Enttäuschungen 2017: Darüber haben wir uns in diesem Jahr geärgert

Natürlich gab es im Spielejahr 2017 auch Titel oder Ereignisse, welche unsere Redakteure enttäuscht haben. Was uns genervt hat und warum, das verraten wir euch hier.

  • von Sebastian Weber am 18.12.2017, 16:43 Uhr

Dabei kann es mal ein ganzes Spiel sein, das uns trotz Vorfreude auf den Senkel ging, mal eine bestimmte Spielmechanik, mal irgendeine Firmenentscheidung. Bei den Einschätzungen handelt es sich dabei um ganz persönliche Meinungen unserer Redakteure und Redakteurinnen.

Need for Speed Payback: Tuning, das kein Tuning ist

Need for Speed Payback könnte der wahr gewordene Traum eines jeden Fast-&-Furious-Fans sein. Immerhin umfasst das Rennspiel jede Menge cooler Flitzer – inklusive legendärer Rennwagen – und bietet zudem eine actionreiche Story, tolle Grafik und jede Menge Tuning-Möglichkeiten. Zumindest, wenn es euch genügt, eure Boliden optisch aufzuwerten.

Hier gibt Need for Speed Payback jede Menge Gas und erlaubt euch die kuriosesten Kombinationen von Spoilern, Unterbodenbeleuchtungen, Felgen und so weiter. Die Sachen müsst ihr zwar mit Herausforderungen in der Spielwelt erst freischalten und dann mit ordentlich Fantasiekohle finanzieren – aber immerhin ist das optische Tuning ein System, wie man es eben aus Need for Speed kennt.

Das Performance-Tuning allerdings basiert auf sogenannten Speedcards. Das sind im Grunde Sammelkarten, von denen ihr immer eine bekommt, wenn ihr ein Rennen gewinnt oder die ihr auch kaufen könnt (gegen echtes Geld). Einfluss darauf, welche Speedcard ihr da aber so bekommt – also sei es als Belohnung oder gegen bare Münze – habt ihr nicht.

So verkommt das eigentlich relevante Tuning in Need for Speed Payback zum Glücksspiel. Das zwingt zumindest all diejenigen Spieler, die keine hart verdienten Euronen zusätzlich ausgeben möchten, dazu, so manches Rennen wieder und wieder zu bestreiten, nur um dann im schlimmsten Fall eine lausige, nicht zu gebrauchende Speedcard zu bekommen.

Erwartet hätte ich dagegen ein klassisches System. Hier mal neue Reifen freischalten, da mal ein Motortuning und so weiter. Immer die Werte vergleichen, einen Anreiz haben, bestimmte Rennen vielleicht zu wagen, weil eine coole Belohnung winkt. So bekomme ich Karten, auf die ich keinen Einfluss habe und deren System ich auch erst verstehen musste. Für mich eine echt vergebene Chance.

Klar, EA ist nach dem Lootbox-Skandal in Star Wars: Battlefront 2 als ein gebranntes Kind verschrien und den Spielern angeblich nur das Geld aus den Taschen ziehen zu wollen. Gleichzeitig kann ich aber natürlich verstehen, dass heutige Spieleproduktionen, die schnell zweistellige Millionensummen verschlingen (oder mehr) irgendwie finanziert werden müssen.

Das Gute an Need for Speed ist, dass der Kauf von Speedcards rein optional ist und lediglich einen Geschwindigkeitsvorteil bringt … für mich hat es Need für Speed Payback aber ziemlich schnell ziemlich eintönig gemacht. Denn immer die gleichen Pisten abgrasen zu müssen, um endlich in der Geschichte voranzukommen, ist für mich zu viel Fleißarbeit für meine begrenzte Freizeit.

von Sebastian Weber

Outlast 2 & der Fall ins Bodenlose

Ihr habt gar keine Ahnung, wie glücklich ich darüber war, Outlast 2 Anfang des Jahres in den Händen zu halten. Nach einer Nacht, die ich mit dem Spiel verbrachte, gab’s bei mir aber keine Freudentränen – viel mehr herrschte Fassungslosigkeit darüber, dass mir die maßlosteste Enttäuschung 2017 genau vor die Füße gefallen war.

Das Survival-Horrorspiel trieft vor plumper Klischees, Gewaltdarstellungen und Ekelfaktor. Die Story ist unausgewogen, die Spielerführung schlecht, der rote Faden fehlt und das Finale ist mehr als unbefriedigend. Repetitive Puzzles sowie Bugs gaben Outlast 2 den Rest und begruben mich unter Wogen der Frustration, anstatt mich in Panik-Zustände zu versetzen.

Als großer Fan des ersten Teils – den ich sogar für das bessere Resident Evil halte – fehlten für mich Rückbezüge auf den Vorgänger und dessen intelligente Art, bewusst mit Horrorklischees zu spielen. Macht mich bis heute abgrundtief traurig.

Von Constanze Thiel

Nintendo Switch & Kinderkrankheiten

Handhelds sind eine feine Sache. Das weiß ich, seitdem ich in den 90er Jahren meinen ersten klobigen Game Boy in den Händen gehalten habe.

Deshalb war ich umso gespannter auf die Nintendo Switch – also auf ein Konsolen-Konzept, das einen Handheld mit einer stationären Konsole verbindet. Gekauft habe ich mir selbst bis heute keine.

Meiner Meinung nach hat die Switch einfach zu viele Schwachpunkte: Ihr Speicher ist für meinen Geschmack von Haus aus zu klein, die Akkulaufzeit halte ich für zu gering, bei den dafür verfügbaren Spielen hat sich Nintendo meiner Meinung nach zu wenig Neues getraut.

Berichte, laut denen die Docking-Station den Touchscreen zerkratzt, der Akku Probleme machen und noch weitere Hardware-Probleme auftreten sollen, haben mich außerdem abgeschreckt.

Wenn Nintendo das Konzept beibehält und es in seiner nächsten Generation schaffen würde, diese Kritikpunkte aus dem Weg zu räumen, wäre ich mit Kusshand bereit, dieser Konsole ein wohlbehütetes Heim zu geben. Spätestens wenn die nächsten Pokémon-Spiele der Hauptreihe rauskommen, wird’s eh Zeit dafür.

Von Constanze Thiel

Star Wars: Battlefront 2

Seit zwei Jahren beschäftigte mich in meinem Leben gefühlt nur mehr eine Frage: Was passiert in Star Wars Episode 8? Und dann, einen Monat vor Kinostart, die Erlösung. Star Wars: Battlefront 2.

Mit Singleplayer-Kampagne, allen Epochen im Multiplayer, einer Vielzahl von neuen Planeten, mehr Helden und kostenlosem Content in der Zukunft. So verkürzt sich nicht nur meine Wartezeit, sondern ich bin auch mindestens bis zum nächsten Film versorgt. Ihr meint, das kann gar nicht schiefgehen? Doch! Kann es! Und wie!

Die Qualität von Star Wars: Battlefront 2 ist an dieser Stelle eigentlich schnell abgehandelt: Clevere Weiterentwicklung des ersten Teils, mehr Inhalte, gute Verbesserungen, ein Muss für Fans des Vorgängers.

Viel wichtiger ist hier wieder einmal, was vor Release passierte. Gemeinsam mit der Ankündigung, diesmal auf einen kostenpflichtigen Season Pass zu verzichten, erhielten wir auch die Information, dass es Lootboxen geben wird, die die Finanzierung kostenloser Inhalte sicherstellen sollen.

Klingt gut, war es aber nicht, denn das System erschien vielen als billiges Pay2Win. Das Resultat? Shitstorm, negative Presse, Glücksspielverdacht, Aufmerksamkeit der Politik.

Zwar hat Publisher EA die Lootboxen kurzerhand ganz entfernt und eine Rückkehr ist ebenfalls nur unter deutliche abgeschwächten Bedingungen im Gespräch, der Schaden für uns Spieler ist aber bereits entstanden.

Einerseits ist nun nicht mehr auszuschließen, dass es in Zukunft eine strengere politische Regulierung von Videospielen generell gibt, weil Behörden hier Glücksspiel vermuten und solche Praktiken verbieten wollen.

Andererseits zittern diejenigen unter uns, die mit Star Wars Battlefront 2 tatsächlich Spaß haben, darum, ob es überhaupt noch kostenlose Erweiterungen geben wird, wenn sich der Titel aufgrund der negativen Presse nicht gut verkauft. Am Ende haben also irgendwie alle verloren.

Von Lukas Lackner

Mass Effect Andromeda

Das Jahr 2017 hätte für mich als Mass Effect-Liebhaber ein Highlight werden sollen, schließlich stand mit Mass Effect Andromeda ein weiterer Teil der Erfolgsserie in den Startlöchern.

Erfolgsserie? Weiterer Teil? Jetzt, am Ende des Jahres, haben diese Wörter eigentlich nichts mehr mit Mass Effect zu tun und machen den Titel für mich damit zu einem absoluten Reinfall im Jahr 2017.

Das Ironische an dieser Situation ist, dass Mass Effect Andromeda selbst nur bedingt mit diesem Debakel zu tun hat. Klar, das lineare Gameplay, das ihr seit dem ersten Teil kanntet wurde durch eine nicht unbedingt immer sinnvoll gefüllte Open World ersetzt.

Und klar, das ist eigentlich auch schon Grund genug, um das Spiel links liegen zu lassen, vor allem wenn es andere und gleichzeitig ältere Titel gibt (hat hier jemand The Witcher 3 gesagt?), die das deutlich besser machen. Trotzdem gab es nach wie vor viele Fans, die ihren Spaß mit Mass Effect Andromeda hatten, denn es ist und bleibt definitiv kein schlechtes Spiel.

Warum ist Mass Effect Andromeda für mich trotzdem eine Enttäuschung des Jahres 2017? Dafür gibt es viele Gründe, zum Beispiel einen Shitstorm wegen angeblich veralteter Animationen, der noch vor Release durch die Medien ging.

Auch die Reviews der Presse fielen durchwachsen aus, so dass die logische Konsequenz nur eine Frage der Zeit war. Zuerst wurden jegliche Singleplayer-DLCs abgesagt, dann auch noch die gesamte Spieleserie auf Eis gelegt. Das ist für jeden Fan von Rollenspielen definitiv eine Enttäuschung.

Von Lukas Lackner

Destiny 2

Ich habe nichts gegen Recycling. Es sei denn, ich bekomme eine beschnittene Kopie eines Videospiels als vollwertigen Nachfolger verkauft. Bungie hat es für mich bei Destiny 2 mit der Wiederverwertung alten Materials übertrieben.

Schon beim »König der Besessenen«-DLC von Destiny 1 erschien mir Bungie ein wenig faul, was das Design der »neuen« Gegnerrasse betraf. Aber OK, das war eben auch nur ein DLC.

Beim Sequel hatte ich aber definitiv mehr echte Neuerungen erwartet. Stattdessen kämpfe ich immer noch gegen Gefallene, die Schar, Kabale, Vex und Besessene. Die neuen Verhaltensweisen einzelner Gegnertypen sind an ein paar Fingern abgezählt und verlangen mir nicht wirklich neue Taktiken ab.

Auch das Waffen-Recycling stört mich. Brauche ich wirklich wieder das MIDA-Multiwerkzeug? Nein. Eigentlich hatte ich mich auf komplett neue Waffen gefreut, besonders nachdem klar wurde, dass ich zwar das Aussehen meines Destiny-1-Hüters, nicht aber seine Ausrüstung mit in den Nachfolger nehmen können würde.

Aber damit nicht genug. Eine Menge der Waffenmodelle wurden aus dem ersten Teil übernommen, die neuen Waffengattungen sind meiner bescheidenen Meinung nach ebenso unbrauchbar wie überflüssig.

Dazu hat Bungie die Jagd nach neuer Ausrüstung für mich völlig entzaubert. Ich bekomme bereits während der Kampagne meine ersten Exotics? Ernsthaft? Diese Gegenstände sind doch EXOTISCH, also etwas Besonderes.

Als ich bei meinem rund 50. Atheon-Kill in Teil 1 endlich die Vex Mythoclast bekam, habe ich mich gefreut wie selten in einem Videospiel – solche Momente fehlen mir in Destiny 2 völlig.

Ähnlich sehe ich den Wegfall der Zufallsperks bei den legendären Waffen und was ich vom Token-System halte, könnt ihr euch sicherlich auch denken.

Und wäre das nicht schon schlimm genug, finde ich das Endgame ebenso dünn wie schwach. Der Raid? Für mich kein Vergleich zum leider vergangenen Glanz der gläsernen Kammer. Die Prüfungen der 9, das Eisenbanner? Nichts Besonderes mehr, schließlich sind Levelvorteile dort analog zum normalen PvP ebenfalls deaktiviert.

Es gibt für mich einfach zu wenig, das mich in Destiny 2 zum Sammeln von Ausrüstung, ja zum Weiterspielen an sich motiviert. Selbst die Grimoire-Punkte, die eigentlich nur ein rein optionaler Fortschrittsanzeiger waren, wurden aus dem Spiel entfernt. Warum nur, Bungie?

Aber viel zu sehen gibt es ja sowieso nicht. Die Spielwelt fühlt sich immer noch klein an, manche Gebiete erinnern mich viel zu sehr an Teil eins – sicher auch weil sich grafisch auch nicht allzu viel getan hat. 

Von Oliver Schmiedchen (Redakteur VR-World.com)

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Sebastian Weber
Sebastian Weber

Seit den ersten Pixelmännchen auf einem Commodore PET, liebt Sebastian Videospiele und hat heute vom PC, über Xbox One, PlayStation 4 bis hin zur Nintendo Switch alles zu Hause stehen, was virtuelle Welten auf den Bildschirm bringt. Dabei sind vor allem Rollenspiele und Action-Titel die erste Wahl.