchen am 13.03.2019, 12:08 Uhr
Phoenix-Point-Header

Epic Games hat einen weiteren Exklusiv-Deal an Land gezogen und macht sich wieder einmal unbeliebt bei den betroffenen Gamern. Phoenix Point wird ein Jahr lang ausschließlich im neuen Online-Store des Fortnite-Entwicklers erhältlich sein – in diesem Fall ist das allerdings besonders brisant.

Phoenix Point erscheint exklusiv im Epic Games Store

Worum geht es genau? Phoenix Point ist ein von der Community heiß erwartetes Rundentaktik-Spiel von Snapshot Games. Der Lead Designer ist niemand geringeres als Julian Gallop, der einst den Genreklassiker XCOM ersann. Phoenix Point soll ein spiritueller Nachfolger des Originals in zeitgemäßem Gewand werden. Optisch erinnert das Spiel an die offiziellen XCOM-Titel der letzten Jahre, die Gameplay-Mechaniken sollen sich aber noch stärker am Ur-XCOM von 1994 orientieren.

Finanziert wurde Phoenix Point per Crowdfunding, etwa 780.000$ sammelte Snapshot Games von seinen Backern ein, das ursprüngliche Ziel von 500.000$ war nach nur einer Woche erreicht. Nach Ende der Funding-Kampagne kamen nochmals ca. 1,2 Mio. $ über Vorbestellungen dazu. Ursprünglich sollte die XCOM-Neuauflage sowohl auf GoG als auch auf Steam erschienen, dazu wird es allerdings nicht kommen.

Per Videobotschaft kündigte Julian Gollop jetzt nämlich an, dass Phoenix Point für ein Jahr zeitexklusiv im Epic Games Store erhältlich sein wird – zum großen Unmut vieler Unterstützer.

Metro Exodus reloaded: Spieler laufen Sturm

Gollop führt im Video an, der Deal sei ein “echter Game Changer” für die Zukunft von Phoenix Point. Durch Epics Unterstützung sei es gesichert, dass das Spiel über mehrere Jahre erweitert und mit Updates versorgt werden könne. Außerdem bekommen alle Crowdfunding-Unterstützer alle kostenpflichtigen DLCs während der einjährigen Exklusiv-Phase kostenlos bereitgestellt.

Bei all jenen, die sich Phoenix Point mit der Erwartung vorbestellt haben, es über GoG oder Steam spielen zu können, entschuldigt sich Gollop und bietet eine Rückerstattung an.

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Das reicht allerdings nicht ansatzweise aus, um die betroffenen Spieler zufriedenzustellen. Die haben nämlich direkt die virtuellen Mistgabeln ausgepackt und sich auf einen Kreuzzug gegen Phoenix Point und Epic begeben, ganz ähnlich wie vor nicht allzu langer Zeit im Falle von Metro Exodus. Beispiele gefällig? Das Ankündigungsvideo des Exklusiv-Deals steht derzeit bei rekordverdächtigen 90% Downvotes, und in der Kommentarsektion lassen die Gamer ihrer Wut freien Lauf:

  • “Was für eine Schande. Also kein Phoenix für mich. Auf gar keinen Fall unterstütze ich Epic Games oder ihren Store.”
  • “Das ist wirklich ekelerregend, denn das ist ein […] Spiel, dass es ohne die Leute, die GoG- oder Steam-Keys wollten, gar nicht gäbe”
  • “Ihr habt diejenigen getäuscht, wegen denen es dieses Spiel überhaupt gibt”
  • “[…] Danke, dass ihr mich für meine Unterstützung betrogen habt”
  • “Ich kaufe nichts im Epic Store. Wie viel sind 88% von 0?”

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Insbesondere der letztgenannte Kommentar wirft die Frage auf, ob sich die Entwickler von Phoenix Point nicht verkalkuliert haben. Denn im Epic Games Store bekommen die Studios bis zu 88% der Verkaufserlöse, während es beispielsweise bei Steam deutlich weniger ist.

Wenn jedoch genügend Spieler Phoenix Point im Epic Games Store boykottieren, könnte der Schachzug ziemlich nach hinten losgehen. Ob das Ganze am Ende aber tatsächlich so kommen wird oder sich die Wogen in nächster Zeit wieder glätten, wird die Zukunft zeigen müssen.

Überreaktion seitens der Community?

Zudem stellt sich die Frage: Ist das alles wirklich so schlimm? Denn im Endeffekt verlieren die frühen Unterstützer ja nichts dabei, wenn sie Phoenix Point anstatt auf GoG oder Steam nun eben im Epic Store bekommen. Eine Ausnahme sind allerdings die Linux-Spieler, die wohl die Steam-Variante hätten spielen können – Epics Store hingegen bietet keinen Support für das durchaus beliebte Betriebssystem.

Und: Epic Games den Stempel mehr oder weniger den Stempel “Evil Corporation” aufzudrücken, könnte sich ebenfalls als Boomerang erweisen. Schließlich belebt Konkurrenz nun einmal das Geschäft, und auf lange Sicht könnten Videospiele wegen des neuen Stores sogar billiger werden.

Epic-Chef Tim Sweeney sagte in einem vor kurzem erschienenen Interview: “Epic ist erfolgreich, wenn unsere Partner erfolgreich sind. Unser ganzes Business-Modell fußt auf dieser Annahme.” Dass das funktioniert, beweist seit Jahren das entwicklerfreundliche Lizenzmodell der Unreal Engine.

Kurzum: Einerseits ist der Ärger der Crowdfunding-Unterstützer verständlich, schließlich bekommen sie ihr Spiel nun nicht auf dem Weg, der ihnen zunächst versprochen wurde. Andererseits ist auch die Position von Snapshot Games nachvollziehbar, denn langfristige finanzielle Sicherheit für ein ambitioniertes Spieleprojekt ist heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit.

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Oliver Schmiedchen
Oliver Schmiedchen

Gamer aus Leidenschaft, dabei seit PlayStation 1-Zeiten. Aktuell zuhause auf Xbox One und in Sachen VR auf dem PC. Hält die SEGA Dreamcast für die beste Konsole aller Zeiten. Feiert Musik von Gucci Mane über Led Zeppelin bis Adam Beyer.

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