eSport und Fußballvereine: Wie sinnvoll ist das Engagement?

Fußballvereine investieren zunehmend in eSport-Teams. Die Szene ist gespalten: Helfen oder beschädigen Wolfsburg, Schalke & Co. den eSport?

  • von eSport Studio am 07.11.2016, 9:31 Uhr

Tatsächlich gibt’s eSport-interessierte Fußballklubs schon lange: 2006 nahm Hertha BSC Berlin den FIFA-Spieler Javkhlan Tahery unter seine Fittiche und schrieb damit eSport-Geschichte. Bis der nächste deutsche Verein diesen Schritt wagte, verging allerdings eine Weile. Erst 2015 traute sich der VfL Wolfsburg und verpflichtete Benedikt ‘Salz0r’ Saltzer sowie Daniel Fink, wobei dieser das Team Ende des Jahres schon wieder verließ.

Wenig später zog auch der FC Schalke 04 nach, und heute scheint der Trend nicht mehr zu stoppen. Fußballvereine sehen Potenzial im digitalen Markt und wollen eine neue, junge Zielgruppe erreichen. Mehr und mehr Vereine interessieren sich für eSport: Manchester City, Ajax Amsterdam, AS Monaco oder kürzlich sogar Paris Saint-Germain.

Vor allem aber die Königsblauen sorgten ab Stunde 1 im eSport für einen ungeheuren Medientumult. Denn Schalke ging noch einen Schritt weiter als die Konkurrenz: Anstatt mit FIFA zu starten, verpflichtete man ein League of Legends-Team und wurde zum ersten Fußballverein in der League of Legends Championship Series (LCS).

Von Aufmerksamkeit, Geld und Professionalität

Beim Einstieg machte Schalke sofort alles richtig: Die Medien wurden zu einer offiziellen Pressekonferenz eingeladen, um die wichtigsten Fragen zu klären. Dabei ging es vor allem um die Ambitionen, die Methoden und die Beweggründe. Der Verein sorgte von Anfang an für eine Transparenz, die bisher so im eSport nicht zu erleben war.

Fans müssen sich Informationen normalerweise nämlich selbst zusammensuchen, da Teams selten offizielle Statements veröffentlichen oder Fragen beantworten. Oft sind es die Spieler selbst, die über ihre eigenen Social Media-Kanäle mitteilen, dass sie von einem Team entlassen wurden. Viele Teams aktualisieren nicht mal ihre eigenen Internetseiten.

Schalke handhabte das anders, gab sogar wöchentliche Pressemitteilungen zu den LCS-Spielen des Teams heraus. Aber nicht nur um Transparenz ist man bei den ehrwürdigen Clubs bemüht: Professionalität und Stabilität sind zwei weitere wichtige Säulen. Spieler von Schalke, Sporting Monaco & Co. müssen sich keine Sorgen um ausbleibende Gehälter machen. Was im eSport durchaus mal vorkommt: Erst dieses Jahr bannte Riot Games ein Team aus der nordamerikanischen LCS, da Spielergehälter nicht gezahlt werden konnten.

Die großen Fußballklubs haben sich über Jahre einen Ruf erarbeitet, den sie nicht mit Unprofessionalität im eSport riskieren wollen. Spieler werden mit Respekt behandelt, Deals nur mit ausreichend Budget geschlossen und professionelle Strukturen für die Gamer geschaffen. Das ist eine Seriosität, die auch bei anderen eSport-Teams wünschenswert wäre.

eSport in der Mitte der Gesellschaft

Bei der Schalker Pressekonferenz wurde ein zweiter wichtiger Aspekt deutlich: Hier saßen nicht nur eSport-Medien im Publikum, sondern auch Lokalzeitungen und Fernsehsender. Der Einstieg von traditionellen Sportvereinen in den eSport setzt ein deutliches Zeichen, denn plötzlich interessieren sich auch Nachrichten-Medien für das Thema. Sender wie das ZDF beschäftigen sich ernsthaft mit eSport und rücken das Thema in die Mitte der Gesellschaft.

Veraltete Strukturen und konservative Entscheidungen

Doch trotz des überlegten Einstiegs erfuhr der FC Schalke in seiner ersten Saison, dass der eSport nicht wie klassischer Sport funktioniert. Nach nur einer Spielzeit in der europäischen Meisterklasse von League of Legends stieg das Team chancenlos ab.

Was lief da falsch? Ein Problem sind vor allem die veralteten Strukturen: Normalerweise ist es üblich, die LCS-Teams am Austragungsort in Berlin unterzubringen. Die Königsblauen nutzen jedoch ihre Infrastruktur und beherbergen die eigenen Jungs in der Veltins-Arena. Dies führt zu langen Fahrten von Gelsenkirchen nach Berlin, welche eventuell besser als Trainings- oder Erholungszeit genutzt werden könnten.

Das ewige Sorgenkind Counter-Strike: Global Offensive

Die strukturellen Probleme werden vor allem bei Shooter-Spielen deutlich. Seit Jahren wehrt sich die Szene gegen das Klischee des Killerspiels, das bei Fußballvereinen leider noch immer aktuell ist. Der FC Schalke 04 gab von Anfang an deutlich zu verstehen, dass vor allem CS:GO nicht zu dem Verein passe. Auch Klubs wie Manchester City, Sporting Lissabon oder die Philadelphia 76ers trauten sich bisher nicht an den Shooter.

Dabei lässt es sich nicht leugnen, dass Counter-Strike gerade in einer Blütezeit ist und zu den erfolgreichsten eSport-Titeln unserer Zeit zählt. Fußballklubs sollten sich dem Titel nicht verschließen und eventuell sogar helfen, das Klischee durch ihre Teilnahme aus den Köpfen der Gesellschaft zu verbannen.

Unterm Strich lässt sich sagen, dass der eSport vom Interesse klassischer Vereine profitiert. Die mediale Aufmerksamkeit ist größer und Fußballklubs helfen, eine dringend nötige Professionalität zu etablieren. Trotzdem müssen Paris Saint-Germain, Schalke, Manchester City & Co. ihre alten Paradigmen ablegen und sich auf den eSport einlassen. Dann klappt es hoffentlich auch mit den Erfolgen.

 

Von Kristin Banse

eSport Studio
eSport Studio

Das Ziel des mittlerweile 20-köpfigen Teams des eSport Studios ist es, den eSport zusammen mit seinen Partnern multimedial erlebbar zu machen! Die in Hamburg ansässige Redaktion berichtet in Zusammenarbeit mit starken Partnern über das alltägliche eSport-Geschehen.