Apex Legends vs. Fortnite: Nimmt Epic Games die Metro in den Exodus?

Epic Games hat es zur Zeit nicht leicht: Die Spieler rebellieren wegen Metro Exodus und Apex Legends klaut Fortnite die Spieler. Kann Epic jetzt einpacken?

  • von Oliver Schmiedchen am 13.02.2019, 16:41 Uhr
Apex Legends-Charaktere

Mit dem völlig unerwarteten Release von Apex Legends haben Titanfall-Entwickler Respawn Entertainment und Electronic Arts nicht nur uns Gamer überrascht, sondern auch Konkurrent Epic Games auf dem falschen Fuß erwischt – möglicherweise.

Apex Legends fordert Fortnite heraus

Eins ist klar: Apex Legends kam aus dem Nichts und schlug ein wie eine Bombe. Nur 72 Stunden nach dem Release des Free2Play-Shooters für PlayStation 4, Xbox One und PC verzeichnete der Titel insgesamt 10 Millionen Spieler, was selbst die Köpfe hinter dem Spiel überraschte. Das sind Zahlen, die selbst Fortnite alt aussehen lassen: Der Battle Royale-Krösus erreichte diese Zahl erst 2 Wochen nach seinem Erscheinen.

Epic Games bekommt also plötzlich unerwartete Konkurrenz – und das auch noch von einem Branchenriesen wie Electronic Arts. Das wirft Fragen auf. Sind die goldenen Zeiten von Fortnite vorbei? Wiederholt sich die Geschichte, nur mit umgekehrten Vorzeichen?

Denn vergessen wir nicht: Fortnite grub einst der ehemaligen Battle Royale-Nr. 1 PlayerUnknowns Battlegrounds erfolgreich das Wasser ab. So erfolgreich, dass die PUBG-Entwickler Epic Games sogar wegen Ideenklaus verklagten (was ziemlich absurd war, da sich PUBG selbst ausgiebig bei der ARMA2-Mod DayZ bediente).

Apex Legends: Strohfeuer oder echte Konkurrenz?

Ist Apex Legends also ein Fortnite-Killer, der Epic Games das Fürchten lehrt? Wahrscheinlich eher nicht. Denn die aktuellen Spielerzahlen des Titanfall-Ablegers sind zwar beeindruckend, aber am Ende nicht mehr als eine Momentaufnahme. Apex Legends hat derzeit den Hype auf seiner Seite, ob das aber so bleibt, bleibt abzuwarten.

Außerdem hat Apex Legends noch nicht einmal ansatzweise die Spielerzahlen eines Fortnite erreicht: Ende 2018 knackte Letzteres die Marke von insgesamt 200 Millionen registrierten Spielern (Apex Legends: 25 Mio.), und auch bei den gleichzeitigen Spielern sind die Rollen (noch) klar verteilt.

Der bisherige Rekord von Apex Legends liegt bei 2 Millionen simultan aktiven Gamern, während die Fortnite-Bestmarke bei satten 8,3 Millionen Spielern (im November 2018) liegt.

Apex Legends hat ohne Zweifel einen beeindruckenden Start hingelegt, allerdings hat Respawns Titel aus einem ziemlich einfachen Grund derzeit gar nicht genug Luft nach oben, um Fortnite wirklich gefährlich zu werden. Der Grund ist simpel: Fortnite ist auf so ziemlich allen Geräten, in denen ein Prozessor und ein Bildschirm verbaut ist, spielbar und verfügt sogar über globale Crossplay-Funktionalität. Apex Legends ist aktuell hingegen lediglich für PS4, Xbox One und PC erhältlich. Entspannt zurücklehnen kann sich Epic allerdings trotzdem nicht.

Hat sich Epic Games verkalkuliert?

Das liegt vor allem daran, dass Epic momentan nicht gerade beliebt in der Spielerschaft ist, nachdem das Unternehmen vor kurzem den Steam-Konkurrenten Epic Games Store an den Markt brachte. Die Tatsache, dass sich Epic vorerst die exklusiven digitalen Vertriebsrechte an Metro Exodus sicherte, brachte zahlreiche Gamer auf die Palme. Das Resultat: Ungehemmtes Review-Bombing älterer Metro-Spiele auf Steam.

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Mit einem derartigen Backlash hatten wohl weder Epic noch der Metro-Publisher Deep Silver gerechnet, zumal der Epic Games Store ja nicht zwingend schlecht für Spieler sein muss. Schließlich könnten digitale Spiele mittel- oder langfristig durch die neue Konkurrenzsituation zwischen Valve und Epic sogar billiger werden. Dazu müsste der Neuling dem Platzhirsch allerdings erst einmal so viele Spieler abluchsen, dass Valve sich zu einem Preiskampf genötigt sieht.

Epic Games kämpft also derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig darum, die Gunst der potentiellen Käuferschaft zurückzugewinnen – das hätte sich der Software-Riese vor einigen Wochen sicher in dieser Form noch nicht träumen lassen.

Goliath gegen Goliath

Wirklich existenzielle Sorgen machen muss sich Epic Games dennoch nicht. Ja, Electronic Arts besitzt eine außerordentlich große Marktmacht, das gilt für Epic aber genauso. Fortnite ist zwar aktuell ein kräftiges Zugpferd, aber längst nicht Epics einziges Standbein.

Das eigentlich primäre Standbein ist nach wie vor das Geld, das Epic mit der hauseigenen Unreal Engine verdient. Bei jedem Spiel, das den weit verbreiteten Grafikmotor benutzt, erhält Epic zwischen 5 und 12% der generierten Einnahmen – dafür ist die Engine für Entwickler kostenlos nutzbar. Angesichts der Beliebtheit und Vielseitigkeit der Unreal Engine, die z.B. in Gears of War 4 und 5, Life is Strange 2, Street Fighter V und Kingdom Hearts 3 zum Einsatz kommt, dürfte bei Epic in näherer Zukunft wohl kaum der Notstand ausbrechen.

Das ist auch gut so, schließlich können wir Spieler von einer gesunden Konkurrenz zwischen Epic und EA bzw. Fortnite und Apex Legends eigentlich nur profitieren: Beide Hersteller werden sich mächtig ins Zeug legen, um das attraktivere Battle Royale-Spiel in den eigenen Reihen zu wissen.

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Oliver Schmiedchen
Oliver Schmiedchen

Gamer aus Leidenschaft, dabei seit PlayStation 1-Zeiten. Aktuell zuhause auf Xbox One und in Sachen VR auf dem PC. Hält die SEGA Dreamcast für die beste Konsole aller Zeiten. Feiert Musik von Gucci Mane über Led Zeppelin bis Adam Beyer.

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