Hitman 2: Die Kunst des unauffälligen Meuchelns

In Hitman 2 erwarten euch wieder eindrucksvolle Schauplätze, an denen ihr als Auftragsmörder Agent 47 wieder zwielichtige Gestalten um die Ecke bringen sollt. Wir hatten auf der gamescom die Möglichkeit, uns einen ersten Eindruck vom Spiel zu verschaffen.

  • von Patricia Geiger am 06.09.2018, 18:24 Uhr

Als gut ausgebildeter Auftragskiller kriminellen Gestalten die Lichter ausknipsen – mit dieser Prämisse begeistern die Hitman-Spiele seit Jahren die Fangemeinde. 2016 hat Entwickler IO Interactive der Serie dann eine Frischzellenkur verpasst, die sich sehen lassen konnte.

Im Episodenformat wurden die Spieler mit neuen Szenarien versorgt und zeitlich begrenzte Aufträge hielten die Hobby-Meuchler während der Wartezeiten bei der Stange. Hitman 2 wird einige Elemente des Vorgängers übernehmen, greift an anderer Stelle aber wieder auf Altbewährtes zurück.

Riesiger Spielplatz für Hobby-Meuchler

Hitman 2 wird keine Open World bieten, dafür aber wieder extrem weitläufige Areale, in denen es dann zwielichtigen Gesellen an den Kragen geht. Schließlich ist Agent 47 – im Gegensatz zu uns – nicht zum Spaß da. Die Gebiete, in denen der Auftragskiller seinem Handwerk nachgeht, bieten dabei noch mehr Möglichkeiten zum Abschluss eines Auftrags als noch der Vorgänger.

Dabei kehren natürlich wieder altbekannte Hilfsmittel wie das Verkleiden zurück. Aber das ist natürlich nicht alles. Die Entwickler bringen ein Utensil zurück, dass Hitman-Fans schmerzlich vermisst haben dürften: Den Aktenkoffer. Darin können beispielsweise Waffen unentdeckt in Gebäude geschmuggelt werden. Ihr könnt sie aber auch einfach so deponieren, dass NPCs sie für euch transportieren. Spiegel sollte 47 künftig aber meiden, denn NPCs reagieren nun auf seine Reflektion.

In der Menge verschwinden

Eine der Neuerungen von Hitman 2 ist, dass Agent 47 die Menge für sich nutzen kann. Wie man es beispielsweise aus den alten Teilen der Assassin’s-CreedReihe kennt, kann 47 in Menschenansammlungen verschwinden und sich so vor Verfolgern verstecken. Das funktioniert sogar, wenn ihr mit etwas Abstand vor ihnen lauft und dann untertaucht.

Fische und andere Waffen

In Hitman wird so ziemlich alles zur Waffe, das ist nichts Neues. In der Mission, die wir auf der gamescon spielen konnten, versuchten wir zunächst, als Mechaniker des Rennteams unseres ersten Opfers, Sierra Knox, ans Ziel zu kommen. Dazu mussten wir erstmal den echten Mechaniker ausschalten – wozu wir ihn wiederum vergiften mussten. Das Gift haben wir in der Küche aufgetan, in die wir natürlich aber nicht einfach so spazieren konnten.

Also haben wir den ersten Kellner mit der guten alten Münze abgelenkt und ausgeknockt, um uns seine Arbeitskleidung zu schnappen. Aber was tun mit dem Küchenchef, der uns auch trotz neuer Kutte sofort erkennt? Dem haben wir mit einem Fisch die Lichter ausgeworfen und uns dabei einen kleinen Moment an einen Asterix&Obelix-Comic erinnert gefühlt. Immerhin war der Fisch hier augenscheinlich noch frisch.

Morden unter Zeitdruck

Nachdem wir die beiden Küchenschaben dann in einem Eisfach verstaut hatten, damit auch sie frisch bleiben, konnten wir endlich das Gift beschaffen und es unauffällig im Drink des Mechanikers unterbringen. Der verlässt nach einem Schluck fluchtartig die Bar, weil ihm übel wird – und wir haben endlich die Mechaniker-Montur. Bis wir allerdings an der Box angekommen sind, war das Rennen bereits beendet und diese Chance zur Eliminierung von Sierra Knox vorbei.

Das zeigt die dynamische Welt von Hitman. Das Spiel wartet nicht darauf, dass wir irgendwelche Checkpoints erreichen. Wenn uns die Zeit bei einer Chance ausgeht, müssen wir wieder von vorne anfangen und umdisponieren. Bloß gut, dass sich Sierra Knox nach dem Rennen immer einen Vitamincocktail spritzen lässt …

Beeindruckende Spielwelt mit allen Freiheiten

Wie wir in Hitman 2 vorgehen, bleibt also vollkommen uns überlassen. Ob wir einem der vorgeschlagenen Pfade folgen oder versuchen, unser Ziel auf andere Weise auszuschalten, liegt ganz bei uns. Die Welt von Hitman liefert dazu alle Freiheiten, die man sich nur vorstellen kann.

Und auch optisch überzeugt Hitman 2 auf ganzer Linie. Die Umgebungen sehen großartig aus und die reine Menge an NPCs, die die Karte bevölkern und eigenen Abläufen folgen, ist beeindruckend. Wenn wir einen Bereich des Levels verlassen, verschwinden die NPCs übrigens nicht: Sie folgen weiterhin ihren Abläufen. Deshalb ist es umso wichtiger, schlafen-gelegte Personen fachgerecht zu verstauen, weil sie sonst im Zweifel auch 15 Minuten später noch gefunden werden können.

Patricia Geiger

Fazit

Die gamescom-Demo von Hitman 2 hat mich auf ganzer Linie überzeugt. Egal ob die Größe des Gebiets, die Menge an eigenständigen NPCs oder die ziemlich kreativen Möglichkeiten, Ziele auszuschalten - alle Bereiche haben mir Lust auf mehr gemacht. Auch die neuen Gameplay-Elemente fühlen sich alle extrem stimmig an und es ist nur konsequent, dass 47s Spiegelbild nun auch Reaktionen hervorruft.

Dass es mir das Spiel tatsächlich erlaubt, einen Küchenchef mit einem Fisch K.O. zu schlagen oder einen Diplomaten unter Strom zu setzen, damit ich mir seine Verkleidung schnappen kann, hat auch abseits der Spielmechanik einen extrem hohen Unterhaltungswert und ich habe mich beim schadenfrohen Lachen über das Ergebnis dieser Aktionen ertappt. Dass über Funk dann auch noch immer wieder zynische Anmerkungen eingestreut werden oder Agent 47 selbst mit vermeintlich beruhigenden Aussagen seine Opfer in Sicherheit wiegt, ist eigentlich nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.