So spielt sich Biomutant: Ein Fellknäuel rettet die Welt

Ein kleines mutiertes Tier, dass sich mit Waffengewalt durch die Welt kämpft. Klingt ein bisschen wie Rocket Raccoon von den Guardians of the Galaxy, ist aber Biomutant. Und macht jede Menge Spaß.

  • von Patricia Geiger am 04.09.2018, 9:35 Uhr

Mit Biomutant ist bei Publisher THQ Nordic ein Spiel in Arbeit, das viele Genres bedient. Rollenspiel, Action Adventure, Open World mit Nah-, Fern- und Roboterkampf. Wer nun aber befürchtet, dass das Spiel dadurch überfrachtet wird, kann beruhigt aufatmen: Biomutant schafft es, diese Vielzahl von Elementen gelungen unter einen Hut zu bringen.

Der zynische Erzähler

Der Mutant, mit dem ihr die Welt von Biomutant erkundet, teilt das Schicksal zahlreicher großer Videospielhelden und bleibt stumm. Oder besser: Wir verstehen ihn nicht. Alle Wesen der Welt kommunizieren mit doch ziemlich putzigen Quietschlauten miteinander. Wir erfahren aber trotzdem, was sie sagen – dafür sorgt ein Erzähler, der das Gequieke für uns zusammenfasst und auch sonst alles kommentiert, was im Spiel so passiert.

In der Gameplay-Demo, die wir auf der Gamescom spielen konnten, war das ziemlich unterhaltsam, allerdings dauerte sie auch nur gut zwanzig Minuten. Wie es sich mit dem Geduldsfaden und den Kommentaren beim fertigen Spiel verhält, bleibt entsprechend abzuwarten. Für ein leichtes Schmunzeln haben die teilweise recht zynischen Kommentare des Erzählers aber immer wieder gesorgt. Insofern dürfte man sich daran auch über den kompletten Spielverlauf eher weniger stören.

Individueller Raufbold

Auf den Artworks zu Biomutant ist zwar ein einzelner Held zu sehen, allerdings ist das nur eine von zahlreichen Möglichkeiten, wie die Hauptfigur tatsächlich aussehen kann. Ein Charaktereditor zu Spielbeginn lässt uns nicht nur die Fellfarbe und -länge festlegen, sondern auch die Charakterwerte anpassen.

Und selbst die wirken sich auf das Äußere der Spielfigur aus. Geben wir besonders viele Intelligenzpunkte, wird der Kopf größer, bei weniger Punkten entsprechend kleiner. Hinzu kommt, dass es einige DNA-Presets gibt, die sich dann durch unterschiedliche Zusammensetzung der insgesamt sechs Stats verändern.

Aber nicht nur das Äußere des Helden ändert sich mit der Verteilung der Stats. Auch die – wenn auch in der Vertonung unverständlichen – Dialoge passen sich an. Habt ihr also auf Charisma gesetzt, bekommt ihr unter Umständen mehr Antwortmöglichkeiten, aus denen ihr wählen könnt.

Wollt ihr zu Beginn mehr auf Muskelkraft setzen, ist das auch kein Grund zum Verzagen: Ihr könnt natürlich, wie es sich für ein Spiel mit Rollenspielelementen gehört, die einzelnen Werte im Spielverlauf aufwerten.

Kampf mit Waffen, Super-Wushu und Seifenblasen

Natürlich lauft ihr in Biomutant nicht unbewaffnet durch die Gegend, schließlich ist euch die Welt nicht gerade friedlich gesonnen. Entsprechend seid ihr sowohl mit Nah- als auch Fernkampfwaffen ausgestattet, um den Feinden eures Fellballs kräftig eins auf die Zwölf zu geben.

Doch das Waffenarsenal ist noch nicht alles: Ihr verfügt außerdem noch über den sogenannten »Super-Wushu«, der euch mit der ausgewählten Waffe einen besonders starken Angriff erlaubt. Entsprechend hat auch jede Waffe ihren eigenen Super-Wushu. Bei einer Fernkampfwaffe löst ihr beispielsweise Bullettime aus, im Nahkampf plättet ihr kleinere Gegner mit einem einzigen Schlag und größere Gesellen haben auch nichts mehr zu lachen.

Außerdem könnt ihr euch im Waffencrafting mit Upgrades austoben, um eurem felligen Rambo noch mehr Schlagkraft zu verleihen.

Ihr könnt zudem aber auch auf Seifenblasen als Waffe zurückgreifen. Damit überspringt ihr einerseits große Distanzen, andererseits bleiben aber auch Feinde daran kleben, wenn ihr auf sie springt. Wie in einem Laufrad könnt ihr sie dann mitführen – oder ihr springt nochmal und lasst die Gegner vom Aufprall in unterschiedliche Richtungen wegschleudern.

Flauschiger Weltenretter

in Biomutant bekommt ihr es natürlich nicht nur mit Gegnern in der Größe eures Charakters zu tun – das wäre schließlich zu einfach. Die meiste Zeit legt ihr euch mit Feinden an, die sich eigentlich lieber jemanden in ihrer eigenen Größe suchen sollten. Aber wenn ihr schon mal da seid, könnt ihr natürlich auch direkt aufräumen.

Fünf mal im Spiel müsst ihr euch dabei mit Viechern anlegen, die an den Wurzeln des Baums des Lebens nagen und ihn dadurch langsam zerstören. Diese Kämpfe sind dabei übrigens zumindest teilweise optional: Ihr müsst den Baum des Lebens nicht retten, um das Spiel zu beenden. Tut ihr das allerdings nicht, hat das selbsterklärend negative Auswirkungen auf die Welt.

Im Kampf mit großen Biestern könnt ihr auch einen Mech einsetzen, um den Größenunterschied wenigstens ein bisschen auszugleichen. Der beherrscht die gleichen Bewegungsabläufe wie euer felliger Krieger, kann aber zum Beispiel auch noch kleine Tierchen als Ablenkungen verschießen, was dann besondere Manöver erlaubt. Allerdings schützt auch der beste Mech euch nicht dafür, irgendwann zum Monstersnack zu werden und euch dann wieder nach draußen zu kämpfen.

Patricia Geiger

Fazit

Mich mit einem kleinen, felligen Badass durch die Welt kloppen und ballern - auf genau so ein Spiel habe ich schon lange gewartet, ohne es eigentlich zu wissen. Mit der Ankündigung von Biomutant 2017 wurde mir dann aber klar, wie sehr ich so was eigentlich schon immer haben wollte.

Umso gespannter war ich darauf, bei der Gamescom mehr über das Spiel zu erfahren und dann auch selbst Hand anlegen zu können. Das Kampfsystem fühlt sich schon sehr intuitiv an, auch wenn die Kamerasteuerung manchmal noch ein wenig hakelig ist. Davon mal abgesehen macht es aber jede Menge Spaß, sich durch die kaputte Welt von Biomutant zu prügeln.

Auch der Erzähler, der jede Handlung kommentiert, entlockt mir immer wieder ein Lachen. Ob das nach 20 Stunden immer noch so ist oder mich dann einfach nur noch nervt, kann ich jetzt natürlich noch nicht beurteilen, aber für die rund 20-minütige Demo hat es mich nicht gestört, ganz im Gegenteil.

Die Tatsache, dass mein Charakter sich mit Verteilung der Stats auch optisch ändert, ist ein schönes kleines Detail, das aber auch direkt für ein Dilemma sorgt: Baue ich mir den drolligst-möglichen Charakter oder einen Haudrauf, den ich aber lieber nur von hinten sehen will? Und färbe ich ihn eher dezent oder laufe in Neonfarben durch die Welt? Fragen über Fragen, die mich im Charaktereditor des fertigen Spiels wieder lächerlich viel Zeit kosten werden - und ich kann es kaum erwarten, daran zu verzweifeln.

Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.

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