Kein Tracking mehr: Viel Ärger um das aktuelle Update von Pokémon GO

Das Update 0.31.0 sorgt für Aufregung: Pokémon GO hat keine Tracking-Funktion mehr. Hilfsmittel wie Pokévision wurden eingestellt, Alternativen sind aber noch verfügbar.

  • von Patricia Geiger am 01.08.2016, 13:49 Uhr

Ursprünglich sollte es in Pokémon GO die Möglichkeit geben, Taschenmonster in der Nähe über ein Tracking-System innerhalb der App gezielt zu finden. Dazu sollten im Bildschirm »In der Nähe« eine unterschiedliche Anzahl von Tatzen unter dem jeweiligen Pokémon dienen: Je weniger Tatzen, umso näher das gewünschte Monster.

Doch bereits kurz nach dem Deutschland-Release der Augmented-Reality-App war genau diese Funktion kaputt. Plötzlich wurde jedes Monster mit der maximalen Distanz von drei Tatzen angezeigt, was bei den Spielern für reichlich Unmut sorgte. Schließlich war es so nicht mehr möglich festzustellen, ob man sich gerade in die richtige Richtung bewegt.

Noch vor wenigen Tagen kündigte Niantic-Chef John Hanke bei der San Diego Comic Con an, dass die Entwickler sich um das Problem kümmern werden. Mit dem aktuellen Update 0.31.0, das am vergangenen Wochenende veröffentlicht wurde, kam in Hinsicht des »3-Tatzen-Bugs« tatsächlich eine Änderung – allerdings wohl kaum die Lösung, die sich die Spieler erhofft hatten.

Tracking-Feature entfernt,
3rd-Party-Notlösungen eingestellt

Anstatt die Tracking-Funktion zu reparieren, wurde sie einfach komplett entfernt. Ob es sich dabei nur um eine temporäre Maßnahme handelt, bis das Feature fehlerfrei funktioniert, ist momentan noch nicht klar. Es ist auch nicht mehr möglich, im »In der Nähe«-Bildschirm ein Pokémon auszuwählen und so dann gezielter danach zu suchen.

Nachdem die eigene Tracking-Funktion der App kaputt war, schossen 3rd-Party-Seiten und Apps wie die Pilze aus dem Boden. Zu den beliebtesten Seiten gehörte Pokévision: Sie zog ihre Daten direkt aus Pokémon GO und zeigte mit einem Timer an, welches Pokémon wo noch wie lange zu finden war. Nun wurden diese Seiten auf Wunsch von Niantic und Nintendo jedoch eingestellt, was bei den Spielern nicht gerade auf Gegenliebe gestoßen ist.

Denn nach dem aktuellen Update ist die gezielte Suche nach Pokémon über die App schlichtweg nicht möglich – denkbar schlechtes Timing, um den Spielern dann auch noch ihre Notlösungen wegzunehmen. Der Ärger bei den Fans ist so groß, dass sie jetzt reihenweise das Geld für ihre In-App-Käufe zurückfordern. Die Begründung: Das Spiel funktioniert nicht mehr so, wie es eigentlich soll. Ein Reddit-Thread zu diesem Thema hat inzwischen über 3100 Kommentare gesammelt, in denen viele Spieler davon berichten, dass sie ihr Geld zurückbekommen haben.

Im Nachhinein betrachtet hatte sich die Eindämmung der externen Hilfsmittel hatte bereits angekündigt. In einem Interview mit Forbes hatte John Hanke erklärt, er sei »kein Fan. Wir haben momentan andere Prioritäten, aber [die Leute] werden zukünftig vielleicht feststellen, dass diese Dinge nicht funktionieren.« Spieler würden sich damit selbst etwas vom Spaß des Spiels nehmen. Die Art, wie die Seiten an ihre Daten kämen, verstoße zudem gegen die Nutzungsbedingungen von Pokémon GO.

Übrigens: Während Pokévision seit Sonntag nicht mehr aktiv ist, funktioniert Poké Radar nach wie vor. In verschiedenen Fällen gibt es hier inzwischen sogar auch Spawnzeiten-Timer wie zuvor in Pokévision. Die händischen Einträge sind der Community sind inzwischen von der Karte verschwunden, stattdessen sind nur noch wenige Pokémon in der Karte gelistet. Warum ausgerechnet diese Seite noch funktioniert, andere jedoch abgeschaltet wurden, ist derzeit nicht klar.

Eine neue kostenlose App, die ähnlich funktioniert wie Poké Radar im Anfangsstadium, ist die GO Map der Kollegen von Webedia. Die Pokémon in der App werden von der Community gemeldet und die Einträge können als gut oder schlecht bewertet werden. Durch den Community-Aspekt ergibt sich auch hier das Potenzial für Trolle, daher empfiehlt es sich, auf die Bewertungen bei Einträgen zu wirklich seltenen Pokémon zu schauen, um nicht umsonst durch die Gegend zu hetzen. Die App ist sowohl für Android als auch für iOS verfügbar. Außerdem ist zu beachten, dass zwar die Fundorte der Pokémon verzeichnet sind, sich dadurch aber nicht automatisch ergibt, wann sie an dieser Stelle das nächste Mal auftauchen.

Zurückgesetzte Accounts

Der ausbleibende Bugfix und die verschwundenen Notlösungen sind jedoch nicht der einzige Grund für Ärger bei den Spielern. Zahlreiche Spieler haben sich über soziale Medien darüber beschwert, dass nach dem Update ihr Account zwar noch da war, aber plötzlich wieder auf Level 1 zurückgesetzt wurde.

Auch hierzu gibt es einen entsprechenden Reddit-Thread, in dem die Community Lösungsansätze bietet. Demnach kann es beispielsweise daran liegen, dass die App sich automatisch mit einem anderen Google-Account eingeloggt hat. Sollte das der Fall sein, hilft es die App zu schließen, sich von Google-Diensten auszuloggen und sich dann wieder mit dem richtigen Account einzuloggen. Wenn das allerdings nicht hilft, bleibt nur noch der Kontakt zum Support der Entwickler.

Weitere Änderungen

Bei dem ganzen Trubel um eingestellte 3rd-Party-Services, zurückgesetzte Accounts und die aus dem Spiel genommene Tracking-Funktion sind die weiteren Änderungen des Updates ziemlich in den Hintergrund gerückt. Hier erst einmal die von den Entwicklern angegebene Liste der Änderungen durch das Update 0.31.0:

  • Charaktere können im Trainer-Profil-Bildschirm überarbeitet werden
  • Attacken-Schadenswerte für einige Pokémon angepasst
  • Einige Arena-Animationen angepasst
  • Speicher-Probleme verbessert
  • Fußstapfen von Pokémon in der Nähe entfernt
  • Schadens-Kalkulierung im Kampf überarbeitet
  • Mehrere Bugfixes beim Antreffen wilder Pokémon
  • Detail-Bildschirm von Pokémon überarbeitet
  • Neue Bilder für Achievement-Medaillen
  • Probleme bei der Darstellung einiger Karten-Funktionen behoben
  • Kleinere Text-Fehler entfernt

Bilder aus der aktuellen Version des Spiels:

Das sind allerdings noch nicht alle Änderungen. Beispielsweise haben die Entwickler im Changelog unterschlagen, dass sie zumindest in der iOS-Version von Pokémon GO den Batteriesparer aus dem Spiel entfernt haben.

Dadurch wird der Bildschirm nicht mehr gesperrt, wenn das Smartphone kopfüber gehalten wird. Das bedeutet nicht nur, dass die App ständig unter Volldampf läuft, sondern auch, dass man es lieber ständig in der Hand halten sollte, denn in der Hosentasche kann ohne Bildschirm-Lock durchaus der eine oder andere Button gedrückt werden.

Außerdem können seit dem Update keine Pokémon mehr verschickt werden, die vorher als Favorit markiert wurden. In einem serverseitigen Fix wurde außerdem Aquana angepasst. In vielen Arenen war die Evoli-Entwicklung als schwer zu überwindender Wachhund eingesetzt worden, weil es im Kampf deutlich weniger Schaden genommen hat als andere Taschenmonster, aber trotzdem ordentlich Schaden ausgeteilt hat.

Niantic hat heute noch ein weiteres kleines Update (0.31.1) nachgereicht. Allerdings wurde damit nur die Performance in Listenansichten und im Detail-Bildschirm der Pokémon verbessert, größere Änderungen blieben aus.

Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.

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