Google Stadia: Die Zukunft liegt in der Cloud

Auf der Games Developers Conference hat Google seine Vision der Spielewelt vorgestellt. Mit Google Stadia will der Internetriese ein Streaming-Netzwerk aufbauen, mit dem ihr jederzeit und auf jedem Gerät zocken könnt. Wie zeigen euch, was sich Google vorstellt - und wo sie noch stolpern können.

  • von Carlo Siebenhüner am 20.03.2019, 11:26 Uhr

Wir streamen euch heute schon die Infos auf jedes Gerät. In diesem Artikel lest ihr

  • was Google Stadia ist.
  • was die Vorteile des Systems sind.
  • wo sich Google noch verrennen kann.

»Googles Vision der Spieleindustrie« – Mit diesem verheißungsvollen Satz wurde die Pressekonferenz des Internetriesen auf der GDC (Game Developers Conference) angekündigt. Viel hat man spekuliert und gerätselt, was uns vorgestellt wird, doch nun haben wir Gewissheit. Es geht in die Cloud!

Google Stadia: Spielen, wo und wann ihr wollt

Geht es nach Google, holt ihr euch in Zukunft keine Konsole mehr ins Haus – Stadia ist ein reiner Streaming-Dienst. Wer den Chrome-Browser auf seinen Geräten installiert hat, erfüllt bereits alle Voraussetzungen und kann nach Abschluss eines Abonnements loslegen. Als Eingabegeräte funktionieren Maus & Tastatur, Controller oder Touchpad.

Google verspricht, dass ihr jederzeit spielen können sollt und das ohne große Ladezeiten oder Latenzen. Als eindrucksvolles Beispiel zeigten sie, wie ihr über einen Button in einem Youtube-Video in maximal fünf Sekunden in das laufende Spiel springen könnt. Außerdem soll Crossprogression möglich sein, ihr wechselt also von Gerät zu Gerät und spielt genau dort weiter, wo ihr aufgehört habt. Crossplay mit anderen Plattformen ist ebenfalls in der Planung.

Damit sich das realisieren lassen kann, greift Google Stadia auf die immense Rechenpower seiner Serverfarmen zurück. Für jeden Spieler steht mindestens eine sogenannte Instanz zur Verfügung, die eure Spiele berechnet. Jede Instanz soll eine ungefähre Rechenpower von 10,7 Teraflops besitzen – fast doppelt so viel, wie eine Xbox One X.

Damit hält Google Stadia voraussichtlich auch mit der kommenden Konsolengeneration mit, doch hat Google hier einen Vorteil. Dadurch, dass alle Berechnungen in der Cloud stattfinden, können sie die Rechenkraft variieren. Reicht eine Instanz nicht mehr aus, könnten einfach zwei Recheninstanzen zusammengezogen werden.

Was Google Stadia euch bietet

Google kündigte, neben dem Streaming in 4K-Auflösung und 60 Hz Bildwiederholrate, noch eine Reihe weiterer Features an. Diese liegen vor allem in gemeinsamen Spielerlebnissen mit Freunden oder Fans. Für Influencer am interessanten ist die Möglichkeit, jederzeit den eigenen Stream auf Youtube zu teilen und sich so die teure Streaming-Hardware zu sparen.

Doch geht Google Stadia noch einen Schritt weiter. Kommt ihr an einer Stelle nicht weiter, könnt ihr euren Spielstand mit Freunden teilen und gemeinsam eine Lösung finden. In Koop- und Mannschaftsspielen soll es sogar möglich sein, durch einen einfach Link im Chat mit in das laufende Spiel zu springen.

Ganz ohne eigene Hardware kommt Google Stadia dann aber doch nicht daher. Ebenfalls angekündigt wurde ein optionaler Controller, der eure Eingaben direkt über das WLAN an den Server schickt. Das soll vor allem die Latenz etwas verkürzen, womit wir auch schon bei den potenziellen Problemen des Streaming-Dienst angekommen sind.

Die Stolpersteine von Google Stadia

All den Vorteilen, wie die ständige Verfügbarkeit und keiner zwingend notwendigen Extra-Hardware, steht vor allem das Problem der Latenz im Weg! Streaming-Dienste müssen die knifflige Aufgabe der schnellen Übertragungswege lösen. Spielt ihr ein Spiel auf der heimischen Konsole, werden alle Eingaben über den Controller direkt vor Ort berechnet.

Spielt ihr ein Spiel über einen Streaming-Dienst wie Google Stadia, muss das Eingabesignal über das WLAN an die Server von Google gesendet werden. Dort wird das Ergebnis berechnet und anschließend kommt das Bild wieder zurück auf euren Bildschirm. Diese längeren Eingabezeiten sind bei Singleplayer-Spielen wie einem Assassin’s Creed: Odyssey verschmerzbar, gerade bei kompetitiven Spielen wie Battlefield 5 entscheidet aber Schnelligkeit über Sieg oder Niederlage.

Doch nicht nur dafür braucht ihr eine schnelle Internetleitung. Wollt ihr in hohen Auflösungen und Bildwiederholraten spielen, müssen große Datenmengen durch die Leitung gepresst werden. Google nennt hier für Full-HD-Auflösung und 60 FPS eine Leitung von mindestens 25 Mbits/s als Voraussetzung. Bei einer 4k-Auflösung werden mindestens 30 Mbits/s benötigt. Vor allem in ländlichen Gebieten ist das aktuell allerdings noch ein Problem.

Die Zukunft des Gaming

Google will mit seinem Stadia-Dienst nichts weiter, als die Gaming-Welt revolutionieren. Die Power, die hinter dem Internetgiganten steht, ist immens und kann definitiv etwas bewegen. Doch vorher müssen die bekannten Probleme gelöst werden, die auch die allgemeine Internet-Infrastruktur betreffen.

Am Ende entscheidet natürlich die Akzeptanz der Nutzer über Sieg oder Niederlage. In diversen Foren finden es Spieler nicht besonders schmackhaft, die Kontrolle über ihr Medium abzugeben – Modifikationen würden der Vergangenheit angehören, von einem Serverausfall ganz zu schweigen.

Ob Google mit seiner Vision ins Schwarze trifft, werden wir noch 2019 erfahren – Stadia soll bereits in diesem Jahr in einigen europäischen Ländern starten. Welche Preise von Google angeschlagen werden, ist noch nicht bekannt.

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Carlo Siebenhüner
Carlo Siebenhüner

Ein langer Weg liegt schon hinter Carlo. Mit Sonic ist er damals auf dem Mega Drive um die Wette gerannt, hat sich »volles Pfund aufs Maul« in Gothic gegeben, baut regelmäßig neue Städte bei Anno und verteilt auch immer mal Headshots in Battlefield (oder versucht es zumindest ;-) ).

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