VR-Parallelwelten & die Blockchain: Auf dem Weg zur Bitcoin-OASIS

Virtual Reality und Kryptowährungen sind beide relativ junge Zukunftstechnologien mit großem Potential. Einige vielversprechende Projekte kombinieren beide Konzepte – und bringen uns virtuellen Parallelwelten wie der OASIS in Ready Player One erstaunlich nah.

  • von Oliver Schmiedchen am 31.05.2019, 14:25 Uhr
VR-Blockchain-Decentraland-Header

In Steven Spielbergs SciFi-Blockbuster Ready Player One verbringen die meisten Menschen ihre Zeit vornehmlich in der virtuellen Realität OASIS. Ernest Clines Zukunftsvision ist dabei längst nicht so futuristisch, wie es scheint. Das bezieht sich sowohl auf einige Aspekte von deren VR-Technologie als auch darauf, wie weit bereits aktuelle VR-Welten alle Lebensbereiche durchdringen.

In diesem Artikel erfahrt ihr:

  • Was die OASIS zu einem vollwertigen Paralleluniversum macht
  • Wie Blockchain und Bitcoin funktionieren
  • Warum Kryptowährungen perfekt zu virtuellen Realitäten passen
  • Welche Risiken das digitale Geld mit sich bringt
  • Wie Decentraland schon heute eine echte OASIS erschafft
  • Wovon der Erfolg solcher VR-Parallelwelten abhängt
  1. Die OASIS: Eine nicht nur virtuelle Realität
  2. Exkurs: Blockchain, Bitcoin & Co.
  3. Warum Kryptowährungen so gut zu VR-Parallelwelten passen
  4. Decentraland: MANA statt Dollars
  5. Kryptowährungen: Hohes Risiko, fragwürdiger Wert
  6. Wird Ready Player One bald Realität?
  7. Wie in der OASIS: Unternehmen, Spiele, wertvolle Items
  8. Ist die Welt bereit für eine reale OASIS?

Die OASIS: Eine nicht nur virtuelle Realität

VR-Software wie SANSAR oder VRChat zeigt uns bereits heute, was mit aktueller Technologie im Hinblick auf eine OASIS bereits möglich ist. Nutzergenerierter Content und soziale Interaktion sind zwei der Eckpfeiler der Zukunftsvision, die Ready Player One zeichnet. Einen dritten wichtigen Aspekt decken diese Apps allerdings nicht ab: Die OASIS ist nämlich auch in finanzieller Hinsicht ein eigenständiger Mikrokosmos.

Die virtuelle Realität ist dort für Menschen zwar auch ein Unterhaltungsmedium, aber nicht ausschließlich. Dort virtuelles Geld zu scheffeln, um sich bessere virtuelle Gegenstände und Ländereien leisten zu können, gehört ebenfalls dazu. Zu diesem Zweck können Nutzer entweder Quests erfüllen, oder in der OASIS einer „echten“ Arbeit, zum Beispiel als Lehrer, nachgehen.

Aber auch auf die reale Welt hat der OASIS-Kontostand Auswirkungen – mit der digitalen Währung lassen sich nämlich sogar handfeste Waren und Dienstleistungen von der Pizza bis zur Miete bezahlen. Das macht die Credits in Ready Player One sogar wertvoller als den Dollar oder Euro.

Exkurs: Blockchain, Bitcoin & Co.

Und genau hier kommen Kryptowährungen wie der Bitcoin, Ethereum oder Ripple ins Spiel. Dabei handelt es sich stark vereinfacht gesagt um digitales Geld, das hierzulande (noch) keinen staatlichen Regulierungen unterliegt und nicht zentral verwaltet wird. Das heißt: Im Kryptowährungs-Kosmos gibt es keine Notenbanken, die z.B. die verfügbare Geldmenge steuern können.

Von den digitalen Münzen existiert (meist) eine begrenzte Maximalmenge. Diese künstliche Knappheit ist eine der Eigenschaften, die ihnen einen (zumindest theoretischen) Wert verschafft. Erhalten können wir sie entweder durch „Schürfen“ (sogenanntes Mining, wobei wir im Prinzip Computer eine komplizierte mathematische Gleichung lösen lassen), oder in Internet-Börsen im Tausch gegen Echtgeld.

Kryptocoin-Transaktionen werden in einer sogenannten Blockchain verschlüsselt gespeichert und gleichzeitig verifiziert. Jeder Kauf oder Verkauf bildet ein neues Glied in der Kette und wird mit vorherigen Vorgängen abgeglichen. Dieses System macht Manipulationen unmöglich, da jede Transaktion auf der Gesamtheit vorheriger Transaktionen aufbaut. Ein „fehlendes Glied“ würde also sofort von anderen Transaktionen enttarnt.

Dadurch überprüft sich das Blockchain-System quasi ständig selbst und ist theoretisch fälschungssicher, was ein wichtiges Kriterium für die Vertrauenswürdigkeit ist. Das Konzept ist also wie gemacht für Finanzprodukte, aber auch unzählige weitere Anwendungsmöglichkeiten sind denkbar.

Eine weitere Eigenschaft von Kryptowährungen ist das Maß an Anonymität, das die meisten von ihnen bieten. Die „Wallets“, also die digitalen Brieftaschen in denen Kryptocoins gespeichert werden, können nämlich anders als Bankkonten oder Kreditkarten keinem bestimmten Nutzer zugeordnet werden.

Warum Kryptowährungen so gut zu VR-Parallelwelten passen

Solches digitales Geld existiert sozusagen in einem eigenen Mikrokosmos, der vor allem durch das Vertrauen der Marktteilnehmer in die entsprechende Kryptowährung existieren kann. Etwas ganz ähnliches trifft auf virtuelle Parallelwelten zu: Diese können nur funktionieren, wenn genügend Nutzer sie als das Paralleluniversum akzeptieren.

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Was läge also näher, als beide Konzepte zu kombinieren? Schließlich ist es das ja auch nur konsequent, eine alternative Realität benötigt natürlich auch ein eigenes, unabhängiges Finanzsystem. Denn nur, wenn eine solche Parallelwelt von A bis Z in sich stimmig ist, ist sie am Ende auch glaubwürdig und funktional.

Decentraland: MANA statt Dollars

Und tatsächlich arbeiten Entwickler bereits an genau solchen Welten, die weit über den puren Spielecharakter von z.B. VRChat hinausgehen. Ein Beispiel dafür ist Decentraland – eine virtuelle Realität, die auf Blockchain-Technologie basiert und mit VR-Brillen wie Oculus Rift S oder HTC Vive zugänglich sein wird.

Das ökonomische System von Decentraland wird auf einer eigenen Kryptowährung fußen, die die Köpfe hinter dem Projekt bereits erfolgreich (Krypto-Hype sei Dank) in Umlauf gebracht haben. MANA basiert auf der Ethereum-Blockchain und ist seit Mitte 2017 auf dem Markt.

Beim Initial Coin Offering (ICO) wurde MANA im Gegenwert von 25 Millionen US-Dollar in Umlauf gebracht. Stand heute (31.05.2018) beträgt die Marktkapitalisierung laut coinmarketcap 59 Millionen $.

Solche auf den ersten Blick beeindruckenden Zahlen sind allerdings im Kryptowährungsbereich mit äußerster Vorsicht zu genießen. Denn zwar funktioniert ein ICO von der Vorgehensweise her ähnlich wie ein Börsengang eines realen Unternehmens (Initial Public Offering, IPO), es gibt aber auch einen wichtigen Unterschied.

Hohes Risiko, fragwürdiger Wert

Bevor ein Unternehmen an die Börse gehen darf, muss es zunächst zahlreiche nach außen hin transparente Kriterien erfüllen. Zudem müssen die Aktionäre über alle Unternehmensvorgänge, die Einfluss auf den Aktienkurs haben, umgehend informiert werden und vieles mehr.

Derartige Regulierungsinstrumente fehlen im bei Kryptowährungen völlig, was Betrügereien Tür und Tor öffnet. Längst nicht hinter jedem ICO steckt auch eine ernsthafte Geschäftsidee – das ist einer der Gründe dafür, dass Facebook seit einiger Zeit keine Werbung für ICOs mehr zulässt.

Zudem sind Kryptowährungen derzeit vor allem Spekulationsobjekte, die eine extrem hohe Volatilität (Schwankungsbreite) in ihrem Wert aufweisen, wie es z.B. am turbulenten Verlauf des Bitcoin- und auch des MANA-Preises gut zu sehen ist: Das Alltime-High für ein MANA lag Anfang 2019 bei knapp 29 Dollar-Cent, knapp 6 Monate später ist der Preis demgegenüber um fast 80% (!) gefallen.

Totzdem hat MANA bereits vor dem Release von Decentraland einen (wenn auch potentiell heftigen Kursschwankungen unterworfenen) „realen“ Gegenwert. Über entsprechende Kryptowährungs-Börsen kann es wieder in gesetzliche Zahlungsmittel wie Dollar oder Euro eingetauscht werden, was sie von reinen Spielwährungen aus herkömmlichen Videospielen deutlich abgrenzt.

Da Decentraland verschieden Möglichkeiten bieten will, MANA zu verdienen und auszugeben, sind wir in dieser Hinsicht schon recht nah an der OASIS. Wenn auch über Umwege sollte es dadurch auch in Decentraland möglich sein, reale Güter mit der „Spielwährung“ zu kaufen.

Wird Ready Player One bald Realität?

Soviel zur finanziellen Seite. Aber wie sieht das „Spielkonzept“ von Decentraland genau aus? Ähnlich wie in Earnest Clines OASIS soll Decentraland eine frei begehbare virtuelle Realität werden, in der es echte Eigentumsverhältnisse gibt. In der LAND genannten Spielumgebung gibt es eine begrenzte Anzahl von Grundstücken in thematisch und geografisch abgegrenzten Gebieten, die sich Nutzer in Auktionen bereits heute im Tausch gegen MANA sichern können.

Mithilfe entsprechender Entwicklertools sollen Käufer diese Grundstücke in Zukunft frei bebauen können, um andere Nutzer zu unterhalten und/oder Profite zu erzielen. Ein Beispiel: Ikea könnte in einem Handelsdistrikt eine VR-Filiale bauen, die Decentraland-User mit ihren Avataren in Virtual Reality besuchen können. Dort schauen sie sich Möbel an, kaufen bei Gefallen ein Produkt für MANA und lassen es sich in ihr echtes Zuhause liefern.

Ebenso denkbar wären VR-Vergnügungsparks oder Casinos, und auch an einen Rotlichtdistrikt für VR-Erwachsenenunterhaltung haben die Entwickler gedacht. Der Besuch von VR-Konzerten oder Autohäusern, bei denen wir virtuelle Testfahrten machen können, sollen ebenfalls realisierbar sein.

MANA verdienen sollen dabei übrigens nicht nur die Grundstückseigner selbst, sondern auch diejenigen, die die Fähigkeit besitzen, ansprechende 3D-Umgebungen zu gestalten oder Spielerfahrungen zu entwickeln. Dafür gibt es mit Ethlance bereits ein Blockchain-basiertes „Jobportal“, wo VR-Architekten, Spiel-Designer und Auftraggeber zusammenkommen können.

Wie in der OASIS: Unternehmen, Spiele, wertvolle Items

Spielerfahrungen? Ganz richtig, denn wie in der OASIS sollen auch Videospieler in Decentraland auf ihre Kosten kommen.

Zum Beispiel soll das ganz offensichtlich von Pokémon inspirierte Blockchain-basierte Etheremon in Decentraland in VR spielbar sein. Das Besondere: Wir sollen die digitalen Monster nicht nur trainieren und kämpfen lassen, sondern sie auch mit anderen Nutzern tauschen oder an sie verkaufen können.

Damit wären wir bei den sogenannten Crypto-Collectibles. Diese funktionieren ähnlich wie Artefakt-Items in der OASIS aus Ready Player One. Das sind virtuelle Gegenstände, die in der entsprechenden VR-Parallelwelt extrem selten (oder sogar einzigartig) sind und ebenso einzigartige Fähigkeiten besitzen können. Solche Crypto-Collectibles haben durch ihre Seltenheit und ihre Features potentiell einen besonder hohen Wert.

Spiele wie Etheremon können zudem nicht nur abgegrenzt vom Rest der Decentraland-Welt existieren. Grundstückseigner sollen zum Beispiel die Möglichkeit erhalten, seltene Etheremon auf ihrem Grund und Boden zu platzieren, um Spieler und damit potentielle Kunden in ihre virtuellen Geschäftsräume zu locken.

Das ist aber nur ein Beispiel für VR-Spiele in Decentraland, der Fantasie der Gamedesigner sollen nur wenige Grenzen gesetzt sein. Besonders die Verschmelzung von reinen Spielerfahrungen und der restlichen virtuellen Realität machen solche digitalen Welten reizvoll.

Dazu kommt die Möglichkeit, auf verschiedenste Art und Weise Werte zu erschaffen und Geld verdienen zu können, ob als Spieler, Kreativer oder Unternehmer – so könnte die VR-Parallelwelt der (nahen) Zukunft durchaus aussehen.

Ein genaues Releasedatum für den spielbaren Decentraland-Client gibt es allerdings noch nicht. Mit VoxelusCeek und GazeCoin befinden sich weitere ähnliche Projekte in Entwicklung.

Ist die Welt bereit für eine reale OASIS?

Ob sich derartige Parallelwelten letztlich durchsetzen werden, hängt von mehreren Faktoren ab. Die technische Machbarkeit ist einer davon, mindestens genauso wichtig ist am Ende aber, wie gut die potentiellen Nutzer diese Angebote annehmen – und wie viele Nutzer sich überhaupt finden.

Ohne eine genügend große Marktdurchdringung sind Decentraland und Co. zum Scheitern verurteilt. Dazu muss VR zunächst zu einem allseits akzeptierten und genutzten Massenmedium werden. Bis dahin wird noch einige Zeit ins Land gehen, auch wenn die Einstiegshürden dank Headsets wie der neuen Oculus Quest niedriger werden.

Selbiges gilt für das finanzielle Gerüst, auf dem die digitalen Welten stehen. Denn nur, wenn sich genügend User regelmäßig in einer solchen alternativen Realität aufhalten und die dort geltende Kryptowährung stark genug ist, kann ein solches Konstrukt Erfolg haben.

„Stark“ bedeutet in diesem Fall: Erhalten die Nutzer subjektiv bemessen einen angemessenen Gegenwert für ihre Coins? Sind sie bereit, für diese zu „arbeiten“? Können Sie die Kryptowährung auch gegen reale Güter bzw. Echtgeld in einem lohnenswerten Maß eintauschen?

Das alles sind Fragen, auf die es aktuell noch keine wirklichen Antworten gibt. Die Zeit wird zeigen, ob ambitionierte Projekte wie Decentraland schon heute funktionieren oder ob sie ihrer Zeit vielleicht noch zu weit voraus sind.

Es ist trotz alldem erstaunlich, wie viel näher uns die Kombination von Blockchain-Technologie und VR einer echten OASIS bringt. Ob eine solche virtuelle Parallelwelt ein erstrebenswertes Ziel ist, steht allerdings noch auf einem ganz anderen Blatt.

Besucht uns auf Facebook und Instagram und diskutiert mit uns über eure Lieblingsspiele.

Oliver Schmiedchen
Oliver Schmiedchen

Gamer aus Leidenschaft, dabei seit PlayStation 1-Zeiten. Aktuell zuhause auf Xbox One und in Sachen VR auf dem PC. Hält die SEGA Dreamcast für die beste Konsole aller Zeiten. Feiert Musik von Gucci Mane über Led Zeppelin bis Adam Beyer.

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