Cyberpunk 2077: Der Traum aller Science-Fiction-Fans

Nach The Witcher 3: Wild Hunt widmet sich CD Projekt Red einer neuen Marke. Statt Fantasy-Mittelalter heißt es dystopische Zukunft, statt Schwerter setzt Cyberpunk 2077 vor allem auf Pistolen. Was ihr sonst noch wissen müsst, erfahrt ihr in unserer Vorschau.

  • von Jonas Gössling am 25.08.2018, 0:18 Uhr
Cyberpunk 2077

Bei den ersten Demonstrationen von The Witcher 3: Wild Hunt waren wohl viele Zuschauer noch skeptisch. Nach den linearen ersten beiden Teilen will Entwickler CD Projekt Red eine Open World aus der Marke machen, und dann gleich eine der größten und ambitioniertesten? Doch alle berechtigten Zweifel hat das Studio zum Release zerstreut und einen Meilenstein des Genres geschaffen.

Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an das nächste große Projekt der Entwickler. Cyberpunk 2077 stellt dabei nicht nur eine willkommene Abwechslung im Portfolio dar, es ist einmal mehr ein Griff nach den Sternen. Mehr Entscheidungen, mehr Konsequenzen und vor allem mehr Rollenspiel sollen den Titel zum unangefochtenen Primus machen. Ein Plan, der tatsächlich aufgehen könnte.

Ein waschechtes Rollenspiel

In Cyberpunk 2077 werdet ihr V steuern. Wer das ist? Wer immer ihr wollt. Denn erstmals dürft ihr in einem CD Projekt-Spiel eure Figur selbst zusammenbauen. Aussehen, Herkunft, Geschlecht, das alles ist eure Entscheidung und soll sich auch auf die Geschichte auswirken. Nur der Name, der bleibt wegen der Vertonung immer gleich.

Feste Klassen wird es zudem nicht geben. Ihr könnt einen Hacker mit dem Talent fürs quasseln, oder einen schleichenden Nahkämpfer heranzüchten – eure Figur soll sich komplett euren Vorstellungen anpassen. Dafür verfeinert ihr eure Fertigkeiten in den Bereichen Kampf, Technik und Netrunning, was im Grunde die Hacking-Fähigkeit darstellt.

Die 50-minütige Gameplay-Session beginnt mit einem männlichen V und seinem Kumpel Jackie. Die beiden versuchen in der riesigen Metropole Night City ihren Lebensunterhalt als Gangster zu finanzieren – und das bei Tag. Um »Eddies«, Slang für Euro-Dollars, zu erhalten, suchen sie in der ersten kleinen Mission eine Dame in einem Apartment-Komplex.

Natürlich geht das nicht ohne Probleme und eine Gruppe Scavanger, die die Frau entführt haben und ihre Implantate ernten und verkaufen wollen, greift V an. Cyberpunk 2077 findet komplett in der Ego-Perspektive statt, dementsprechend mutet das erste Gefecht wie ein typisches Shooter-Geballer an.

Allerdings merkt man schon hier, dass der Titel eben im Kern ein waschechtes Rollenspiel bleibt. Statistiken wirken sich direkt aus: Die Gegner besitzen etwa Lebensanzeigen, wir können uns mit einem Inhalator einen kurzzeitigen Boost verleihen und so zum Beispiel die Zeit langsamer ablaufen lassen. Dann sind auch mehrere Gegner keine Probleme mehr.

Deus Ex¹⁰⁰⁰

Nachdem Jackie und V die Dame retten konnten, springt das Geschehen ins Apartment von V, wo ein nackter Mann grade das Zimmer verlässt. Denn diese Variante der Hauptfigur liebt sein eigenes Geschlecht. Ihr werdet im fertigen Spiel selbst bestimmen dürfen, für wen V Gefühle empfindet und ebenfalls Romanzen anfangen.

Doch nach den schönen Seiten des Lebens ruft wieder der Ernst des Lebens. Jackie hat schon einen neuen Auftrag an Land gezogen und will sich mit dem Protagonisten treffen. Also rennt der durch einen unglaublich detaillierten Gebäudekomplex und fährt anschließend mit dem Fahrstuhl auf den Boden. Alleine diese kleine Reise dauert mehrere Minuten, ist aber nur ein Bruchteil der eigentlichen Welt.

Denn unten angekommen erwartet euch eine Kulisse, wie sie hübscher nicht sein könnte. Die Stadt scheint geradezu aus Deus Ex: Mankind Divided zu stammen, nur das sie farbenfroher ist. Generell erinnert Cyberpunk mit seiner Perspektive und seinem Rollenspielystem an die altbekannte Spielereihe. So lässt sich V bei seinem Bekannten Victor etwa ein neues Auge verpassen, mit dem er die Umgebung scannen kann und dank Augmentation in der Hand weiß er immer, wie viel Munition er in der Waffe noch hat.

Das kommt Fans der alten Spiele-Serie sehr bekannt vor, nur erweitert Cyberpunk 2077 diese Ansätze an jeder Ecke um das Vielfache, vor allem bei der Welt an sich. Wo ihr in Deus Ex in einem kleinen Areal unterwegs seid, gibt es in Night City keine Grenzen. Ihr werdet mit dem Auto einfach aus dem Bezirk herausfahren und einen von sechs weiteren besuchen können.

Hier stößt V auch schon auf die erste Konsequenz. Die restlichen Scavenger greifen den Protagonisten auf der Straße aus einem anderen Wagen an – alles völlig dynamisch. Das Fahrzeug dürft ihr dann ausnahmsweise auch aus der Third-Person-Perspektive steuern.

Ein Weg, viele Entscheidungen

Oder ihr lasst euch fahren, etwa vom Auftraggeber Dexter Deshawn. Der ist ein Fixer, also ein Krimineller, der es geschafft hat reich zu werden. Außerdem hat er besagte neue Mission parat – zumindest nach einem Test. Die stark und teils bis zur Unkenntlichkeit augmentierte Gang Maelstrom hat den Konzern Militech erfolgreich überfallen. Und von diesem Raub, will Dex einen Spiderbot. Wie ihr den bekommt, ist ihm egal. Aber danach verspricht er V eine langfristige geschäftliche Beziehung.

Ihr könntet etwa einfach zum Versteck der Bande fahren und versuchen das Gerät zu kaufen. Aber woher das Geld dafür nehmen? Alternativ – und auch die Variante, die gezeigt wurde – stattet V Meredith Stout einen Besuch ab. Die arbeitet für die Konzerne und soll die gestohlenen Güter wiederbeschaffen. Auch hier könnt ihr im fertigen Spiel aggressiv, oder ruhig vorgehen.

Weil V in der Demonstration noch sehr schwach ist, versucht er einen Deal auszuhandeln und tatsächlich klappt das. Er soll seinen Spiderbot mit einem verseuchten Chip kaufen. Wenn ihr wollt, behaltet ihr das Geld selbst, immerhin sind das ganze 50.000 Eddies. Damit kann man sich so Einiges kaufen.

Oder ihr geht zu Royce, Anführer der Maelstroms und seines Zeichens so stark augmentiert, dass das halbe Gesicht fehlt und mit glühenden Augmentationen ausgestattet ist. Hier könnt ihr die halbe Maschine warnen, es aber auch bleiben lassen. Im Falle der Demo ist V still geblieben, der Virus hat seine Arbeit gemacht und es entbrennt ein Kampf. Einer von vielen Ausgängen.

Jeder kämpft, wie er will

Dass sich die Kämpfe einem guten Ego-Shooter entsprungen sein könnten, wisst ihr schon. Aber hinter den Schießereien steckt noch viel mehr. Denn zunächst einmal spielt die richtige Bewaffnung eine Rolle. Neben der Standard-Pistole bekommt V etwa auch eine Tech-Shotgun in die Hände.

Das Besondere an dem Gewehr: Sie schießt durch sämtliche Materialien hindurch. Ladet ihr den Schuss auf, kann der Feind auch hinter Metall stehen und ihr erwischt ihn trotzdem. Eine Modifikation für die Pistole sorgt an anderer Stelle dafür, dass V über sein Augenimplantat angezeigt bekommt, wo er hinschießen soll, wenn die Kugel von der Wand abprallen und dann das Fleisch des Gegenübers malträtieren soll.

Auch Fans von Alien kommen auf ihre Kosten, wenn der Protagonist dank zielsuchender Waffen nur noch ungefähr in die Richtung der Feinde ballern muss. Alleine dadurch versprechen die Gefechte variantenreich, unterhaltsam und anspruchsvoll zu bleiben – und dazu gesellen sich dann noch die ganzen Augmentationen.

Ihr könnt Feinde hacken und so dafür sorgen, dass ihre Waffen gar nicht erst angehen. Ihr könnt die aus dem ersten Teaser bekannten Klingen aus dem Arm ausfahren, damit an eine Wand springen und euch daran entlanghangeln. Eurer Kreativität sollen im fertigen Spiel keine Grenzen gesetzt werden.

Und so erlegt V letzten Endes auch noch Royce, bekommt seinen Spiderbot, macht sowohl Stout als auch Dexter und in naher Zukunft vermutlich auch alle Spieler vor den Bildschirmen glücklich.

Jonas Gössling

Einschätzung

Cyberpunk 2077 erinnert wohlig an Deus Ex, toppt das aber in nahezu jeder Beziehung. Die Welt ist nicht nur ein kleiner Ausschnitt. Die Figur ist nicht festgelegt und entspricht euren Wünschen. Die Augmentationen sind zahlreicher, euer Spielstil individueller. Bei so vielen Ambitionen kann man eigentlich leicht skeptisch werden.

Da CD Projekt Red aber bereits bewiesen hat, dass sie ihr Handwerk beherrschen und wir das alles schon gesehen haben, könnte der Titel genau das Meisterwerk werden, was sich alle erhoffen. Die Menschenmassen basieren auf einem weiterentwickelten System aus The Witcher 3, die Engine ebenfalls – das kommt eben nicht alles aus dem Nichts, sondern ist die logische Konsequenz. Hoffen wir, dass das auch fürs fertige Spiel gilt.

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Jonas Gössling
Jonas Gössling

Jonas liebt Computerspiele, Videospiele - er hat einfach generell viel lieb. Vor allem die Wandlung und die Hintergründe des Mediums fasziniert ihn mit zunehmenden Alter immer mehr und sorgt bei ihm für einiges an Trivia-Wissen.