Geheimtipps 2017: Diese Spiele solltet ihr auf jeden Fall nachholen

Wie in jedem Jahr, gab es 2017 einige Spiele, die wahrscheinlich den meisten von euch entgangen sind. Um euch unsere persönlichen Perlen vorzustellen, nehmen wir uns in diesem Artikel Zeit.

  • von Constanze Thiel am 18.12.2017, 20:15 Uhr

Everything

Stellt euch vor, ihr wärt eine Scheibe Toastbrot, die unter einem sonnigen Himmel über eine Wiese wuselt. Bevor ihr euch verseht, habt ihr euch in einen Planeten verwandelt, danach seid ihr ein Pantoffeltierchen, als nächstes eine Herde Kühe und schlussendlich eine ganze Galaxie. Was nach einem wirren Traum klingt, ist das Konzept der Simulation mit den Titel »Everything«.

Während ihr also durch die simpel gestaltete Spielwelt schwebt oder rollt (oder was auch immer), schenkt ihr den (manchmal mehr, manchmal weniger) tiefsinnigen Gedanken ihrer Bewohner Gehör oder lauscht Ausführungen des Religionsphilosophen Alan Watts. Der setzte sich im 20. Jahrhundert hauptsächlich mit den Lehren von Zen, Daoismus und Buddhismus auseinander.

Ich weiß, wie sperrig und unzugänglich sich das für manche anhören muss, doch ich habe 2017 in keinem anderen Spiel so viel Ruhe gefunden wie in Everything. Es ist nicht nur spannend zu entdecken, in welche Lebewesen ihr darin schlüpfen könnt – es öffnet euch darüber hinaus die Augen für die Komplexität der Welt und hat eine beinahe meditative Wirkung.

Beweis genug dafür ist, dass ich unzählige Male beim Spielen von Everything weggenickert bin und das mit Controller in der Hand.

Monster Hunter: Stories

Für mich, deren erste große Liebe Pokémon Blau war, und die sich daran stört, dass große, flugfähige Echsen in den meisten Spielen (Dragon Age, Minecraft, Skyrim, …) erlegt werden müssen, ist Monster Hunter: Stories ein Quell der Freude.

Darin zähmt ihr bekannte Kreaturen des Monster-Hunter-Franchises, um mit ihnen wiederum gegen andere Bestien in den Kampf zu ziehen, die von einer Art Seuche befallen sind. Auch hier ist (kindgerechter) Mord- und Totschlag an der Tagesordnung, aber wenigstens müsst ihr nicht allen von ihnen den Garaus machen…

Wer also ein rundenbasiertes Strategiespiel in knuddeliger Optik sucht und drachen- oder dinoähnliches Getier eigentlich ebenfalls viel Lieber zum Freund als zum Feind haben will, sollte sich Monster Hunter: Stories nicht entgehen lassen.

What Remains of Edith Finch

Der Tod ist ein fester Bestandteil des Lebens, das weiß niemand so gut wie Familie Finch. Die leidet unter einem Fluch, der all ihre Mitglieder unter unglücklichen Umständen mehr oder minder frühzeitig ins Grab schickt. Ihr skurriles Anwesen erkundet ihr in diesem stimmungsvollen Adventure, das euch durch viele unterschiedliche Gameplay-Szenarien schickt.

What Remains of Edith Finch verwandelt euch in eine Katze oder ein Monster, lässt euch durch ein Comicbuch spielen und bietet die beste Umsetzung einer Traumsequenz, die ich jemals in einem Videospiel gesehen habe.

Im Zentrum steht die schwarzhumorige Familiengeschichte der Finches, auf deren Spuren ihr euch begebt. Jedes Zimmer im Haus gehört zu einem anderen ihrer Mitglieder und wurde nach deren Tod versiegelt, sodass es gewissermaßen eine Zeitkapsel darstellt. Wer auf düster angehauchte Spiele steht und tief in einer fantastisch erzählten Geschichte versinken möchte, darf sich What Remains of Edith Finch nicht durch die Lappen gehen lassen.

The Surge

The Surge richtet sich an alle Fans der erbarmungslosen Rollenspielreihe Dark Souls. Statt in einer düsteren Fantasy-Welt als Ritter gegen dämonische Mächte anzutreten, findet ihr euch dort aber in einer postapokalyptischen Zukunftswelt wieder.

Dort stapft ihr in einem mechanischen Anzug umher, den ihr mit verschiedensten Waffen ausstatten könnt und bekommt es mit ebensolchen Gegnern und Robotern zu tun. Diese zerlegt ihr im Nahkampf und könnt deren Bauteile wiederum nutzen, um euren Helden zu verbessern.

Wie auch Dark Souls verzeiht The Surge dabei aber wenige Fehler, sodass das Abenteuer ruckzuck vorbei sein kann, wenn ihr unüberlegt in einen Kampf stürmt. Entwickler Deck13 hat bereits mit Lords of the Fallen gezeigt, dass er dieses Konzept gut beherrscht.

Einer der wenigen Kritikpunkte zu Release war der vergleichsweise geringe Umfang. Diesen glichen die Entwickler Anfang Dezember mit einem DLC namens »A Walk in the Park« aus, der nochmal gut vier bis fünf Stunden Spielzeit bringt. Für rund 15 Euro bekommen Fans von knackigem Rollenspiel-Gameplay neue Gegner und vor allem ein cooles Szenario, denn der Spaziergang im Park führt euch auf einen alten Rummel, mit Achterbahnen, Riesenrad und so weiter.

Divinity: Original Sin 2

Entwickler Larian Studios ist ein Haufen Wahnsinniger, anders lässt sich das Rollenspiel Divinity: Original Sin 2 nicht erklären. Das klassische Rollenspiel ist nämlich dermaßen umfangreich, dass es zum einen verwundert, wie rund das Spiel am Ende veröffentlicht wurde. Zum anderen könnt ihr aber problemlos 100 Stunden oder mehr einplanen, wenn ihr ausführlich auf Erkundungstour gehen wollt.

Sechs vorgefertigte Charaktere stehen zur Wahl, wenn ihr das Abenteuer startet oder ihr erstellt euch einen eigenen, den ihr in verschiedenste Richtungen orientieren könnt … ob Mann oder Frau, Mensch, Zwerg, Elf oder Untoter oder Mischungen, alles ist möglich und alles hat Auswirkungen.

So können Untote Leute erschrecken und so an Infos kommen, Elfen wiederum können durch den Verzehr von Toten an deren Erinnerungen kommen andere Rassen können mit Tieren sprechen. All das eröffnet in Quests immer wieder neue Möglichkeiten, sodass ihr das Rollenspiel theoretisch mehrmals durchspielen könnt und immer etwas neues erlebt.

Und als ob das noch nicht genug wäre, könnt ihr in Divinity: Original Sin 2 tatsächlich tun und lassen, was ihr möchtet. Das geht sogar soweit, dass euch das Spiel keine Einschränkungen gibt, wen ihr um die Ecke bringt. Auch Quest-relevante Figuren dürft ihr beseitigen – etwas, das viele Konkurrenten nicht erlauben –, müsst aber dann auch mit den Konsequenzen in der Geschichte leben. Ein riesiger Sandkasten eben, in dem ihr euch austoben könnt.

Wem dieser Einzelspielerkoloss noch nicht genug ist, der kann das Abenteuer entweder auch im Koop-Modus erleben oder aber den sogenannten Spielleiter-Modus ausprobieren. Dabei ist ein Spieler der Spielleiter, der bestimmt welche Monster und Gefahren im Level wo lauern, während seine Freunde das Gebiet durchstehen müssen – wie in klassischen Pen-&-Paper-Rollenspielen eben.

Hob

Bei Hob sind wir uns ziemlich sicher, dass es bis jetzt an euch vorbeigegangen ist. Das Puzzle-Action-Adventure wurde von einem sehr kleinen Studio entwickelt und bekam vielleicht auch deswegen nicht die Aufmerksamkeit, die es eigentlich verdient hätte. Hob hat nämlich Charme.

Im Spiel startet ihr als namenloser Wichtel in einer wunderschönen, aber aus irgendeinem Grund verlassenen Welt. Während ihr gerade langsam eure Umgebung erkundet und verträumt einen Arm nach einer ulkigen Pflanze ausstreckt, beißt die euch den Arm ab und ihr fallt in Ohnmacht.

Als ihr wieder zu euch kommt, habt ihr eine riesige Metallklaue als Arm und eine ungefähre Ahnung, dass diese Welt wohl aus gutem Grund verlassen ist. Offensichtlich ist hier nicht alles so harmonisch, wie es scheint. Und vor allem gibt es noch viel mehr Welt, als es scheint.

Der Kontinent existiert nämlich auf mehreren Ebenen, die erstmal wieder zusammengefügt werden müssen, um sie überqueren zu können. Dafür müssen Hebelrätsel gelöst, Timingaufgaben bestanden und fieser lila Schleim von diversen wichtigen Knöpfen entfernt werden.

Und dann sind da natürlich noch die Amputationspflanze und ihre sehr mobilen Freunde. Trolle, Zwerge und gemeine Schmeißfliegen tummeln sich auf den Plateaus und machen den freundlicheren Bewohnen das Leben schwer. Zeit für euch, mit eurer Metallklaue und dem Schwert für Ordnung zu sorgen.

Mit der Zeit erlernt ihr neue Techniken und findet neue Bauteile für eure Kralle, mit denen ihr dann weitere Rätsel lösen und neue Bereiche erkunden könnt. Das Besondere an dem Spiel ist, wie sehr alles miteinander verzahnt ist.

Oft erschließt sich erst sehr viel später im Spiel, wie ihr an einem bestimmten Punkt weiterkommt. Trotzdem gibt es kein wirkliches Backtracking. Zum Beispiel könnt ihr einen bestimmten Abfluss nicht öffnen, findet viel später im Spiel aber einen Kanal, der den Abfluss dann mit Wasser speist. Aber ihr müsst nicht den ganzen Weg wieder zurück, sondern wandert stattdessen am anderen Ufer entlang, das euch bis dahin noch verschlossen war.

Mit einer bezaubernden aber tödlichen Welt, klugen Rätseln und einem ganzen Batzen voller Aha-Momente macht Hob vor allem Fans von Adventures und Puzzle-Plattformern glücklich.

Okami HD

Okami kam bereits vor einiger Zeit heraus, genauer schon 2007. Zehn Jahre später wurde es aber noch einmal generalüberholt und glänzt jetzt in feiner HD-Grafik.

Seine Jahre merkt man dem Spiel aber nicht an. Die Cel-Shading-Optik, durch die Okami HD eher wie ein Gemälde als ein Videospiel wirkt, verleiht dem Spiel eine gewisse Zeitlosigkeit.

Die Ähnlichkeit zu japanischer Kunst der Kaiserzeit ist übrigens gewollt: Schließlich orientiert sich das gesamte Spiel an Sumi-e, der Tuschezeichentechnik aus dem frühen Japan.

In Okami HD spielen wir die Sonnengöttin Amaterasu, eine der bedeutendsten Gottheiten des Shintoismus. Sie ist – in der Gestalt eines weißen Wolfes – auf die Erde gekommen um die Welt vor dem bösen Dämonen Orochi zu befreien.

Der wurde nämlich nur durch ein Schwert Amaterasus von der Welt ferngehalten. Das hat jetzt jedoch einer geklaut und Ororchi ist zurück. Um ihn zu besiegen, muss Amaterasu die Wächtersprösslinge heilen, neue Kampftechniken erlernen und sich in quer durch Japan verteilten Dungeons diversen Feinden stellen.

Die Kämpfe sind zwar meist optional, ihr solltet sie aber trotzdem nicht überspringen. Schließlich sind gerade sie das, was Okami HD so besonders macht. Amaterasus stärkste Waffe ist nämlich der göttliche Pinsel, mit dem sie ihre Feine bekämpft. »Die Feder ist mächtiger als das Schwert« wird hier nämlich wörtlich verstanden.

Mit einem Pinselstrich werden Verteidigungen durchbrochen, Feinde verwirrt und mit mächtigen Angriffen zu Boden geschickt. Aber auch im normalen Spiel bringt uns ein kräftiger Farbklecks weiter: Der göttliche Pinsel repariert zum Beispiel Brücken über Schluchten, die uns sonst den Weg versperrt hätten oder hilft uns, mächtige Winde heraufzubeschwören.

Okami HD ist deswegen so spannend, weil die Pinseltechnik den Grundstoff für sehr kluger Rätsel liefert. Mehr als einmal müssen wir um die Ecke denken, um weiterzukommen. Der Grafikstil setzt es außerdem stark von anderen Puzzleadventures ab. Wer mal wieder etwas ganz anderes als noch ein Zelda oder noch ein Mario spielen will, der wird mit Okami HD definitiv glücklich.

Cuphead

Ob Cuphead nun ein Geheimtipp ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. Die Entwickler melden zwar immer wieder freudig neue Verkaufsrekorde für das Microsoft-exklusive Spiel, aber dennoch scheint der Genremix ein wenig unter dem Radar zu fliegen.

Das allerdings vollkommen unberechtigt. Jeder, der eine Xbox oder einen PC hat, sollte sich der Herausforderung Cuphead zumindest einmal gestellt haben. In Cuphead geht es darum, dass der Titelheld beim Würfeln gegen den Teufel seine Seele sowie die seines Bruders Mugman verloren hat. Um sie zu behalten, müssen sie die Seelen anderer Schuldner des Teufels einsammeln.

Der Mix aus Plattformer und Shoot’em Up fordert von seinen Spielern vor allem eines: eine hohe Frusttoleranz. In einem Shop kann man für erspielte Münzen zwar mehr Leben oder neue Schussarten kaufen, overpowered wird man dadurch aber trotzdem nie.

Fehler verzeiht das Spiel so gut wie nicht, vor allem dann, wenn man es alleine spielt. Steigt ihr zu zweit in den Ring, kann man sich wenigstens gegenseitig wiederbeleben – allerdings nur, wenn man schnell genug ist.

Während Cuphead auf der einen Seite knüppelhart ist, belohnt es den Spieler auf der anderen Seite mit jeder Menge Charme. Der Zeichenstil ist an die frühen Cartoons um Mickey Maus und Co. aus den 1930er Jahren angelehnt, inklusive altersbedingter Bildfehler und leichtem Rauschen. Und auch der eigens für das Spiel komponierte Jazz-Soundtrack sorgt für jede Menge Atmosphäre.

Cat Quest

In einer Zeit, in der YouTube wohl zur Hälfte aus Katzenvideos besteht, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Stubentiger auch häufiger in Spielen auftauchen – und zwar nicht nur als knuddeliges Beiwerk, das gekrault werden kann. Natürlich gibt es da zum Beispiel die Khajiit in den Spielen der Elder-Scrolls-Reihe oder auch die Palico aus Monster Hunter, aber 2017 wurde den Fellnasen ein ganzes Rollenspiel gewidmet: Cat Quest.

Darin hat der Spieler keine geringere Aufgabe, als seine entführte Schwester sowie das ganze Katzenkönigreich zu retten. Dabei stellen sich einem natürlich diverse Monster (sogar Drachen) und jede Menge Wortwitze in den Weg.

Die Kämpfe in Cat Quest laufen in Echtzeit ab und durch diverse Zauber wird der flauschige Held mit der Zeit immer stärker, kann davon allerdings nicht beliebig viele ausgerüstet haben. Wie es sich für ein Rollenspiel gehört gibt es unterwegs jede Menge Beute einzusammeln, außerdem warten in der offenen Welt auch zahlreiche Höhlen darauf, erkundet zu werden.

Wer also Katzen mag und/oder einen Faible für Wortwitze hat, hat mit Cat Quest auf jeden Fall seine Freude.

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Constanze Thiel
Constanze Thiel

Winterkind. Superbeast. Lipstick stains & video games. Mother of Xenomorphs. Fährt am Wochenende gerne mit ihren Pokémon raus nach Silent Hill.