Assassin’s Creed Odyssey: Frischer Wind im alten Griechenland

Assassin's Creed Odyssey will auf den Neuerungen vom Vorgänger Origins aufbauen. Wir konnten uns auf der Gamescom anschauen, wie sich das Griechenland-Abenteuer spielt.

  • von Patricia Geiger am 10.09.2018, 17:56 Uhr

Erst Ägypten, dann Griechenland: Die Assassin’s-Creed-Reihe macht mit den aktuellen Teilen die Antike unsicher. Assassin’s Creed Origins hat dabei der Meuchlerserie eine dringend notwendige Frischzellenkur verpasst, auf der Assassin’s Creed Odyssey nun ein Jahr später aufbauen will.

Wer sich Sorgen macht, dass die Spiele wieder im Jahresrhythmus veröffentlicht werden, kann sich beruhigt zurücklehnen. Origins und Odyssey wurden parallel entwickelt, daher kommen sie nun mit relativ kleinem Abstand auf den Markt. Eine Rückkehr zu alten Mustern soll aber nicht stattfinden.

Kassandra oder Alexios?

Zum ersten Mal in der Geschichte von Assassin’s Creed haben wir die Wahl, ob wir das komplette Spiel mit einem weiblichen oder männlichen Charakter bestreiten möchten. Weibliche Assassinen gab es natürlich auch schon mit Aveline de Grandpré, Evie Frye und zuletzt Aya, aber erstmals können wir ein Hauptspiel der Reihe ohne Unterbrechungen als Frau spielen.

Entsprechend haben wir uns in der Gamescom-Demo auch dafür entschieden, als Kassandra durch die Antike zu ziehen.

Assassin’s Creed Odyssey: Mehr Rollenspiel als Origins

Während Assassin’s Creed Origins schon jede Menge Rollenspiel-Elemente aufgewiesen hat, treibt Odyssey das sogar noch weiter. In der Gamescom-Demo wurden wir mit einem vollständig aufgelevelten Charakter ausgestattet, samt legendärer Ausrüstung.

Der Unterschied zu Origins ist deutlich: Im Ägypten-Abenteuer konnten wir lediglich festgeschriebene Ausrüstungsgegenstände aufwerten und nur die Waffen tauschen. Jetzt sind alle Slots frei belegbar und wir dürfen andere Rüstungsgegenstände einsetzen, die unserem Spielstil mehr entsprechen.

Hier wurde auch direkt die erste Änderung im Vergleich zu Origins deutlich: Die Ausrüstungsgegenstände gaben auch Boni auf Kassandras Fähigkeiten.

Mehr Auswahl bei den Fähigkeiten

Diese Fähigkeiten gehen auch weiter über das hinaus, was wir bisher so aus der Assassin’s-Creed-Reihe kennen. Statt dem üblichen Verbessern von Grundfähigkeiten wie der versteckten Klinge, gibt es nun komplett neue Fähigkeiten, mit denen wir Kassandra (bzw. Alexios) noch stärker machen können.

Dazu zählt unter anderem der Spartan Kick, der ja auch schon im ersten Trailer zum Griechenland-Ableger der Serie zu sehen war, aber natürlich auch noch zahlreiche weitere Fähigkeiten – sowohl für den Nah- als auch für den Fernkampf.

So kann der Bogen, wenn wir die entsprechende Fähigkeit auslösen, eine ganze Salve zeitgleich verschießen. Allerdings sind in Origins alle Fähigkeiten mit einem Cooldown verbunden. Es ist also nicht möglich, den Bogen als antike Shotgun zu verwenden und einfach alles über den Haufen zu ballern, was euch vor die Linse kommt.

Hinzu kommt natürlich auch noch eine extrem mächtige Fähigkeit – und das kennen wir schon aus Origins – die ihr erst mit der Zeit im Kampf aufladet. Sie kann euch in Bosskämpfen durchaus die Haut retten, wenn ihr sie im richtigen Moment einsetzt.

Die Qual der Dialogwahl

Rollenspielfans wissen: Wer bei Dialogen die Wahl hat, hat die Qual. Das trifft jetzt auch auf Assassin’s Creed Odyssey zu. Eine weitere Neuerung gegenüber dem Vorgänger ist, dass wir die Dialoge und damit auch die Geschichte selbst beeinflussen können. Wenn Kassandra oder Alexios jetzt also Blödsinn von sich geben, sind wir künftig selbst Schuld.

In der Gamescom-Demo haben wir insofern einen ersten Vorgeschmack auf das Dialogsystem bekommen, indem wir einen Auftrag hätten ablehnen können. Allerdings wollten wir die junge Bryce natürlich nicht dem Lynchmob überlassen und haben uns stattdessen mit ihr zusammen auf die Suche nach ihrer Liebschaft Ligeia gemacht. Wir konnten uns erstmal lang und breit den Sachverhalt erklären lassen, bevor wir dann endlich losgezogen sind, um nach der Vermissten zu suchen.

Keine Phylakes, dafür Söldner

In der offenen Welt von Assassin’s Creed Origins wurde Bayek ab einem bestimmten Punkt in der Geschichte von den Phylakes gejagt. Dabei handelte es sich um extrem starke Kämpfer, mit denen man es keinesfalls aufnehmen sollte, wenn man noch unter ihrem Level war.

Die gleiche Art Gegner gibt es es nun auch wieder in Assassin’s Creed Odyssey, allerdings heißen die schweren Brocken diesmal Söldner. Auch wenn der Name anders lautet, sind sie nicht weniger schwer zu besiegen, wie wir bei einem Zusammentreffen schmerzlich feststellen mussten. Die Söldner verlangen euch genauso Konzentration und den Einsatz von Fähigkeiten ab, wie es auch schon die Phylakes taten.

Im Gegensatz zu den Plagegeistern in Ägypten scheinen sie uns – zumindest so unser Eindruck von der Gamescom – nicht prinzipiell zu jagen, sondern nur, wenn wir vorher das Gesetz übertreten haben. Da es in einem Assassin’s-Creed-Spiel im Zweifel aber nicht allzu lange dauert, bis wir genau das tun, sollten wir uns schon mal warm anziehen und darauf einstellen, dass wir die Söldner öfter an den Hacken haben.

Ikaros: Gefiederter Helfer

Wie schon in Assassin’s Creed Origins ist auch in Assassin’s Creed Odyssey unser Protagonist nicht mit einer Adlersicht ausgestattet, sondern stattdessen mit einem echten gefiederten Freund. Diesmal heißt das Tier Ikaros und übernimmt für uns wieder die Aufgabe, feindliche Lager auszuspähen und von Gegnern bis zu Schätzen alles zu markieren. Auch diesmal können wir den Vogel wieder frei steuern und in der Luft verharren, um in aller Ruhe alles zu markieren, was uns feindlich gesinnt ist.

Seeschlachten mit mehr Tiefgang

Seeschlachten gab es in Origins zwar, allerdings handelte es sich dabei nur um kurze Sequenzen, für die wir auch den Spielcharakter wechseln mussten. In Assassin’s Creedy Odyssey werden sie wieder einen wichtigeren Teil des Gameplays einnehmen, vergleichbar mit Black Flag.

Daher ist es auch nur konsequent, dass wir nicht nur unseren Charakter mit unterschiedlicher Rüstung und Bewaffnung ausstatten, sondern auch das Schiff frei modifizieren dürfen. So können wir beispielsweise unterschiedliche Rammen einsetzen, um gegnerischen Schiffen mehr Schaden zuzufügen, wenn wir ihnen mit voller Fahrt in die Seite rauschen.

Hinzu kommt auch noch, dass wir unsere Crew ganz gezielt anheuern können, um uns dadurch Boni zu verschaffen. Bogenschützen haben dabei – eigentlich selbsterklärend – andere Vorteile als Haudraufs.

Patricia Geiger

Fazit

Nachdem Assassin's Creed Origins ein neues Kapitel in der Meuchlerreihe aufgeschlagen hat, ist Odyssey in allen Belangen eine konsequente Weiterentwicklung des in Ägypten gelegten Grundsteins. Auch wenn der Ausflug nach Griechenland ja eigentlich 500 Jahre vor der Geschichte von Origins spielt.

Was das Gameplay angeht, heißt es bei Odyssey nicht kleckern, sondern klotzen. Die neuen Fähigkeiten bieten viel mehr Möglichkeiten und Spielereien, um die Kämpfe zu bestreiten, allerdings fordert das Spiel entsprechend auch mehr ein. Wie ein Berserker in eine Gegnermenge rauschen ging schon in Origins schief und wird auch diesmal nicht gut enden.

Die Rückkehr der Seeschlachten in aufgebohrter Form ist eine willkommene Abwechslung zu den Kämpfen an Land und ich freue mich schon darauf, meinen Kahn nach meinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Schließlich kann ich über kosmetische Items meine Flagge selbst aussuchen und auch die Galionsfigur vorne festschrauben, die mir am besten gefällt.

Die einzigen Sorgenfalten treibt mir noch immer die Story von Assassin's Creed Odyssey auf die Stirn. Es erschließt sich mir noch immer nicht so ganz, wie sie in das bisher gelegte Fundament passen will - schließlich hat der direkte Vorgänger erst die Geburtsstunde der Assassinen-Bruderschaft thematisiert. In diesem Punkt bin ich auch nach der Gamescom nicht schlauer und hoffe, dass sich die Fragezeichen über meinem Kopf schon bald in Wohlgefallen auflösen.

Patricia Geiger
Patricia Geiger

Mit der ersten PlayStation ist Patricia den Videospielen verfallen und seitdem nicht mehr davon losgekommen, wobei ihr Herz nach wie vor den Konsolen gehört. Eigentlich dreht sich alles um Rollenspiele, Ego-Shooter und Action-Adventures, ab und an wagt sie sich aber auch an Rundenstrategie oder Jump'n'Runs.